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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Anteil der Wissenschaftler, die den Klimawandel für menschengemacht erachten
(insgesamt 2 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Datum
23.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1222809.08.2019
Anteil der Wissenschaftler, die den Klimawandel für menschengemacht erachten
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12228
19. Wahlperiode 09.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg, Marc Bernhard,
Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck und der Fraktion der AfD
Anteil der Wissenschaftler, die den Klimawandel für menschengemacht erachten
Nach Ansicht der Fragesteller wird in allen Medien, von fast allen Politikern, zur
Begründung der Notwendigkeit des „Klimaschutzes“ ständig die wirkmächtige
Behauptung wiederholt, dass 97 Prozent aller Wissenschaftler, gelegentlich auch,
etwas präziser, dass 97 Prozent aller Klima-Wissenschaftler der Meinung seien,
dass der Klimawandel menschengemacht sei sowie häufig ergänzt um die
Forderung, dass „wir“ dringend etwas dagegen tun müssten. Beispielhaft äußerte sich
der ehemalige US-Präsident Barack Obama in einem Tweet vom 22. Januar 2016
demgemäß (Quelle: https://twitter.com/barackobama/status/690603140702285824).
Zuletzt tat dies die Bundesregierung durch die Bundesministerin Svenja Schulze,
die am 8. Mai 2019 auf eine Frage des Abgeordneten Hilse antwortete: „Sehr
geehrter Herr Abgeordneter, 97 Prozent der Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler sagen uns, dass der Klimawandel menschengemacht ist und wir etwas
dagegen tun müssen“ (vgl. Plenarprotokoll 19/97 S. 11642).
Diese Aussage ist nach Meinung der Fragesteller jedoch in vielerlei Hinsicht
falsch und bedarf daher der Richtigstellung.
Den Fragestellern sind fünf Studien bekannt, die sich mit der Frage nach dem sog.
Konsens unter Wissenschaftlern in Bezug auf den Klimawandel beschäftigen. Es
sind dies die Doran & Zimmermann-Studie der Universität Chicago „Examining
the Scientific Consensus on Climate Change“ vom 3. Juni 2011 (https://agupubs.
onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1029/2009EO030002), die Oreskes-Studie
„Beyond the Ivory Tower: The Scientific Consensus on Climate Change in
Science“ vom 3. Dezember 2004 (www.researchgate.net/publication/8150290_Beyond_
the_Ivory_Tower_The_Scientific_Consensus_on_Climate_Change), die Studie
„Expert credibility in climate change“ vom 9. April 2010 in PNAS von William
Anderegg et al. (www.pnas.org/content/early/2010/06/04/1003187107), die
Studie von Bart Verheggen et al. „Scientists’ Views about Attribution of Global
Warming“ vom 22. Juli 2014 (https://pubs.acs.org/doi/full/10.1021/es501998e)
und die meistzitierte Studie von 2013 „Quantifying the Consensus on
Anthropogenic Global Warming in the Scientific Literature“ des Kognitionspsychologen
John Cook et al. (https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/2/024024).
Gemäß diesen Studien ist nach Ansicht der Fragesteller festzustellen, dass keine
von ihnen sämtliche „Wissenschaftler“ befragt hat, ebenso wie keine dieser
Studien sämtliche „Klima-Wissenschaftler“ befragt hat. Auch untersuchte keine
dieser Studien die Meinung der Befragten zur eventuellen Notwendigkeit der
Dringlichkeit von Aktionen gegen den menschgemachten Klimawandel. Das alles wäre
nach Ansicht der Fragesteller aber die Voraussetzung für die Gültigkeit der
Behauptung der Bundesregierung, ebenso wie von vielen anderen.
Diesen Anspruch erhebt nach Ansicht der Fragesteller aber auch keine der
Studien.
Überdies gingen alle genannten Studien mit sehr unterschiedlichen und damit
nach Ansicht der Fragesteller nicht vergleichbaren Ansätzen an ihre
Aufgabenstellung heran. Nur zwei, Doran & Zimmermann und Verhegggen et al., führten
eine Fragebogenaktion durch. Doran & Zimmermann haben in der ihren rd.
10 000 „Earth Scientists“ zu befragen versucht. Verhegggen et al. haben 6 000
Wissenschaftler aus einem Pool von 8 000 der unterschiedlichsten Disziplinen
angeschrieben. Von diesen antworteten 1 868. Im Schnitt hatte jeder der
Angeschriebenen 2,38 Artikel mit irgendeinem Bezug zum Klimawandel geschrieben.
Ihre Themenbandbreite reichte dabei über philosophische, moralische,
ökonomische, gesundheitliche und auch physikalische Aspekte zum Klimawandel, die sie
in ihren Papers aufwarfen und zu klären versuchten. Von „global warming“ im
Allgemeinen handelten 895 Papers von 380 Autoren (Comment on „Scientists
Views about Attribution of Global Warming“ von Jose Duarte, https://de.scribd.
com/doc/255636155/duarte-comment-on-verheggen-et-al).
Die Überprüfung der von den jeweiligen Autoren veröffentlichten Studien
erbrachten durchweg andere, stark abweichende Ergebnisse, als wie sie von
manchen Autoren und vor allem der Bundesregierung behauptet wurden. Über alles
ist nach Ansicht der Fragesteller festzustellen, dass die Zahl der Wissenschaftler,
wie auch die der untersuchten Studien, die sich überhaupt zur Rolle des Menschen
äußerten, um mehrere Größenordnungen kleiner ist, als die Zahl der Studien. So
lag dieser Wert bei der schon zitierten Cook-Studie nicht bei 97 Prozent sondern
bei 0,3 Prozent (Legates et al https://link.springer.com/article/10.1007/s11191-013-
9647).
Stellvertretend belegen dies die folgenden Zitate. Sie sind der deutschen
Übersetzung des folgenden Artikels entnommen: http://cornwallalliance.org/2017/06/
whats-wrong-with-the-claim-that-97-of-climate-scientists-agree-about-
globalwarming/.
„Oreskes behauptete, dass eine Analyse von 928 Abstracts in der ISI-Datenbasis,
welche den Terminus ‚Klimawandel‘ enthielten, den vermeintlichen Konsens
beweisen würden. Es stellte sich heraus, dass sie die Datenbasis nach drei
Schlüsselwörtern durchsucht hatte (‚global climate change‘) anstatt der zwei Wörter
(‚climate change‘), die sie genannt hatte. Dies hat die Anzahl der Suchergebnisse
um eine Größenordnung verkleinert. Die Suche lediglich nach ‚climate change‘
ergab stattdessen fast 12 000 Artikel in der gleichen Datenbasis während der
relevanten Dekade. Außen vor gelassen wurden in Oreskes’ Liste ‚zahlreiche
Forschungsstudien, welche zeigen, dass die globalen Temperaturen ähnlich oder
sogar höher gelegen haben während des Klimaoptimums im Holozän und während
der Mittelalterlichen Warmzeit, als das atmosphärische CO2-Niveau viel
niedriger war als heute; dass solare Variabilität ein Schlüsseltreiber des jüngsten
Klimawandels ist und dass die Klimamodellierung höchst unsicher ist‘. Außerdem,
selbst wenn man die drei Schlüsselwörter eingibt, was sie tatsächlich getan hat,
ergaben sich nicht 928, sondern 1 247 Treffer, von denen 1 117 Abstracts
enthielten. Eine Analyse dieser Abstracts ergab:
nur 1 Prozent der Abstracts stützte explizit, was Oreskes den ‚Konsens-
Standpunkt‘ nannte,
29 Prozent akzeptierten das implizit, ‚aber hauptsächlich konzentriert auf
Abschätzungen der Auswirkungen eines vorhergesagten globalen Klimawandels‘,
8 Prozent rankten sich um ‚Abschwächung‘,
6 Prozent konzentrierten sich auf Fragen der Methodik und der Verfahren,
8 Prozent behandelten ‚exklusiv paläo-klimatologische Forschung ohne Bezug
zum jüngsten Klimawandel‘,
3 Prozent wiesen den Standpunkt zurück oder bezweifelten ihn, dass
menschliche Aktivitäten der Haupttreiber der ‚beobachteten Erwärmung während der
letzten 50 Jahre‘ sind,
4 Prozent konzentrierten sich auf ‚natürliche Faktoren eines globalen
Klimawandels‘, und
42 Prozent enthielten keinerlei direkten oder indirekten Link oder einen Bezug
zu menschlichen Aktivitäten, CO2- oder Treibhausgas-Emissionen,
geschweige denn einen anthropogenen Antrieb des jüngsten Klimawandels.“
Die Studie von Doran & Zimmermann benutzte Fragebögen, die an 10 275
englischsprachige Wissenschaftler vieler Disziplinen von „Erdwissenschaftlern“
verschickt wurden und von denen jedoch lediglich 3 146 antworteten, also rd.
30 Prozent. Davon wiederum bejahten nur 79 der 3 146, die antworteten, den
vermeintlichen Konsens. Überdies waren die beiden Fragen in der Umfrage derart
allgemein formuliert, dass selbst viele der bekanntesten Skeptiker – wie Nir
Shaviv, Horst Lüdecke (beide in einer Anhörung im Deutschen Bundestag), Fred
Singer, Richard Lindzen und Roy Spencer – nach Ansicht der Fragesteller mit,
„ja“ geantwortet hätten. Die beiden Fragen lauteten:
– Im Vergleich mit dem Niveau vor Beginn des 19. Jahrhunderts – glauben Sie,
dass die mittleren globalen Temperaturen allgemein gestiegen, gesunken
oder relativ konstant geblieben sind?
– Glauben Sie, dass menschliche Aktivitäten ein signifikanter beitragender
Faktor sind bei der Änderung der mittleren globalen Temperatur?
William Anderegg et al. berichtete von einer Durchsicht von veröffentlichten
oder zitierten Daten von 1 372 Klimaforschern, wobei sich zeigte, dass 97
Prozent bis 98 Prozent glaubten, dass „anthropogene Treibhausgase verantwortlich
waren für die meiste eindeutige „Erwärmung der mittleren globalen Temperatur
während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts“. Aber die Studie von
Anderegg deckte lediglich die 200 produktivsten Autoren zum Thema Klimawandel
ab und ließ tausende andere außen vor, und selbst die Schlussfolgerung, dass die
Menschen ursächlich waren für die „meiste“ Erwärmung bedeutet nicht, dass jene
Wissenschaftler die globale Erwärmung als eine Krise ansehen.
Die wohl am häufigsten genannte Studie bzgl. eines solchen Konsens ist
„Quantifying the Consensus on Anthropogenic Global Warming in the Scientific
Literature“ von John Cook et al. Darin wird als Ergebnis behauptet, dass angeblich
„unter den Abstracts 97,1 Prozent die Konsens-Position bestätigt haben, wonach
Menschen die globale Erwärmung verursachen“.
Nun ist die Phrase „Menschen verursachen globale Erwärmung“ eine solche, die
nach Ansicht der Fragesteller fast jeder Skeptiker bestätigen würde. Die Frage
lautet nach Ansicht der Fragesteller daher nicht, ob wir eine globale Erwärmung
verursachen, sondern ob wir für den größten Teil der jüngsten Erwärmung
ursächlich sind, ob die Erwärmung gefährlich ist und ob wir Energieerzeugung aus
bezahlbaren, zuverlässigen und reichlich vorhandenen fossilen Ressourcen
aufgeben und ersetzen sollten durch dürftige, teure und unterbrochene „Erneuerbare“
in dem Bemühen, den Klimawandel zu stoppen. Die Studie von Cook et al. wurde
auch in einer anderen Studie von David Legates et al. kritisiert. Dieser hatte die
gleichen Studien unter die Lupe genommen wie Cook et al. und war zu dem
Ergebnis gekommen, dass der tatsächliche Konsens in deren Abstracts nur 0,3
Prozent betragen hat.
Besonders in jüngerer Zeit hat insbesondere die Zahl der Studien kräftig
zugenommen, die entweder nicht von einem menschgemachten Klimawandel
ausgehen oder die Rolle des Menschen als völlig unerheblich einschätzen. Schon 2014
gab es mehr als 1 350 begutachtete Studien dazu (Quelle: www.populartechnology.
net/2009/10/peer-reviewed-papers-supporting.html), inzwischen kamen jährlich
einige hundert dazu, im Schnitt ca. 233 (Quelle https://notrickszone.com).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Zugang zu Studien – anderen Studien als den in der
Vorbemerkung der Fragesteller genannten Studien und als den Berichten des
IPCC –, welche die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierte
Behauptung, 97 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagten uns,
dass der Klimawandel menschengemacht sei und wir etwas dagegen tun
müssen, stützen?
Wenn ja, welche Veröffentlichungen dieser Studien sind zugänglich und
belegen präzise, was in diesen Studien festgestellt wurde, und wenn nein,
a) auf welche Weise (bitte nach Art, Zeit, Inhalt und vermutlichen Kosten
aufschlüsseln) wird die Bundesregierung öffentlich dem nach Ansicht der
Fragesteller falschen Eindruck entgegentreten, den die oben zitierte
Äußerung auslöste bzw. zementiert hat, und
b) was wird die Bundesregierung in Bezug auf die anstehende Gesetzgebung
(Klimaschutzgesetz) unternehmen, deren wissenschaftliche Begründung
sich nach Ansicht der Fragesteller allein und sehr selektiv nur auf die
IPCC-Berichte stützt und die mandatsgemäß (https://de.slideshare.net/
ipcc-media/ipcc-mandate, Folie 3) tausende von wissenschaftlichen
Papers, die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen, außen vor lässt?
2. Sind der Bundesregierung Klima-Wissenschaftler bekannt, die eine
Dringlichkeit zur Ergreifung gravierender Maßnahmen einfordern – obwohl
gerade vom Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie Jochem
Marotzke (Details siehe DER SPIEGEL, 6. Oktober 2018, S. 111, siehe auch
Bundestagsdrucksache 19/10450 vom 24. Mai 2019) nach Ansicht der
Fragesteller das Gegenteil festgestellt wurde, und wenn ja,
a) welche Wissenschaftler sind dies nach Kenntnis der Bundesregierung
(bitte im Einzelnen benennen),
b) was sind nach Kenntnis der Bundesregierung deren Aufgaben- und
Forschungsschwerpunkte, und
c) worin besteht nach Kenntnis der Bundesregierung deren Zuarbeit zu
Behörden und Ämtern, auch in Kommissionen von Landesregierungen und/
oder der Bundesregierung (bitte je Behörde bzw. Amt auflisten)?
Berlin, den 15. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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ISSN 0722-8333]
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