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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Weiterer Umgang mit dem Beutegreifer Wolf

(insgesamt 29 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz

Datum

26.07.2023

Aktualisiert

19.11.2024

Deutscher BundestagDrucksache 20/746827.06.2023

Weiterer Umgang mit dem Beutegreifer Wolf

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Nach aktuellen Angaben lebten im Monitoringjahr 2021/2022 in ganz Deutschland insgesamt 161 bestätigte Rudel, 43 Paare und 21 territoriale Einzeltiere (www.bmuv.de/themen/naturschutz-artenvielfalt/artenschutz/nationaler-artenschutz/der-wolf-in-deutschland). Ausgehend von durchschnittlich etwa acht Tieren pro Rudel entspricht das mindestens etwa 1 400 Wölfen. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weitaus höher sein, weil bei der Datenerhebung beispielsweise der Nachwuchs nicht berücksichtigt wird. Der Deutsche Jagdverband (DJV) geht davon aus, dass es aufgrund der hohen Populationszuwachsrate von etwa 35 Prozent bereits im Jahr 2020 rund 1 800 Wölfe in Deutschland gab (www.jagdverband.de/djv-kritisiert-intransparente-veraltete-wolfszahlen).

Mit zunehmendem Wolfsbestand steigen auch die wolfsverursachten Schäden. Im Jahr 2021, aktuellere Zahlen liegen nicht vor, wurden knapp 3 500 Nutztiere in Deutschland von Wölfen getötet (www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herderschutz/schadensstatistik). Immer mehr Schäfer und Weidetierhalter geben deshalb auf (www.landundforst.de/landwirtschaft/tier/woelfe-reissen-weidetiere-tierhalter-demonstrieren-hannover-567608). Experten wie Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel sind sich sicher, dass eine Koexistenz mit dem Wolf auf Dauer nur gelingen kann, wenn dem Wolf durch reguläre und kontrollierte Bejagung die Scheu vor Menschen, vor menschlichen Ansiedlungen und vor Weidetieren anerzogen wird (www.landundforst.de/landwirtschaft/tier/interview-wolfsmanagement-isegrim-regulieren-erhalten-569423).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen29

1

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie hoch die Zahl der offiziell bestätigten Wolfsrisse im Jahr 2022 in Deutschland war, und wenn ja, wie hat sich die Zahl der Wolfsrisse in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte auch prozentual angeben)?

2

Ist die Bundesregierung angesichts der Entwicklung der Zahl der Wolfsrisse in den vergangenen Jahren der Auffassung, dass der gegenwärtig praktizierte Weidetierschutz funktioniert?

3

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie viele Schäfer und Weidetierhalter aufgrund des Wolfes aufgegeben haben, und wenn ja, wie hat sich dies in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

4

Wie viele Bundesmittel fließen jährlich in den Bereich „Wolf“, und wie hat sich die Höhe dieser Mittel in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte auch die jeweiligen Haushaltstitel, die Anzahl der Personalstellen etc. angeben)?

5

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie groß die wirtschaftlichen Schäden durch den Wolf in Deutschland insgesamt sind, und wenn ja, wie hat sich das in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

6

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie hoch die Kosten für Herdenschutzmaßnahmen im Jahr 2022 waren, und wenn ja, wie haben sich diese Kosten in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (wenn ja, bitte nach Jahr je Bundesland und Anteil der staatlichen Kosten angeben)?

7

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie hoch die Ausgleichszahlungen für wolfsverursachte Nutztierschäden im Jahr 2022 waren, und wenn ja, wie haben sich diese Kosten in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte ggf. nach Jahr und je Bundesland angeben)?

8

Ist der Bundesregierung die Einschätzung von Experten wie Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel bekannt, dass eine Koexistenz mit dem Wolf auf Dauer nur gelingen könne, „wenn dem Wolf durch reguläre und kontrollierte Bejagung die Scheu vor Menschen, vor menschlichen Ansiedlungen und vor Weidetieren anerzogen wird“, wenn ja, hat sich die Bundesregierung eine eigene Position dazu erarbeitet, und wie lautet diese ggf. (www.landundforst.de/landwirtschaft/tier/interview-wolfsmanagement-isegrim-regulieren-erhalten-569423)?

9

Tauscht sich die Bundesregierung mit europäischen Nachbarländern, die den Wolf regulär bejagen, bezüglich des Umgangs mit dem Beutegreifer Wolf aus?

a) Wenn ja, in welcher Form, und wie regelmäßig, und was sind die bisherigen Erkenntnisse dieses Austauschs?

b) Wenn nein, warum nicht?

10

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Zahl der gehaltenen Weidetiere in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat (wenn ja, bitte angeben)?

11

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, ob flächendeckend aufgestellte Herdenschutzzäune die Landschaft durchschneiden und damit den Lebensraum vieler anderer Wildtierarten beeinträchtigen (landvolk.net/lpdartikel/herdenschutzzaeune-sind-keine-echte-loesung/; wenn ja, bitte ausführen)?

12

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, welche Offenlandarten verschwinden würden, wenn die Beweidung in Deutschland großflächig aufgegeben wird (wenn ja, bitte ausführen)?

13

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, welche Insektenarten verschwinden würden, wenn die Beweidung in Deutschland großflächig aufgegeben wird (bitte ggf. ausführen)?

14

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, ob die Wölfe in Deutschland möglicherweise zu Kulturfolgern werden (bitte ggf. ausführen)?

15

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, ob sich die eurasische Metapopulation des Wolfes im günstigen Erhaltungszustand befindet und ob die Art vom Aussterben bedroht ist (www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/im_fokus/infoportal_wolf/erhaltungszustand/der-gunstige-erhaltungszustand-217093.html; wenn ja, bitte ausführen)?

16

Warum hat die Bundesregierung der EU-Kommission einen „ungünstigschlechten“ Erhaltungszustand des Wolfes gemeldet, obwohl es im Erfassungsjahr 2021/2022 insgesamt 1 175 Wölfe in 161 Rudeln, 43 Paare und als Einzeltiere in Deutschland gab und die Population zunimmt (www.hegering-gladbeck.de/eu-kommissar-wolfsabschuss-ist-laut-ffh-richtlinie-moeglich/)?

17

Berücksichtigt die Bundesregierung bei der Bewertung des Erhaltungszustandes des Wolfes in Deutschland den Austausch der deutschen Wolfsbestände mit ihren Herkunftspopulationen in Ost- und Südeuropa, und wenn nein, welche konkreten Kriterien werden bei der regelmäßigen Meldung des Erhaltungszustandes des Wolfes berücksichtigt?

18

Hat die Bundesregierung wissenschaftliche Erkenntnisse zur und/oder fördert sie die Erforschung von innovativen Ansätzen zum Schutz von Weidetieren vor Wölfen, wie beispielsweise mit Bewegungssensoren in Anlehnung an das Gepardenforschungsprojekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (idw-online.de/de/news759410)?

a) Wenn ja, inwiefern konkret?

b) Wenn nein, warum nicht?

19

Trifft es zu, dass der Deutsche Jagdverband (DJV) zum ersten Teil der „Dialogreihe Wolf“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) keine offizielle Einladung erhalten hat, und wenn ja, warum bzw. mit welcher Begründung erhielt dieser keine Einladung (www.topagrar.com/management-und-politik/news/wolfsmanagement-umweltministerium-setzt-weiter-auf-herdenschutz-13393639.html)?

20

Warum hat im Programm des ersten Teils der „Dialogreihe Wolf“ des BMUV das Thema Bestandsmanagement keine Rolle gespielt (ebd.)?

21

Welche Oppositionsparteien bzw. Oppositionsfraktionen wurden zum ersten Teil der „Dialogreihe Wolf“ des BMUV eingeladen (ebd.)?

22

Haben sich das BMUV oder das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in dieser Legislaturperiode mit Vertretern des DJV zum Thema Wolf getroffen, und wenn ja, wie oft (bitte auch nach Datum, Jahr und Inhalt des Gesprächs aufschlüsseln)?

23

Haben sich das BMUV oder das BMEL in dieser Legislaturperiode mit anderen Interessenvertretern zum Thema Wolf getroffen, und wenn ja, mit welchen, und wie oft (bitte auch nach Datum, Jahr und Inhalt des Gesprächs aufschlüsseln)?

24

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, dass die Koalitionsfraktionen „bis zum Sommer“ Eckpunkte für ein rechtskonformes Wolfsmanagement vorlegen möchten, und wenn ja, inwiefern ist die Bundesregierung dabei involviert (www.topagrar.com/jagd-und-wald/news/fdp-kuendigt-eckpunkte-fuer-deutsches-wolfsmanagement-an-13387049.html)?

25

Hat die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP beschlossene Überarbeitung der Monitoring-Standards durchgeführt, um die Anzahl der in Deutschland lebenden Wölfe realitätsgetreu abbilden zu können (www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/1990812/1f422c60505b6a88f8f3b3b5b8720bd4/2021-12-10-koav2021-data.pdf?download=1, S. 38)?

a) Wenn ja, wann, und wie konkret?

b) Wenn nein, warum nicht, und beabsichtigt die Bundesregierung dies?

26

Beabsichtigt die Bundesregierung, den Ländern das im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP beschlossene regional differenzierte Bestandsmanagement zu ermöglichen (www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/1990812/1f422c60505b6a88f8f3b3b5b8720bd4/2021-12-10-koav2021-data.pdf?download=1, S. 38)?

a) Wenn ja, wann, und wie konkret?

b) Wenn nein, warum nicht?

27

Beabsichtigt die Bundesregierung, nach Artikel 16 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie), in Bezug auf den strengen Schutzstatus des Wolfes Ausnahmeregelungen zuzulassen, um ein aktives Bestandsmanagement des Wolfes zu ermöglichen (www.agrarheute.com/politik/eukommissar-wolfsabschuss-laut-ffh-richtlinie-moeglich-602293)?

a) Wenn ja, wann, und was konkret?

b) Wenn nein, warum nicht?

28

Sind der Bundesregierung Konflikte mit Herdenschutzhunden, insbesondere in Tourismusregionen, bekannt, so wie es auch die Erfahrungen in europäischen Nachbarländern zeigen, und wenn ja, hat sie sich bezüglich der Folgen für den deutschen Tourismus eine Auffassung gebildet, und wie lautet diese ggf. (www.aargauerzeitung.ch/schweiz/herdenschutzhunde-schnappen-zu-die-zahl-der-angriffe-auf-wanderer-steigt-ld.2083848)?

29

Hat sich nach Einschätzung der Bundesregierung die im Jahr 2019 vom Deutschen Bundestag beschlossene Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes für die erleichterte Entnahme von sogenannten „Problemwölfen“ in der Praxis bewährt (www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw51-de-bundesnaturschutzgesetz-673952; www.agrarheute.com/politik/wolfaenderung-naturschutzgesetz-war-rohrkrepierer-ansage-571852)?

a) Wenn ja, inwiefern, bzw. nach welchen Kriterien wird das gemessen?

b) Wenn nein, wo sieht die Bundesregierung konkreten Nachbesserungsbedarf?

Berlin, den 19. Juni 2023

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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