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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Gewalt im deutschen Amateursport

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

04.03.2026

Aktualisiert

07.05.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/421820.02.2026

Gewalt im deutschen Amateursport

der Abgeordneten Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell, Steffen Janich, Edgar Naujok, Andreas Bleck, Bastian Treuheit und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

In den vergangenen Jahren mehren sich Berichte über gewalttätige Vorfälle im deutschen Amateursport (Bayerischer Rundfunk, Gewalt im Amateurfußball: Jeder Fall ist einer zu viel, BR-Nachrichten, 1. Dezember 2025). Betroffen sind insbesondere Fußballspiele, aber auch andere Sportarten, bei denen es immer wieder zu körperlichen Übergriffen auf Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer kommt. Neben individuellen Ursachen werden gesellschaftliche Spannungen, mangelnde Prävention und unzureichende Sicherheitskonzepte als mögliche Hintergründe genannt. Auch im parlamentarischen Raum wurde diese Problematik aufgegriffen. In der öffentlichen Anhörung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages am 21. Februar 2024 zu den Sicherheitsfragen im Fußball wurde auf eine unzureichende Datenlage im Amateurbereich hingewiesen (siehe Ausschussdrucksachen 20(5)265, 20(5)267, 20(5)268, 20(5) 266 und Wortprotokoll der 47. Sitzung des Sportausschusses).

Während im Profisport regelmäßig umfangreiche Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen greifen und statistisch erfasst werden, besteht im Amateursport eine deutlich geringere Datenlage. Eine systematische Erfassung von Gewaltvorfällen in diesem Bereich – insbesondere in Bezug auf regionale Verteilung, Tatverdächtigenstruktur und mögliche Schwerpunkte – erscheint den Fragestellern daher erforderlich, um die Wirksamkeit bestehender Präventionsmaßnahmen bewerten zu können.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Wie viele Gewalttaten im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen im Amateurbereich wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2014 bis 2024 bundesweit polizeilich registriert, einschließlich solcher Taten, die im näheren Umfeld, auf dem Weg zu oder von der Sportstätte (An- und Abreise) verübt wurden?

2

Wie verteilen sich diese Fälle (vgl. Frage 1) auf die einzelnen Bundesländer (bitte nach Jahren und Ländern aufschlüsseln)?

3

Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in diesem Zeitraum im Zusammenhang mit Gewalttaten im Amateursport erfasst, und wie verteilt sich diese Zahl nach Jahren, Geschlecht und Altersgruppen (unter 18 Jahren, 18 bis 24 Jahre, 25 bis 40 Jahre, über 40 Jahre)?

4

Wie verteilen sich die Tatverdächtigen nach Kenntnis der Bundesregierung nach Staatsangehörigkeit (deutsch oder nichtdeutsch)?

5

Welche Sportarten im Amateurbereich waren nach Kenntnis der Bundesregierung am häufigsten von Gewalttaten betroffen, und wie hat sich die Zahl der gewaltbedingten Spielabbrüche seit 2014 entwickelt?

6

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über die häufigsten Ursachen und Anlässe solcher Gewaltvorfälle vor (z. B. Rivalitäten, Alkohol, religiöse oder politische Motive, gruppenbezogene Feindseligkeit)?

7

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. zur Häufigkeit von Deliktarten (z. B. Körperverletzung, Bedrohung, Landfriedensbruch, Beleidigung, Sachbeschädigung) im Zusammenhang mit Amateursportveranstaltungen vor?

8

Welche Daten liegen der Bundesregierung ggf. zur Zahl der Opfergruppen (Spieler, Schiedsrichter, Zuschauer, Vereinsverantwortliche, Polizeibeamte, Sicherheitsdienste) vor?

9

Wie bewertet die Bundesregierung den in der Stellungnahme der Universität Tübingen dargestellten Befund, wonach rund 48 Prozent aller gewaltbedingten Spielabbrüche auf Angriffe gegen Schiedsrichter zurückzuführen sind?

10

Welche Maßnahmen plant oder unterstützt die Bundesregierung ggf., um die Sicherheit und den Schutz von Schiedsrichtern, Trainern, Ordnern und Vereinsfunktionären im Amateurbereich zu verbessern?

11

Warum wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die im Jahr 2023 durchgeführte Erhebung zu Polizeieinsätzen im Amateurfußball nicht fortgeführt, obwohl Sachverständige im Sportausschuss deren Bedeutung betont haben?

12

Welche Bundesprogramme oder Fördermaßnahmen zielen derzeit ggf. auf Gewaltprävention im Sport ab (bitte mit Finanzvolumen und Laufzeit angeben)?

13

Inwieweit werden diese Programme (vgl. Frage 12) auch im Amateur- und Breitensport angewendet oder unterstützt?

14

Welche finanziellen Beiträge leistet der Bund jährlich an die Fanprojekte nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit, und wie bewertet die Bundesregierung deren Wirksamkeit?

15

Welche Evaluierungen oder Studien zur Prävention von Gewalt im Amateursport wurden seit 2015 ggf. im Auftrag oder mit Unterstützung der Bundesregierung durchgeführt oder gefördert?

16

Welche Datenquellen nutzt die Bundesregierung ggf. neben der Polizeilichen Kriminalstatistik zur Erfassung von Gewalt im Sport (z. B. DFB-Lagebild [DFB = Deutscher Fußball-Bund], Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze, Berichte der Innenministerkonferenz, wissenschaftliche Studien)?

17

Welche Schritte plant die Bundesregierung ggf., um künftig eine bundesweit einheitliche Datenerfassung von Gewalt im Amateursport sicherzustellen (unter Berücksichtigung der von Dr. Thaya Vester dargestellten methodischen Defizite bei der Datenerhebung)?

18

Wie bewertet die Bundesregierung den Zusammenhang zwischen der allgemeinen Gewaltentwicklung in der Gesellschaft und dem Auftreten von Gewalt im Amateursport?

19

Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung zur Stärkung von Respekt, Fairplay und Ehrenamt im Amateur- und Breitensport ggf. für wirksam?

Berlin, den 17. Februar 2026

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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