Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
11. Wahlperiode
Drucksache 11/5301
03.10.89
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Flinner, Frau Rock und der Fraktion
DIE GRÜNEN
— Drucksache 11/5154 —
Verlagerung von Flugbenzin-Transporten von der Bahn auf die Straße
Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der
Verteidigung hat mit Schreiben vom 29. September 1989 die
Kleine Anfrage namens der Bundesregierung wie folgt
beantwortet:
Die Bundeswehr läßt in einem jährlichen Transportvolumen von drei
Millionen Litern Flugbenzin zum Heeresflugplatz nach Niederstetten
(Main-Tauber-Kreis) statt auf der Schiene mit Kesselwagen neuerdings
vom NATO-Tanklager Boxberg mit Tanklastwagen auf der Straße
transportieren.
Begründet wird diese Entscheidung mit höherer Umweltsensibilität der
Bevölkerung, da für die Umladung des Benzins auf dem Bahnhof
Niederstetten keine Auffangbecken für eventuell auslaufendes Benzin
vorhanden sind.
1. Ist der Bundesregierung bekannt, daß seit Anfang August 1989 die
Flugbenzin-Transporte für den Bundeswehr-Heeresflugplatz in
Niederstetten von der Bahn auf die Straße verlagert wurden?
2. Wenn ja, wie beurteilt die Bundesregierung diese Tatsache, und wie
paßt dies zu dem Bemühen der Bundesregierung, Güter,
insbesondere Gefahrgüter, auf die Schiene zu verlagern?
3. Die genannte Verlagerung soll aus umweltschutzrelevanten
Gründen vorgenommen worden sein.
Ist der Bundesregierung bekannt, daß LKW wesentlich
umweltbelastender sind als die Bahn (siehe nachstehende Tabelle)?
Einheit, pro tkm LKW Balm
Primärenergie g SKE 98,4 23,7
Endenergie g SKE 85 11
CO2 kg CO2 0,22 0,05
NOx g NOx 3,60 0,22
NOx 1993 g NOx 3,18 0,16
CO g CO 1,58 0,07
CxH
Staub
g CH 0,81 0,05
g Staub 0,27 0,03
SO2 g SO2 0,23 0,33
SO2 1993 g SO2 0,17 0,12
Unfälle Verungl./Mrd. tkm 248 10
Fläche m2/Jahres-tkm 0,007 0,0025
4. Ist die Bundesregierung bereit, sich an den Kosten einer Beton
-
Auffangwanne zu beteiligen, damit die Transpo rte wieder über die
Bahn erfolgen können?
Es trifft zu, daß die Versorgung des Heeresflugplatzes Niederstet
ten mit Flugbetriebsstoff aus dem NATO-Tanklager Boxberg zur
Zeit mit Straßentankwagen durchgeführt wird.
Diese vorübergehende Umstellung der Flugbetriebsstoff-
Versorgung vom Eisenbahntransport auf den Straßentransport war
erforderlich, weil der Bahnhof Niederstetten bisher nicht über die nach
§ 19g des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) erforderlichen
Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
(„Auffangwannen") verfügt.
Die Planungen zur Errichtung von Anlagen zum Umgang mit
wassergefährdenden Stoffen („Auffangwannen") im Bahnhof
Niederstetten aus Haushaltsmitteln des Einzelplans 14 des
Bundeshaushalts sind bereits eingeleitet. Der Baubeginn ist noch für
1989 vorgesehen. Nach Abschluß der Baumaßnahmen wird die
Versorgung des Heeresflugplatzes Niederstetten mit
Flugbetriebsstoff wieder im Eisenbahntransport über den Bahnhof
Niederstetten erfolgen.
Den verkehrspolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung
tragen die Streitkräfte Rechnung. Der Bundesminister der
Verteidigung strebt daher auch weiterhin eine weitestmögliche
Verlagerung der Transporte der Bundeswehr, insbesondere der
Gefahrguttransporte, von der Straße auf die Schiene an.]