Potenzielle Risiken für Kleinkinder durch melatoninhaltige Einschlafhilfen in Form von Süßigkeiten
der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz, Martin Sichert, Kay-Uwe Ziegler, Christina Baum, Jörg Schneider, Thomas Dietz und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Derzeit folgen Eltern in den sozialen Medien dem Trend, Kleinkindern und Kindern Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin in Form von Bonbons oder bunten Gummibärchen zum schnelleren Einschlafen zu geben (vgl. www.diepta.de/news/gefaehrlicher-trend-aerzte-warnen-kein-melatonin-fuer-kinder). Viele Kinderärzte halten diesen Trend für sehr riskant, da es beispielsweise in den USA in den vergangenen Jahren mehrere Todesfälle von Kleinkindern gab, die im zeitlichen Zusammenhang mit stark erhöhten Melatoninwerten standen (ebd.).
Die Verbraucherzentrale rät, dass melatoninhaltige „Einschlafhilfen“ generell nicht in Form von Bonbons verkauft werden sollten. Dies lässt sich damit begründen, dass diese insbesondere von Kindern leicht mit herkömmlichen Süßigkeiten verwechselt und in größeren Mengen verzehrt werden könnten (vgl. www.verbraucherzentrale-hessen.de/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/wick-zzzquil-gute-nacht-bonbons-gefaehrlich-fuer-kinder-64419).
Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel und werden in Supermärkten und Drogerien zum freien Verkauf angeboten (vgl. www.verbraucherzentrale.de/wissen/projekt-klartext-nahrungsergaenzung/informationen/rechtliches/nahrungsergaenzungsmittel-und-ihre-vertriebswege-13246#:~:text=Nahrungserg%C3%A4nzungsmittel%20werden%20in%20Superm%C3%A4rkten%20und,Sachkundenachweis%20(IHK%2DPr%C3%BCfung ).
Im Rahmen des Koalitionsvertrags zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP haben die Regierungsparteien vereinbart, insbesondere mit Blick auf Kinder bessere Möglichkeiten für eine gesunde Ernährung zu schaffen (vgl. Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP, www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf, S. 36, Ernährung).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Fördert die Bundesregierung derzeit Forschungsprojekte zum Thema „melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel“, und wenn ja, welche, wie hoch werden diese Projekte finanziell von der Bundesregierung gefördert (bitte nach Projekt aufschlüsseln), und aus welchen Haushaltstiteln stammen die Ausgaben?
Verfügt die Bundesregierung über Informationen, wie viele melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel auf dem deutschen Markt erhältlich sind (wenn ja, bitte ausführen)?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass in den sozialen Medien Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin als Wundermittel für Kinder mit Titeln wie „Wie du dein Kind in unter 5 Minuten zum Schlafen bringst“ von Eltern beworben werden, und wenn ja, zieht die Bundesregierung Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln hieraus (vgl. www.diepta.de/news/gefaehrlicher-trend-aerzte-warnen-kein-melatonin-fuer-kinder)?
Plant die Bundesregierung Aufklärungsmaßnahmen, um Eltern über die möglichen negativen Auswirkungen von melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln für ihre Kinder aufzuklären?
Ist der Bundesregierung der Ratschlag der Verbraucherzentrale bekannt, dass melatoninhaltige „Einschlafhilfen“, gleich ob sie als Lebens- oder Arzneimittel verkauft werden, generell nicht in Form von Bonbons verkauft werden sollten, und wenn ja, leitet sie daraus Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handelns ab (bitte ggf. ausführen, vgl. www.verbraucherzentrale-hessen.de/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/wick-zzzquil-gute-nachtbonbons-gefaehrlich-fuer-kinder-64419)?
Ist der Bundesregierung bekannt, ob sich hinter der Gabe von melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln Gefahren für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder verbergen, und wenn ja, welche bisher wissenschaftlich belegten Gefahren sind der Bundesregierung bekannt?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen, damit die Rechtsprechung bei melatoninhaltigen Erzeugnissen klar definiert wird und diese nicht mehr als Lebensmittel, sondern nur noch als Arzneimittel eingestuft werden?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
Plant die Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass die zugelassenen Health Claims (z. B. Melatonin trage dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Eltern dazu motivieren könnten, ihren Kindern melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel zum Verkürzen der Einschlafzeit zu geben, verboten werden (vgl. www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2022/04/13/melatonin-als-nem-wo-sind-die-gesetzlichen-grenzen)?