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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Auswirkungen von größeren Ansitzdrückjagden auf Tierschutzaspekte und Wildbretqualität im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium der Finanzen

Datum

26.11.2025

Aktualisiert

16.12.2025

Deutscher BundestagDrucksache 21/274412.11.2025

Auswirkungen von größeren Ansitzdrückjagden auf Tierschutzaspekte und Wildbretqualität im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny Meiners, Bernd Schattner, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Stefan Schröder, Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Im Rahmen der Verwaltungsjagden der Länder und des Bundes haben Ansitzdrückjagden bzw. Bewegungsjagden hinsichtlich des Jagderfolges in den letzten Jahren eine erhebliche Bedeutung erlangt. Bereits mit zwei bis drei gut organisierten Bewegungsjagden im Winter können beträchtliche Teile der Jagdstreckenziele erreicht werden. Auf diese Weise können zahlreiche Einzelansitze und damit verbundene kontinuierliche Störungen des Wildes vermieden werden. Gemeinschaftliche Ansitzdrückjagden werden insbesondere im Januar als besonders effizient eingeschätzt, weil sie den Jagderfolg im Vergleich zu anderen Monaten und Jagdmethoden deutlich steigern können (www.jagdkonzept.de/post/bewegungsjagd-im-januar).

Trotz dieser Vorteile können insbesondere größere Ansitzdrückjagden – oftmals mit duzenden teilnehmenden Jägern – auch mit negativen Effekten hinsichtlich des Tierschutzaspekts und hinsichtlich der Wildbretqualität verbunden sein.

Bezogen auf den Tierschutz ist insbesondere problematisch, wenn auf Wild in Bewegung schlecht geschossen wird. Dabei können auch geringe Abweichungen von der optimalen Trefferlage bereits zulasten des Tierwohles führen.

Darüber hinaus ist wissenschaftlich bewiesen, dass stressbedingt hohe Adrenalinpegel einen negativen Einfluss auf die Wildbretqualität haben können. Daher ist es bereits im Vorfeld einer Jagd wichtig, diese so zu organisieren, dass das Wild möglichst keinem unnötigen Stress ausgesetzt wird (Golter, S., 2019: Drückjagden – Gute Organisation verbessert die Wildbretqualität. Der Jäger in Baden-Württemberg 11, S. 14 bis 16). Ein weiterer Aspekt, der sich negativ auf die Wildbretqualität auswirkt, ist, wenn durch schlechtes Aufbrechen teils weich geschossener Stücke in Kombination mit verzögerter Anlieferung und Weiterverarbeitung erhöhte Keimgehalte im Wildbret entstehen. Dem Bericht eines Praktikers aus Bayern zufolge können mit dieser Problematik erhebliche Wildbretverluste mangels Verwertbarkeit verbunden sein (Klimke, V., 2020: Im Namen des Waldes. Wild und Hund 4, S. 20 bis 25).

Die Fragesteller halten es in diesem Zusammenhang für wichtig, die genannten kritischen Aspekte, die insbesondere mit größeren Ansitzdrückjagden verbunden sein können, näher zu hinterfragen und zu analysieren, um die Jagd als Kulturgut mit hohen ethischen Ansprüchen auf wildbiologischer Grundlage aufrechterhalten und weiterentwickeln zu können.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Wie haben sich die Teilnehmerzahlen bei gemeinschaftlichen Ansitzdrückjagden in den letzten 20 Jahren im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe entwickelt (wenn möglich, bitte nach Bundesforstbetrieben aufschlüsseln)?

2

Inwiefern spielten und spielen bei dieser Organisationsform der Jagd (im Vergleich zu Einzelansitzen) neben wildbiologischen und ökologischen Faktoren auch betriebswirtschaftliche bzw. organisatorische Gründe eine Rolle (beispielsweise im Zusammenhang mit der Entwicklung des Personalbestandes der Bundesforstbetriebe)?

3

Wie hat sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der auswärtigen Jagdgäste an den gemeinschaftlichen Ansitzdrückjagden entwickelt (neben dem eigenen Personal und neben Jagderlaubnisscheininhabern werden im Rahmen der gemeinschaftlichen Ansitzdrückjagden oftmals auch auswärtige Jagdgäste einbezogen, jeder Inhaber eines gültigen Jagdscheines, ausgenommen des Jugendjagdscheines, kann sich nach Angabe der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für die Teilnahme an Gesellschaftsjagden in bestimmten Bundesforstbetrieben bewerben)?

4

Werden die von den Fragestellern in der Vorbemerkung thematisierten kritischen Aspekte (beispielsweise die Beeinträchtigung der Wildbretqualität durch schlechte Treffpunktlagen) systematisch erfasst, und wenn ja,

a) wie haben sich in diesem Zusammenhang die Wildbretverluste mangels Verwertbarkeit in den letzten 20 Jahren entwickelt (wenn möglich, bitte nach den einzelnen Bundesforstbetrieben aufschlüsseln),

b) gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen den prozentualen Wildbretverlusten und der Anzahl der an den jeweiligen Jagden teilnehmenden Jäger (wenn möglich, bitte nach den einzelnen Bundesforstbetrieben für die letzten 20 Jahre aufschlüsseln)?

5

Kam es bei der Vermarktung von Wildbret, das im Rahmen von Ansitzdrückjagden im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe zur Strecke kam, im Vergleich zu dem im Rahmen von Einzelansitzen erlegten Wild in den letzten 10 Jahren zu einer geringeren Nachfrage bzw. zu Preisabschlägen, und wenn ja, warum?

6

Welche organisatorischen Maßnahmen (Jagdpausen zum zwischenzeitlichen Bergen und Aufbrechen des erlegten Wildes, Legen einer symbolischen Strecke etc.) werden bei den Ansitzdrückjagden im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe ergriffen, um eine möglichst hohe Qualität des Wildbrets gewährleisten zu können?

7

Welche Standards gelten im Bereich der Bundesforstbetriebe für den erforderlichen Schießnachweis (waidgerechtes Schießen erfordert regelmäßiges Training unter möglichst realistischen Bedingungen und die Fähigkeit, gerade auch bei Ansitzdrückjagden verantwortungsvoll mit seinem Können und seiner Ausrüstung sicher zu handeln)?

8

Muss ein Schießnachweis von ausländischen Teilnehmern (beispielsweise Jäger aus den Niederlanden oder aus Dänemark) an Ansitzdrückjagden im Bereich der Liegenschaften der Bundesforstbetriebe erbracht werden, wenn ja, wie werden diese Standards gewährleistet, und wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 7. November 2025

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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