Nutzung von Abwärme von Rechenzentren in Deutschland
der Abgeordneten Barbara Lenk, Eugen Schmidt, Edgar Naujok, Beatrix von Storch und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Rechenzentren können als „Basisinfrastruktur der Digitalisierung“ betrachtet werden (https://www.bitkom.org/sites/main/files/2022-02/10.02.22-studie-rechenzentren.pdf, hier S. 11), hier werden digitale maschinenlesbare Daten gespeichert, gesichert, verarbeitet und weitergeleitet. Die Bundesregierung möchte den Betrieb von Rechenzentren auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz verpflichten. Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP heißt es dazu: „Wir werden Rechenzentren in Deutschland auf ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausrichten, u. a. durch Nutzung der Abwärme. Neue Rechenzentren sind ab 2027 klimaneutral zu betreiben. Öffentliche Rechenzentren führen bis 2025 ein Umweltmanagementsystem nach EMAS (Eco Management and Audit Scheme) ein“ (https://www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/1990812/04221173eef9a6720059cc353d759a2b/2021-12-10-koav2021-data.pdf?download=1, hier S. 18).
Auch die Digitalstrategie der Bundesregierung bezieht sich auf den Betrieb von Rechenzentren in Deutschland. So sollen Grundlagen für eine „stärkere Nutzung der Abwärme von Rechenzentren“ geschaffen werden (https://www.digitalstrategie-deutschland.de/static/67803f22e4a62d19e9cf193c06999bcf/220830_Digitalstrategie_fin-barrierefrei.pdf, hier S. 38). Zudem will sich die Bundesregierung bis 2025 daran messen lassen, dass „die Abwärme von Rechenzentren besser genutzt wird und sich der Einsatz umwelt- und klimafreundlicher Kühlmethoden verbessert hat“ (ebd., S. 39).
Einer Studie des Branchenverbandes Bitkom zufolge ist trotz „der enormen Bedeutung von Rechenzentren für die Digitalisierung […] das Wissen um die Strukturen und die Entwicklungen im Rechenzentrumsmarkt verhältnismäßig gering“ (https://www.bitkom.org/sites/main/files/2022-02/10.02.22-studie-rechenzentren.pdf, hier S. 11). Die Studie hält weiter fest, dass es keine offiziellen Statistiken zu Rechenzentren gebe; zudem seien die im Rechenzentrumsmarkt verwendeten Begriffe nicht eindeutig (ebd.).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen16
Was genau versteht die Bundesregierung unter einem „Rechenzentrum“, und anhand welcher Kriterien macht sie diesen Begriff fest und differenziert ihn von mutmaßlich verwandten Begriffen wie „Datacenter“, „Cloud Computing“ und „Edge Computing“?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie viele Rechenzentren es in Deutschland gibt, und wenn ja, wie viele sind es? Ist der Bundesregierung die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierte Studie des Branchenverbandes Bitkom bekannt, nach der „das Wissen um die Strukturen und die Entwicklungen im Rechenzentrumsmarkt verhältnismäßig gering“ ist, und wenn ja, hat sich die Bundesregierung zu dieser Einschätzung eine Auffassung gebildet, und wie lautet diese gegebenenfalls?
Wie viele Rechenzentren in Deutschland werden von der Bundesregierung, ihren Bundesministerien und nachgeordneten Behörden betrieben (bitte nach Leistung und Standort aufschlüsseln)?
Liegen der Bundesregierung Informationen vor zur Attraktivität des deutschen Marktes für Rechenzentren für internationale Anbieter im Vergleich zu anderen europäischen Märkten hinsichtlich
a) der hiesigen Strompreise,
b) der Dauer der Genehmigungsprozesse,
c) der Sicherheit und Stabilität der Energieversorgung,
d) der gegebenen und künftigen Nachfrage durch industrielle und private Kunden,
e) der räumlichen Nähe zu prominenten Internetknoten,
f) vorhandener Fachkräfte,
g) der Datensicherheit und des Datenschutzes,
h) der Szenarien für einen temporären Ausfall des Rechenzentrums,
i) der administrativen Regulierungen und
j) der vorhandenen respektive geplanten Vorgaben zur Nachhaltigkeit sowie der Nutzung der entstehenden Abwärme,
und wenn ja, wie schätzt sie diese Attraktivität ein?
Wie viel Geld beabsichtigt die Bundesregierung bis 2025 in den Betrieb, den Erhalt, die Sicherheit und gegebenenfalls den Um- sowie Ausbau der bundeseigenen Rechenzentrumsinfrastruktur zu investieren, und wie viel Geld dieser Investition wird schätzungsweise für „umwelt- und klimafreundliche“ Kühlmethoden der Rechenzentren benötigt (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
Wie viele Rechenzentren in Deutschland werden nach Wissen der Bundesregierung von sogenannten Hyperscalern (sehr große kommerzielle Anbieter von Rechenzentren und Rechendienstleistungen für mehrheitlich industrielle Kunden, https://www.storage-insider.de/was-ist-ein-hyperscaler-a-986939/) betrieben (bitte nach Betreiber und Standort aufschlüsseln)?
Ist der Bundesregierung bekannt, wie die privaten Betreiber von Rechenzentren in Deutschland, speziell die Hyperscaler, ihre Anlagen kühlen, und wenn ja, hält die Bundesregierung diese Kühltechnik für nachahmenswert (bitte ausführen)?
Ist der Bundesregierung bekannt, wie die privaten Betreiber von Rechenzentren in Deutschland, speziell die Hyperscaler, die entstehende Abwärme ihrer Anlagen nutzen, und wenn ja, hält die Bundesregierung diese Nutzung der Abwärme für nachahmenswert (bitte ausführen)?
Kann die Bundesregierung angeben, wie viele Rechenzentren in Deutschland über eine potenzielle infrastrukturelle Anbindung an ein kommunales Fernwärmenetz verfügen, die es erlaubte, die genannte Abwärme zu Heizungszwecken zu nutzen (bitte ausführen)?
Welche Methoden zur Kühlung der in privaten wie bundeseigenen Rechenzentren verschalteten Rechner kommen nach Wissen der Bundesregierung gegenwärtig zum Einsatz (bitte differenzieren)?
Welche umwelt- und klimafreundlichen Kühlmethoden für Rechenzentren (siehe Vorbemerkung der Fragesteller) sind der Bundesregierung bekannt, und sind diese Kühlmethoden nach Wissen der Bundesregierung
a) bei den vom Bund und seinen nachgeordneten Behörden betriebenen Rechenzentren und/oder
b) bei den privat betriebenen Rechenzentren
im Einsatz, und wenn ja, mit welchen Ergebnissen?
Besteht nach Wissen der Bundesregierung bei kommunalen Energieversorgern ein wirtschaftliches Interesse der Nutzung der Abwärme von Rechenzentren etwa zum Heizen von Gebäuden, und gibt es nach Auffassung der Bundesregierung einen Markt für Abwärme von Rechenzentren?
a) Wenn es nach Auffassung der Bundesregierung einen Markt für Abwärme von Rechenzentren gibt, welche Akteure mit welchen Interessen begegnen sich auf diesem Markt, und wie hoch wäre nach Auffassung der jährliche Umsatz auf einem solchen Markt?
b) Wenn es nach Auffassung der Bundesregierung einen Markt für Abwärme von Rechenzentren nicht gibt, beabsichtigt die Bundesregierung, einen solchen Markt mit den Mitteln der Subvention und der Regulierung zu schaffen?
Wie sollte nach Auffassung der Bundesregierung ein Preis für die Nutzung der Abwärme der Rechenzentren etwa durch kommunale Energieversorger gebildet werden (bitte ausführen)?
Liegen der Bundesregierung bereits Reaktionen der Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie zur im Koalitionsvertrag und in der Digitalstrategie (siehe Vorbemerkung de Fragesteller) projektierten stärkeren Nutzung der Abwärme von Rechenzentren vor, und wenn ja, wie fallen diese aus?
Gibt es nach Auffassung der Bundesregierung auch für bereits bestehende Rechenzentren ein Datum, ab dem sie „klimaneutral“ zu betreiben wären, und welche Kriterien müssen nach Auffassung der Bundesregierung erfüllt sein, damit der Betrieb eines Rechenzentrums als „klimaneutral“ zu betrachten wäre (siehe Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
Welche externen Akteure, etwa Stiftungen, Vereine, wissenschaftliche Institute, Nichtregierungsorganisationen, waren wie genau an der Ausarbeitung und Formulierung eingangs zitierten Digitalstrategie beteiligt, und welche Akteure waren gegebenenfalls wie genau speziell am Passus zu „Schutz von Klima, Umwelt und Ressourcen“ (Digitalstrategie, a. a. O., S. 37 bis 39) beteiligt?