Erhalt nautischer Qualifikationen für die deutsche Seewirtschaft
der Abgeordneten Dr. Margrit Wetzel, Klaus Daubertshäuser, Gerd Andres, Robert Antretter, Thea Bock, Dr. Marliese Dobberthien, Freimut Duve, Dr. Peter Eckardt, Carl Ewen, Elke Ferner, Arne Fuhrmann, Monika Ganseforth, Norbert Gansel, Günter Graf, Hans-Joachim Hacker, Klaus Hasenfratz, Reinhold Hiller (Lübeck), Lothar Ibrügger, Gabriele Iwersen, Dr. Ulrich Janzen, Ernst Kastning, Volkmar Kretkowski, Hinrich Kuessner, Dr. Christine Lucyga, Heide Mattischeck, Ulrike Mehl, Albrecht Müller (Pleisweiler), Dr. Edith Niehuis, Dr. Rolf Niese, Manfred Opel, Peter Paterna, Siegfried Scheffler, Ernst Schwanhold, Bodo Seidenthal, Antje-Marie Steen, Dr. Peter Struck, Margitta Terborg, Ernst Waltemathe, Berthold Wittich, Hans-Ulrich Klose und der Fraktion der SPD
Vorbemerkung
Die Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs auf den Bundeswasserstraßen erfordert, daß Schiffe unterschiedlichster Größenordnungen und Standards in den nautisch anspruchsvollen Revieren der Bundeswasserstraßen sicher geführt werden müssen. Dazu trägt ganz wesentlich die Lotsenannahmepflicht bei. Da Engpässe in der Nachwuchssicherung nicht nur im Lotswesen, sondern im gesamten Sekundärbereich der Seewirtschaft bekannt und zeitlich abzusehen sind, muß der Bund seiner Verantwortung für die Sicherheit auf den Bundeswasserstraßen und damit zugleich für die Vorhaltung des Lotswesens und der qualifizierten Landradarberatung gerecht werden.
Fragen der Nachwuchssicherung, der Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen auch unter Berücksichtigung des maritim-technischen Fortschritts rechtzeitig gestellt und geklärt werden.
Wir stellen in diesem Zusammenhang folgende Fragen an die Bundesregierung:
Fragen14
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Nachfrage nach qualifiziert ausgebildeten Nautikern aus den Bereichen Reedereien, Lotswesen, Hafenwirtschaft, Behörden und Verwaltungen über den Zeitraum der letzten zehn Jahre sowie prognostizierend für das Jahr 2000?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Attraktivität nautischer Berufe und die Bereitschaft von Schulabgängern, einen seemännischen Beruf zu ergreifen?
Welche Rolle kommt nach Auffassung der Bundesregierung dem nautischen Nachwuchs im „Verkehrssicherheitssystem Deutsche Küste - 2000" zu?
Hält die Bundesregierung es für notwendig, daß Lotsen mindestens die theoretische und praktische Qualifikation haben müssen, die für den Kapitän des jeweils größten gelotsten Schiffes erforderlich ist, und wie ist eine solche höchste nautische Qualifikation zukünftig sicherzustellen?
Müssen Lotsen den Schiffsbetrieb in seiner vollen Komplexität beherrschen? Welche praktischen Ausbildungen und Erfahrungen sind dafür unverzichtbar?
Hält die Bundesregierung den Bestand der Seefahrtschulen/-studien-einrichtungen für gewährleistet, und falls nein, warum nicht?
Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Umfang zukünftig notwendiger Investitionen in moderne Ausbildungstechnik im nautischen Bereich?
Wie lange wird es vermutlich dauern, bis sich weltweit in der Seeschiffahrt moderne Sicherheitstechniken (GPS, elektronische Seekarte u. a) durchgesetzt haben?
Hat die Bundesregierung Anhaltspunkte, ob sich weltweit auch der Ausbildungs- und Qualifikationsstandard der Schiffsführungen zeitgleich angemessen an den technischen Fortschritt anheben wird?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, Qualifikationsnachweise und Ausbildungsanerkenntnisse ausländischer nautischer Ausbildungseinrichtungen angemessen zu überprüfen?
Hat die Bundesregierung konkrete Erkenntnisse, ob die internationale Seeschiffahrt, die zu 80 % an den Verschiffungen über deutsche Häfen beteiligt ist, bereit wäre, auf die Dienstleistung revierkundiger Lotsen an Bord ihrer Schiffe in den engen Bundeswasserstraßen zu verzichten, und wenn ja, unter welchen technischen und personellen Voraussetzungen?
Hält die Bundesregierung es für erforderlich, zur Sicherung des nautischen Nachwuchses im Sekundärbereich — speziell im Bereich der Verantwortung des Bundes für die Sicherheit der Bundeswasserstraßen — gesetzliche Rahmenbedingungen im Bereich der Ausbildung, der Fort- und Weiterbildung zu ändern oder neu zu schaffen, und wie schnell müßte dies geschehen?
Welche möglichen Ausbildungsunterschiede hielte die Bundesregierung im Verhältnis „Lotsberatung an Bord" versus „Landradarberatung" für vertretbar oder sinnvoll?
Wie beurteilt die Bundesregierung das vom Bundesverband der See- und Hafenlotsen e. V. (BSHL) vorgelegte Konzept zur Sicherung eines auch in Zukunft funktionierenden Lotswesens?