Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka,
Frank Rinck, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/11238 –
Übergewicht bei Schwangeren – Stand der Stillförderung und Aufklärung über
kindgerechte Ernährung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die pränatale Ernährung der Mutter und die Ernährung des Kindes bis zum
zweiten Geburtstag beeinflussen Gesundheit, Psyche und Intelligenz so stark
wie in keiner anderen Lebensphase (vgl.
www.springermedizin.de/eisenmange
l/ernaehrung/gefaehrlich-eisenmangel-in-den-ersten-1-000-tagen/25986600).
Ernährungsmediziner beobachten daher mit Sorge, dass die Zahl schwangerer
Frauen mit Übergewicht weltweit zunimmt (vgl.
www.nordkurier.de/panoram
a/mehr-uebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-2230441).
In Deutschland gehen fast 44 Prozent der Frauen mit Übergewicht oder
Adipositas in die Schwangerschaft hinein (vgl.
www.fr.de/wissen/mehr-uebergew
icht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-zr-92801738.html#:~:text=%
E2%80%9EDie%20ersten%20tausend%20Tage%20sind,waren%20es%20noc
h%2035%20Prozent). Im Vergleich waren es 2014 noch 35 Prozent (ebd.).
Dadurch komme es zu einer Fehlprägung bei den Nachkommen, die sich
während ihrer Entwicklung im Mutterleib an die Überernährung anpassen müssen
(ebd.). Die Folge hiervon ist, dass sich die Anfälligkeit für frühere und
schwerwiegendere Symptome einer Adipositas, wie Typ-2-Diabetes und
kardiovaskuläre Erkrankungen, im weiteren Verlauf des Lebens erhöht als unter
gesunder Ernährung im Mutterleib (ebd.).
Auch die Geschmacksprägung in den ersten 1 000 Tagen, also von Beginn der
Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, ist entscheidend
dafür, was das Kind später schmeckt (vgl.
www.nordkurier.de/panorama/
mehruebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-2230441). Denn
schon früh in der Entwicklung sind die Geschmacksknospen voll
funktionsfähig, und über das Fruchtwasser nimmt der Fötus Stoffe aus der Ernährung der
Mutter auf. Auch während der Stillphase entwickeln sich der Geschmacks-
und Geruchssinn eines Kindes (ebd.).
Aus Sicht der Leiterin des Instituts für Kinderernährung am Max-Rubner-
Institut in Karlsruhe, Regina Ensenauer, ist somit mehr Aufklärung für werdende
Eltern zur Ernährung in der Schwangerschaft, zum Stillen und zu frühen
natürlichen Ernährungsweisen nötig (vgl.
www.fr.de/wissen/mehr-
uebergewichtbei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-zr-92801738.html#:~:text=%E2%
80%9EDie%20ersten%20tausend%20Tage%20sind,waren%20es%20noch%2
Deutscher Bundestag Drucksache 20/11545
20. Wahlperiode 27.05.2024
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 27. Mai 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
035%20Prozent). Die Bundesregierung hat im Jahr 2008 den Nationalen
Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und
mehr Bewegung“ zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel,
Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten auf den Weg
gebracht, indem unter anderem die ersten 1 000 Tage im Leben im Fokus stehen
(vgl.
www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/aktionsprogra
mm-in-form/aktionsprogramm-in-form_node.html).
1. Fördert die Bundesregierung derzeit Forschungsprojekte zum Thema
„pränatale Ernährung der Mutter und die Ernährung des Kindes bis zum
zweiten Geburtstag“?
a) Wenn ja, welche, wie hoch werden diese Projekte finanziell von der
Bundesregierung gefördert, und liegen hierzu bereits Ergebnisse vor,
die Einfluss auf zukünftige Maßnahmen der Bundesregierung haben
könnten (bitte nach Projekt aufschlüsseln)?
b) Wenn ja, aus welchen Haushaltstiteln stammen die Ausgaben für die
Forschungsprojekte?
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert
über das Haushaltskapitel 1015 des Max Rubner-Instituts (MRI) mehrere
Projekte, die sich über die Lebensachse der pränatalen Ernährung der Mutter, über
die ersten 1000 Tage des Kindes und darüber hinaus erstrecken.
– Bei der Mutter-Kind-Kohorte PEACHES (Programming of Enhanced
Adiposity risk in CHildhood) handelt es sich um eine seit 2010 prospektiv
fortlaufende Mutter-Kind-Kohorte, die Erkenntnisse, u. a. im Bereich der
fetalen Programmierung von Übergewicht und metabolischen Störungen
durch Einflüsse innerhalb der ersten 1000 Tage liefert. Als Subprojekt von
PEACHES wird derzeit die Entwicklung frühkindlicher Ernährungsmuster
von Kindern bis ins Grundschulalter untersucht (2022 bis 2024:
821 083 Euro, Haushaltstitel: 1015 544 01).
– Im Rahmen eines weiteren Projekts werden das Lebens- und
Ernährungsumfeld von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Kontext
lebensmittelbezogener Ernährungsempfehlungen erforscht (2022 bis 2024:
564 144 Euro, Haushaltstitel: 1015 427 09 und 1015 544 01).
– Die Machbarkeitsstudie „Frühe Ernährung in Deutschland“ zielt darauf ab,
im Rahmen der Vorsorge-Untersuchungen U2 bis U7 Daten zur
frühkindlichen Ernährung zu erheben, um daraus Stillraten abzuleiten (2023 bis
2024: 84 734 Euro, Haushaltstitel: 1015 427 09 und 1015 544 01).
– Mit dem COPLANT-kids/family-Modul wird der Einfluss der elterlichen
Ernährungsweise (vegan, vegetarisch, pescetarisch oder omnivor) auf die
Ernährung und das Essverhalten der Kinder untersucht (2023 bis 2024:
344 714 Euro, Haushaltstitel: 1015 427 09 und 1015 544 01).
Die in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierten Erkenntnisse aus
diesen und weiteren Studien führten zur Förderung und Planung weiterer
Erhebungen und fließen in die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Stillförderung,
Aktivitäten der Nationalen Stillkommission sowie die Entwicklung von
Ernährungsempfehlungen für Kinder ein.
2. Ist der Bundesregierung bekannt, dass aus Sicht der Leiterin des Instituts
für Kinderernährung am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, Regina
Ensenauer, mehr Aufklärung für werdende Eltern zur Ernährung in der
Schwangerschaft, zum Stillen und zu frühen natürlichen
Ernährungsweisen nötig ist, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes
Handeln zieht die Bundesregierung hieraus (vgl.
www.fr.de/wissen/meh
r-uebergewicht-bei-schwangeren-expertin-warnt-vor-folgen-zr-9280173
8.html#:~:text=%E2%80%9EDie%20ersten%20tausend%20Tage%20sin
d,waren%20es%20noch%2035%20Prozent)?
Im Jahr 2019 wurde das Institut für Kinderernährung am MRI mit dem Ziel
gegründet, in allen Lebensphasen die Forschung zu Ernährung und Gesundheit
zu intensivieren. Die Nationale Stillkommission (NSK) wird ebenso vom
Institut für Kinderernährung koordiniert.
Das Forschungsvorhaben „Becoming Breastfeeding Friendly“ hat von 2017 bis
2019 im Auftrag des BMEL die Rahmenbedingungen des Stillens in
Deutschland untersucht und die Erarbeitung einer Nationalen Strategie zur
Stillförderung empfohlen. Die im Jahr 2021 vom Bundeskabinett verabschiedete
Nationale Strategie zur Stillförderung nimmt sieben Strategiefelder in den Fokus.
Die Kommunikation zur Stillförderung ist eine Querschnittsaufgabe, die stark
mit den Strategiefeldern verknüpft ist. Sie zielt darauf ab, die gesellschaftliche
Akzeptanz des Stillens bevölkerungsweit zu erhöhen und das Wissen über die
Bedeutung des Stillens zu steigern. Mit der Koordinierung des Schwerpunkts
Kommunikation hat das BMEL das Netzwerk Gesund ins Leben im
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und
Ernährung (BLE) betraut, in dem sich Institutionen, Fachgesellschaften und
Verbände zur Förderung der frühkindlichen Gesundheit von der Schwangerschaft
bis ins Kleinkindalter engagieren.
Darüber hinaus stellt auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) Medien bereit, die Eltern und Fachkräfte umfassend über das Thema
„Stillen“ sowie auch über gesunde Ernährung von Säuglingen, Kindern und
Jugendlichen (
www.kindergesundheit-info.de/themen/ernaehrung/)
informieren.
3. Plant die Bundesregierung Aufklärungsmaßnahmen, um Schwangere
über die möglichen negativen Auswirkungen von Übergewicht während
der Schwangerschaft für ihre Kinder aufzuklären, und wird dies bereits
angeboten (ebd.)?
Mit den Handlungsempfehlungen „Ernährung und Lebensstil vor und in der
Schwangerschaft“ des Netzwerks Gesund ins Leben liegt ein
Beratungsstandard für Fachkräfte, die Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch und
Schwangere betreuen, vor. Diese Handlungsempfehlungen werden von
zahlreichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden unterstützt.
Die Implementierung der Empfehlungen erfolgt durch die Kommunikation
über Fachkräfte sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Für die
Beratungen stehen ergänzend zielgruppengerecht aufbereitete Materialien zur
Verfügung.
Über die Internetseite
www.gesund-ins-leben.de und den Instagram-Kanal
www.instagram.com/gesund.ins.leben/ werden Schwangere und Frauen mit
Kinderwunsch auch direkt angesprochen, zu den Themen informiert und zu
einem gesunden Lebensstil motiviert.
Auf die Antwort zu Frage 5 wird verwiesen.
4. Sind der Bundesregierung Studien bekannt, die zeigen, inwiefern Eltern
in Deutschland über eine kindgerechte Ernährung des Kindes bis zum
zweiten Geburtstag aufgeklärt sind, und plant die Bundesregierung dahin
gehend Maßnahmen?
In der durch die Bundesregierung geförderten, nicht repräsentativen Studie
„Stillen und Säuglingsernährung in Deutschland“ (SuSe II; 2018/2019) wurden
Daten zur prä- und postnatalen Still- und Ernährungsinformation erhoben.
Am Institut für Kinderernährung des MRI wird derzeit eine Umfrage bei
Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten sowie Erzieherinnen und Erziehern zur
Bekanntheit, zur Anwendung und zur Verständlichkeit von
Ernährungsempfehlungen geplant und deren Anwendbarkeit in der Praxis geprüft.
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
5. Stimmt die Bundesregierung der Auffassung der Fragesteller zu, dass es
sinnvoll wäre, auch eine Art Vernetzungsstelle für werdende Mütter,
frisch gebackene Eltern und Großeltern einzurichten, die Wissen über
pränatale Ernährung der Mutter und die Ernährung des Kindes bis zum
zweiten Geburtstag vermittelt, und wenn nein, wie könnte die
Aufklärung hierzu aus Sicht der Bundesregierung noch gezielter sein?
Mit dem Netzwerk Gesund ins Leben existiert eine Vernetzungsstelle zur
Förderung eines gesunden Lebensstils in der Schwangerschaft und den ersten drei
Lebensjahren des Kindes (mit den Schwerpunkten gesunde Ernährung,
Bewegung und Allergievorbeugung).
6. Hat sich die Kommunikation zur Stillförderung durch die Nationale
Strategie zur Stillförderung, die mittlerweile vor fast drei Jahren beschlossen
wurde, bereits verbessert, wurde Deutschland bereits messbar
„stillfreundlicher“, und welche Ziele der Strategie konnten schon erreicht
bzw. Maßnahmen umgesetzt werden (vgl.
www.bmel.de/SharedDocs/Do
wnloads/DE/Broschueren/nationale-stillstrategie.pdf?__blob=publication
File&v=9)?
Mit gezielter Kommunikation lassen sich vor allem Wissen vermitteln, die
Wahrnehmung prägen und Einstellungen ändern. Ziel der
Kommunikationsstrategie zum Stillen ist es, Kommunikationsmaßnahmen wie Pressemitteilungen,
Informationsmedien und Stillwissen zu entwickeln und ihre effektive
Verbreitung zu koordinieren.
Um die Rahmenbedingungen für das Stillen wirksam zu verbessern, müssen
Kommunikationsmaßnahmen in weitere Handlungsfelder eingebettet werden.
Die Nationale Strategie zur Stillförderung berücksichtigt diese komplexen
Zusammenhänge, indem sie in unterschiedlichen Strategiefeldern Maßnahmen zur
Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Stillen benennt und mit der
Kommunikation zur Stillförderung verknüpft. Die Effekte einzelner
Maßnahmen sind nicht isoliert messbar.
7. Wurde bereits ein Stillmonitoring umgesetzt, und wenn ja, gibt es bereits
Ergebnisse, und wo wurden diese publiziert (ebd.), und wenn nein,
warum nicht?
Ein systematisches Stillmonitoring ist derzeit am Institut für Kinderernährung
des MRI im Aufbau.
8. Wie viele Gelder sind seitens der Bundesregierung in den letzten fünf
Jahren in die Förderung des Stillens geflossen, und für welche genauen
Maßnahmen?
In den vergangenen fünf Jahren hat die Bundesregierung die folgenden
Maßnahmen finanziell gefördert:
– Das BMEL förderte in den letzten fünf Jahren die Nationale
Stillkommission und die Entwicklung und Umsetzung der Nationalen Strategie zur
Stillförderung, die mit ihrer Geschäftsstelle bzw. Koordinierungsstelle am
Institut für Kinderernährung des MRI angesiedelt sind, mit Personalkosten
in Höhe von 1 468 395 Euro.
– Dem Netzwerk Gesund ins Leben standen als Maßnahme im
Geschäftsbereich des BMEL zusätzlich zu Personalmitteln jährlich (2020 bis 2024) für
die Kommunikation zur Stillförderung 250 000 Euro für Veröffentlichungen
und Fachinformationen sowie 10 000 Euro für Konferenzen, Tagungen,
Messen und Ausstellungen (inkl. Fortbildungen) zur Verfügung.
– Das IN FORM-Projekt „Stillen – Eating for future“ hat das Ziel, das Wissen
und die Akzeptanz zum Thema Stillen bereits im Rahmen des
Schulunterrichts positiv zu prägen. Von 2021 bis 2024 wurden vom BMEL dafür
Fördermittel in Höhe von insgesamt 754 821 Euro zur Verfügung gestellt.
– Das Projekt „Ernährungskompetenz junger Familien stärken“ unterstützt
Familien ab der Schwangerschaft und mit Kindern von 0 bis 3 Jahren
insbesondere in belasteten Lebenslagen dabei, einen gesunden Lebensstil zu
entwickeln. Durch die Entwicklung und Verbreitung zielgruppenspezifischer
E-Learning-Module für die Lernplattform des Nationalen Zentrums Frühe
Hilfen (NZFH) werden Fachkräfte qualifiziert, den Familien wichtige
Kompetenzen für ihren Ernährungsalltag zu vermitteln. Gefördert wurde die
Kooperation des BZfE und der BZgA im Rahmen der Bundesstiftung Frühe
Hilfen und des Aktionsprogramms „Aufholen nach Corona für Kinder und
Jugendliche“ der Bundesregierung mit 205 829 Euro.
9. Gibt es für interessierte Eltern von Kleinkindern im Rahmen des
Aktionsplans IN FORM (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) Möglichkeiten,
um sich im Bereich Ernährung weiterzubilden (z. B. Kochkurs,
Vorträge), und wenn nein, wird dies geplant?
Die im Rahmen von IN FORM entwickelten Unterstützungsangebote richten
sich in erster Linie an das pädagogische Personal sowie an Multiplikatorinnen
und Multiplikatoren. In einigen IN FORM-Projekten werden aber auch
Informationsangebote für Eltern entwickelt und verbreitet, wie beispielsweise im
Projekt „Gut essen macht stark“ (Elterntische, Elternbriefe in verschiedenen
Sprachen etc.).
10. Plant die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländern und
Gemeinden Maßnahmen, um Kindertagespflegepersonen beim Thema
„kindergerechte Ernährung“ stärker zu unterstützen, damit diese umfänglich
auf die speziellen Bedürfnisse bei den Mahlzeiten für die zu betreuenden
Kleinkindern eingehen können?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
11. Werden im Rahmen des Aktionsplans IN FORM (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller) Kindertagespflegepersonen im Bereich kindgerechte
Ernährung gefördert, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen?
Aufgrund des engen Sachzusammenhangs werden die Fragen 10 bis 10b und 11
gemeinsam beantwortet.
Die Ernährungsbildung von Kindertagespflegepersonen liegt in der
Zuständigkeit der Länder. Die Bundesregierung hat ergänzende Maßnahmen etabliert, um
Kindertagespflegepersonen bei der kindergerechten Ernährung zu unterstützen.
Für den Bereich der Kindertagespflege erarbeitet die Deutsche Gesellschaft für
Ernährung e. V. (DGE) derzeit im Rahmen eines laufenden IN FORM-Projekts
einen Handlungsleitfaden für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige
Verpflegung in der Kindertagespflege.
Das BMEL hat den Aufbau von Vernetzungsstellen für die Kitaverpflegung in
den Bundesländern unterstützt und fördert diese weiterhin im Rahmen von
IN FORM. Dabei wurden und werden auch spezifische Projekte für die
Kindertagespflege, konzipiert für die bundesweite Nutzung, gefördert (z. B. E-
Learning-Angebote für verschiedene Akteure in der Kindertagespflege).
Bundesweite Unterstützungsangebote für die Verbesserung der Verpflegung in
der Kindertagespflege machen auch das Nationale Qualitätszentrum für die
Ernährung in Kita und Schule und das BZfE mit Informationsplattformen,
Bildungsangeboten und Netzwerktreffen.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
hat zudem die Entwicklung des kompetenzorientierten
Qualifizierungshandbuchs „Qualität in der Kindertagespflege – Qualifizierungshandbuch für die
Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter drei“ (QHB) durch das
Deutsche Jugendinstitut (DJI) gefördert. Das QHB bereitet angehende
Kindertagespflegepersonen umfassend auf ihre zukünftige Tätigkeit vor und bereits in
den Modulen der darin enthaltenen Grundqualifizierung werden die Themen
Essen, Ernährung und Ernährungsbildung an verschiedenen Stellen
aufgegriffen. Im Jahr 2022 hat das DJI zudem ein QHB-Erweiterungsmaterial spezifisch
zu dem Thema „Essen und Ernährung in der Kindertagespflege“ veröffentlicht,
ebenfalls gefördert durch das BMFSFJ.
12. Hat sich die Bundesregierung zu der Frage, ob es finanziell für
Kindertagespflegepersonen möglich ist, nach den Standards der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung zu kochen und ggf. das Essensgeld, das von
Kindertagespflegepersonen von den Eltern erhoben werden darf, erhöht
werden oder steuerfrei sein soll, eine eigene Auffassung erarbeitet, und
wenn ja, wie lautet diese gegebenenfalls?
Standards der DGE, die unmittelbar für die Verpflegung in der
Kindertagespflege gelten, gibt es nicht. Die finanziellen Rahmenbedingungen für die
Verpflegung in der Kindertagespflege variieren in den Bundesländern erheblich und
liegen in der Länder- bzw. kommunaler Zuständigkeit.
13. Welche Projekte wurden bisher im Rahmen des Nationalen Aktionsplans
IN FORM (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) in der 20.
Legislaturperiode initiiert, und wie hoch waren die Kosten für diese?
Seit Oktober 2021 wurden im Rahmen von IN FORM folgende Projekte für die
Verbesserung der Kitaverpflegung initiiert:
Projektnehmer Titel Laufzeit Fördersumme
Projektagentur Gemeinnützige
Gesellschaft zur Förderung von Bildung,
Kultur und Umweltschutz (PA Berlin) mbH
Weiterentwicklung
Webanwendung „Unser Kitaessen“
01/2023–12/2024 362.876,14
Verbraucherzentrale NRW e. V. Lernplattform Kitaverpflegung
(LeKi)
01/2023–12/2024 347.575,64
Dienstleistungszentrum Ländlicher
Raum Westerwald-Osteifel –
Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung
Rheinland-Pfalz
Nachhaltigkeit gemeinsam
gestalten in Kita und Schule
01/2023–12/2024 183.500,68
Deutsche Gesellschaft für Ernährung
e. V. (Vernetzungsstelle
Schulverpflegung Schleswig-Holstein)
Vom Acker auf den Tisch:
Verpflegung und
Ernährungsbildung in Kita und Schule
01/2023–12/2024 254.987,15
Verbraucherzentrale Niedersachsen e. V.
(Vernetzungsstelle Kitaverpflegung
Niedersachsen)
Qualitätsentwicklung und
-sicherung bei der
Verpflegungsgestaltung in der
öffentlich geförderten
Kindertagespflege – Fachberatungsstellen
als Multiplikatoren
01/2023–12/2024 147.845,97
Landesvereinigung für Gesundheit
Sachsen-Anhalt e. V.
(Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen-
Anhalt)
Einfach gesund wählen – ein
wirksamkeitsgeprüftes Online-
Tool zur Förderung der
Ernährungs- und
Speisenauswahlkompetenz von Erzieherinnen und
Erziehern
02/2023–01/2025 246.750,00
Deutsche Gesellschaft für Ernährung
e. V. (TH Kita)
Entwicklung einer Podcast-
Themenreihe für Akteurinnen und
Akteure der Kitaverpflegung
04/2023–03/2025 122.822,00
Verbraucherzentrale Hessen e. V.
(Vernetzungsstelle Kitaverpflegung
Hessen)
Aufbau der Vernetzungsstelle
Kitaverpflegung Hessen
10/2023–09/2025 266.733,66
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333