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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Die Rolle von Flüssigerdgas (Liquid Natural Gas - LNG) für die Versorgungssicherheit Deutschlands

<span>Errichtung einer LNG-Infrastruktur als Beitrag zur Diversifizierung der Gasversorgung; Marktanteile und Preissituation in europäischen Ländern, Klimabilanz und Energieaufwendungen im Vergleich zu Pipelinegas, konkrete Planungen in Deutschland und der EU</span>

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Datum

18.12.2009

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/9527. 11. 2009

Die Rolle von Flüssigerdgas (Liquid Natural Gas – LNG) für die Versorgungssicherheit Deutschlands

der Abgeordneten Oliver Krischer, Hans-Josef Fell, Bärbel Höhn, Cornelia Behm, Bettina Herlitzius, Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, Sylvia Kotting-Uhl, Undine Kurth (Quedlinburg), Nicole Maisch, Ingrid Nestle, Friedrich Ostendorff, Dr. Hermann Ott, Dorothea Steiner, Markus Tressel, Daniela Wagner, Dr. Valerie Wilms und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Weltweit steigende Bedeutung von LNG

Der Markt für LNG (Liquid Natural Gas – Flüssigerdgas) ist in der Vergangenheit weltweit jährlich um 8 Prozent gewachsen. In Zukunft gehen Schätzungen sogar von 10 bis 15 Prozent Steigerung pro Jahr aus.1 Der Vorteil von LNG ist seine Flexibilität: Das Erdgas kann, nachdem es unter hohem Druck auf einen Bruchteil seines Volumens komprimiert und verflüssigt worden ist, unabhängig von Pipelines mit Tankschiffen über große Entfernungen transportiert werden. So können Gasvorkommen auch unabhängig vom Vorhandensein von Pipelines für die deutsche und europäische Gasversorgung nutzbar gemacht werden. Dies ermöglicht auch Gasproduzenten ohne Pipelineverbindung den Marktzutritt.

Länder wie Japan oder Südkorea, die über keine Gaspipelines mit Lieferländern verbunden sind, setzen für ihre Versorgung LNG ein. Praktisch alle Staaten West- und Mitteleuropas mit Küstenzugang betreiben LNG-Anlandeterminals oder bauen bzw. planen diese.

Anders in Deutschland: Der marktbeherrschende Gasversorger in Deutschland, E.ON-Ruhrgas (geschätzter Marktanteil bei Erdgas ca. 60 Prozent) ist zwar im Besitz einer Genehmigung zum Bau eines LNG-Anlandeterminals in Wilhelmshaven, zeigt jedoch kein Interesse, dieses auch zu bauen.

Bei einem deutlich wachsenden Biogasmarkt lässt sich eine LNG-Infrastruktur perspektivisch auch für Biogas nutzen.

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP ist die Rede davon, dass „große Infrastrukturprojekte“ wie LNG „intensiv begleitet“ werden sollen. Was das jedoch konkret heißt, ist bislang unklar.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen23

1

In welcher Weise setzt sich die Bundesregierung für eine Diversifizierung der Gasversorgung Deutschlands, z. B. durch die Errichtung einer LNG-Infrastruktur (Anlandeterminal), ein?

2

Was ist konkret mit der o. g. Ausführung im Koalitionsvertrag gemeint?

3

Gilt die Aussage „Die Bundesregierung beurteilt derartige Projekte, die zur Diversifizierung der Bezugsquellen bzw. der Transportwege beitragen und die Liquidität im Markt erhöhen können, grundsätzlich positiv“ bei der Beantwortung der Schriftlichen Frage 58 auf Bundestagsdrucksache 16/7639 zum geplanten Bauprojekt eines LNG-Terminals in Szczecin (Polen) weiterhin, und wenn ja, nur für Polen oder auch für die Bundesrepublik Deutschland?

4

Wie hoch ist der LNG-Anteil am Gasverbrauch in Deutschland, Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande, Irland und Großbritannien (bitte aufschlüsseln nach Land und Jahr für die Jahre 2000 bis 2009)? Gibt es Prognosen dieser Regierungen zu zukünftigen Marktanteilen von LNG (bitte ebenfalls aufschlüsseln)?

5

Sind in Deutschland LNG-Terminals in konkreter Planung (wenn ja, bitte aufschlüsseln nach Anlage und Bundesland)?

6

Wenn nein, wie bewertet die Bundesregierung diese Situation im Hinblick auf die Versorgungssicherheit und den Wettbewerb am Gasmarkt in Deutschland?

7

Wie viele LNG-Terminals sind in der EU in Betrieb, im Bau oder in Planung (bitte aufschlüsseln nach Anlage und Land)?

8

Wie haben sich die Importpreise für Pipelinegas und LNG-Gas in der EU in den letzten drei Jahren entwickelt (bitte gegebenenfalls aufschlüsseln nach Land)?

9

Welche weitere Entwicklung erwartet die Bundesregierung hier?

10

Welche freien Lieferkapazitäten gibt es derzeit auf dem Weltmarkt (bitte das verfügbare Liefervolumen insgesamt und aufgeschlüsselt nach Lieferländern benennen)?

11

Wie hoch sind die durchschnittlichen Gaspreise in ct/kWh jeweils für private und gewerbliche Verbraucher ohne Steuern und Abgaben in Deutschland, Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, den Niederlanden, Irland und Großbritannien?

12

Wie hoch ist der aktuelle und der für die Zukunft erwartete auf den jeweiligen Staat bezogene LNG-Anteil am Gasverbrauch in diesen neun EU-Staaten?

13

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, warum E.ON den LNG-Terminalbau in Wilhelmshaven nicht realisiert hat?

14

Wann hat E.ON die Genehmigung erhalten?

15

Gibt es nach Meinung der Bundesregierung Indizien dafür, dass E.ON auf der Basis seiner engen Verbindung mit Gazprom der größte Importeur russischen Pipelinegases ist? Wenn ja, welche?

16

Welche Informationen liegen der Bundesregierung darüber vor, ob ein anderes Unternehmen ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven plant, und wenn ja, wie weit sind die Planungen vorangeschritten?

17

Gibt es weitere sinnvolle Standorte? Wenn ja, welche?

18

Wie verhält sich die Klimabilanz von LNG im Vergleich zu Erdgas, das durch Pipelines geleitet wird – abhängig von der Länge der Pipelines?

19

Wie hoch sind die gesamten Energieaufwendungen bezüglich Förderung, Verflüssigung, Komprimierung und Gastransport im Vergleich von LNG und Pipelinegas (bitte aufschlüsseln für 1 000, 2 000, 3 000, 4 000 und 5 000 km)?

20

Wie hoch ist der Gasverbrauch ab Erdgasfeld für ein GUD-Gaskraftwerk bei Einsatz von LNG verglichen mit Pipelinegas?

21

Welche Studien bezüglich der Klimabilanz von LNG liegen der Bundesregierung vor?

22

Wie setzt sich die Preisbildung auf LNG-Märkten, insbesondere bei Verknappungen, zusammen?

23

Welche Erdgasquellen und Exporthäfen kämen primär für den potenziellen Import von LNG nach Deutschland in Frage?

Berlin, den 27. November 2009

Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion

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