Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Thomas Seitz, Martin Hess,
Gereon Bollmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/8504 –
Schwere Ausschreitungen in Stuttgart auf einer Veranstaltung eines
regierungsnahen eritreischen Vereins
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 16. September 2023 kam es in Stuttgart bei einer Veranstaltung des
Verbandes eritreischer Vereine zu schweren Ausschreitungen (
www.derstandar
d.de/story/3000000187259/schwere-ausschreitungen-am-rande-bei-eritrea-tref
fen-in-deutschland). Bis zu 200 Personen sollen Polizisten mit Steinen,
Flaschen und Holzlatten angegriffen und 24 Polizisten dabei verletzt haben.
228 Personen wurden vorläufig festgenommen (
www.zeit.de/gesellschaft/zeit
geschehen/2023-09/eritrea-festival-ausschreitungen-nancy-faeser-verurteilt?ut
m_referrer=https%3A%2F%2F
www.google.com%2F).
Die Veranstaltung war von einem regierungsnahen eritreischen Verein
organisiert worden (
www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-nac
h-eritrea-ausschreitungen-in-stuttgart-was-steckt-hinter-dem-konflikt-10
0.html). Zu den Auseinandersetzungen kam es, weil Anhänger der eritreischen
Opposition die Veranstaltung stören wollten.
212 der Verdächtigen hätten die eritreische Staatsbürgerschaft, sieben
Verdächtige seien deutsch mit eritreischen Wurzeln (
www.welt.de/politik/deutsch
land/article247520998/Stuttgart-228-Festnahmen-nach-Eritrea-Randale.html).
Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft,
forderte im Interview mit der „Welt“: „Wer den Schutzstatus missbraucht, dem
muss der Schutzstatus entzogen werden“ (
www.welt.de/politik/deutschland/vi
deo247530408/Gewalt-auf-Eritrea-Veranstaltung-Wer-den-Schutzstatus-miss
braucht-dem-muss-der-Schutzstatus-entzogen-werden.html).
Vom Verband der eritreischen Vereine in Stuttgart wurde angekündigt, weitere
Veranstaltungen durchzuführen (
www.welt.de/politik/deutschland/video24753
0408/Gewalt-auf-Eritrea-Veranstaltung-Wer-den-Schutzstatus-missbraucht-de
m-muss-der-Schutzstatus-entzogen-werden.html).
Deutscher Bundestag Drucksache 20/8941
20. Wahlperiode 19.10.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat
vom 17. Oktober 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, welche Vereine in
Stuttgart an der Veranstaltung teilgenommen haben und welche Vereine für
die Organisation der Veranstaltung verantwortlich waren (wenn ja, bitte
nach Name, Sitz und Rechtsform des Vereins aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine eigenen Erkenntnisse im Sinne der
Fragestellung vor.
2. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, wie viele als
gemeinnützig im Sinne der Abgabenordnung anerkannte eritreische Vereine
oder Organisationen in Deutschland aktuell ihren Sitz haben (wenn ja,
bitte nach Namen der Organisation, Sitz, Gründungsjahr, Rechtsform,
Tätigkeitsschwerpunkt aufschlüsseln)?
Eine abschließende Übersicht über alle als gemeinnützig im Sinne der
Abgabenordnung anerkannten eritreischen Vereine oder Organisationen mit Sitz in
Deutschland liegt der Bundesregierung nicht vor. Entsprechende Informationen
sind jedoch öffentlich zugänglich und u. a. über das Gemeinsame
Registerportal der Länder, und über
https://www.handelsregister.de/rp_web/welcome.
xhtml auch öffentlich abrufbar.
3. Wurden seit 1. Januar 2013 den in Frage 2 erfragten Organisationen
Geldmittel von Bundesministerien oder nachgeordneten Dienststellen
bewilligt (wenn ja, bitte nach Namen der Organisation, Höhe und Art der
Mittel, Datum der Bewilligung aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
4. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, wie viele eritreische
Organisationen, die nicht als gemeinnützig anerkannt sind, derzeit in
Deutschland ihren Sitz haben (wenn ja, bitte nach Namen der
Organisation, Bundesland, Gründungsjahr, Rechtsform, Tätigkeitsschwerpunkt
aufschlüsseln)?
Eine abschließende Übersicht über alle als nicht gemeinnützig anerkannten
eritreischen Organisationen mit Sitz in Deutschland liegt der Bundesregierung
nicht vor. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
5. Wurde seitens des Bundesamtes für Verfassungsschutz jemals geprüft, ob
von den Akteuren der eritreischen Organisationen bzw. von den
Organisationen selbst eine Gefahr für die freiheitlich demokratische
Grundordnung ausgehen könnte, wenn ja, wann wurde diese Prüfung bzw. wurden
diese Prüfungen veranlasst, und zu welchem Ergebnis führten sie, und
wenn nein, warum nicht, und ist eine solche Prüfung geplant?
Die kontinuierliche Prüfung derartiger Bestrebungen ist – im Sinne des
gesetzlichen Auftrags des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) – Gegenstand der
fortlaufenden Auswertungstätigkeit des BfV. Diesem liegen derzeit keine
Erkenntnisse über Akteure oder Organisationen im Zusammenhang mit den
Auseinandersetzungen eritreisch-oppositioneller sowie eritreisch-
regierungsfreundlicher Personenpotentiale vor, die Bestrebungen i. S. d. § 3 Absatz 1 Nummer 1
Variante 1 des Bundesverfassungsschutzgesetzes (BVerfSchG) entfalten.
6. Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass es eritreische
Organisationen in Deutschland gibt, die in Deutschland Positionen der
eritreischen Regierung vertreten und verbreiten (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller), und wenn ja, um welche Organisationen handelt es sich,
und wie viele Personen sind dort organisiert?
Der Bundesregierung liegen keine eigenen Erkenntnisse im Sinne der
Fragestellung vor.
7. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, wie viele Eritreer seit dem
1. Januar 2013 aus dem Bundesgebiet ausgewiesen wurden und wie viele
abgeschoben wurden (wenn ja, bitte nach Jahr, Zahl, Bundesland
aufschlüsseln)?
Wie viele der genannten Personen waren nach Kenntnis der
Bundesregierung zuvor in Deutschland strafrechtlich in Erscheinung getreten?
Zum Stichtag vom 31. August 2023 waren im Ausländerzentralregister 654
Personen mit eritreischer Staatsangehörigkeit erfasst, die in den Jahren 2013 bis
2023 eine oder mehrere Ausweisungsverfügungen erhalten haben (jede Person
wird insgesamt nur einmal mit der aktuellsten Ausweisungsverfügung gezählt).
Eine Aufschlüsselung nach Ländern und Jahren kann der nachfolgenden
Tabelle entnommen werden.
Land Jahr
2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Summe
Baden-
Württemberg
2 61 148 25 211 6 5 3 4 465
Bayern 3 5 5 5 6 7 6 11 7 5 10 70
Hamburg 1 1 1 1 1 5
Hessen 9 4 4 4 6 5 6 9 10 1 5 63
Niedersachsen 1 1 1 3
Nordrhein-
Westfalen
3 3 10 1 3 2 3 25
Rheinland-Pfalz 1 4 1 2 2 10
Saarland 1 1 1 3
Sachsen 1 1 2 1 5
Sachsen-Anhalt 2 2 1 5
Gesamt 15 12 11 71 172 44 230 35 30 13 21 654
Angaben zu abgeschobenen Personen mit eritreischer Staatsangehörigkeit nach
veranlassendem Land und Jahr können den nachfolgenden Tabellen
entnommen werden.
Veranlassendes Land 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Baden-Württemberg 1 5 8 45 40
Bayern 2 5 17 86 72
Berlin 5 4 14 6
Brandenburg 1 4 7 12 8
Bremen
Hamburg 1 10 21 11
Hessen 7 28 19 12 57 62
Mecklenburg-Vorpommern 11 3 6 9 9
Niedersachsen 5 3 9 18 7
Nordrhein-Westfalen 8 14 7 16 69 64
Rheinland-Pfalz 7 14 71 52
Saarland 8 3 1 15 5
Sachsen 6 7 16 9
Sachsen-Anhalt 1 8 14 25 13
Schleswig-Holstein 2 15 7
Thüringen 2 3 1 43 14
Bundespolizei 1 10 4 2 1 2
Gesamt 16 83 83 130 517 381
Veranlassendes Land 2019 2020 2021 2022 2023
bis 31. August
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Anzahl
Personen
Baden-Württemberg 27 7 7 7 1
Bayern 43 8 8 5 7
Berlin 1 1 1
Brandenburg 2 1 1
Bremen
Hamburg 6 2 8 1
Hessen 58 8 5 8 4
Mecklenburg-Vorpommern 8 1 1
Niedersachsen 9 1
Nordrhein-Westfalen 61 10 7 3
Rheinland-Pfalz 24 1 4 5 1
Saarland 4 1 2 1 3
Sachsen 4 1
Sachsen-Anhalt 6 1 1 1
Schleswig-Holstein 4 3 3
Thüringen 16 1
Bundespolizei 2 2 6 2
Gesamt 275 45 47 42 18
Weitere Angaben im Sinne der Fragestellung liegen der Bundesregierung nicht
vor.
8. Wie vielen Eritreern ist in den letzten fünf Jahren der Schutzstatus
widerrufen worden (bitte nach Jahr, Zahl, Bundesland, Grund des Widerrufs
aufschlüsseln)?
Die Antwort kann den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
2019 Entscheidungen
insgesamt
davon
Land Widerruf/
Rücknahme Art. 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
Baden-
Württemberg 709 – 8 1 –
Bayern 1.675 – 22 9 –
Berlin 171 – – – –
Brandenburg 336 – 3 – –
Bremen 144 – 1 – –
Hamburg 305 – 8 – –
Hessen 2.483 1 26 3 1
Mecklenburg-
Vorpommern 172 – – 2 –
Niedersachsen 629 – 2 1 –
Nordrhein-
Westfalen 2.078 – 19 2 –
Rheinland-Pfalz 426 – 5 1 –
Saarland 139 – 5 1 –
Sachsen 455 – – 1 –
Sachsen-Anhalt 421 – 4 1 –
Schleswig-
Holstein 634 – 2 – 3
Thüringen 275 – 1 1 –
unbekannt – – – – –
Gesamt 11.052 1 106 23 4
2020 Entscheidungen
insgesamt
davon
Land Widerruf/
Rücknahme Art. 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
Baden-
Württemberg 1.589 – 32 3 2
Bayern 3.413 – 55 11 –
Berlin 301 – 6 – –
Brandenburg 282 – 5 4 –
Bremen 201 – – – –
Hamburg 971 – 11 1 –
Hessen 2.779 – 54 8 1
Mecklenburg-
Vorpommern 160 – 1 1 –
Niedersachsen 615 – 11 1 –
Nordrhein-
Westfalen 2.270 – 40 5 –
Rheinland-Pfalz 818 – 9 2 –
Saarland 147 – – – –
Sachsen 477 – 6 – 1
Sachsen-Anhalt 319 – 8 – –
Schleswig-
Holstein 654 – 14 1 1
Thüringen 461 – 14 4 –
unbekannt 1 – – – –
Gesamt 15.458 – 266 41 5
2021 Entscheidungen
insgesamt
davon
Land Widerruf/
Rücknahme Art. 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
Baden-
Württemberg 1.155 1 17 6 –
Bayern 1.304 19 42 15 3
Berlin 222 – 2 1 1
Brandenburg 115 – 7 3 –
Bremen 49 – 2 – –
Hamburg 355 – 9 2 –
Hessen 2.084 – 37 8 1
Mecklenburg-
Vorpommern 123 – 1 – –
Niedersachsen 554 – 10 1 1
Nordrhein-
Westfalen 1.915 – 22 5 1
Rheinland-Pfalz 599 – 5 2 –
Saarland 96 – 4 1 –
Sachsen 332 – 4 6 –
Sachsen-Anhalt 272 – 4 – –
Schleswig-
Holstein 217 – 9 – –
Thüringen 270 1 7 5 –
Gesamt 9.662 21 182 55 7
2022 Entscheidungen
insgesamt
davon
Land Widerruf/
Rücknahme Art. 16a
GG
Widerruf/
Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
Baden-
Württemberg 150 3 16 2 –
Bayern 258 1 13 13 2
Berlin 23 – 3 1 –
Brandenburg 47 – 1 2 –
Bremen 9 – – – –
Hamburg 19 – 4 – –
Hessen 312 – 19 3 1
Mecklenburg-
Vorpommern 36 – – 1 –
Niedersachsen 30 – 2 1 –
Nordrhein-
Westfalen 183 – 14 1 –
Rheinland-Pfalz 80 – 4 6 –
Saarland 13 – 3 – –
Sachsen 56 – 2 1 –
Sachsen-Anhalt 46 – 3 – –
Schleswig-
Holstein 8 – – – 1
Thüringen 42 – 3 – –
Gesamt 1.312 4 87 31 4
Jan. bis August
2023
Entscheidungen
insgesamt
davon
Land Widerruf/
Rücknahme
Art. 16a GG
Widerruf/Rücknahme
Flüchtlingseigenschaft
Widerruf/
Rücknahme
subsidiärer
Schutz
Widerruf/
Rücknahme
Abschiebungsverbot
Baden-
Württemberg 47 – 1 2 –
Bayern 145 2 8 8 –
Berlin 5 – – 1 –
Brandenburg 13 – 1 1 –
Bremen 2 – – – –
Hamburg 11 – 1 – –
Hessen 125 1 10 – –
Mecklenburg-
Vorpommern – – – – –
Niedersachsen 32 – 1 2 –
Nordrhein-
Westfalen 86 – 8 1 1
Rheinland-Pfalz 23 – 3 – –
Saarland 7 – – – –
Sachsen 13 – 2 1 –
Sachsen-Anhalt 22 – – – 1
Schleswig-
Holstein 12 – – – –
Thüringen 13 – – 2 –
Gesamt 556 3 35 18 2
Die Gründe eines Widerrufes werden statistisch nicht erfasst.
9. Wie viele Asylanträge von eritreischen Staatsangehörigen wurden im
Jahr 2022 und im ersten Halbjahr 2023 in Deutschland gestellt (bitte
nach Jahr, Bundesland und Geschlecht der Antragssteller aufschlüsseln)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Jahr 2022 Asylanträge
Baden-Württemberg 361
Bayern 597
Berlin 87
Brandenburg 71
Bremen 49
Hamburg 201
Hessen 820
Mecklenburg-Vorpommern 39
Niedersachsen 196
Nordrhein-Westfalen 708
Rheinland-Pfalz 223
Saarland 73
Sachsen 114
Sachsen-Anhalt 125
Schleswig-Holstein 242
Thüringen 111
unbekannt 3
Gesamt 4.020
Nach Geschlecht Asylanträge
Männlich 1.785
Weiblich 2.235
Gesamt 4.020
1. Halbjahr 2023 Asylanträge
Baden-Württemberg 254
Bayern 445
Berlin 64
Brandenburg 43
Bremen 10
Hamburg 74
Hessen 459
Mecklenburg-Vorpommern 33
Niedersachsen 135
Nordrhein-Westfalen 441
Rheinland-Pfalz 144
Saarland 27
Sachsen 86
Sachsen-Anhalt 61
Schleswig-Holstein 142
Thüringen 81
Gesamt 2.499
Nach Geschlecht Asylanträge
Männlich 1.149
Weiblich 1.350
Gesamt 2.499
10. Ist der Bundesregierung die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierte
Aussage von Rainer Wendt bekannt, und hat sie sich dazu ggf. eine
Positionierung erarbeitet, wie lautet diese gegebenenfalls, und sieht die
Bundesregierung Anlass zur Änderung des Ausländerrechts, insbesondere
des Gesetzes über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die
Integration von Ausländern im Bundesgebiet (AufenthG)?
Die Bundesregierung kommentiert die Äußerungen Dritter grundsätzlich nicht.
Grundsätzlich gilt, dass die Ausschluss- und Widerrufsgründe im Hinblick auf
die Zuerkennung des internationalen Schutzes (Flüchtlingseigenschaft und
subsidiärer Schutz) durch das Recht der Europäischen Union abschließend geregelt
und im Asylgesetz (AsylG) und Aufenthaltsgesetz (AufenthG) umgesetzt sind.
Bereits nach geltendem Recht wird die Asylberechtigung, die
Flüchtlingseigenschaft und der subsidiäre Schutz eines Ausländers widerrufen, wenn er aus
schwerwiegenden Gründen als eine Gefahr für die Sicherheit der
Bundesrepublik Deutschland anzusehen ist oder eine Gefahr für die Allgemeinheit
bedeutet, weil er wegen eines Verbrechens oder besonders schweren Vergehens
rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt
worden ist. Beim subsidiären Schutz ist der Widerruf des Schutzstatus eines
Ausländers bereits möglich, wenn schwerwiegende Gründe die Annahme
rechtfertigen, dass er eine schwere Straftat begangen hat. Ob diese Voraussetzungen
vorliegen, kann nicht mit dem pauschalen Hinweis auf einen „Missbrauch des
Schutzstatus“ beantwortet werden, sondern ist nach höchstrichterlicher
Rechtsprechung stets im Einzelfall zu prüfen.
Darüber hinaus sind in Umsetzung der Rückführungsoffensive bereits zum
1. Januar 2023 erste Gesetzesänderungen in Kraft getreten.
Die Anordnung der Abschiebungshaft wurde im Hinblick auf Straftäter
erleichtert, indem die Drei-Monats-Frist des § 62 Absatz 3 Satz AufenthG
(„Prognosezeitraum“) auf sechs Monate verlängert wurde. Straftätern kann zudem
leichter das Aufenthaltsrecht entzogen werden, indem die Vorgaben für die
Ausweisung von Straftätern mit Schutzstatus in § 53 AufenthG strikt an der
europäischen Vorgabe des Artikel 24 Absatz 1 und 2 der Qualifikationsrichtlinie
ausgerichtet werden; damit wurde das Schutzniveau für Straftäter auf das
europarechtlich zulässige Niveau abgesenkt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333