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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Das große Artensterben weltweit und vor unserer Haustür

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Datum

08.10.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2283425.09.2020

Das große Artensterben weltweit und vor unserer Haustür

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg, Berengar Elsner von Gronow, Thomas Ehrhorn, Johannes Huber, Enrico Komning und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Der „Living Planet Report“ des World Wide Fund For Nature (WWF) wird seit 1998 alle zwei Jahre veröffentlicht und dokumentiert die Veränderungen der Biodiversität auf der ganzen Welt. Aktuelle Zahlen aus dem „Living Planet Report“ zeigen, wovor Fachexperten seit Jahren eindrücklich warnen – die Tierbestände weltweit haben einen Tiefpunkt erreicht (Frankfurter Allgemeine Zeitung [FAZ], 11. September 2020, Nr. 212, S. 9, „Das große Sterben“, Anna Vollmer). Fachleute konnten zeigen, dass die Populationen von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen in den Jahren zwischen 1970 und 2016 um durchschnittlich 68 Prozent eingebrochen sind (https://www.wwf.de/living-planet-report/?gclid=EAIaIQobChMIyc6r6ofh6wIVi813Ch22CwCdEAA YASAAEgLf3vD_BwE), wobei der Verlust dieser Artenvielfalt auch keinesfalls vor Insekten Halt macht.

In unseren Breiten – so die Experten – gingen die Bestände von Grünlandschmetterlingsarten um 39 Prozent zurück (ebd.). Die Gründe für den signifikanten Rückgang der Schmetterlinge seien auf der einen Seite ein weitgehendes Resultat intensivierter Landwirtschaft. Auf der anderen Seite führen die Wissenschaftler jedoch auch den Umbruch von zusammenhängenden Grünlandflächen, um diese für die Agrarbewirtschaftung nutzbar zu machen, an (ebd.). Ein nach Ansicht der Fragesteller bitterer Beigeschmack dieser Nachrichten zeigt sich bei Betrachtung der zentralen Rolle der Insekten für die Landökosysteme. Denn sie bestäuben Pflanzen, regulieren Schädlinge, beteiligen sich am Nährstoffkreislauf des Bodens und stellen selbst wiederum Nahrung für andere Tierarten dar. Aber auch die Zahl der einheimischen Wildtierpopulationen des Feldhamsters, des Biber und der Rebhühner seien konsequent zurückgegangen, weshalb sie aktiv geschützt werden (ebd. FAZ).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Liegen der Bundesregierung aktuelle Zahlen vor, die den Rückgang der Artenvielfalt von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen in Deutschland valide belegen können?

2

Welche Ursachen sind nach Kenntnis der Bundesregierung maßgeblich am Rückgang der Artenvielfalt in Deutschland beteiligt?

3

Welche Insektengattungen sind neben den Grünlandschmetterlingen nach Kenntnis der Bundesregierung ebenfalls von signifikanten Populationseinbrüchen betroffen, und warum (bitte nach der jeweiligen Gattung und der Ursache des Rückgangs aufschlüsseln)?

4

Welche Maßnahmen werden seitens der Bundesregierung ergriffen, um dem Insektensterben in unseren Breiten entgegenzutreten?

5

Liegen der Bundesregierung Studien zu Folgenabschätzungen vor, die das Risiko für die Landwirtschaft und/oder das Risiko für die Weltbevölkerung bei einem fortwährenden Rückgang der Insektenbestände bewerten?

6

Welche Teile Deutschlands verzeichnen nach Kenntnis der Bundesregierung im besonderen Maße einen Abfall der Wildtierpopulationen von Feldhamster, Biber und Rebhuhn, und welche Gründe können hierfür angeführt werden?

7

Welche Interventionsmaßnahmen in Form von Wiederansiedlungsprojekten zum Arterhalt sind der Bundesregierung bekannt bzw. werden aktuell umgesetzt, um einen Rückgang der Wildtierpopulationen des Feldhamsters, des Bibers und des Rebhuhns Einhalt zu gewähren?

8

Inwieweit und in welcher Form beteiligt sich die Bundesregierung am Erhalt der allgemeinen Biodiversität des Tierreiches in Deutschland und weltweit (bitte nach Tierschutzprojekten und der jeweiligen Förderregion aufschlüsseln)?

Berlin, den 16. September 2020

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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