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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Beschäftigungsentwicklung im Sozialwesen

(insgesamt 11 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

21.02.2023

Aktualisiert

02.03.2023

Deutscher BundestagDrucksache 20/534624.01.2023

Beschäftigungsentwicklung im Sozialwesen

der Abgeordneten Gerrit Huy, René Springer, Jürgen Pohl, Norbert Kleinwächter, Jörg Schneider und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben sich der Arbeitsmarkt sowie die Zahl der gemeldeten Stellenangebote in der sozialen Arbeit in den letzten Jahren positiv entwickelt (vgl. Blickpunkt Arbeitsmarkt: Akademikerinnen und Akademiker. August 2022; Kapitel 2.7, S. 1; https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Berufsgruppen/Generische-Publikationen/2-7-Sozialwesen.pdf?__blob=publicationFile&v=2). Als Ursachen für diese Entwicklung werden der demografische Wandel, der mehr soziale Betreuung und Beratung älterer Menschen notwendig macht sowie Projekte, wie der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen benannt (ebd.). Als wesentlicher Treiber der Erwerbstätigkeit im Sozialwesen kam ab der zweiten Jahreshälfte 2015 auch die Fluchtmigration hinzu, die den Bedarf an Beratung, Betreuung und Begleitung zunehmen ließ (ebd.). Insgesamt haben sich die Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialberatung zu einem wichtigen Beschäftigungsbereich entwickelt. Trotz der stetig wachsenden Erwerbsarbeit im Sozialwesen waren in diesem Bereich 2021 28 000 freie Arbeitsstellen für Akademiker bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet (ebd., S. 2). Zugleich kennzeichnet diesen Beschäftigungssektor mit fast einem Drittel ein hoher Anteil befristeter Stellen, da viele Stellen im sozialen Bereich im Rahmen von Projekten öffentlich gefördert werden (ebd.). Laut dem Statistischen Bundesamt waren zum 30. Juni 2022 im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung 6 473 221 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter 3 151 633 in Vollzeit und weitere 3 321 578 in Teilzeit (vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/berufsbereiche.html).

Neben Unklarheiten bezüglich der Rolle und des genauen Umfangs von geringfügiger Beschäftigung im Sozialwesen (vgl. DIW Wochenbericht Nr. 16/2018, Sozialwesen: ein rasant wachsender Wirtschaftszweig. Von Karl Brenke, Thore Schlaak und Leopold Ringwald, S. 307, 310) besteht aufgrund methodischer Umstellungen in der Erhebungslogik des Mikrozensus zudem eine Unschärfe hinsichtlich des exakten Anstiegs der Erwerbstätigen mit einem akademischen Abschluss in der Sozialen Arbeit, wenngleich sich die Zahl der Beschäftigten mit akademischer Ausbildung seit 2011 deutlich erhöht hat (vgl. Blickpunkt Arbeitsmarkt: Akademikerinnen und Akademiker. August 2022; Kapitel 2.7, S. 1). Für einen anhaltenden Wachstumstrend im Sozialwesen spricht zudem ein neues Allzeithoch bei den Studienanfängerzahlen (ebd., S. 2). Laut Prognose des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird der soziale Sektor 2040 der größte Wirtschaftsbereich in Deutschland sein (https://www.ihre-vorsorge.de/nachrichten/lesen/sozialer-sektor-wird-2040-zum-groessten-wirtschaftsbereich.html).

Angesichts des zu erwartenden Bedeutungszuwachses des Sozial- und Gesundheitsbereiches in den nächsten Jahren und der damit für die Solidargemeinschaft einhergehenden hohen Kosten bedarf die Entwicklung der Beschäftigung im Sozialwesen zum Zwecke einer optimalen Steuerung seitens sozial verantwortlicher Politik aus Sicht der Fragesteller einer näheren Analyse.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen11

1

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der privatgewerblich sowie in öffentlichen Einrichtungen bzw. Behörden beschäftigten Mitarbeiter in allen Segmenten des Sozialwesens in Deutschland in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr für alle Segmente des Sozialwesens sowie deren Anteil an allen Erwerbstätigen bzw. allen Wirtschaftszweigen in Deutschland sowie differenziert nach privatgewerblich organisierten Verbänden, Interessensvertretungen und Initiativen sowie nach Mitarbeitern der Sozialverwaltung und Bundesbehörden, wie z. B. Bundesagentur für Arbeit, Jobcenter, nach Kenntnis der Bundesregierung Deutsche Rentenversicherung, Jugendämter, Jugend- und Familienhilfe, Kinderschutz, Jugendvollzugsanstalten, Jugendclubs, Schuldnerberatung, Kindertagesbetreuung, Frauenhäuser, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Gesundheitshilfe, Lebensberatung, Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Tafeln, Berufsbildung, Gerontologie, Einrichtungen der Altenhilfe, Flüchtlingshilfe, Asylhilfe, Ausländerämter und sonstigen Beratungsstellen angeben)?

2

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der in Frage 1 benannten Beschäftigten im deutschen Sozialwesen im europäischen Vergleich sowie im Vergleich mit den außereuropäischen Staaten Japan, USA, China, Südkorea, Neuseeland und Brasilien in den Jahren 2000, 2005, 2010, 2015, 2021 entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie deren Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung und der gesamten Wirtschaftsleistung des jeweiligen Staates angeben)?

3

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der beschäftigten Ausländer sowie der Beschäftigten mit Migrationshintergrund in allen Segmenten des Sozialwesens in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr für alle Segmente des Sozialwesens sowie deren Anteil an allen Erwerbstätigen bzw. allen Wirtschaftszweigen in Deutschland, sowie differenziert nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit: deutsch, Ausländer, EU-Ausländer, Drittstaatenangehörige, angeben)?

4

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Beschäftigten in Teilzeit sowie der ehrenamtlich Beschäftigten in allen Segmenten des Sozialwesens in den letzten zehn Jahres entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr für alle Segmente des Sozialwesens sowie deren Anteil an allen Erwerbstätigen bzw. allen Wirtschaftszweigen in Deutschland sowie differenziert nach Geschlecht angeben)?

5

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Beschäftigten in allen Segmenten des Sozialwesens in Deutschland, die in a) heilenden, b) verwaltenden, c) beratenden, d) lehrenden, e) produzierenden f) und allgemein unterstützenden bzw. begleitenden Tätigkeiten arbeiten in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr angeben)?

6

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Einkommen der privatgewerblich sowie in öffentlichen Einrichtungen bzw. Behörden beschäftigten Mitarbeiter in allen Segmenten des Sozialwesens in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach Qualifikation und Geschlecht angeben)?

7

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Umsätze und Gewinne in allen Segmenten des Sozialwesens sowie im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen in Deutschland in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie im Vergleich zur Gesamtwirtschaft angeben)?

8

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil des Sozialwesens bzw. der Sozialwirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung sowie der gesamten Wirtschaftsleistung in Deutschland in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr für alle Segmente des Sozialwesens und im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen angeben)?

9

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Produktivität in allen Segmenten des Sozialwesens sowie im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen in Deutschland in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie unterschieden nach Organisationstyp und Trägerform angeben)?

10

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die reale Bruttowertschöpfung in allen Segmenten des Sozialwesens in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr sowie differenziert nach Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigenstunde und Bruttowertschöpfung je Erwerbsperson sowie im Vergleich zu allen Erwerbstätigen und Wirtschaftszweigen in Deutschland angeben)?

11

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die Entwicklung der Zahl der Beschäftigten in Wohlfahrtsorganisationen, wie Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V., Arbeiterwohlfahrt e. V., Deutsches Rotes Kreuz e. V., Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., Deutscher Caritasverband e. V., Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V., Malteser Hilfsdienst e. V., Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V., Volkssolidarität Bundesverband e. V., Sozialverband VdK Deutschland e. V., inklusive deren Teil- und Unterorganisationen in den Jahren 2000, 2005, 2010, 2015, 2021 sowie in der Sozialwirtschaft in Deutschland insgesamt vor, und wenn ja, welche (bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung pro Jahr angeben)?

Berlin, den 16. Januar 2023

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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