Entwicklung der Artenvielfalt auf deutschen Agrarflächen
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzt sich nach eigener Aussage für verbesserte Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft sowie der landwirtschaftlichen Strukturvielfalt im Agrarraum und im Wald ein (https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/artenvielfalt/artenvielfalt_node.html). Mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt hat die Bundesregierung 2007 ein übergreifendes und anspruchsvolles Handlungsprogramm beschlossen, um die biologische Vielfalt zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Diese Strategie enthält auch Ziele und Indikatoren, die den Agrarsektor betreffen. Die Sektorstrategie Agrobiodiversität des BMEL und gezielte Fachprogramme für genetische Ressourcen ergänzen die nationale Strategie insbesondere bei dem Ziel, genetische Ressourcen für die Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft langfristig zu erhalten und nachhaltig zu nutzen (https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/artenvielfalt/insekten-biologische-vielfalt.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen21
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Artenzahl der Tagfalter in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland entwickelt?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Artenzahl der Brutvögel in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland entwickelt?
Wie viele Wildbienen-Arten in Deutschland, die in den Roten Listen bewertet werden, sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1980 ausgestorben oder verschollen, und wie viele kamen seitdem neu hinzu (bitte nach Art und Jahr angeben)?
Wie viele Wildbienen-Arten in Deutschland, die in den Roten Listen bewertet werden, sind nach Kenntnis der Bundesregierung vor 1980 ausgestorben oder verschollen (bitte nach Art und Jahr angeben)?
Wie viele Bestäuber-Arten in Deutschland, insbesondere aus den Artengruppen der Tagfalter, der Nachtfaltergruppen Spanner, Eulenspinner, Sichelflügler und Spinnerartige Falter, die in den Roten Listen bewertet werden, sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1980 ausgestorben oder verschollen, und wie viele kamen seitdem neu hinzu (bitte nach Art und Jahr angeben)?
Wie viele Bestäuber-Arten in Deutschland, insbesondere aus den Artengruppen der Tagfalter, der Nachtfaltergruppen Spanner, Eulenspinner, Sichelflügler und Spinnerartige Falter, die in den Roten Listen bewertet werden, sind nach Kenntnis der Bundesregierung vor 1980 ausgestorben oder verschollen (bitte nach Art und Jahr angeben)?
Wie viele Wildbienen-Arten in Deutschland, die in den Roten Listen bewertet werden, profitieren nach Kenntnis der Bundesregierung von Acker-Randstreifen beziehungsweise von Blühstreifen in der Landwirtschaft beziehungsweise benötigen dies als Habitat?
Welche Bestäuber-Arten in Deutschland, insbesondere aus den Artengruppen der Tagfalter, der Nachtfaltergruppen Spanner, Eulenspinner, Sichelflügler und Spinnerartige Falter, die in den Roten Listen bewertet werden, profitieren nach Kenntnis der Bundesregierung von Acker-Randstreifen beziehungsweise von Blühstreifen in der Landwirtschaft beziehungsweise benötigen dies als Habitat?
Wie viele Bestäuber-Arten in Deutschland, insbesondere aus den Artengruppen der Wildbienen, der Tagfalter, der Nachtfaltergruppen Spanner, Eulenspinner, Sichelflügler und Spinnerartige Falter, die in den Roten Listen bewertet werden, sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf eine magere Landschaft, warme, offene Böden und/oder Sandflächen angewiesen, und welchen Einfluss haben nach Einschätzung der Bundesregierung die Eutrophierung der Landschaft, die zugewachsenen Böden und Berghänge sowie die dicht bepflanzte, ertragreiche Landwirtschaft auf diese Arten?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die Insekten- Nützlings- und Schädlingspopulationen in der Landwirtschaft seit 1980 entwickelt haben (wenn ja, bitte ausführen)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob es eine positive oder negative Korrelation zwischen dem Klimawandel und einer Zu- oder Abnahme von Insektenpopulationen sowie einer Zu- oder Abnahme von Insektenarten gibt, und wenn ja, auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich diese Erkenntnis?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Natura 2000-Gebiete (FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete) in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (in Hektar), und welchen Einfluss hatten diese Gebiete nach Kenntnis der Bundesregierung auf die Entwicklung der Wildbienen- und Bestäuber-Arten sowie auf die Artenvielfalt von Vögeln (bitte einzeln angeben)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob die Artenvielfalt von mobilen Vögeln und Insekten von einer höheren Artenzahl bei Ackerwildkräutern in der Landwirtschaft profitiert, und wenn ja, auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich diese Erkenntnis?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen Pflanzenschutzmitteleinsatz und Veränderung der Insektenpopulationen (Schädlinge und Nützlinge) gibt?
a) Wenn ja, auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich diese Erkenntnis?
b) Wenn ja, gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung dabei einen Unterschied zwischen biologischen und konventionellen Pflanzenschutzmitteln?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob in den vergangenen zehn Jahren auf Pflanzenschutzmittel-Behandlungsflächen in der Landwirtschaft – auch bei intensivem Einsatz – Rückgänge bei den Insektenpopulationen festgestellt wurden, wenn ja welche, und hat die Bundesregierung dementsprechende Kenntnisse, ob außerhalb dieser Behandlungsflächen eine grundsätzliche Gefährdung der Insektenpopulationen vorliegt (bitte ausführen)?
Ist der Bundesregierung bekannt, ob es einen systematischen Zusammenhang von Populationsschwankungen bzw. Populationsveränderungen bei Insekten zu Landnutzungsänderungen und Klimaveränderungen gibt?
a) Wenn ja, inwiefern, und auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich diese Erkenntnis?
b) Wenn nein, plant die Bundesregierung, hierzu weitere Forschung zu beauftragen, und wenn ja, wann?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass viele Rote-Listen-Arten gerade auf Flughäfen, Truppenübungsplätzen oder Tagebauen ihre Habitate haben, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus für den Schutz und Erhalt dieser Habitate, insbesondere auch für die technische Gestaltung von Habitaten (https://www.zobodat.at/pdf/Entomologie-heute_25_0161-0192.pdf)?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass bei einer pflugbasierten Ackerkultur gegenüber Mulchverfahren eine Reduktion der Regenwürmer und Bodenarthropoden um über 80 Prozent eintreten kann, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus, insbesondere auch hinsichtlich der Positionierung der Zulassungsverlängerung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat, ohne den Mulchverfahren kaum möglich sein dürften (https://www.uni-goettingen.de/de/document/download/74032d6645247e36bae9f2fcd73a0f05.pdf/AA26%20V11_web.pdf, S. 39)?
Ist der Bundesregierung die Studie von Batáry und Tscharntke zur Effizienz von Agrarumweltmaßnahmen bekannt, wonach verschiedene Maßstäbe bei der Bewertung von Agrarumweltmaßnahmen berücksichtigt werden sollten, und wenn ja, berücksichtigt die Bundesregierung diese Erkenntnisse bei ihrer Bewertung der ökologischen und ökonomischen Wirksamkeit von Umweltmaßnahmen, wenn ja, inwiefern, und berücksichtigt die Bundesregierung dabei auch den Flächenanteil der Maßnahmen sowie die Ertragssituation (https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=6689; bitte ausführen)?
Welche Agrarumweltmaßnahmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf den spezifischen Schutz von Arten und punktuellen Lebensräumen hin ausgerichtet (bitte jeweils die Maßnahme und die Wirkung angeben)?
Welche möglichen negativen ökologischen Auswirkungen ergeben sich nach Kenntnis der Bundesregierung durch Selbstbegrünung auf Stilllegungsflächen, insbesondere auch hinsichtlich eines höheren Pflanzenschutzmittelbedarfs, Unkräutern wie Ackerfuchsschwanz- und Distelpopulationen sowie Rostkrankheiten etc.?