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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Kurzzeitige Stromausfälle und deren wirtschaftliche Auswirkungen auf Unternehmen in Deutschland

(insgesamt 18 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Datum

22.10.2025

Aktualisiert

28.10.2025

Deutscher BundestagDrucksache 21/178123.09.2025

Kurzzeitige Stromausfälle und deren wirtschaftliche Auswirkungen auf Unternehmen in Deutschland

der Abgeordneten Steffen Kotré, René Springer, Leif-Erik Holm, Bernd Schattner, Marc Bernhard, Christian Reck, Stefan Henze und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Der Umbau der deutschen Energieversorgung und die gleichzeitige Abkehr von der Kohle- und Kernenergieverstromung führen zu tiefgreifenden strukturellen Veränderungen des Energiesystems. Dabei sehen sich Unternehmen nicht nur mit deutlich gestiegenen Strompreisen konfrontiert, sondern zunehmend auch mit Problemen in der Netzstabilität. Neben den hohen Energiekosten nehmen insbesondere kurzzeitige Stromunterbrechungen zu, die zusätzliche finanzielle und organisatorische Belastungen für Unternehmen verursachen und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Laut einer Sonderauswertung des IHK-Energiewendebarometers (IHK = Industrie- und Handelskammer) 2024 berichten mittlerweile fast ein Drittel der Industriebetriebe von Problemen durch Stromunterbrechungen. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der von Stromausfällen unter drei Minuten betroffenen Betriebe: von 10 Prozent im Jahr 2021 auf 16 Prozent im Jahr 2024. Schon Unterbrechungen im Sekundenbereich können empfindliche Produktionsprozesse stören und führen teilweise zu erheblichen finanziellen Schäden. Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) verzeichnet rund die Hälfte der betroffenen Unternehmen zusätzliche Kosten, etwa durch Produktionsausfälle, Maschinenschäden oder Stillstände von IT-Systemen. Diese finanziellen Belastungen liegen häufig zwischen 10 000 und 50 000 Euro, können aber im Einzelfall sogar mehr als 100 000 Euro erreichen (www.dihk.de/de/aktuelles-und-presse/aktuelle-informationen/unternehmen-leiden-immer-haeufiger-unter-stromausfaellen-127272).

Besonders problematisch ist nach Auffassung der Fragesteller, dass Stromausfälle mit einer Dauer von weniger als drei Minuten derzeit von der Bundesnetzagentur nicht erfasst werden. Diese Unterbrechungen fließen auch nicht in den international anerkannten SAIDI-Wert (SAIDI = System Average Interruption Duration Index) ein, der als Maßstab für die Spannungsqualität im Stromnetz dient (www.bundesnetzagentur.de/SAIDI-Strom). Eine vollständige und belastbare Datengrundlage zu kurzzeitigen Stromausfällen fehlt damit bislang.

Zwar werden solche Ausfälle in der Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik des VDE/FNN (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik/Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE) abgebildet, doch basieren diese Angaben auf freiwilligen Meldungen der Netzbetreiber und decken lediglich rund 75 Prozent des deutschen Stromnetzes ab. Eine verbindliche und umfassende Datenerhebung existiert somit nicht (www.vde.com/de/fnn/arbeitsgebiete/versorgungsqualitaet/versorgungszuverlaessigkeit).

Angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung kurzzeitiger Stromausfälle halten die Fragesteller eine umfassendere und verbindlichere Erfassung und Auswertung solcher Störungen für dringend geboten, um deren Ursachen besser nachvollziehen, wirtschaftliche Folgen abschätzen und ggf. gezielt Gegenmaßnahmen entwickeln zu können.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wie viele Stromausfälle gab es in Deutschland in den Jahren von 2020 bis 2024 jeweils im Millisekundenbereich, im Sekundenbereich, zwischen einer und drei Minuten sowie von mehr als drei Minuten, und wie viele derartige Ausfälle gab es im Jahr 2011 (bitte die Periode von 2020 bis 2024 insgesamt sowie jedes Jahr getrennt ausweisen)?

2

Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 2020 ggf. ergriffen, um die Zahl solcher Unterbrechungen zu reduzieren?

3

Liegen der Bundesregierung Daten darüber vor, in welchen Regionen Deutschlands besonders häufig Kurzunterbrechungen auftreten, und wenn ja, welche sind die zehn Landkreise bzw. kreisfreien Städte mit den meisten Kurzunterbrechungen in den Jahren 2011, 2020, 2023 und 2024 (bitte für jedes Jahr getrennt ausweisen)?

4

Liegen der Bundesregierung Prognosen zur Entwicklung der Netzqualität und Versorgungszuverlässigkeit bis 2030 vor, und wenn ja, wie wird sich die Zahl kurzzeitiger Unterbrechungen voraussichtlich bis 2030 entwickeln?

5

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die volkswirtschaftlichen Schäden vor, die durch Stromunterbrechungen unter drei Minuten jährlich entstehen, und wie hoch fielen die Schäden seit dem Jahr 2011 aus (bitte für jedes Jahr getrennt ausweisen)?

6

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, in welchen Branchen besonders hohe Schäden durch Stromunterbrechungen entstehen, und wenn ja, welche fünf Branchen hatten in den Jahren 2011, 2020, 2023 und 2024 aufgrund von Stromunterbrechungen die meisten Schäden zu beklagen (wenn ja, bitte Branchen nach der Höhe der Schadenssumme auflisten und für jedes Jahr getrennt ausweisen)?

7

Welche gesetzlichen Regelungen bestehen aktuell für Unternehmen und Privatpersonen, um Entschädigungen bei Stromausfällen geltend zu machen, und ab welcher Mindestdauer der Unterbrechung greifen diese?

8

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, in welchem Umfang Unternehmen in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren finanzielle Schäden durch kurzzeitige Stromausfälle erlitten haben, ohne einen Entschädigungsanspruch geltend machen zu können (wenn ja, bitte insgesamt sowie für jedes Jahr getrennt ausweisen)?

9

Welche jährlichen Kosten entstanden den Stromnetzbetreibern nach Kenntnis der Bundesregierung durch Übermittlung von Daten zu Versorgungsunterbrechungen an die Bundesnetzagentur beispielsweise zur Ermittlung des SAIDI-Werts seit 2020?

10

Plant die Bundesregierung, Stromunterbrechungen unter drei Minuten zukünftig zu erfassen bzw. Netzbetreiber zur Übermittlung der erforderlichen Daten zu verpflichten, um eine Kennzahl analog zum SAIDI-Wert für Kurzzeitunterbrechungen zu veröffentlichen?

a) Wenn ja, wann soll dies umgesetzt werden?

b) Wenn nein, welche Hindernisse sieht sie bei der Erfassung von Kurzzeitstromunterbrechungen?

11

Plant die Bundesregierung, die bestehenden Entschädigungsregelungen dahin gehend zu überprüfen, ob auch Stromunterbrechungen unter drei Minuten künftig erfasst werden sollen?

12

Fließen die wirtschaftlichen Schäden durch Kurzunterbrechungen in die energiepolitischen und industriepolitischen Strategien der Bundesregierung ein, und wenn ja, inwiefern?

13

Warum erfasst die Bundesnetzagentur derzeit nur Stromausfälle mit einer Dauer von mehr als drei Minuten und nicht auch Unterbrechungen darunter (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

14

Welche gesetzlichen Vorgaben bestehen derzeit für Netzbetreiber hinsichtlich der Meldepflicht von Stromausfällen?

15

Welche Überlegungen gibt es ggf. seitens der Bundesregierung dazu, die gesetzlichen Grundlagen (§ 52 des Energiewirtschaftsgesetzes – EnWG) dahin gehend zu ändern, dass auch Stromausfälle unter drei Minuten verpflichtend erfasst werden?

16

Plant die Bundesregierung, die bestehende Zusammenarbeit zwischen der Bundesnetzagentur und dem VDE/FNN dahin gehend zu erweitern, dass die Erfassung von Stromunterbrechungen unter drei Minuten verpflichtend für alle Netzbetreiber wird, um eine vollständige und belastbare Datenbasis zu schaffen?

17

Hat sich die Bundesregierung zu der Praxis, dass Daten über Kurzunterbrechungen bislang nur auf freiwilliger Basis vom VDE/FNN erhoben werden und damit rund 25 Prozent des Stromnetzes nicht erfasst sind, eine eigene Positionierung erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese?

18

Hält die Bundesregierung die Einführung eines zusätzlichen Monitoring-Instruments für notwendig, um die Häufigkeit und die Auswirkungen solcher Kurzstörungen systematisch zu erfassen und wirtschaftlich zu bewerten, und wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 22. September 2025

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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