Weiterer Umgang mit dem Wolf
der Abgeordneten Stefan Schröder, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt stetig zu. Laut Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden im Monitoringjahr 2023/2024 insgesamt 209 Wolfsrudel, 46 Wolfspaare, 19 territoriale Einzeltiere sowie 781 Welpen bestätigt (www.dbb-wolf.de/wolfsvorkommen/territorien#:~:text=Im%20Monitoringjahr%202023%2F24%20sind,insgesamt%20781%20Welpen%20best%C3%A4tigt%20werden). Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) geht auf Grundlage dieser Daten von 1 601 nachgewiesenen Wolfsindividuen in den bestätigten Territorien aus (www.bfn.de/pressemitteilungen/aktuelle-zahlen-und-daten-zum-wolf-deutschland-bundesweit-209-rudel-bestaetigt). Tatsächlich dürfte die reale Zahl der Wölfe jedoch deutlich höher liegen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisiert seit Jahren die mangelnde Transparenz sowie die Verwendung veralteter und teils nicht nachvollziehbarer Daten durch DBBW und BfN. Eine aktuelle Hochrechnung des DJV geht inzwischen von rund 270 Rudeln und mindestens 2 000 bis 3 000 Wölfen in Deutschland aus (www.jagdverband.de/djv-bemaengelt-veraltete-wolfszaehlen#:~:text=Das%20Bundesumweltministerium%20geht%20derzeit%20von,bis%2025%20Prozent%20pro%20Jahr; www.jagdverband.de/verbandsbericht_2023_24/schwerpunktthemen/01_wolf.html).
Die Zahl der von Wölfen gerissenen Weidetiere ist von 2022 zu 2023 um 31 Prozent auf insgesamt 5 727 Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde gestiegen (Stand: 2023) (www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstatistik, www.agrarheute.com/politik/wolf-deutsche-landwirte-verlieren-so-vieleweidetiere-noch-nie-609778#:~:text=Darunter%20waren%203.778%20Schafe%2C%20260,hat%20nun%20den%20Rekordwert%20erreicht). In vielen Fällen reißen Wölfe innerhalb eines Tages 30 bis 40 Weidetiere (vgl. beispielsweise www.sueddeutsche.de/panorama/vorfall-in-bad-wildbad-gefundenes-fressen-fuer-wolfsgegner-1.3963190). Zahlreiche Tiere werden dabei bei lebendigem Leibe schwer verletzt oder angefressen. Die übrigen geraten in Panik und brechen aus. Das bisher verfolgte, rein passive Herdenschutzkonzept hat sich damit nach Ansicht der Fragesteller offensichtlich als völlig unzureichend erwiesen. Der stark wachsende Wolfsbestand und die massiv zunehmenden Nutztierrisse stellen nach Auffassung der Fragesteller eine existenzielle Bedrohung für die ökologisch wertvolle und artgerechte Weidetierhaltung in Deutschland dar.
Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zum Ziel gesetzt, durch eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) für eine rechtssichere Entnahme von Wölfen zu sorgen und den Wolf umgehend ins Jagdrecht aufzunehmen (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 39 f.).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Wie viele Wolfsrudel, Paare und Einzeltiere sind nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell in den einzelnen Bundesländern sowie bundesweit nachgewiesen (bitte unter Angabe des jeweiligen Erfassungsjahres bzw. Monitoringjahres auflisten)?
Wie viele Anträge auf Entnahme sogenannter Problemwölfe wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2018 gestellt, wie viele wurden genehmigt, und wie viele davon wurden tatsächlich vollzogen (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung aus der steigenden Zahl von Wolfsbegegnungen in unmittelbarer Nähe zu Wohnsiedlungen und Schulen, und welche Maßnahmen sind zum Schutz der Bevölkerung ggf. vorgesehen (www.landundforst.de/landleben/wolf-bissendorf-gesichtet-schulen-kitas-beachten-sollten-573206)?
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN), dass der Wolf aufgrund der stabilen und wachsenden Populationen in Europa nicht mehr als gefährdet eingestuft wird (rm.coe.int/inf45e-2022-wolf-assessment-bern-convention-2791-5979-4182-1-2/1680a7fa47, S. 17)?
Wird die Bundesregierung angesichts von mindestens 1 601 nachgewiesenen Wolfsindividuen in den bestätigten Territorien sowie einer hohen jährlichen Reproduktionsrate von etwa 30 Prozent schnellstmöglich einen günstigen Erhaltungszustand des Wolfes an die EU-Kommission melden, um die Voraussetzungen für ein aktives Bestandsmanagement zu schaffen (www.wochenblatt-dlv.de/politik/jagd-wolf-tun-579997)?
a) Wenn ja, bis wann?
b) Wenn nein, warum betrachtet die Bundesregierung den Wolfsbestand in Deutschland isoliert von der gesamten eurasischen Metapopulation, obwohl der Genaustausch zwischen den europäischen Wolfspopulationen den Bestand als Teil einer stabilen Art zeigt, und ist ein systematisches nationales Monitoring geplant, um diesen internationalen Kontext zu berücksichtigen?
Sind der Bundesregierung die Einschätzungen von Experten wie Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel und dem Direktor des Kölner Zoos, Theo Pagel, bekannt, wonach eine dauerhafte Koexistenz mit dem Wolf nur durch regulierte und kontrollierte Bejagung gelingen könne, um dem Tier Scheu vor Menschen, Siedlungen und Weidetieren anzuerziehen, und dass daher mittelfristig auch in Deutschland Jagdquoten für Wölfe eingeführt werden müssten, und wenn ja, wie positioniert sich die Bundesregierung zu dieser Einschätzung, und sind Maßnahmen geplant (www.landundforst.de/landwirtschaft/tier/interview-wolfsmanagement-isegrim-regulieren-erhalten-569423; www.topagrar.com/panorama/news/kolner-zoodirektor-haelt-jagdquote-fur-wolfe-fur-unausweichlich-20012645.html)?
Sind der Bundesregierung die Erfahrungen anderer europäischer Staaten wie Schweden, Frankreich oder Finnland mit regulierten Abschussquoten für Wölfe bekannt?
a) Wenn ja, zieht die Bundesregierung daraus Rückschlüsse auf die Möglichkeit der Übernahme entsprechender Modelle in Deutschland, und wenn ja, welche?
b) Wenn nein, beabsichtigt die Bundesregierung, entsprechende Erfahrungsberichte aus diesen Ländern einzuholen?
Wird die Bundesregierung die existierenden Forschungsprojekte zur Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung in ihrer bisherigen Form fortführen, und welche weiteren Forschungs- und Fördermaßnahmen plant sie in diesem Bereich?
Sind in den vergangenen zehn Jahren seitens der Bundesregierung Fördermittel im Zusammenhang mit dem Wolf an die Organisationen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e. V., Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V., WWF Deutschland, Deutsche Umwelthilfe (DUH) e. V. und bzw. oder Greenpeace geflossen?
a) Wenn ja, in welcher Höhe, und für welche konkreten Projekte jeweils?
b) Wenn ja, beabsichtigt die Bundesregierung eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit diesen Organisationen?
Wird die Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission zur Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) nach der kürzlich erfolgten Verabschiedung durch das Europäische Parlament unverzüglich in nationales Recht umsetzen, wie es im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbart wurde, und hierzu die erforderlichen Änderungen am Bundesnaturschutzgesetz sowie Bundesjagdgesetz einleiten (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 39 f.)?
a) Wenn ja, wann, und welche konkreten Änderungen an Bundesnaturschutz- und Bundesjagdgesetz sind dabei vorgesehen, um ein wirksames Wolfsmanagement zu ermöglichen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Beabsichtigt die Bundesregierung, den Wolf als jagdbare Wildart ins Bundesjagdrecht aufzunehmen?
a) Wenn ja, bis wann und soll eine jährliche Abschussquote festgelegt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbarte Unterstützung des Herdenschutzes umsetzen, und wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen, insbesondere angesichts der zunehmenden Fälle, in denen Wölfe die sogenannten wolfssicheren Zäune überwinden und Weidetiere reißen (www.agrarheute.com/land-leben/wolf-ueberwindet-180-meter-hohen-zaun-angriffe-nehmen-600612)?