„Fake Train“ – Kosten und Nutzen des Jugendformats im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung
der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Martin Erwin Renner, Volker Münz, Beatrix von Storch, Martin Hess und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurde das Jugendformat „Fake Train“ produziert und mit sechs Folgen im Sommer 2024 veröffentlicht. Als Moderator wurde der bekannte YouTuber „Rezo“ engagiert. Inhaltlich sollte sich diese Sendung mit dem Thema „Desinformation in den sozialen Medien“ beschäftigen. Mit jeweils zwei bekannten Gästen aus dem Bereich der sozialen Netzwerke (TikTok, Instagram, Twitch, X und YouTube) wurde in den jeweiligen Folgen auf scheinbar ungezwungene Art und Weise versucht, die jugendliche Zielgruppe bezüglich vermeintlicher Desinformation im Netz zu sensibilisieren und somit ihre Nachrichtenkompetenz zu fördern (vgl. www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/549091/das-projekt-fake-train/, letzter Aufruf: 29. November 2024). Die Gesamtkosten dieses Formats beliefen sich laut Bundesregierung auf 560 705,04 Euro (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 25 auf Bundestagsdrucksache 20/12029).
Die Bundesregierung bezeichnet „Desinformation als hybride Bedrohung“, welche durch „falsche oder irreführende Informationen, die durch fremde Staaten, auch mittels nichtstaatlicher Akteure“ verbreitet werde, „mit dem Ziel der Destabilisierung von Staaten durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung“ (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/13880, S. 3). Darüber hinaus ließen sich vermeintliche „Desinformationskampagnen ‚in der Regel‘ nicht trennscharf voneinander unterscheiden und konkreten Urhebern, Zeiträumen, Zielgruppen usw. zuordnen lassen“ (ebd.). In dem Format „Fake Train“ findet nach Auffassung der Fragesteller jedoch ein fließender Wechsel zwischen Desinformation und Fehlinformation statt, welcher zur Verwirrung des Zuschauers führen kann. In Folge 1 findet beispielsweise eine vermeintlich neutrale Einschätzung vertrauenswürdiger Nachrichtenmagazine des Moderators statt, die erstaunlicherweise Nachrichtenformate des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als vertrauenswürdig kategorisiert und Magazine aus dem sogenannten alternativen Bereich als nicht vertrauenswürdig. Vermeintliche Desinformation von inländischen Akteuren werden von der Bundesregierung jedoch nicht erfasst (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/12316, S. 3: „Die Bundesregierung hat keine Organisationseinheit, die für die Beobachtung oder Verfolgung von inländischer Desinformation zuständig ist.“).
Hier stellt sich für die Fragesteller die grundsätzliche Frage, welchen Sinn ein Format besitzt, welches sich mit Desinformation auseinandersetzen möchte („Warum wir bei Desinformationen eine Notbremse brauchen“; vgl. www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/549091/das-projekt-fake-train/, letzter Zugriff: 29. November 2024), jedoch keine eindeutigen Desinformationen den jugendlichen Zuschauern aufzeigt, welche potenziell „die gesellschaftliche Polarisierung […] verschärfen und das Vertrauen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie demokratische Institutionen und Verfahren […] untergraben“ (ebd.) könnten.
Nach Auffassung der Fragesteller ist das Format „Fake Train“ nicht in der Lage, jugendliche Zuschauer in ihrer Nachrichten- und Informationskompetenz zu stärken, da im Sinne von politischer Bildung Methoden zum Erkennen von Des- oder Falschinformation kaum vermittelt wurden. Die Aussagen des Moderators und des Formats entsprechen nach Dafürhalten der Fragesteller auch nicht den Prinzipien des Beutelsbacher Konsens (Kontroversität, Überwältigungsverbot, Befähigung zur Erkennung und Vertretung eigener Interessen) (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/12512, S. 4). Der Bildungsauftrag von „Fake Train“ ist in den Augen der Fragesteller daher zu hinterfragen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen32
Plant die bpb zukünftig weitere Videos zum Format „Fake Train“?
Wenn ja, wann, und wie viele Folgen sind zukünftig geplant?
Wenn nein, wieso wird dieses Format nicht weitergeführt?
Welche Beispiele von Desinformationen bzw. Desinformationskampagnen wurden in den sechs Teilen der Videoserie „Fake Train“ thematisiert, und auf welche Art und Weise erhielten die Zuschauer im Sinne von politischer Bildung Methoden zum Erkennen von Des- oder Falschinformation vermittelt?
Hat die Abnahme der „Fake-Train“-Videos durch die bpb vor oder nach dem Begutachtungsprozess der internen Qualitätsprüfung der bpb infolge der Löschung der Videoreihe „Politik raus aus den Stadien“ (vgl. die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/12512 und die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/12818) stattgefunden?
Wenn davor, plant die bpb aufgrund der unzureichenden Qualitätsprüfung in der Vergangenheit, auch die Videoreihe „Fake Train“ nachzuprüfen (bitte begründen)?
Wenn danach, inwiefern entspricht die „Fake Train“-Serie den Ansprüchen des Dreiklangs des Beutelsbacher Konsenses: Kontroversität, Überwältigungsverbot, Befähigung zur Erkennung und Vertretung eigener Interessen?
Hat eine öffentliche Ausschreibung für die Funktion als Moderator stattgefunden, und wo wurde die Ausschreibung öffentlich gemacht (bitte mit Belegen wie Links o. Ä. dokumentieren)?
Warum und unter welchen Gesichtspunkten wurde der YouTuber „Rezo“ als Moderator des Formats ausgewählt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Welche Qualifikationen hat „Rezo“ als Moderator nach Auffassung der Bundesregierung erworben, um Formate für die politische Bildung zu moderieren, die ein Verständnis und Feingefühl für den Beutelsbacher Konsens voraussetzen?
Auf welche Summe beläuft sich das Honorar des YouTubers „Rezo“ als Moderator des Formats „Fake Train“?
Welche Kosten verursachte die Bereitstellung des Zugabteils als Drehort des Formats?
Über welche expliziten Desinformationskampagnen wurde in den jeweiligen Folgen aufgeklärt (bitte auflisten)?
Über welche Desinformationen wurde im Kontext zur Wahl des Europäischen Parlaments in der Spezialfolge explizit aufgeklärt (vgl. www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/549091/das-projekt-fake-train/, letzter Aufruf: 29. November 2024)?
Wieso wird in den jeweiligen Folgen (beispielsweise Folge 1, Minute 9:45) die sogenannte Gendersprache genutzt in Anbetracht der Tatsache, dass in der neuesten Shell-Jugendstudie, welche vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgestellt wurde (vgl. www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/19-shell-jugendstudie-veroeffentlicht--246246, letzter Aufruf: 29. November 2024), die Mehrheit der Jugendlichen sich deutlich gegen die Gendersprache ausspricht (vgl. Shell-Jungendstudie S. 21 f., verfügbar über: www.shell.de/ueber-uns/initiativen/shell-jugendstudie-2024.html#vanity-aHR0cHM6Ly93d3cuc2hlbGwuZGUvdWViZXItdW5zL2luaXRpYXRpdmVuL3NoZWxsLWp1Z2VuZHN0dWRpZS5odG1s, letzter Aufruf: 29. November 2024)?
Inwiefern trägt die Aussage „das ist rechtsradikaler Shit [sic]“ (vgl. Folge 1, Minute 18:38) des Moderators „Rezo“ bezüglich des „Compact“-Magazins zur politischen Bildung von Jugendlichen bei?
Auf welche inhaltlichen Themen beschränkten sich die jeweiligen Folgen des Formats „Fake Train“ (bitte thematischen Schwerpunkt pro Folge benennen)?
Auf welche Höhe belaufen sich die Kosten jeder einzelnen Folge des Formats „Fake Train“ (bitte auflisten)?
Welche Kosten verursachte die Bereitstellung aller Folgen auf Amazon Freevee?
Nach welchen Gesichtspunkten wurden die Gäste der insgesamt sechs Folgen ausgewählt, und wie viele Personen des öffentlichen Lebens wurden diesbezüglich angefragt?
Welches Honorar erhielten Naomi Jon und Parshad Esmaeili als die Gäste der Folge 1 (bitte auflisten)?
Welches Honorar erhielten der Sänger „Twenty4tim“ und Anna Gazanis als die Gäste der Folge 2 (bitte auflisten)?
Welches Honorar erhielten Nico Stank und die Darstellerin „Joyyy“ als die Gäste der Folge 3 (bitte auflisten)?
Welches Honorar erhielten Georgia Cavallo und Calvin Kleinen als die Gäste der Folge 4 (bitte auflisten)?
Welches Honorar erhielten der Streamer „Rewinside“ und der Rapper „Xatar“ als die Gäste der Folge 5 (bitte auflisten)?
Inwiefern trägt der wegen „schweren Raubs, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Amtsanmaßung“ im Zuge eines Goldraubs zu acht Jahren Haft verurteilte Rapper „Xatar“ (vgl. www.bild.de/news/inland/xatar/gangster-rapper-xatar-zu-acht-jahren-verurteilt-21712634.bild.html, letzter Zugriff: 29. November 2024) zur politischen Bildung von Jugendlichen bezüglich Desinformation in den sozialen Netzwerken bei (vgl. Frage 21)?
Nach welchen Gesichtspunkten wurde der Rapper „Xatar“ für die Folge 5 als Gast ausgewählt?
Welches Honorar erhielten Jokah Tululu und der Rapper „Milano“ als die Gäste der Folge 6 (bitte auflisten)?
Wurden die jeweiligen Videos oder die Videoreihe des Formats „Fake Train“ beworben?
Wenn ja, wie wurden die jeweiligen Videos auf TikTok und Instagram beworben, und welche zusätzlichen Kosten sind dadurch entstanden?
Wenn ja, wurden YouTuber beziehungsweise Influencer in weiteren sozialen Medien (YouTube, Facebook, Instagram, „X“ [ehemals Twitter] etc.) zur Bewerbung bestimmter Videos oder der Videoreihe engagiert (bitte nach Video, Name des Kanals oder der Person, Zeitraum der Werbung und Kosten auflisten)?
Hat eine öffentliche Ausschreibung für die Produktion der Videoreihe stattgefunden, und wo wurde die Ausschreibung öffentlich gemacht (bitte mit Belegen wie Links o. Ä. dokumentieren), und wie viele Anbieter haben sich zu dieser Ausschreibung gemeldet, und warum wurde i&u TV als Produzent des Formats ausgewählt?
Welche Zielgruppe haben diese Videos zum Gegenstand gehabt, und inwiefern sollte damit der Auftrag der Bundeszentrale (gemäß § 2 des Erlasses über die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) vom 24. Januar 2001) erfüllt werden?
Fand nach Ablauf des Formats „Fake Train“ eine interne Evaluation in der bpb zum Erfolg oder Misserfolg statt?
Wenn ja, wie lautet das Ergebnis?
Wenn nein, warum wurden die Auswirkungen des Formats nicht evaluiert?
Hat die bpb, die die oben genannte Videoreihe verantwortet und veröffentlicht hatte, eine Qualitätsprüfung vor Abnahme durchgeführt, und wenn ja, wie lautete das Ergebnis?
Auf welchen Wert belaufen sich die Aufrufzahlen für jede einzelne Sendung (bitte auflisten)?
Wie wurden die Zuschauer im „Fake Train“ ausgewählt?
Wurden die freien Zuschauerplätze beworben?
Wenn ja, wie wurde auf TikTok und Instagram beworben, und welche zusätzlichen Kosten sind dadurch entstanden?
Wenn ja, wurden YouTuber beziehungsweise Influencer in weiteren sozialen Medien (YouTube, Facebook, Instagram, „X“ [ehemals Twitter] etc.) zur Bewerbung der Zuschauerplätze engagiert (bitte nach Video, Name des Kanals oder der Person, Zeitraum der Werbung und Kosten auflisten)?