Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Bernd
Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/8214 –
Populationsentwicklung der Honigbienen sowie Honigimporte
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
„Wildbienen und Honigbienen sind wegen ihrer Bedeutung für die biologische
Vielfalt durch das Bundesnaturschutzgesetz und die
Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt“ (
https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/a
rtenvielfalt/bienen-fuettern/massnahmen.html). Bienen liefern Honig, sind
aber vor allem als Bestäuber vieler Pflanzen in der Landwirtschaft sowie dem
Obst- und Gartenbau unersetzlich. Erste Wege zur Weiterentwickelung von
Anbaukonzepten, beispielsweise eine standortangepasste Fruchtfolge, die
Aktualisierung von Schadschwellen oder intelligente Lösungen für den
nichtchemischen Pflanzenschutz, die Erhöhung der Vielfalt von Anbaukulturen,
werden bereits beschritten (ebd.). „Durch die optische Erkennung von
beispielsweise Unkrautnestern werden Herbizide gezielt nur dort gespritzt, wo sie
wirken sollen. Prognosemodelle, die das Auftreten der Schaderreger, Wetterdaten
und die Entwicklung der Kultur einbeziehen, zeigen die richtigen Zeitpunkte
für chemische Pflanzenschutzmaßnahmen an […]“ (ebd.).
Bakterien, Viren und Parasiten und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln
erschweren das Leben der Honigbienen und Wildbienen. Durch die Abtötung
der Nahrungsgrundlagen, Wild- und Beikräuter im Acker-, Obst- und Weinbau
durch Herbizide entfallen wichtige Nahrungsgrundlagen und kleinflächige
Lebensräume für Insekten (
https://www.bmuv.de/faq/was-ist-der-zusammenhan
g-zwischen-glyphosat-und-insektensterben#:~:text=Effektiver%20Insektensch
utz%20erfordert%20einen%20grunds%C3%A4tzlich,untersch%C3%A4tzend
e%20Ursache%20f%C3%BCr%20das%20Insektensterben).
„Im Jahr 2022 wurden in Deutschland insgesamt rund 34.100 Tonnen Honig
erzeugt. Der Konsum von Honig (
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/
383886/umfrage/konsum-von-honig-in-deutschland/) lag jedoch wesentlich
höher.
Im weltweiten Vergleich ist die Produktionsmenge von Deutschland eher
gering. Die führenden Erzeugerländer (
https://de.statista.com/statistik/daten/stud
ie/1147653/umfrage/die-wichtigsten-erzeuger-fuer-honig-weltweit/) von
Honig stellen China, die Türkei und der Iran dar“ (
https://de.statista.com/statis
tik/daten/studie/206835/umfrage/erzeugung-und-verbrauch-von-honig-in-deut
schland/#:~:text=Im%20Jahr%202022%20wurden%20in,T%C3%BCrkei%20
und%20der%20Iran%20dar).
Deutscher Bundestag Drucksache 20/8388
20. Wahlperiode 18.09.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 18. September 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
„Deutschland ist bei Honig auf Importe angewiesen. So kann die
Bundesrepublik Deutschland den Bedarf an Honig nur zu 28 Prozent selbst produzieren.
Dementsprechend wurden im Jahr 2021 über 78.000 Tonnen Honig aus dem
Ausland importiert“ (
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201045/umfr
age/herkunft-und-menge-des-nach-deutschland-exportierten-honigs/#:~:text=
Deutschland%20ist%20bei%20Honig%20auf,Honig%20aus%20dem%20Ausl
and%20importiert).
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis von der Entwicklung der
Gesamtgröße der Population der Honigbienen der letzten zehn Jahre (wenn ja, bitte
angeben)?
Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes e. V. für die Jahre 2012 bis 2015
und nach Ermittlung der Bundesländer ab dem Jahr 2016 hat sich die Anzahl
der Honigbienenvölker folgendermaßen entwickelt.
Jahr Anzahl der Völker
2012 698.714
2013 652.710
2014 741.461
2015 771.851
2016 807.379
2017 859.375
2018 879.197
2019 915.902
2020 950.755
2021 982.390
2022 995.954
2. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Bienenvölker in
anderen Ländern (weltweit) entwickeln, wenn ja, gibt es Anzeichen für
positive Entwicklungen, und wenn ja, warum?
Auf der Grundlage der statistischen Erfassung durch die Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die Anzahl der
Honigbienenvölker weltweit gesehen generell ansteigend, jedoch mit sehr
großen regionalen Schwankungen. In einigen Ländern zeigt sich ein starker
Anstieg, während in anderen ein hoher Rückgang in den letzten 50 Jahren zu
verzeichnen ist.1 Derzeit beschäftigen sich eine Vielzahl von Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern weltweit mit der Ursachenforschung. Neben biotischen
und abiotischen Einflussfaktoren können auch politische Konflikte (z. B. Krieg
in der Ukraine), ökonomische und gesellschaftliche Faktoren sowie der
Klimawandel (insbesondere Wetterextreme) Ursachen für den zu beobachtenden
Verlauf sein.
3. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Verlustraten an
Bienenvölkern in den Wintermonaten der letzten fünf Jahre (inklusive
Winter 2022/2023)?
Die Winterverluste an Honigbienenvölkern werden für Deutschland im
Rahmen des Kooperationsprojekts „Deutsches BienenMonitoring (DeBiMo)“ er-
1 Statistiken der Welternährungsorganisation – Food and Agriculture Organization Statistics (FAOSTAT), online
abrufbar unter:
https://www.fao.org/faostat/en/#data
fasst. Für den Berichtszeitraum Winter 2022/2023 wurden noch keine Daten
veröffentlicht.
In den Wintermonaten der vorherigen Jahre zeigen die Verlustraten der im
Monitoring berücksichtigten Honigbienenvölker nach Einschätzung der
Expertinnen und Experten des Julius Kühn-Instituts (JKI) keine größeren
Auffälligkeiten (2021/2022: 18,3 Prozent; 2020/2021: 12,6 Prozent; 2019/2020: 14,1
Prozent; 2018/2019: 11,5 Prozent; 2017/2018: 12,6 Prozent)2 und sind im Mittel
ähnlich.
4. Hat die Bundesregierung Kenntnis vom Bestand der Wildbienen,
Hummeln, Hornissen und Wespen, und wenn ja, wie ist hier die Entwicklung
in den letzten zehn Jahren einzuschätzen?
In Deutschland sind gemäß der aktuellen Roten Liste von 2011 561 Arten der
Wildbienen etabliert. 228 Arten sind in ihrem Bestand gefährdet (Kat. 1, 2, 3,
G), das sind 40,9 Prozent der 557 bewerteten Arten. Weitere 39 Arten (7
Prozent) sind in Deutschland bereits ausgestorben oder verschollen (Kat. 0).
Zusätzliche 26 Arten (4,7 Prozent) sind extrem selten (Kat. R), ohne einer
Gefährdungskategorie (Kat. 1, 2, 3, G) zugeordnet zu sein. Damit stehen 293 Arten
(52,6 Prozent) der Wildbienen auf der Roten Liste im engeren Sinne.
Ungefährdet sind 207 Arten (37,2 Prozent; Kat. *). 232 Arten (41,7 Prozent) zeigten in
den Jahren zwischen 1980 und 2011 eine Abnahme der Bestände. Zunahmen
konnten im selben Zeitraum bei 10 Arten (1,8 Prozent) festgestellt werden.
254 Arten (45,6 Prozent) zeigten gleichbleibende Bestände.3
Hummeln sind eine Gattung (Bombus) der Wildbienen und in Deutschland laut
oben genannter Roter Liste mit 41 Arten vertreten. Davon sind 12 Arten
(29,3 Prozent) in ihrem Bestand gefährdet (Kat. 1, 2, 3, G). Weitere 3 Arten
(7,3 Prozent) sind in Deutschland bereits ausgestorben oder verschollen
(Kat. 0). Eine weitere Art (2,4 Prozent) ist extrem selten (Kat. R), ohne einer
Gefährdungskategorie (Kat. 1, 2, 3, G) zugeordnet zu sein. Damit stehen 16
Arten (39 Prozent) der Hummeln auf der Roten Liste im engeren Sinne.
Ungefährdet sind 19 Arten (46,3 Prozent). 15 Arten (36,6 Prozent) zeigten in den
Jahren zwischen 1980 und 2011 eine Abnahme der Bestände. Zunahmen
konnten im selben Zeitraum bei einer Art (2,4 Prozent) festgestellt werden. 19 Arten
(46,3 Prozent) zeigten gleichbleibende Bestände.4
In Deutschland sind gemäß der aktuellen Roten Liste von 2011 561
Wespenarten etabliert. Dazu zählen die Grabwespen, Wegwespen, Goldwespen,
Faltenwespen, Spinnenameisen, Dolchwespen, Rollwespen und Keulhornwespen.
206 Arten sind in ihrem Bestand gefährdet (Kat. 1, 2, 3, G), das sind 36,9
Prozent der bewerteten 559 Arten. Weitere 36 Arten (6,4 Prozent) sind in
Deutschland bereits ausgestorben oder verschollen. Zusätzliche 16 Arten (2,9 Prozent)
sind extrem selten (Kat. R), ohne einer Gefährdungskategorie (Kat. 1, 2, 3, G)
zugeordnet zu sein. Damit stehen 258 Arten (46,2 Prozent) der Wespen auf der
Roten Liste im engeren Sinne. Ungefährdet sind 270 Arten (48,3 Prozent).
209 Arten (37,4 Prozent) zeigten in den Jahren zwischen etwa 1985 und 2011
eine Abnahme der Bestände. Zunahmen konnten im selben Zeitraum bei keiner
Art festgestellt werden. 303 Arten (54,2 Prozent) zeigten gleichbleibende Be-
2 DeBiMo, online abrufbar unter: https://
www.debimo.de
3 Westrich, P.; Frommer, U.; Mandery, K.; Riemann, H.; Ruhnke, H.; Saure, C. & Voith, J. (2011): Rote Liste und
Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera: Apidae) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.;
Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere,
Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz
und Biologische Vielfalt 70 (3): 373–416)
4 Westrich et al. 2011
stände.5 Die Hornisse (Vespa crabro) ist eine Wespenart und gehört zu den
Faltenwespen. Sie ist laut Roter Liste in Deutschland mäßig häufig und
ungefährdet.6
Zu der Entwicklung der Bestände der oben genannten Arten in den letzten zehn
Jahren liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Aktualisierungen
der bundesweiten Roten Listen der Bienen und der Wespen sind in Planung.
Diese werden nicht vor 2026 vorliegen.
5. Welche Schutzmaßnahmen für die Bienen hält die Bundesregierung,
neben dem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Mitteln aus der
Förderung durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), der
Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) und
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM), langfristig für
erfolgreich und auf breiter Linie durchsetzbar, und welche haben sich
ausdrücklich bewährt?
Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden im deutschen
GAPStrategieplan (GAP-SP) im Sektorprogramm „Imkereierzeugnisse“
Interventionen angeboten, die über die Förderung des Bienenzuchtsektors mittelbar
auch den Bienen selbst zugutekommen.
Diese beinhalten die verstärkte Unterstützung der in Deutschland überwiegend
hobbymäßig betriebenen Imkerei durch Verbesserung der Bienengesundheit,
Verbesserung der besonderen Erzeugungs- und Vermarktungsbedingungen von
Bienenzuchterzeugnissen sowie durch Unterstützung der angewandten
Forschung unter anderem zur Verbesserung der Honigqualität, der
Bienengesundheit und der Zucht leistungsstarker resistenter Bienenvölker, um langfristig die
Bestäubungsleistung der Honigbiene zu gewährleisten. Bei den für Deutschland
nach den Festlegungen des Strategieplans maßgeblichen
Interventionskategorien stehen im Sektor Bienen der Erhalt und die Zucht von gesunden
Bienenvölkern im Vordergrund und nicht mehr überwiegend die Verbesserung von
Produktion und Vermarktung der Bienenzuchterzeugnisse, die aber einen nicht
abgrenzbaren und weiterhin relevanten Teilaspekt darstellen. Ziel ist nach wie
vor, einen möglichst großen Bienenbestand in Deutschland aufzubauen.
Zur Umkehr des Rückgangs an Bestäubern insgesamt tragen im GAP-SP auch
insbesondere Maßnahmen zur Erhöhung der Anzahl, der Dauer und der
Diversität von Blühflächen, zur Reduzierung der Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln sowie gezielten Biotopschutzmaßnahmen bei., Die GAP bietet
zahlreiche freiwillige Maßnahmen in Form der Öko-Regelungen sowie der
Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen von unterschiedlich hoher Relevanz für den
Schutz von Bienen an.
Weiterhin trägt der Ausbau des ökologischen Landbaus zur Förderung der
Anbauvielfalt und Verbesserung der Lebensbedingungen auch für Insekten bei.
Abgesehen von den Bemühungen im Rahmen der GAP, wurden zum Teil auch
ordnungsrechtliche Regelungen im Natur- und Insektenschutz verschärft.
5 Schmid-Egger, C. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Wespen Deutschlands, Hymenoptera Aculeata:
Grabwespen (Ampulicidae, Crabronidae, Sphecidae), Wegwespen (Pompilidae), Goldwespen (Chrysididae), Faltenwespen
(Vespidae), Spinnenameisen (Mutillidae), Dolchwespen (Scoliidae), Rollwespen (Tiphiidae) und Keulhornwespen
(Sapygidae), 2. Fassung, Stand Januar 2011. – In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere,
Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Naturschutz und Biologische Vielfalt, 70 (3),
417–465.)
6 Schmid-Egger 2011
6. Hält die Bundesregierung die Vielfalt der Anbaukulturen durch eine
deutliche Veränderung der Förderpolitik, insbesondere EU-Förderung, in
der Landwirtschaft für umsetzbar, und plant Deutschland eine
eigenständige klimaangepasste Steuerung?
a) Wenn ja, wie wird sie diese Ziele erreichen?
b) Wenn nein, wie wird sie gegensteuern?
Die Fragen 6 und 6b werden gemeinsam beantwortet.
Deutschland fördert die Vielfalt der Anbaukulturen bereits umfangreich,
sowohl durch Ausgestaltung der EU-Förderung als auch über nationale
Förderinstrumente.
GAP-Direktzahlungen werden nur unter Einhaltung der Standards zum Erhalt
des guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustands (GLÖZ-Standards)
vollständig gewährt. Dazu gehört der Standard 7 Fruchtwechsel, der
Mindestvorgaben für den schlagbezogenen Fruchtwechsel beinhaltet.
Darüber hinaus wird über die Öko-Regelungen als Teil der Direktzahlungen der
Anbau vielfältiger Kulturen gefördert, der deutlich über den GLÖZ-Standard
hinausgeht. Dabei müssen auf den Ackerflächen eines Betriebes mindestens
fünf Kulturen und auf mindestens 10 Prozent der Fläche Leguminosen
angebaut werden.
Die Vielfalt der Kulturen wird auch durch die Förderung von Gehölzstreifen
über die Öko-Regelungen gefördert.
Die vorgenannten Öko-Regelungen werden durch EU-Mittel finanziert, sind
aber spezifisch für Deutschland entwickelt worden.
Darüber hinaus kann der Anbau vielfältiger Kulturen durch zusätzliche
Berücksichtigung großkörniger Leguminosen zur Erhöhung der Vielfalt der
Ackerkulturen im Förderbereich 4 (C. 1.0 „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“) der
Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) ergänzend zu den
oben genannten Öko-Regelungen gefördert werden.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert darüber
hinaus entsprechend des in der Ackerbaustrategie verankerten Ziels, die
Kulturpflanzenvielfalt zu erhöhen und die Fruchtfolgen zu erweitern, einschlägige
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie Modell- und
Demonstrationsvorhaben. Hierzu tragen etwa Vorhaben aus der Bekanntmachung über die
Förderung von Forschungsvorhaben zur Anpassung der Pflanzenproduktion an die
Folgen des Klimawandels, der Bekanntmachung über die Förderung von
Innovationen zur Züchtung von klimaangepassten Sorten und Kulturpflanzen und
die Demonstrationsbetriebe Integrierter Pflanzenbau bei.
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Importquote von Bienenhonig
nach Deutschland zu senken, indem die heimische Produktion gestärkt
wird?
a) Wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen, und sind Anreize für
Berufseinsteiger bzw. Jungimker geplant?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 7 bis 7b werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Selbstversorgungsgrad (SVG) mit Honig in Deutschland liegt aufgrund der
Struktur des Bienenzuchtsektors (ca. 99 Prozent Hobbyimkerinnen und
Hobbyimker sowie rund 1 Prozent Berufsimkerinnen und Berufsimker) bei 40
Prozent. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von ca. 1 Kilogramm Honig ist
Deutschland allerdings Spitzenreiter in Europa. Der Bienenzuchtsektor wird durch
Förderung durch die GAP und die GAK unterstützt, um die Zahl der Bienenvölker
zu erhalten und möglichst zu erhöhen. Dies beinhaltet auch eine Förderung für
Jungimkerinnen und Jungimker sowie Berufseinsteigerinnen und
Berufseinsteiger. Die Festlegung von Art, Umfang und Höhe der Förderung liegt in der
Zuständigkeit der Bundesländer. Eine Steigerung des relativ geringen SVG ist
aufgrund der oben angegebenen Sektorstruktur nur in sehr begrenztem Umfang
möglich. Ein entsprechender Import ist daher zur Deckung des Bedarfs der
Bevölkerung unabdingbar.
8. Beabsichtigt die Bundesregierung, den Haupthandelsweg (über den
Landweg) für Honiglieferungen aus der Ukraine zu sichern, und wenn ja,
wie konkret (vgl.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201045/um
frage/herkunft-und-menge-des-nach-deutschland-exportierten-honigs/#:
~:text=Deutschland%20ist%20bei%20Honig%20auf,Honig%20aus%20d
em%20Ausland%20importiert)?
Aus Sicht der Bundesregierung bleiben die Unterstützung der ukrainischen
Land- und Ernährungswirtschaft und die Beibehaltung der Exportfähigkeit für
die Ukraine von hoher Wichtigkeit. Gemeinsam mit europäischen Partnern
setzt sich die Bundesregierung für den weiteren Ausbau prioritärer „Solidarity
Lanes“ zu permanenten und leistungsfähigen Exportrouten ein.
9. Welchen Einfluss haben nach Kenntnis der Bundesregierung die
klimatischen Veränderungen (Temperaturen, schwankende Niederschläge,
abiotische und biotische Schäden) auf die Populationsentwicklung der
Bienenvölker in Deutschland, und ist ein Trend erkennbar?
Ergänzend zur Antwort zu Frage 2 können nach Einschätzung des JKI
Klimaveränderungen einen Einfluss auf die Populationsentwicklung der
Honigbienenvölker in Deutschland haben. Zu den wichtigsten Faktoren gehören:
– Temperatur: Steigende Temperaturen können die Aktivität von Honigbienen
beeinflussen. Übermäßige Hitze kann dazu führen, dass Honigbienen
weniger aktiv sind und ihre Nahrungssuche einschränken.
Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen, können Honigbienen auch direkt schädigen.
– Niederschläge: Veränderungen im Niederschlagsmuster können die
Verfügbarkeit von Nahrungspflanzen für Honigbienen beeinflussen.
Langanhaltende Dürreperioden können die Wasserressourcen beeinträchtigen, die
Honigbienen für ihre bienenstockinterne Klimaregulierung benötigen.
– Abiotische Schäden: Extremwetterereignisse, wie Stürme oder starke
Regenfälle, können Honigbienenstöcke beschädigen oder zerstören.
– Biotische Schäden: Der Klimawandel kann auch das Auftreten von
Krankheiten und Schädlingen beeinflussen, die Honigbienenpopulationen
bedrohen.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Faktoren nicht isoliert betrachtet werden
können, da sie oft miteinander interagieren. Zum Beispiel können höhere
Temperaturen und schwankende Niederschläge das Vorkommen und das Angebot
an Nektar und Pollen von Pflanzen und Blüten beeinflussen, die Honigbienen
als Nahrungsquelle nutzen.
Es zeichnet sich nach Erkenntnissen des JKI ein Trend ab, dass die
Populationsentwicklung von Honigbienenvölkern in Deutschland und anderswo stark
von regionalen und saisonalen oder jährlichen klimatischen Bedingungen
beeinflusst werden kann.7 Langfristig gesehen kann der Klimawandel eine
zusätzliche Belastung für Honigbienenvölker darstellen, wenn er zu immer häufiger
auftretenden extremen Wetterereignissen und Veränderungen in der
Verfügbarkeit von Nahrungspflanzen führt. Dies zeigt die Relevanz von
Klimawandelprognosen für Trendanalysen.
10. Welche neuen Erkenntnisse kann die Bundesregierung aus den laufenden
Monitoring-Programmen „Deutsches BienenMonitoring“ (
https://bienen
monitoring.uni-hohenheim.de/), des Instituts für Bienenschutz am Julius
Kühn-Institut (
https://www.julius-kuehn.de/bs/) und „Monitoring der
biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften“ (
https://www.monitoringzentru
m.de/steckbriefe/monvia-monitoring-der-biologischen-vielfalt-der-agrarl
andschaft#:~:text=Mit%20dem%20bundesweiten%20Monitoring%20der
,Bewertung%20umweltpolitischer%20F%C3%B6rderma%C3%9Fnahm
en%20geschlossen%20) bereits zur Kenntnis geben?
Gibt es bereits Problemlösungsansätze (bitte ausführen)?
Aktuell gibt es eine Vielzahl an Monitoringprojekten in Deutschland, die
regional oder sporadisch und mit oft uneinheitlicher Methodik Wildbienenbestände
erfassen. Für Honigbienen gibt es bereits methodisch abgestimmte
Monitoringaktivitäten, wie DeBiMo und TrachtNet Deutschland, die eine bedeutend
größere bundesweite Abdeckung erreichen. Allerdings fehlte meistens die
Verbindung der Honigbienenentwicklung und der Agrarlandschaften. Seit dem Jahr
2019 werden im Rahmen des Verbundprojekts „Nationales Monitoring der
biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften (MonViA)“ standardisierte
Erfassungsmethoden für Honig- und Wildbienenbestände erfolgreich entwickelt und seit
dem Jahr 2022 bundesweit im Feld getestet.
Um die für die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen relevanten
hohlraumnistenden Wildbienen und Hummeln zu erfassen, werden in MonViA außerdem
bestandsschonende Monitoring-Methoden entwickelt. Belastbare Aussagen
über Bestandsentwicklungen können aus diesen Ansätzen allerdings noch nicht
abgeleitet werden. Ziel von MonViA ist, ein integriertes bundesweites
Monitoring mit modernen, standardisierten Methoden zu etablieren.
11. Hat die Bundesregierung Kenntnis zum aktuellen Auftreten der
Bienenparasiten Kleiner Beutenkäfer und Asiatische Hornisse in den deutschen
Bundesländern (Forschungs- und Innovationsprojekt „Bee Warned“,
https://www.lwg.bayern.de/beewarned)?
a) Wenn ja, wo und in welcher Populationsgröße treten sie auf?
Die Fragen 11 und 11a werden gemeinsam beantwortet.
Nach amtlicher Kenntnis ist der Kleine Beutenkäfer in Deutschland noch nie
aufgetreten.
Die in Europa vorkommende Unterart der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina
nigrithorax), die als Nahrung für ihre Larven Wirbellose, unter anderem auch
Wild- und Honigbienen, erbeutet, ist als Räuber (Prädator) und nicht als Parasit
von Bienen einzuordnen. Seit dem 3. August 2016 ist sie als invasive Art von
unionsweiter Bedeutung gemäß Artikel 4 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014
gelistet. In Deutschland gilt die Asiatische Hornisse als nicht etabliert und
unterliegt dementsprechend der Früherkennung (Artikel 16 EU-VO 1143/2014).
Beobachtungen von Arten, die der Früherkennung unterliegen, müssen bei der
EU-Kommission unverzüglich notifiziert werden. Nach dem Erstnachweis die-
7 TrachtNet Deutschland, online abrufbar unter:
https://dlr-web-daten1.aspdienste.de/cgi-bin/tdsa/tdsa_client.pl
ser Art in Deutschland im Jahre 2014 sind insgesamt 14 Notifizierungen der
Asiatische Hornisse an die EU-Kommission erfolgt. Diese stammten aus
Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz und Saarland. Dabei handelte es sich in neun Fällen um
Beobachtungen von einzelnen oder wenigen Individuen und in fünf Fällen um Nester.8
b) Wenn ja, gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung inzwischen
resistente Bienenrassen und/oder eine Impfung gegen den Parasitenbefall?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen vor, ob und welche der
bekannten Unterarten der Honigbiene (Apis mellifera) weniger anfällig für den
Fraßdruck der Asiatischen Hornisse sind. Da die Asiatischen Hornisse kein
Parasit ist, ist eine Impfung ausgeschlossen. Auch zum Kleinen Beutenkäfer
liegen zu beiden Aspekten keine Erkenntnisse vor.
8 European Alien Species Information Network - Notification System (EASIN Notsys); online verfügbar unter:
https://e
asin.jrc.ec.europa.eu/notsys/, abgerufen am 6. September 2023
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333