[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Dr. André Hahn,
Gökay Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/21913 –
Ergänzende Informationen zur Asylstatistik für 2019 und das laufende Jahr 2020
– Schwerpunktfragen zu Widerrufsprüfungen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Während im Jahr 2016 noch vergleichsweise wenige Asyl-Widerrufsverfahren
eingeleitet wurden (3 170), gab es 2017 bereits über 77 000 entsprechende
Verfahren (vgl. Bundestagsdrucksache 19/1217). Im Jahr 2018 waren es fast
200 000 Überprüfungen, wobei in 85 000 entsprechenden Entscheidungen des
Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die gewährten
Schutzstatus zu 98,8 Prozent bestätigt wurden (vgl. Bundestagsdrucksache 19/7818).
Ende 2018 wurde eine Pflicht zur Mitwirkung in Widerrufsverfahren für
anerkannte Flüchtlinge geschaffen (vgl. Bundestagsdrucksache 19/4456), die
daraus resultierenden erneuten mündlichen Befragungen von Schutzberechtigten
führen zu einem zusätzlichen Bearbeitungsaufwand. Im Jahr 2019 wurde die
dreijährige Frist, innerhalb der das BAMF eine Regelüberprüfung der
Schutzgewährung vornehmen muss, für die in den Jahren 2015 bis 2017 anerkannten
Flüchtlinge auf bis zu fünf Jahre verlängert, die Erteilung einer
Niederlassungserlaubnis ist erst nach einer ausdrücklichen Mitteilung des
Überprüfungsergebnisses durch das BAMF zulässig (vgl. Bundestagsdrucksache
19/10047). Die Zahl der im BAMF mit Widerrufsprüfungen befassten
Beschäftigten ist stark angestiegen, von 268 Mitte 2018 (vgl.
Bundestagsdrucksache 19/3839) auf 797 Beschäftigte Ende 2019 (vgl. Bundestagsdrucksache
19/16329). BAMF-Präsident Dr. Hans-Eckhard Sommer bezeichnete sein Amt
angesichts von rund 700 000 Rücknahme- und Widerrufsprüfungen bis Ende
2021 sogar als „Widerrufsbehörde“ (
http://www.eaberlin.de/nachlese/chronolo
gisch-nach-jahren/2019/rueckblick-fluechtlingsschutzsymposium/sommeraktu
elle-entwicklungen-im-bamf.pdf).
Widerrufsprüfungen und die damit verbundene Unsicherheit über den
weiteren Status können für anerkannte Flüchtlinge, nicht selten traumatisierte
Personen, sehr belastend sein. Selbst der Widerruf eines Schutzstatus führt aber
nicht zwangsläufig zu einer Aufenthaltsbeendigung, denn die Betroffenen
können aufgrund ihres langjährigen Aufenthalts Aufenthaltsrechte aus anderen
Gründen erworben haben. Der Widerruf eines Schutzstatus bedeutet nach
Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller im Regelfall nicht, dass dieser zu
Unrecht erteilt wurde oder eine Täuschung vorlag, denn ein Widerruf erfolgt,
wenn die Umstände, die zur Schutzgewährung führten, weggefallen sind
Deutscher Bundestag Drucksache 19/22842
19. Wahlperiode 25.09.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat
vom 24. September 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
(Änderung der Lage im Herkunftsland) und eine Rückkehr trotz der erlittenen
Verfolgung oder Bedrohung als zumutbar erachtet wird (§ 73 Absatz 1 des
Asylgesetzes). Werden hingegen falsche Angaben oder Täuschungen zur
Herkunft oder Identität aufgedeckt, erfolgt eine Rücknahme des Schutzstatus
(§ 73 Absatz 2 des Asylgesetzes). In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/13257 machte die Bundesregierung erstmals
differenzierte Angaben zu solchen Rücknahmen, die Indiz für vermutete
Täuschungen sein können. Im ersten Halbjahr 2019 lag demnach die Quote der
Rücknahmen bei gerade einmal 0,5 Prozent (329 Fälle) bei über 62 000
Überprüfungen (ebd., Antwort zu Frage 1).
Viele Rücknahmen oder Widerrufe halten einer gerichtlichen Überprüfung
nicht stand. So wurden die Rücknahmen von positiven Entscheidungen der
(nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller zu Unrecht) in die
Kritik geratenen Bremer BAMF-Außenstelle (vgl. Bundestagsdrucksache
19/8445) durch Gerichte wiederum korrigiert, d. h. die in Bremen
ausgesprochenen Abschiebungsverbot e wurden wieder hergestellt (zum Stand Mitte
Mai 2019 in sechs Fällen, siehe Antwort des Bundesministeriums des Innern,
für Bau und Heimat vom 17. Mai 2019 auf eine Beschwerde des Ersten
Parlamentarischen Geschäftsführers der Linksfraktion, Jan Korte, Seite 17).
Insgesamt wurden im Jahr 2019 nur 153 Widerrufe bzw. Rücknahmen eines
Schutzstatus gerichtlich bestätigt (36,3 Prozent aller Entscheidungen, vgl.
Bundestagsdrucksache 19/18498, Antwort zu Frage 16).
Dass in Deutschland innerhalb einer gewissen Frist (derzeit: drei bis fünf
Jahre) eine Widerrufsprüfung vorgenommen werden muss, und zwar
unabhängig davon, ob im Einzelfall oder bezogen auf das Herkunftsland ein
konkreter Anlass hierfür besteht, ist im europäischen Vergleich eine isolierte
Praxis. Im Jahr 2006 gab es solche anlasslosen Widerrufsprüfungen EU-weit
nur in Deutschland (vgl. Sachstand des Wissenschaftlichen Dienstes des
Deutschen Bundestags von 2007, WD 3 – 482/06 und 102/07), zwischenzeitlich
führte Österreich eine ähnliche Regelung ein. Auf Nachfragen (vgl. zuletzt
Bundestagsdrucksache 19/3839, Antwort zu Frage 21) konnte die
Bundesregierung kein weiteres EU-Land nennen, das eine vergleichbare Regelung
hat. Ein Vorschlag der EU-Kommission zur Verankerung einer anlasslosen
Widerrufsprüfung im EU-Recht wurde nach Verhandlungen mit dem
Europäischen Parlament wieder zurückgezogen (vgl. Bundestagsdrucksache 19/7818,
Antwort zu Frage 13). Nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller
belastet die in Deutschland praktizierte anlasslose Regelüberprüfung sowohl
die Betroffenen als auch das BAMF in unverhältnismäßiger und unnötiger
Weise. Die Bundesregierung will hieran jedoch festhalten (ebd., Antworten zu
den Fragen 5 und 6).
Aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/16329 geht hervor, wie falsch die Annahme ist, in den rein
schriftlichen, sogenannten „Fragebogenverfahren“ habe es viele Täuschungen
oder Fehlentscheidungen des BAMF gegeben, und Überprüfungen dieser in
den Jahren 2015 und 2016 ergangenen Entscheidungen seien deshalb umso
dringlicher (vgl.
https://www.tagesschau.de/investigativ/hsb/anfrage-syrer-fra
geboegen-101.html und Bundestagsdrucksache 19/4456). Das
Fragebogenverfahren ist mit EU-Recht vereinbar (vgl. Bundestagsdrucksache 19/16329,
Antwort zu Frage 5) und kam nur bei Herkunftsländern mit fast 100-prozentiger
Anerkennungschance zum Einsatz, und auch nur, wenn im Einzelfall keine
Zweifel an der Herkunft und Identität der Betroffenen bestanden (vgl. ebd.,
Antwort zu den Fragen 4b und 4c. Nach gut 45 000 nachträglichen
Überprüfungen von Entscheidungen im Fragebogenverfahren kam es in nur 0,4
Prozent der Fälle zu einem Widerruf oder einer Rücknahme (177 Fälle, ebd.,
Antwort zu Frage 3), werden nur Rücknahmen (als Indiz für Täuschungen)
betrachtet, lag die Quote sogar nur bei 0,2 Prozent (Angaben für das erste
Halbjahr 2019, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/13257, Antworten zu den Fragen 3 bis 5). Auch bei in
diesem Zusammenhang vorgenommenen nachträglichen Überprüfungen von
knapp 40 000 Identitätsdokumenten Asylsuchender wurden in gerade einmal
0,7 Prozent der Fälle (267) Dokumente als „ge- oder verfälscht“ beanstandet –
ohne, dass die Bundesregierung sagen könnte, in wie vielen dieser Fälle
tatsächlich Täuschungen oder falsche Angaben zur Identität bzw. Herkunft
vorlagen (vgl. Bundestagsdrucksache 19/16329, Antwort zu Frage 9).
1. Wie viele Widerrufs- bzw. Rücknahmeverfahren wurden im Gesamtjahr
2019, im ersten bzw. zweiten Quartal 2020 bzw. im bisherigen Jahr 2020
zum letzten verfügbaren Stand (bitte, auch im Folgenden, nach den
angegebenen Zeiträumen getrennt auflisten) eingeleitet (bitte Gesamtzahlen
angeben und nach den verschiedenen Formen der Anerkennung und den
15 wichtigsten Herkunftsländern differenzieren), und wie viele
Entscheidungen in Widerrufsverfahren mit welchem Ergebnis gab es in diesen
Zeiträumen (bitte Gesamtzahlen angeben und nach den verschiedenen
Formen der Anerkennung, den 15 wichtigsten Herkunftsländern und jeweils
nach Widerruf bzw. Rücknahme differenzieren)?
Die Angaben können den folgenden Tabellen entnommen werden.
Jahr 2019
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 205.285 170.406 119 2 3.370 446 939 318 1.182 219 164.796
darunter
Syrien 130.276 115.713 20 1 1.989 142 292 110 99 61 113.313
Irak 25.134 17.551 7 – 631 48 268 46 55 10 16.590
Afghanistan 13.009 8.458 3 – 94 15 91 17 549 20 7.721
Eritrea 12.031 11.052 1 – 106 19 23 9 4 1 10.918
Ungeklärt 7.061 5.593 3 – 120 48 31 17 12 5 5.427
Iran 5.705 2.458 10 – 64 4 9 4 6 – 2.369
Somalia 2.303 1.352 1 – 27 4 29 15 30 4 1.265
Staatenlos 2.300 2.106 – – 37 12 7 4 – – 2.062
Pakistan 1.044 796 – – 8 2 2 – 17 6 769
Russische
Föderation 836 792 – – 35 7 33 8 64 14 660
Türkei 555 562 24 – 35 21 35 25 3 – 465
Nigeria 512 299 – – 3 1 3 – 37 4 256
Ägypten 467 389 1 – 1 1 2 2 10 6 375
Libyen 406 151 – – 3 1 1 – 1 – 146
Äthiopien 323 276 2 – 15 7 2 1 14 3 243
1. Quartal 2020
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 52.278 74.350 23 2 1.998 195 206 78 285 40 71.838
darunter
Syrien 19.738 51.810 4 2 1.425 55 57 26 14 6 50.310
Irak 11.395 7.845 1 – 159 9 52 8 14 – 7.619
Afghanistan 6.687 3.118 – – 33 4 28 6 104 5 2.953
Iran 3.831 1.097 6 – 34 4 2 – 1 – 1.054
Eritrea 3.327 4.469 – – 78 12 5 3 1 – 4.385
Ungeklärt 1.361 3.170 – – 96 18 7 2 1 – 3.066
Somalia 1.329 520 – – 11 2 8 5 7 1 494
Türkei 733 127 3 – 26 12 4 3 4 – 90
Staatenlos 502 690 – – 21 3 5 4 – – 664
Pakistan 392 262 1 – 6 6 1 – 2 1 252
Nigeria 370 68 – – 6 4 – – 18 3 44
Russische
Föderation 353 183 – – 7 2 7 – 43 4 126
Aserbaidschan 233 45 – – 1 – 1 – 3 – 40
Äthiopien 220 71 – – 17 9 3 3 – – 51
Ägypten 149 85 – – 2 1 1 – 2 – 80
2. Quartal 2020
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 45.167 81.868 31 1 1.751 190 231 87 224 18 79.631
darunter
Syrien 16.537 41.240 8 – 1.235 81 73 30 1 – 39.923
Irak 6.577 16.605 2 – 155 10 48 6 9 – 16.391
Afghanistan 6.235 8.930 – – 76 6 29 7 98 5 8.727
Iran 4.156 2.825 2 – 27 1 1 – 3 1 2.792
Eritrea 2.741 4.545 – – 56 8 9 4 1 1 4.479
Somalia 1.636 1.154 – – 4 2 13 9 8 – 1.129
Ungeklärt 1.510 2.552 2 1 66 25 9 5 1 1 2.474
Türkei 1.241 325 8 – 10 4 4 – 2 – 301
Staatenlos 548 576 – – 16 2 1 1 – – 559
Pakistan 540 502 – – 4 – – – 5 – 493
Nigeria 529 217 – – 6 1 1 1 22 – 188
Russische
Föderation 479 316 – – 11 4 6 4 23 3 276
Äthiopien 330 154 – – 3 3 2 1 1 – 148
Guinea 217 84 – – – – 1 – 2 – 81
Sudan 184 87 – – – – 1 1 1 – 85
01.01. – 31.07.2020
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 115.562 180.032 78 5 4.454 455 569 226 625 60 174.306
darunter
Syrien 42.723 104.939 13 2 3.088 151 167 82 15 6 101.656
Irak 20.726 28.648 3 – 427 31 132 17 25 – 28.061
Afghanistan 15.776 14.417 2 – 139 14 73 14 266 11 13.937
Iran 9.665 5.074 11 – 79 8 6 2 4 1 4.974
Eritrea 7.388 10.438 – – 160 24 22 10 2 1 10.254
Somalia 3.707 2.078 – – 18 4 22 15 26 1 2.012
Ungeklärt 3.535 6.518 2 1 192 55 21 10 2 1 6.301
Türkei 2.246 717 15 1 44 21 15 10 6 – 637
Staatenlos 1.117 1.462 – – 45 5 7 6 – – 1.410
Pakistan 1.087 902 1 – 10 6 1 – 7 1 883
Nigeria 1.074 380 – – 15 5 1 1 45 4 319
Russische
Föderation 969 621 – – 22 7 19 6 76 7 504
Äthiopien 680 287 1 – 21 12 5 4 2 – 258
Aserbaidschan 491 329 – – 1 – 1 – 6 – 321
Guinea 408 154 – – – – 1 – 7 – 146
2. Wie viele Widerrufs- bzw. Rücknahmeverfahren wurden anlassbezogen
bzw. aufgrund konkreter sicherheitsrelevanter Hinweise anderer Behörden
in den genannten Zeiträumen eingeleitet, und in wie vielen dieser Fälle
kam es zu einer Rücknahme bzw. zu einem Widerruf (bitte jeweils nach
den 15 wichtigsten Herkunftsländern differenzieren und wie in der
Antwort zu Frage 2 auf Bundestagsdrucksache 19/13257 darstellen)?
Die Angaben können – soweit vorliegend – den nachfolgenden Tabellen
entnommen werden.
Jahr 2019
Sicherheitsrelevante Hinweise
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 5.448 3.922 36 – 414 30 183 148 98 11 3.191
darunter
Syrien 3.234 2.364 4 – 204 15 93 76 1 – 2.062
Eritrea 437 364 – – 36 2 8 8 – – 320
Irak 416 313 – – 66 3 26 20 5 – 216
Afghanistan 401 256 2 – 20 – 13 12 65 5 156
Ungeklärt 205 165 2 – 19 1 7 4 – – 137
Iran 194 79 6 – 14 1 4 4 3 – 52
Somalia 150 82 1 – 13 1 14 13 7 3 47
Staatenlos 74 62 – – 6 – 3 2 – – 53
Türkei 57 38 15 – 6 1 2 1 – – 15
Russische
Föderation 55 44 – – 10 1 4 4 5 – 25
Pakistan 19 16 – – 1 – – – 1 – 14
Nigeria 18 5 – – – – – – – – 5
Aserbaidschan 16 10 – – 3 – – – – – 7
Armenien 15 8 – – 3 3 1 – 1 1 3
Libyen 13 11 – – – – – – – – 11
1. Quartal 2020
Sicherheitsrelevante Hinweise
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 1.165 1.296 5 – 125 9 49 40 27 4 1.090
darunter
Syrien 488 845 – – 65 6 25 21 – – 755
Irak 186 76 – – 9 – 7 7 1 – 59
Afghanistan 144 62 – – 8 1 5 4 15 – 34
Iran 108 31 2 – 8 – – – – – 21
Eritrea 78 128 – – 8 – 2 2 – – 118
Somalia 48 13 – – 1 – 6 3 1 – 5
Ungeklärt 22 69 – – 11 – 2 2 – – 56
Türkei 11 13 3 – 6 – 2 1 – – 2
Armenien 10 4 – – – – – – 3 3 1
Russische
Föderation 9 5 – – – – – – – – 5
Staatenlos 9 16 – – 3 – – – – – 13
Pakistan 7 2 – – – – – – – – 2
Nigeria 4 1 – – – – – – – – 1
Gambia 4 – – – – – – – – – –
Sudan 4 1 – – – – – – – – 1
2. Quartal 2020
Sicherheitsrelevante Hinweise
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 1.196 1.340 6 – 128 10 62 44 24 3 1.120
darunter
Syrien 436 743 1 – 78 7 28 21 – – 636
Afghanistan 182 94 – – 4 – 8 6 9 1 73
Iran 135 51 – – 6 – – – – – 45
Irak 134 134 – – 10 – 5 4 – – 119
Eritrea 62 117 – – 7 – 5 4 – – 105
Somalia 45 46 – – 2 2 9 6 2 – 33
Ungeklärt 40 60 1 – 7 – – – – – 52
Türkei 19 5 3 – – – 1 – – – 1
Russische
Föderation 16 17 – – 3 – 2 – 4 – 8
Staatenlos 15 13 – – 3 – – – – – 10
Sudan 13 5 – – – – 1 1 – – 4
Pakistan 12 6 – – – – – – – – 6
Gambia 9 – – – – – – – – – –
Nigeria 8 7 – – 1 – 1 1 – – 5
Libyen 8 5 – – – – – – – – 5
01.01. – 31.07.2020
Sicherheitsrelevante Hinweise
eingeleitete
Widerrufs
prüfverfahren
Entscheidungen
insgesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/
Keine
Rücknahme
Davon
Rück
nahmen
Davon
Rücknahmen
Davon
Rüc
knah
men
Davon
Rück
nahmen
Herkunftsländer
gesamt 2.997 3.170 16 1 313 25 150 119 62 7 2.629
darunter
Syrien 1.108 1.884 1 – 175 16 76 64 – – 1.632
Afghanistan 442 208 1 – 16 1 15 11 31 1 145
Irak 377 255 – – 25 – 13 11 1 – 216
Iran 359 113 2 – 17 – 2 2 – – 92
Eritrea 187 287 – – 21 – 11 9 – – 255
Somalia 115 70 – – 4 2 16 10 5 – 45
Ungeklärt 89 148 1 – 21 1 4 4 – – 122
Türkei 41 24 8 – 7 – 5 3 – – 4
Staatenlos 33 32 – – 7 – 1 1 – – 24
Russische
Föderation 30 27 – – 3 – 2 – 4 – 18
Pakistan 26 11 – – – – – – – – 11
Sudan 19 10 – – – – 1 1 – – 9
Gambia 17 – – – – – – – – – –
Nigeria 16 9 – – 1 – 1 1 – – 7
Libyen 13 8 – – – – – – – – 8
3. Wie viele Ladungen zu persönlichen Gesprächen im Rahmen von
Widerrufs- bzw. Rücknahmeprüfungen gab es in den genannten Zeiträumen?
a) Wie viele dieser Ladungen betrafen sogenannte Fragebogenverfahren,
und nach welchen Kriterien werden die übrigen Geladenen ausgewählt
(bitte ausführen; Hinweis zur Klarstellung: die zweite Teilfrage zielt
nicht auf empirische Daten ab, sondern nach den Kriterien, nach denen
entschieden wird, ob Betroffene im Rahmen des
Überprüfungsverfahrens persönlich angehört bzw. befragt werden oder nicht)?
Die Fragen 3 und 3a werden aufgrund des Sachzusammenhangs zusammen
beantwortet.
Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2019 wurden 105.356
Ladungen zur Befragung von volljährigen Personen versandt. Davon betrafen
96.643 Ladungen Personen, deren Asylantrag im sog. Fragebogenverfahren
beschieden wurde.
Im ersten Quartal 2020 wurden 34.207 Ladungen zur Befragung von
volljährigen Personen versandt. Davon betrafen 32.908 Ladungen Personen, deren
Asylantrag im sog. Fragebogenverfahren beschieden wurde.
Im zweiten Quartal 2020 wurden 3.194 Ladungen zur Befragung von
volljährigen Personen versandt. Davon betrafen 2.752 Ladungen Personen, deren
Asylantrag im sog. Fragebogenverfahren beschieden wurde.
Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2020 wurden 41.939 Ladungen zur
Befragung von volljährigen Personen versandt. Davon betrafen 39.648
Ladungen Personen, deren Asylantrag im sog. Fragebogenverfahren beschieden
wurde.
Gemäß § 73 Absatz 3a Satz 1 des Asylgesetzes (AsylG) ist der Ausländer nach
Aufforderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
persönlich zur Mitwirkung bei der Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen
des Widerrufs oder der Rücknahme verpflichtet, soweit dies für die Prüfung
erforderlich und dem Ausländer zumutbar ist. Es handelt sich hierbei um eine
Einzelfallprüfung. Die Gründe, aus denen Ladungen zu Befragungen erfolgen,
werden statistisch nicht erfasst.
b) Wie viele solcher Befragungen fanden in den genannten Zeiträumen
statt?
Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2019 wurden 84.370
Personen befragt, davon 74.204 aus dem sog. Fragebogenverfahren.
Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. März 2020 wurden 33.091 Personen
befragt, davon 24.214 aus dem sog. Fragebogenverfahren.
Im Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 wurden 833 Personen befragt,
davon 554 aus dem sog. Fragebogenverfahren.
Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2020 wurden 36.818 Personen
befragt, davon 26.688 aus dem sog. Fragebogenverfahren.
c) Welche Ergebnisse hatten die Prüfverfahren nach solchen Befragungen
in den genannten Zeiträumen (bitte jeweils nach dem Schutzstatus,
nach Widerruf bzw. Rücknahme bzw. kein Widerruf bzw. keine
Rücknahme, nach Fragebogenverfahren und nach den 15 wichtigsten
Herkunftsstaaten differenziert angeben)?
Jahr 2019
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Herkunftsländer gesamt 96.120 2 225 26 75 95.792
darunter
Syrien 76.936 2 96 8 43 76.787
Irak 6.812 0 58 3 1 6.750
Eritrea 6.255 0 13 0 0 6.242
Ungeklärt 3.365 0 19 0 0 3.346
Staatenlos 1.345 0 4 0 0 1.341
Afghanistan 784 0 2 8 20 754
Iran 162 0 0 0 1 161
Somalia 109 0 0 0 1 108
Russische Föderation 50 0 1 0 4 45
Pers. aus palästinensischen
Gebieten (nicht als Staat
anerkannt) 37 0 0 0 0 37
Ägypten 35 0 0 0 0 35
Pakistan 32 0 0 0 0 32
Türkei 30 0 5 1 0 24
Äthiopien 25 0 7 1 0 17
ohne Angabe 18 0 0 0 0 18
Jahr 2019
Davon im
Fragebogenverfahren
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Insgesamt 84.519 0 133 3 28 84.355
1. Quartal 2020
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Herkunftsländer gesamt 31.654 1 113 15 29 31.496
darunter
Syrien 24.677 0 31 3 6 24.637
Irak 2.413 0 15 0 0 2.398
Eritrea 2.401 0 15 1 0 2.385
Ungeklärt 1.517 0 12 0 1 1.504
Staatenlos 328 0 0 0 0 328
Afghanistan 142 0 7 2 7 126
Iran 31 0 0 0 0 31
Somalia 28 0 0 0 1 27
Libanon 19 0 10 3 2 4
Äthiopien 16 0 11 1 0 4
Pers. aus palästinensischen
Gebieten (nicht als Staat
anerkannt) 11 0 0 0 0 11
Russische Föderation 10 0 1 0 4 5
Pakistan 8 0 0 0 0 8
Türkei 6 0 3 0 0 3
Kosovo 6 1 0 3 0 2
1. Quartal 2020
Davon im
Fragebogenverfahren
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Insgesamt 29.881 0 79 2 6 29.794
2. Quartal 2020
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Herkunftsländer gesamt 5.809 0 93 12 8 5.696
darunter
Syrien 4.310 0 35 2 0 4.273
Irak 480 0 14 3 0 463
Eritrea 474 0 11 0 0 463
Ungeklärt 326 0 13 0 1 312
Staatenlos 82 0 0 0 0 82
Afghanistan 59 0 4 2 2 51
Iran 15 0 1 0 0 14
Somalia 11 0 1 1 0 9
Türkei 5 0 3 1 1 0
Jordanien 5 0 2 0 0 3
Pers. aus palästinensischen
Gebieten (nicht als Staat
anerkannt) 5 0 1 0 0 4
Libanon 5 0 0 1 0 4
Armenien 4 0 3 0 1 0
Äthiopien 3 0 2 0 0 1
Russische Föderation 3 0 0 1 0 2
2. Quartal 2020
Davon im
Fragebogenverfahren
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Insgesamt 5.287 0 53 0 0 5.234
01.01 – 31.07.2020
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Herkunftsländer gesamt 39.886 2 244 28 39 39.573
darunter
Syrien 30.872 0 77 5 6 30.784
Irak 3.072 0 40 3 0 3.029
Eritrea 3.042 0 32 1 0 3.009
Ungeklärt 1.954 0 24 0 2 1.928
Staatenlos 434 0 0 0 0 434
Afghanistan 223 0 11 4 9 199
Iran 55 0 3 0 0 52
Somalia 46 0 1 1 2 42
Libanon 24 0 10 4 2 8
Äthiopien 19 0 13 1 0 5
Pers. aus palästinensischen
Gebieten (nicht als Staat
anerkannt) 17 0 2 0 0 15
Türkei 15 0 9 1 1 4
Russische Föderation 14 0 1 1 4 8
Jordanien 12 0 6 1 0 5
Pakistan 12 0 0 0 0 12
01.01 –31.07.2020
Davon im
Fragebogenverfahren
Entscheidungen gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschie
bungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Insgesamt 37.250 0 153 2 6 37.089
d) In wie vielen Fällen angeordneter Befragungen wurden bislang
Zwangsgelder festgesetzt oder andere Zwangsmaßnahmen oder
Sanktionen ergriffen?
Im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2019 wurden in
23 Fällen Zwangsgelder per Verwaltungsakt festgesetzt.
Im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. März 2020 wurden in zwei Fällen
Zwangsgelder per Verwaltungsakt festgesetzt.
Im Zeitraum vom 1. April 2020 bis zum 30. Juni 2020 wurden in 116 Fällen
Zwangsgelder per Verwaltungsakt festgesetzt.
Im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Juli 2020 wurden insgesamt in
251 Fällen Zwangsgelder per Verwaltungsakt festgesetzt.
Weitere Zwangsmaßnahmen oder Sanktionen wurden weder getroffen noch
verhängt.
4. In welchem Umfang wurden Dolmetscherinnen und Dolmetscher bei
diesen persönlichen Gesprächen eingesetzt (bitte absolute Zahlen für die
Jahre 2019 bzw. das bisherige Jahr 2020 nennen), und in welchem
Verhältnis steht dies zum Einsatz von Dolmetscherinnen und Dolmetschern im
BAMF, insbesondere in regulären Asylprüfungsverfahren (bitte ebenfalls
in absoluten Zahlen für die Jahre 2019 und 2020 differenziert angeben)?
Bei Befragungen in Widerrufs-/Rücknahmeverfahren werden durchgehend
freiberufliche Sprachmittelnde eingesetzt. Deren Buchung erfolgt wie bei
Asylverfahren über das Buchungssystem BABS (Bundesamt Bereitstellung
Sprachmittlung). Bei der Einsatzart wird in BABS nicht zwischen Befragungen in
Widerrufs-/Rücknahmeverfahren und Anhörungen in Asylverfahren
unterschieden. Daher ist eine statistische Auswertung und Gegenüberstellung im Sinne
der Fragestellung nicht möglich.
5. Wie waren die Ergebnisse der Überprüfungen von Anerkennungen im
sogenannten Fragebogenverfahren in den genannten Zeiträumen insgesamt
(bitte so konkret wie möglich darstellen)?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
Entscheidungen
im
Fragebogenverfahren
Entscheidungen
gesamt
Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
kein
Widerruf/keine
Rücknahme
Jahr 2019 105.890 2 1.631 7 70 104.180
1.Quartal 2020 44.592 2 1.346 9 20 43.215
2.Quartal 2020 10.245 8 1.021 10 5 9.201
01.01.–31.07.2020 58.455 10 2.646 20 25 55.754
6. Für welche Herkunftsländer wurde im BAMF seit der Antwort der
Bundesregierung zu Frage 11 auf Bundestagsdrucksache 19/16329
festgestellt, dass sich die dortige Lage nachhaltig und dauerhaft verbessert hat
und deshalb in entsprechenden Fällen eine individuelle Widerrufsprüfung
vorzunehmen ist (bitte nach Ländern und Datum auflisten), und wie lautet
die jeweilige inhaltliche Begründung für diese Bewertung?
Es wurden die folgenden Sachlagenänderungen im Sinne der Fragestellung
festgestellt.
In Angola wurde am 23. Januar 2019 ein neues Strafgesetz vom Parlament
verabschiedet, das keine Bestimmung mehr zur Strafbarkeit „widernatürlicher
Laster“ enthält. Die Vorschrift war bislang als Verbot gleichgeschlechtlicher
Beziehungen verstanden worden. Es beinhaltet auch ein mit bis zu zwei Jahren Haft
bewehrtes Verbot einer Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.
Strafverfolgungen Homosexueller waren bereits unter dem alten Gesetz nicht
bekannt geworden.
In Bezug auf Armenien liegt eine Sachlagenänderung auf Grund des seit April
2018 eingeleiteten friedlichen Machtwechsels („Samtene Revolution“) und der
Wahl des früheren Oppositionsführers Nikol Paschinjan zum
Ministerpräsidenten im Mai 2018 vor. Seither haben sich das politische Klima und die
Menschenrechtslage deutlich verbessert, insbesondere ist eine Stärkung und
Festigung demokratischer Strukturen und Prozesse zu erkennen. Vor allem im
Kampf gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität, beim Aufbrechen der
alten verkrusteten Strukturen sowie der Förderung einer unabhängigen Justiz
konnten sichtbare Erfolge erzielt werden. Die Menschenrechtslage ist
allgemein positiv zu beurteilen. Eine Verfolgung ethnischer oder religiöser
Minderheiten findet in der Regel nicht statt.
Sowohl die Oppositionsparteien als auch die außerparlamentarische Opposition
können sich nun frei äußern und die bestehende Vereinigungs- und
Versammlungsfreiheit in Anspruch nehmen. Bereits 2018 wurden alle politischen
Gefangenen freigelassen und zahlreiche frühere Regierungskritiker kehrten ins Land
zurück. Auch die Gewährleistung der Meinungs- und Pressefreiheit hat sich
seitdem verbessert. Die Verfassung garantiert gleiche Rechte für Frauen und
Männer und Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung
staatlicherseits gibt es nicht.
In Bezug auf Syrien wurde eine Sachlagenänderung für Personen festgestellt,
bei denen die Schutzgewährung auf einer (drohenden) Verfolgung durch
Oppositionsgruppen, wie z. B. die Freie Syrische Armee, beruhte, die dem Assad-
Regime nahestehen.
7. Wie viel Personal ist aktuell im BAMF an welcher Stelle mit der Aufgabe
von Widerrufs- und Rücknahmeprüfungen, der Asylprüfung, von Dublin-
Verfahren, der Qualitätssicherung und der Prozessvertretung befasst, und
wie sind die diesbezüglichen Planungen für die Zukunft (bitte so
differenziert wie möglich darstellen)?
Die Angaben können der folgenden Tabelle entnommen werden.
Aktueller Personaleinsatz in VZÄ
eD/mD gD hD Summe
Asyl (ohne Widerruf) 1.179,6 820,7 45,6 2.045,9
Widerrufsprüfung 165,5 534,0 10,4 709,9
Prozessvertretung gesamt 151,1 178,9 37,1 367,0
davon Dezentral 142,5 175,8 19,2 337,4
davon Zentral (Referat 61D und 61E) 8,6 3,1 17,9 29,6
Qualitätssicherung gesamt 39,9 135,6 17,5 193,0
davon Dezentral 34,6 104,5 10,7 149,8
davon zentral (Referate 62A, 62B, 62C) 5,3 31,1 6,8 43,2
Dublin-Verfahren 65,3 109,4 0,7 175,4
Die Personalplanung für den operativen Bereich hängt maßgeblich von den
künftigen Aufgabenschwerpunkten ab. Eine verbindliche Aussage kann
deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden.
8. Was kann die Bundesregierung zum Stand des Strafverfahrens gegen die
ehemalige Leiterin der Bremer BAMF-Außenstelle sagen (bitte
ausführen), wie ist der Stand der internen Ermittlungen und Aufarbeitungen der
Vorgänge in Bremen, und welche Disziplinarmaßnahmen in wie vielen
Fällen wurden gegebenenfalls ergriffen (bitte darstellen)?
Das Landgericht Bremen hat über die Zulassung der Anklageschrift der
Staatsanwaltschaft Bremen vom August 2019 gegen die ehemalige Leiterin der
Außenstelle Bremen bisher noch nicht entschieden. Darüber hinaus liegen der
Bundesregierung keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
Neben dem gegen die ehemalige Leiterin der Außenstelle Bremen eingeleiteten
Disziplinarverfahren wurden Disziplinarverfahren gegen sieben weitere
Beamtinnen und Beamten eingeleitet. Diese Disziplinarverfahren wurden im
Hinblick auf die strafrechtlichen Ermittlungen bis zum Abschluss der
strafrechtlichen Ermittlungsverfahren ausgesetzt.
a) Wie viele Widerrufs- bzw. Rücknahmeprüfungen gab es in Bezug auf
Anerkennungen eines Schutzstatus in Bremen unter der genannten
ehemaligen Leiterin mit welchen Ergebnissen (bitte in absoluten und
relativen Zahlen darstellen, dabei nach Widerrufen und Rücknahmen
sowie nach Schutzstatus differenzieren und Folge-, Zweit- und
Wiederaufgreifensverfahren besonders kenntlich machen) – und inwieweit
unterscheidet sich diese Bilanz im Vergleich zu den Widerrufs- und
Rücknahmeprüfungen aller BAMF-Standorte (bitte darstellen)?
Im Rahmen der Widerrufs- bzw. Rücknahmeprüfungen in Bezug auf die
Vorgänge in Bremen kam es zu 13.348 Überprüfungen. Diese orientieren sich an
den durch die interne Revision geprüften Verfahren und umfassen daher auch
Verfahren, die nicht in Bremen entschieden wurden.
Die weiteren Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen
werden.
Insgesamt:
gesamt Erledigungen
Art der Erledigung
anhängigformlose
Einstellung Widerruf Rücknahme
Verfahrenszahl 13.348 13.168 12.503 346 319 180
in Prozent 98,65 % 94,95 % 2,63 % 2,42 % 1,35 %
Differenzierung der Aufhebungen nach Schutzstatus und Verfahrensart:
aufgehobener
Schutzstatus
Verfahrensart der Anerkennungsentscheidung
SummeErstverfahren Folgeverfahren Wiederaufnah-meverfahren
Aufhebungsverfahren
Asyl- und
Flüchtlingsschutz 3 0 0 0 3
Flüchtlingsschutz 232 82 0 0 314
Flüchtlingsschutz und
subsidiärer Schutz 1 0 0 0 1
subsidiärer Schutz 57 1 2 0 60
Abschiebungsverbot e 191 42 53 1 287
Summe 484 125 55 1
in Prozent 72,78 % 18,80 % 8,27 % 0,15 %
Da Zweitanträge nicht als eigene Verfahrensart im elektronischen Aktensystem
beim BAMF geführt werden, wird im Folgenden keine Unterscheidung
zwischen Folge – und Zweitverfahren getroffen.
Im bisherigen Berichtsjahr 2020 liegt die Aufhebungsquote aller Standorte bei
3,20 Prozent. Es zeigt sich, dass die Aufhebungsquote in Bezug auf die
Vorgänge in Bremen (5,05 Prozent) leicht über der durchschnittlichen
Aufhebungsquote liegt. Die Anzahl der widerrufenen/zurückgenommenen Schutzstatus
lässt jedoch keine direkten Rückschlüsse auf etwaiges Fehlverhalten zu, da hier
geprüft wird, ob ein gewährter Schutzstatus in Deutschland weiterhin
aufrechterhalten werden muss oder ob eine Person aufgrund von falschen Angaben oder
Verschweigens wesentlicher Tatsachen seinen Status fälschlicherweise erhalten
hat.
Im Übrigen wird auf die monatlich erscheinenden Asylgeschäftsberichte
einschließlich der Widerrufsstatistiken des BAMF verwiesen.
b) Gegen wie viele dieser Widerrufe bzw. Rücknahmen (bitte
differenzieren) von positiven Entscheidungen in Bremen unter der genannten
ehemaligen Leiterin wurden Rechtsmittel eingelegt, in wie vielen
dieser Fälle wurde mit welchem Ergebnis über diese Rechtsmittel
entschieden (bitte nach Widerrufen, Rücknahmen und Jahren
differenzieren), und wie bewertet es die Bundesregierung und welche
Konsequenzen wurden daraus gezogen, dass in allen sechs bis März 2019
ergangenen Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Hannover die
ursprünglichen Entscheidungen der Bremer Außenstelle zur Gewährung
von Abschiebungsschutz wieder hergestellt wurden, nachdem diese
zwischenzeitlich widerrufen/zurückgenommen worden waren (vgl.
Bundestagsdrucksache 19/8445, Antwort zu Frage 33, bitte
ausführen)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Rechtsmittel gegen Widerrufe eines Schutzstatus in Bremen
Jahr Klageeinstellung rechtskräftigaufgehoben
rechtskräftig
bestätigt
2020 6 5 5
2019 5 0 1
In 122 Verfahren ist derzeit noch eine Klage anhängig.
Rechtsmittel gegen Rücknahmen eines Schutzstatus in Bremen
Jahr Klageeinstellung rechtskräftigaufgehoben
rechtskräftig
bestätigt
2020 0 22 2
2019 1 34 4
2018 6 9 0
2017 0 0 7
In 132 Verfahren ist derzeit noch eine Klage anhängig.
Das BAMF hat die in Bezug genommenen Aufhebungsentscheidungen nach
gründlicher Prüfung getroffen.
Eine grundsätzliche Feststellung von Abschiebungsverbot en insbesondere im
Hinblick auf Bulgarien kam nach Bewertung des BAMF auch im Hinblick auf
die Rechtsprechung anderer Verwaltungsgerichte und die höchstrichterliche
Rechtsprechung nicht in Betracht.
c) In wie vielen Fällen wurde nach bisherigen Untersuchungen nach
Auffassung der Bundesregierung in Bremen unter der genannten
ehemaligen Leiterin zu Unrecht ein Schutzstatus erteilt (bitte nach Jahren und
Staatsangehörigkeiten differenzieren), worauf stützt sich diese
Annahme, und in wie vielen dieser Fälle basierte dies auf einer
Identitätstäuschung, gefälschten Identitätspapieren oder falschen Angaben zur
Herkunft (bitte darstellen)?
Das BAMF hat in 279 Verfahren festgestellt, dass die Voraussetzungen einer
Rücknahme vorgelegen haben, da der Anerkennungsbescheid rechtswidrig
ergangen war.
Die Angaben nach Jahren und der im Anerkennungsverfahren festgestellten
Staatsangehörigkeit können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:
Herkunftsland Jahr der Anerkennung Gesamt2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Syrien – – – 5 29 76 15 125
Serbien – – 1 1 6 17 – 25
ohne Angabe – 1 – – 10 13 – 24
sonst. asiat. Staatsangeh. – – – 1 8 14 – 23
Irak – – – 1 10 2 3 16
Kosovo – 2 – – 9 1 2 14
Russische Föderation – – – – 3 4 3 10
Nordmazedonien – – – 1 5 2 – 8
Afghanistan 1 – 1 – 2 – 3 7
Albanien – – – – 2 3 2 7
Ägypten – – – – – 6 – 6
Staatenlos – – 1 – 2 1 1 5
Armenien – – – – – 1 1 2
Eritrea – – – – – 1 1 2
Nigeria – – – – – – 2 2
Iran – – – – – 1 – 1
Montenegro – – – – – 1 – 1
Somalia – – – – – – 1 1
Gesamt 1 3 3 9 86 143 34 279
Das BAMF leitet in allen Verfahren, in denen es Erkenntnisse dafür gibt, dass
über Identität bzw. Herkunft getäuscht wurde (bspw. bei Vorliegen ge- oder
verfälschter Dokumente), ein Rücknahmeverfahren ein. Gründe, die zur Einleitung
eines Widerrufs- oder Rücknahmeverfahrens führen, werden statistisch nicht
erfasst. Daher sind keine Aussagen dazu möglich, zu welchem Anteil ge- oder
verfälschte Dokumente dazu verwendet wurden, eine falsche Identität bzw.
Herkunft vorzutäuschen.
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ISSN 0722-8333]