Weniger Unternehmensgründungen, stagnierende Erwerbstätigenzahlen und kaum neue Arbeitsplätze
der Abgeordneten Jürgen Pohl, René Springer, Gerrit Huy, Ulrike Schielke-Ziesing, Norbert Kleinwächter, Jörg Schneider und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Der DIHK-Report (DIHK = Deutsche Industrie- und Handelskammer) Unternehmensgründung 2024 zeigt ein Rekordtief beim Gründungsinteresse und die bisher schlechteste Bewertung des Gründungsstandortes Deutschland durch Jungunternehmer. Die befragten Gründer, Start-ups sowie jungen Unternehmen bewerteten den Standort Deutschland – orientiert an Schulnoten – mit einer 3,6 nur noch als ausreichend und damit im Vergleich zum Vorjahr (3,4) nochmal schlechter (www.dihk.de/resource/blob/120958/a3383295dbf7ebef66e5ba1dd6c91797/dihk-report-unternehmensgruendung-2024-data.pdf).
Laut Statistischem Bundesamt lag die Zahl der Neugründungen von Gewerben von Januar bis September 2024 mit rund 456 000 um 0,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/11/PD24_429_52.html). Zudem setzte sich der Trend fort, dass immer weniger Menschen selbstständig sind. Deren Zahl einschließlich der mithelfenden Angehörigen ging um 0,6 Prozent auf 3,8 Millionen zurück (www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/kaum-noch-zusaetzliche-jobs-entstanden-110112685.html).
Auch die Bereitschaft zur Selbstständigkeit im Handwerk ist zunehmend gefährdet. Laut der Meisterabsolventenstudie 2021 des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk wollen nur noch rund 30 Prozent der angehenden Meister ein Unternehmen gründen. Noch vor einem Jahrzehnt waren es 80 Prozent (fbh.uni-koeln.de/wp-content/uploads/2022/12/A56-Absolventenstudie-2021.pdf). Im Jahr 2024 gab es so wenige aktive Gründungsplaner zu verzeichnen wie noch nie (www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Gr%C3%BCndungsmonitor/KfW-Gr%C3%BCndungsmonitor-2024.pdf#page=2).
Seitens der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung werden im Jahr 2024 kaum Impulse auf die Gründungstätigkeit ausgehen. Die schwache Konsumnachfrage und strukturelle Unzulänglichkeiten wie die hohe Regelungsdichte, Unsicherheiten über das geschäftliche Umfeld und hohe Kosten der Energieversorgung sind große Herausforderungen – nicht nur für Gründer, sondern für alle Unternehmen. Im dritten Quartal 2024 waren in Deutschland rund 46,1 Millionen Menschen erwerbstätig. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes nahm die Erwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 45 000 Personen oder 0,1 Prozent ab (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/11/PD24_427_13321.html).
In der Industrie sehen die Fragesteller schon fast einen Abschied auf Raten durch verstärkte Produktionseinschränkungen und Abwanderungstendenzen (www.ihk-siegen.de/fileadmin/user_upload/Presse/Wirtschaftsreport/2024/September/WR_09.24.pdf#page=32). Wenn jetzt auch noch immer weniger Menschen hierzulande ein Unternehmen gründen wollen, gehen nach Auffassung der Fragesteller wichtige Potenziale für Wachstum und Innovationen – und damit Arbeitsplätze – verloren. Es besteht daher in den Augen der Fragesteller dringender Handlungsbedarf, um ein attraktiveres und stabileres Umfeld für Unternehmensgründungen zu schaffen und den Mittelstand zu erhalten.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen6
Inwieweit werden nach Kenntnis der Bundesregierung Interessen- und Berufsverbände oder öffentliche Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung in Erhebungen und Ursachenforschung zum Rekordtief des Gründungsinteresses einbezogen?
Hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode Studien zu den Ursachen des Rekordtiefs beim Gründungsinteresse in Auftrag gegeben, und wenn ja, in welche Konzepte oder Gesetzesvorhaben zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Gründer, Start-ups sowie junge Unternehmen sind die Ergebnisse eingeflossen?
Welche Auswirkungen hat der Rückgang der Selbstständigen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die gesamtwirtschaftliche Investitionstätigkeit und die Innovationstätigkeit in Deutschland?
Welche Förderprogramme und Initiativen gibt es mit welchem Budget und mit welchem Erfolg, die speziell darauf abzielen, die sinkende Bereitschaft zur Selbstständigkeit, insbesondere im Handwerk, zu stoppen?
Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um ein attraktiveres und stabileres Umfeld für Unternehmensgründungen zu schaffen und den Mittelstand zu erhalten?
Wurden die Forderungen der befragten Gründer laut DIHK-Report Unternehmensgründung 2024 (www.dihk.de/resource/blob/120958/a3383295dbf7ebef66e5ba1dd6c91797/dihk-report-unternehmensgruendung-2024-data.pdf) auf die Frage, was geschehen muss, um den Gründungsstandort Deutschland zu verbessern, nämlich
a) schnellere und einfachere Regularien (73 Prozent der Antworten),
b) Steuerrecht vereinfachen (65 Prozent der Antworten),
c) einfacher Zugang zu öffentlichen Fördermitteln (30 Prozent der Antworten)
berücksichtigt, und wenn ja, inwieweit wurden sie jeweils in Gesetzesvorhaben in dieser Legislaturperiode umgesetzt?