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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Die negativen Auswirkungen des Fischmehlgeschäfts für Umwelt und die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika

(insgesamt 5 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Datum

26.04.2024

Aktualisiert

10.06.2024

Deutscher BundestagDrucksache 20/1103111.04.2024

Die negativen Auswirkungen des Fischmehlgeschäfts für die Umwelt und die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika

der Abgeordneten Dietmar Friedhoff, Markus Frohnmaier, Edgar Naujok, Stefan Keuter, Prof. Dr. Harald Weyel, Dr. Malte Kaufmann und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Die deutsche Entwicklungspolitik hat nach Ansicht der Fragesteller die angestrebten Ziele in Afrika nicht erreicht. Nach Auffassung der Fragesteller ist die bisherige deutsche Entwicklungspolitik dysfunktional, weil sie die Merkmale und Ursachen der Unterentwicklung des afrikanischen Kontinents nicht berücksichtigt: Die tatsächlichen Probleme werden kaum adressiert; die Entwicklungspolitik verschließt die Augen vor den entwicklungshemmenden Problemen, die oft an der Eigenverantwortung der Afrikaner liegen.

Das Fischmehlgeschäft an den Küsten vor Westafrika stellt in den Augen der Fragesteller ein eklatantes Beispiel dafür dar. Chinesische Boote fischen diese Küsten leer, um direkt vor Ort in eigenen Fabriken billiges Fischmehl zu erzeugen – welches dann nach China und Norwegen gebracht wird, wo es in der Lachszucht verfüttert wird. Westafrika gehört zu den am schnellsten wachsenden Produzenten von Fischmehl: Mehr als fünfzig Verarbeitungsbetriebe wurden entlang der Küsten von Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau und Gambia errichtet. Die weltweite Nachfrage nach ihrer Ware explodiert. Das Fischmehl wird in 50 Kilogramm schwere Plastiksäcke geschaufelt und für die Verschiffung in Versandcontainer geladen. Ein Versandcontainer fasst 400 Säcke, und beispielsweise die drei Fabriken in Gambia füllen etwa 20 bis 40 Container pro Tag, also 800 000 Kilo Fischmehl pro Tag (www.spiegel.de/ausland/gambia-chinas-trawler-fischen-afrikas-kuesten-leer-fuer-unseren-lachs-aus-norwegen-a-8e9559d1-13ca-453a-a6e8-51eea97e49ab).

Inzwischen trägt die Aquakulturindustrie zu etwa der Hälfte des weltweiten Fischkonsums bei. Sie ist mit einem Wert von mehr als 260 Mrd. Dollar die am schnellsten wachsende Branche der globalen Nahrungsmittelproduktion. Die Fütterung der Tiere bleibt jedoch die größte Herausforderung bei der Fischzucht, denn das Futter macht – je nach Fisch – zwischen 50 und 90 Prozent der Betriebskosten der Industrie aus, und bisher ist Fischmehl die einzige kommerziell nutzbare Futterquelle. Dabei verbrauchen die Aquakulturfarmen teilweise mehr Fisch als sie später wiederum an Supermärkte und Restaurants liefern. Bevor er auf den Markt kommt, kann ein gezüchteter Thunfisch mehr als das Fünfzehnfache seines Gewichts an freilebendem Fisch fressen, der zu Fischmehl verarbeitet wurde (ebd.).

Die Auswirkungen des Fischmehlgeschäfts in Afrika schaden nicht nur der Existenzgrundlage und der wirtschaftlichen Entwicklung der Menschen vor Ort, sie sind für das ökologische Gleichgewicht in Gewässern und für die angrenzende Umwelt fatal: Die traditionellen Fischer, die seit Generationen vom Fischfang leben, sehen sich plötzlich mit leeren Netzen konfrontiert, weil die großen chinesischen Industrieschiffe das Meer in einer rasanten Geschwindigkeit leerfischen. Von der Fischmehlproduktion profitieren die Anwohner kaum, denn die Produktionsprozesse sind weitestgehend automatisiert, viele Arbeitsplätze entstehen nicht dabei. Auch werden nachweislich giftige Abwässer, die bei der Produktion entstehen, ins Meer abgeleitet und verursachen den Anwohnern gesundheitliche Probleme wie Hautausschläge. Das Meer leidet unter der Algenvermehrung, Tausende tote Fische werden an Land gespült. Der unerträgliche Geruch, der aus den Fischmehlfabriken kommt, geht zulasten des Tourismus (ebd.).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen5

1

Befasst sich ein Bundesministerium im Rahmen der Afrika-Politik der Bundesregierung mit der Problematik und den Folgen des dortigen steigenden Fischmehlgeschäfts insbesondere an den westafrikanischen Küsten?

a) Wenn ja, welches Bundesministerium befasst sich hiermit?

b) Wenn ja, in welcher Abteilung?

c) Wenn nein, warum nicht?

2

Liegen der Bundesregierung Informationen über den Umfang des Fischmehlgeschäfts in Afrika vor, und wenn ja, welche, und hat sich die Bundesregierung über die daraus resultierende Lage eine eigene Auffassung gebildet (bitte ausführen und begründen)?

3

Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, in welchem Ausmaß die westafrikanischen Küstenstaaten Gambia, Mauretanien und Senegal von den negativen Auswirkungen des Fischmehlgeschäfts betroffen sind (wenn ja, bitte ausführen)?

4

Wird die Problematik der zunehmenden wirtschaftlichen Ausbeutung und Umweltverschmutzung durch die Fischmehlproduktion bei Gesprächen der Bundesregierung mit den betroffenen afrikanischen Partnerländern im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika thematisiert, und wenn ja, inwiefern, und wird hierbei auch auf die Eigenverantwortung dieser afrikanischen Partnerländer hingewiesen?

5

Thematisiert die Bundesregierung die dominante Rolle chinesischer Unternehmen im Bereich der Fischmehlproduktion in Afrika mit Regierungsvertretern der Volksrepublik China (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn ja, wird hierbei auf die Verantwortung chinesischer Fischmehlunternehmen für die wirtschaftliche Ausbeutung sowie die Umweltverschmutzung in den betroffenen afrikanischen Ländern hingewiesen?

Berlin, den 11. April 2024

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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