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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Übergewicht bei Schwangeren - Stand der Stillförderung und Aufklärung über kindgerechte Ernährung

(insgesamt 13 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

27.05.2024

Aktualisiert

05.06.2024

Deutscher BundestagDrucksache 20/1123830.04.2024

Übergewicht bei Schwangeren – Stand der Stillförderung und Aufklärung über kindgerechte Ernährung

der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Die pränatale Ernährung der Mutter und die Ernährung des Kindes bis zum zweiten Geburtstag beeinflussen Gesundheit, Psyche und Intelligenz so stark wie in keiner anderen Lebensphase (vgl. www.springermedizin.de/eisenmangel/ernaehrung/gefaehrlich-eisenmangel-in-den-ersten-1-000-tagen/25986600). Ernährungsmediziner beobachten daher mit Sorge, dass die Zahl schwangerer Frauen mit Übergewicht weltweit zunimmt (vgl. www.nordkurier.de/panorama/mehr-uebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-2230441). In Deutschland gehen fast 44 Prozent der Frauen mit Übergewicht oder Adipositas in die Schwangerschaft hinein (vgl. www.fr.de/wissen/mehr-uebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-zr-92801738.html#:~:text=%E2%80%9EDie%20ersten%20tausend%20Tage%20sind,waren%20es%20noch%2035%20Prozent). Im Vergleich waren es 2014 noch 35 Prozent (ebd.). Dadurch komme es zu einer Fehlprägung bei den Nachkommen, die sich während ihrer Entwicklung im Mutterleib an die Überernährung anpassen müssen (ebd.). Die Folge hiervon ist, dass sich die Anfälligkeit für frühere und schwerwiegendere Symptome einer Adipositas, wie Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen, im weiteren Verlauf des Lebens erhöht als unter gesunder Ernährung im Mutterleib (ebd.).

Auch die Geschmacksprägung in den ersten 1 000 Tagen, also von Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, ist entscheidend dafür, was das Kind später schmeckt (vgl. www.nordkurier.de/panorama/mehr-uebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-2230441). Denn schon früh in der Entwicklung sind die Geschmacksknospen voll funktionsfähig, und über das Fruchtwasser nimmt der Fötus Stoffe aus der Ernährung der Mutter auf. Auch während der Stillphase entwickeln sich der Geschmacks- und Geruchssinn eines Kindes (ebd.).

Aus Sicht der Leiterin des Instituts für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, Regina Ensenauer, ist somit mehr Aufklärung für werdende Eltern zur Ernährung in der Schwangerschaft, zum Stillen und zu frühen natürlichen Ernährungsweisen nötig (vgl. www.fr.de/wissen/mehr-uebergewichtbei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-zr-92801738.html#:~:text=%E2%80%9EDie%20ersten%20tausend%20Tage%20sind,waren%20es%20noch%2035%20Prozent). Die Bundesregierung hat im Jahr 2008 den Nationalen Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten auf den Weg gebracht, indem unter anderem die ersten 1 000 Tage im Leben im Fokus stehen (vgl. www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/aktionsprogramm-in-form/aktionsprogramm-in-form_node.html).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen17

1

Fördert die Bundesregierung derzeit Forschungsprojekte zum Thema „pränatale Ernährung der Mutter und die Ernährung des Kindes bis zum zweiten Geburtstag“?

2

Wenn ja, welche, wie hoch werden diese Projekte finanziell von der Bundesregierung gefördert, und liegen hierzu bereits Ergebnisse vor, die Einfluss auf zukünftige Maßnahmen der Bundesregierung haben könnten (bitte nach Projekt aufschlüsseln)?

3

Wenn ja, aus welchen Haushaltstiteln stammen die Ausgaben für die Forschungsprojekte?

4

Ist der Bundesregierung bekannt, dass aus Sicht der Leiterin des Instituts für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, Regina Ensenauer, mehr Aufklärung für werdende Eltern zur Ernährung in der Schwangerschaft, zum Stillen und zu frühen natürlichen Ernährungsweisen nötig ist, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung hieraus (vgl. www.fr.de/wissen/mehruebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-zr-92801738.html#:~:text=%E2%80%9EDie%20ersten%20tausend%20Tage%20sind,waren%20es%20noch%2035%20Prozent)?

5

Plant die Bundesregierung Aufklärungsmaßnahmen, um Schwangere über die möglichen negativen Auswirkungen von Übergewicht während der Schwangerschaft für ihre Kinder aufzuklären, und wird dies bereits angeboten (ebd.)?

6

Sind der Bundesregierung Studien bekannt, die zeigen, inwiefern Eltern in Deutschland über eine kindgerechte Ernährung des Kindes bis zum zweiten Geburtstag aufgeklärt sind, und plant die Bundesregierung dahin gehend Maßnahmen?

7

Stimmt die Bundesregierung der Auffassung der Fragesteller zu, dass es sinnvoll wäre, auch eine Art Vernetzungsstelle für werdende Mütter, frisch gebackene Eltern und Großeltern einzurichten, die Wissen über pränatale Ernährung der Mutter und die Ernährung des Kindes bis zum zweiten Geburtstag vermittelt, und wenn nein, wie könnte die Aufklärung hierzu aus Sicht der Bundesregierung noch gezielter sein?

8

Hat sich die Kommunikation zur Stillförderung durch die Nationale Strategie zur Stillförderung, die mittlerweile vor fast drei Jahren beschlossen wurde, bereits verbessert, wurde Deutschland bereits messbar „stillfreundlicher“, und welche Ziele der Strategie konnten schon erreicht bzw. Maßnahmen umgesetzt werden (vgl. www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/nationale-stillstrategie.pdf?__blob=publicationFile&v=9)?

9

Wurde bereits ein Stillmonitoring umgesetzt, und wenn ja, gibt es bereits Ergebnisse, und wo wurden diese publiziert (ebd.), und wenn nein, warum nicht?

10

Wie viele Gelder sind seitens der Bundesregierung in den letzten fünf Jahren in die Förderung des Stillens geflossen, und für welche genauen Maßnahmen?

11

Gibt es für interessierte Eltern von Kleinkindern im Rahmen des Aktionsplans IN FORM (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) Möglichkeiten, um sich im Bereich Ernährung weiterzubilden (z. B. Kochkurs, Vorträge), und wenn nein, wird dies geplant?

12

Plant die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländern und Gemeinden Maßnahmen, um Kindertagespflegepersonen beim Thema „kindergerechte Ernährung“ stärker zu unterstützen, damit diese umfänglich auf die speziellen Bedürfnisse bei den Mahlzeiten für die zu betreuenden Kleinkindern eingehen können?

13

Wenn ja, welche?

14

Wenn nein, warum nicht?

15

Werden im Rahmen des Aktionsplans IN FORM (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) Kindertagespflegepersonen im Bereich kindgerechte Ernährung gefördert, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen?

16

Hat sich die Bundesregierung zu der Frage, ob es finanziell für Kindertagespflegepersonen möglich ist, nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu kochen und ggf. das Essensgeld, das von Kindertagespflegepersonen von den Eltern erhoben werden darf, erhöht werden oder steuerfrei sein soll, eine eigene Auffassung erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese gegebenenfalls?

17

Welche Projekte wurden bisher im Rahmen des Nationalen Aktionsplans IN FORM (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) in der 20. Legislaturperiode initiiert, und wie hoch waren die Kosten für diese?

Berlin, den 18. April 2024

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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