Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
12. Wahlperiode
Drucksache 12/7026
09. 03. 94
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Klaus-Dieter Feige
und der Gruppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
— Drucksache 12/6800 —
Verkauf der Regionalbusgesellschaften
Im Dezember 1992 kündigte der damalige Vorstandsvorsitzende der
Deutschen Bahnen, Heinz Dürr, an, die Bahn werde die Absicht zum
Verkauf der Regionalbusgeseilschaften nochmals überprüfen. Unter
Mitarbeit der C&L Treuarbeit Deutsche Revision, Frankfurt/M., wurde
eine monetäre Bewertung der Synergieeffekte auf Basis der
Erfolgsrechnung für den Schienenpersonennahverkehr der DB und der
Geschäftsergebnisse der Busgesellschaften vorgenommen. Die Untersuchung
kommt zu dem Ergebnis, daß der Verbleib der
Regionalbusgesellschaften innerhalb der DB AG gegenüber einer Veräußerung
betriebswirtschaftlich von Vorteil wäre. Die Antwort der Bundesregierung vom
2. März 1993 auf die Fragen 156 und 157 des Abgeordneten Dr. Klaus
-
Dieter Feige hinsichtlich der Betriebsergebnisse der einzelnen
Regionalbusgesellschaften läßt erkennen, daß, von zwei Ausnahmen abgesehen,
alle Regionalbusgeseilschaften im Geschäftsjahr 1991 positive
Betriebsergebnisse zu verzeichnen hatten. Dennoch beschloß der Vorstand der
Deutschen Bahnen am 16. Dezember 1993, die bundesweit 17
Regionalbusgesellschaften innerhalb von drei Jahren zu verkaufen.
1. Welche Betriebsergebnisse und Anlagevermögen wiesen die
einzelnen Regionalbusgesellschaften in den Jahren 1992 und 1993 jeweils
aus?
Die unter dem Dach der Bahnbus-Holding GmbH, Frankfurt/
Main, zusammengefaßten 17 regionalen Busgesellschaften, die
nur in den alten Bundesländern tätig sind, wiesen zum 31.
Dezember 1992 folgende Betriebsergebnisse und Anlagewerte aus:
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 7. März
1994 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich — in kleinerer Schrifttype — den Fragetext.
Drucksache 12 /7026 Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode
Gesellschaft Betriebs
-
ergebnis
TDM
Anlage
vermögen
TDM
Davon Kraft
omnibusse
TDM
Busverkehr Rhein-Neckar GmbH, BRN 9 572 11 010 8 748
Busverkehr Ostwestfalen GmbH, BVO 3 336 12 155 10 259
Busverkehr Rheinland GmbH, BVR — 2 964 4 209 3 687
Omnibusverkehr Rhein-Nahe GmbH, ORN 2 823 12 872 11 038
Omnibusverkehr Franken GmbH, OVF 15 245 14 207 11 784
Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH, RAB 21 395 13 964 11 717
Regionalbus Braunschweig GmbH, RBB 2 001 11 827 9 348
Regionalbus Ostbayern GmbH, RBO 2 816 7 955 7 040
Regionalbus Stuttgart GmbH, RBS 7 096 21 144 19 571
Regionalverkehr Kurhessen GmbH, RKH 8 895 19 257 17 820
Rhein-Mosel Verkehrsgesellschaft mbH, RMV 8 483 8 530 7 172
Regionalbus Saar-Westpfalz GmbH, RSW 3 478 7 208 4 435
Regionalbusverkehr Südwest GmbH, RVS 5 327 14 965 13 388
Südbadenbus GmbH, SBG 6 124 21 219 12 043
Verkehrsgesellschaft mbH Untermain, VU — 451 10 246 9 691
Westfalen Bus GmbH, WB — 1 919 17 860 16 740
Weser-Ems Busverkehr GmbH, WEB 1 311 24 412 9 723
Summe 92 568 233 040 184 204
Der Jahresabschluß für 1993 liegt noch nicht vor.
2. Wie bewertet die Bundesregierung die oben genannte Untersuchung
der betriebswirtschaftlich wirksamen Synergieeffekte von
Regionalbusgesellschaften und Schienenpersonennahverkehr vor dem
Hintergrund der nun getroffenen Verkaufsentscheidung?
Die in der genannten Untersuchung nur überschläglich monetär
bewerteten Synergieeffekte sind nicht substantiiert. Es fehlt
insbesondere eine nachvollziehbare Darlegung, worin zusätzliche,
über die in der Vergangenheit hinaus etwa erzielten Synergien
liegen sollen.
3. In welcher Form und zu welchen Zeitpunkten hat die
Bundesregierung auf den Vorstand der Deutschen Bahnen eingewirkt, den o. g.
Beschluß vom 16. Dezember 1993 zu fassen?
Mit Schreiben vom 2. Dezember 1993 hat Minister Matthias
Wissmann den Vorstand der ehemaligen Deutschen Bundesbahn von
der unveränderten Absicht des Bundesministers für Verkehr
sowie der Bundestagsfraktionen der Koalitionsparteien
unterrichtet, die Busgesellschaften der DB zu veräußern. Dabei hat er
insbesondere auf den Beschluß der Bundesregierung vom 2.
September 1993 über den „Bericht der Bundesregierung zur
Zukunftssicherung des Standortes Deutschland" (Drucksache
12/5620, Seite 51) hingewiesen. Der Vorstand der ehemaligen
Deutschen Bundesbahn hat sich gegenüber Minister Matthias
Wissmann verpflichtet, die in den Konzernkreis der Deutsche
Bahn Aktiengesellschaft übergegangenen Busgesellschaften
innerhalb von drei Jahren zu veräußern.
4. Welche verkehrs- und ordnungspolitischen Gründe haben seitens
der Bundesregierung dazu geführt, auf den o. g. Beschluß
einzuwirken?
Die von der Bundesregierung beabsichtigte Veräußerung der
Busgesellschaften entspricht ihrer verkehrs- und ordnungspolitischen
Zielsetzung, den Wettbewerb auch auf ÖPNV-Anbieterseite zu
fördern.
5. Kann die DB AG einzelne Regionalbusgesellschaften isoliert
verkaufen oder ist der Erwerb eines Regionalbusunternehmens an den
gleichzeitigen Erwerb des jeweiligen regionalen
Schienenpersonennahverkehrs zwingend gekoppelt?
Die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft kann die Regionalbus
-gesellschaften einzeln verkaufen.]