Bornavirus – Gefährdungslage in Deutschland
der Abgeordneten Dr. Christoph Birghan, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger, Nicole Hess, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
In der vergangenen Woche berichteten Medien (www.moz.de/nachrichten/panorama/bornavirus-ob-brandenburg-zum-verbreitungsgebiet-des-toedlichen-virus-gehoert-78112927.html, www.lr-online.de/nachrichten/brandenburg/borna-virus-bornavirus-symptome-krankeit-infektion-maus-spitzmaus-gefahr-toedlich-bei-dem-menschen-sachsen-anhalt-thueringen-bayern-60141897.html), dass Brandenburg, insbesondere im Westteil des Bundeslandes, als „mutmaßliches Endemiegebiet“ für das Bornavirus (BoDV-1) gilt, weil das Reservoirtier Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) dort vorkommt.
Das Robert Koch-Institut (RKI) zählt Brandenburg neben Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Baden‑Württemberg zu den Bundesländern, in denen das Virus endemisch ist. Zwar sei eine Infektion insgesamt sehr selten (nur fünf bis zehn humane Fälle jährlich in Deutschland), jedoch verliefen in der Vergangenheit nahezu alle Fälle tödlich oder mit schwerer Enzephalitis (www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/B/Bornavirus/Bornavirus_Hinweise-zur-Diagnostik.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen13
Wie viele laborbestätigte Fälle von Infektionen mit dem Bornavirus wurden im gesamten Bundesgebiet gemeldet (bitte jährlich aufschlüsseln), und in welchen Bundesländern traten diese auf?
Wie viele Fälle dieser Infektionen verliefen tödlich bzw. mit bleibenden neurologischen Schäden?
Welche Surveillance-Maßnahmen existieren zur frühzeitigen Erkennung menschlicher BoDV-1-Infektionen (z. B. Verdachtsdiagnosen, Labormeldestellen, Genotypisierung)?
Liegen konkrete Untersuchungen vor, aus denen sich die Infektionsprävalenz von BoDV-1 in Feldspitzmäusen in den verschiedenen Regionen ableiten lässt?
Ist aus Sicht des RKI oder des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) mit einer Ausweitung der Endemiegebiete zu rechnen oder gibt es Hinweise auf Stabilität der bisherigen Areale?
Gibt es Erkenntnisse zu Risikogruppen (z. B. Landwirte, Tierhalter, Natur- und Gartenarbeitende), und wenn ja, welche (bitte ggf. ausführen)?
Welche diagnostischen Verfahren sind bundesweit etabliert, insbesondere hinsichtlich Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Antikörpernachweis oder Genotypisierung (z. B. molekulare Typenbestimmung des Virus)?
Welche Kapazitäten bestehen (Labore, klinische Einrichtungen) für solche Diagnosen?
Wie bewertet die Bundesregierung die bundesweite Koordination der Meldung, Untersuchung und Prävention von BoDV-1-Infektionen?
Welche Rolle spielen die EU-Information und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit (z. B. mit Polen oder Tschechien im Fall Brandenburg)?
Wie schätzt die Bundesregierung das akute Gefährdungspotenzial in Brandenburg gegenüber dem bundesweiten Durchschnitt ein?
Sind zusätzliche Maßnahmen, z. B. Monitoringprogramme, Schutzempfehlungen, Forschungsallianzen, zur Verhinderung von BoDV-1-Infektionen geplant?
Wie gedenkt die Bundesregierung ggf., die Bevölkerung in Risikogebieten über das Thema Bornavirus aktiv und nachhaltig zu informieren?