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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Verbesserung des Schienenverkehrs im östlichen Ruhrgebiet (G-SIG: 13011875)

Veraltete S-Bahn-Planungen, Kosten, Alternative

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Verkehr

Datum

11.09.1996

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/546226. 08. 96

Verbesserung des Schienenverkehrs im östlichen Ruhrgebiet

der Abgeordneten Albert Schmidt (Hitzhofen), Irmingard Schewe-Gerigk und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die heute existierende S-Bahn-Linie 4 von Unna über Dortmund nach Lütgendortmund soll laut Planungen aus dem Jahr 1972 über Dortmund-Bövinghausen und Castrop-Rauxel nach Herne verlängert werden. Damit sollen die Verkehrsverhältnisse im östlichen Ruhrgebiet erheblich verbessert werden.

Ungeachtet dessen zeichnet sich bis heute aber keine konkrete Realisierung dieser Planungen ab. Den Beteuerungen 'der Bahn, sie halte an der S 4-Planung fest, stehen enorme Kosten gegenüber, die allein bei einem in Lütgendortmund erforderlichen Tunnel rd. 100 Mio. DM und insgesamt bei der Trasse infolge zahlreicher Neu- und Ausbaumaßnahmen mehr als 150 Mio. DM betragen würden. Zudem würde der Weiterbau der S 4 den Menschen in den erschlossenen Wohngebieten keinen verkehrstechnischen Vorteil bringen. Nachteilig wirke sich hingegen aus, daß die Dortmunder Innenstadt über den Hauptbahnhof nicht mehr direkt zu erreichen ist.

Allerdings gibt es die Alternative des Ausbaus der Emschertalbahn, die eine ähnliche Verkehrsbedienung wie die geplante S 4 leisten kann. Erforderlich wäre in diesem Fall nur ein Ausbau der Strecke und eine Erhöhung der Taktfrequenz:

  • Bislang wird die Strecke von veralteten Dieseltriebwagen bedient. Von der Industrie neu entwickelte leichtere Fahrzeuge kommen nicht zum Einsatz;
  • die Emschertalbahn verkehrt im Augenblick nur stündlich, was weder den Bedürflüssen der Fahrgäste noch dem Bevölkerungspotential entlang der Strecke - im dichtbesiedelten Ruhrgebiet - entspricht;
  • aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung der Strecke entspricht die Fahrzeit nicht einem modernen Betrieb.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:

Fragen10

1

Wie beurteilt die Bundesregierung die aus dem Jahr 1972 stammenden S-Bahn-Planungen, insbesondere im Hinblick auf den Zeitrahmen einer konkreten Realisierung?

2

Welche Kosten fallen voraussichtlich bei Realisierung dieser Planungen an?

3

Welchen Anteil dieser Kosten würde der Bund übernehmen?

4

Welche Betriebskosten würden für den Aufgabenträger beim Betrieb der S-Bahn jährlich anfallen?

5

Ist der Bundesregierung die Alternative des Ausbaus der Emschertalbahn bekannt?

6

Welche Baukosten sind für die Modernisierung dieser Strecke zu veranschlagen?

7

Welche Betriebskosten sind für den Betrieb dieser Strecke zu veranschlagen, wenn man

a) einen Betrieb mit modernem Zugmaterial, z. B. mit dem neu entwickelten „Talent" der Firma Talbot, unterstellt?

b) Falls keine konkreten Zahlen vorliegen: Welche Kosten fallen bei der Modernisierung und bei dem Betrieb vergleichbarer Strecken an?

8

a) Wie bewertet die Bundesregierung die Möglichkeit, veraltete und teure S-Bahn-Planungen durch angepaßte Modernisierungen von Schienenstrecken und den Einsatz modernen Zugmaterials zu ersetzen?

b) Was unternimmt die Bundesregierung, um ihren Einfluß auf die Länder bzw. auf das Bundesunternehmen DB AG in diesem Sinne geltend zu machen?

c) Wie bewertet die Bundesregierung die Umwelt- und industriepolitischen Auswirkungen einer auf diese Weise effizienter gestalteten Schienennetzausbauplanung?

9

Welche Auslastung verzeichnet gegenwärtig die Emschertalbahn, und stimmt die Bundesregierung unserer Meinung zu, daß der Betrieb dieser Strecke im größten deutschen Ballungsraum angesichts des Zustandes der Strecke, der eingesetzten Fahrzeuge und des Bedienungsangebotes weder zeitgemäß noch für den Fahrgast attraktiv erfolgt?

10

Wie bewertet die Bundesregierung die Zukunft der Emschertalbahn ohne Modernisierungsmaßnahmen?

Bonn, den 23. August 1996

Albert Schmidt (Hitzhofen) Irmingard Schewe-Gerigk Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion

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