Bundeswehr-Liederbuch „Kameraden singt"
der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste
Vorbemerkung
Um die offensichtlich fehlende Moral der Truppe mit soldatischem Liedgut aufzurüsten, hat die Bundeswehr ein neues Liederbuch an die Soldaten verteilt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Will die Bundeswehr mit Liedtext-Zeilen wie „Unsere Linke an dem Schwerte, in der rechten einen Spieß, kämpfen wir, so weit die Erde, bald für das und bald für dies" , die Soldaten auf ihre Aufgabe als „Blauhelme" vorbereiten?
Treffen Meldungen des niedersächsischen Radiosenders FFN zu, nach denen Aggressivität und Schlägereien in bundesdeutschen Kasernen zunähmen?
Ist es falsch anzunehmen, bei dem in der Textzeile erwähnten „Spieß" könnte es sich um einen als Spieß bezeichneten Bundeswehrangehörigen handeln?
Warum hat das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) die Hereinnahme des umstrittenen, 1934 von einem Offizier der Reichswehr verfaßten Textes des „Panzerliedes" in das Liederbuch verteidigt?
Was versteht das BMVg unter „Panzergeist" und „soldatischer Tradition"?
Was gefällt dem BMVg an Zeilen wie „Mit donnerndem Motor, so schnell wie der Blitz, dem Feinde entgegen, im Panzer geschützt", obgleich das Ministerium sicher weiß, daß weder ein Panzer so schnell wie der Blitz ist als auch, daß kein Soldat in einem Panzer geschützt ist?
Ist es der Bundesregierung peinlich, wenn die Soldaten singen sollen „Voraus den Kameraden im Kampf ganz allein, so stoßen wir tief in die feindlichen Reih'n", wo doch Mitglieder der Bundesregierung immer wieder mit Stolz auf die Bundesrepublik Deutschland als „Kulturnation" verweisen?
Welche „konservativen Politiker" haben — nach Aussagen des Verlages — darauf gedrungen, daß auch die ersten beiden Strophen des „Deutschlandliedes" in den Sammelband aufgenommen werden?
Wozu ist nach Meinung des BMVg das Absingen von kriegstreibenden, nationalistischen, heimatkitschigen und sexistischen Liedern überhaupt gut?