Die Berufsberatungsstatistik des Monats August erlaubt noch keine belastbaren Rückschlüsse über fehlende Ausbildungsplätze, da insbesondere in den letzten Monaten vor dem Ende des Vermittlungsjahres ein Ausgleichsprozess von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsstellenmarkt stattfindet.
Ende August waren nach der Statistik der Berufsberatung der Bundesanstalt für Arbeit bundesweit noch 145 400 unvermittelte Bewerber , 6 090 Jugendliche weniger als 1998, für eine Berufsausbildungsstelle registriert. Gleichzeitig waren noch 64 205 freie Ausbildungsplätze gemeldet; dies ist ein Plus von 5 267 Ausbildungsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist – vor allem Dank des „Sofortprogramms zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit – Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung Jugendlicher“ der Bundesregierung – die Lage etwas besser als Ende August 1998. Erfahrungsgemäß wird sich die Situation Ende September noch deutlich anders darstellen, da die Arbeitsämter zurzeit durch schriftliche Nachfrage abschließend feststellen, welche Jugendlichen tatsächlich noch unvermittelt sind.
Eine „Lückenberechnung“, bei der die gemeldeten Berufsausbildungsstellen (zz. rund 523 000) den gemeldeten Bewerbern (zz. 781 000) gegenüber gestellt werden, verzeichnet die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt nachhaltig, da erfahrungsgemäß ein Teil der gemeldeten Bewerber auch Alternativen wie den Besuch einer allgemeinbildenden oder beruflichen Schule oder die Aufnahme eines Studiums in Betracht zieht bzw. sich dafür entscheidet. Dies traf auch bei einer entspannten Ausbildungsplatzsituation Anfang der 90er Jahre in den alten Ländern auf einen hohen Prozentsatz der gemeldeten Bewerber zu. 1993 mündeten knapp 41 % aller bei der Bundesanstalt für Arbeit in den alten Ländern gemeldeten Bewerber in alternative Verbleibkategorien ein (Schule, Studium, Berufsvorbereitung, Arbeitsstelle etc.). 1998 waren es 47 % aller gemeldeten Bewerber (vgl. Berufsbildungsbericht 1999, Teil II, Kap. 1.4, S. 55). Kurz: Nicht jeder Bewerber, der sich im Verlauf eines Vermittlungsjahres bei der Berufsberatung gemeldet hat, fragt auch tatsächlich eine Berufsausbildung im dualen System nach.
Darüber hinaus weist die Bundesanstalt für Arbeit in ihren Erläuterungen zur Berufsberatungsstatistik darauf hin, dass die Statistik in erster Linie die Inanspruchnahme der Dienste der Berufsberatung dokumentiert und damit das Geschehen auf dem Ausbildungsstellenmarkt nicht vollständig erfasst. Die Berufsberatungsstatistik weist für 1997/98 bundesweit 416 383 Einmündungen in eine Berufsausbildungsstelle auf. Die Erhebung des Bundesinstitut für Berufsbildung zählte zum 30. September 1998 bundesweit 612 771 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Damit haben rund 200 000 Jugendliche mehr einen Ausbildungsplatz erhalten, als dies die Verbleibstatistik der Bundesanstalt für Arbeit ausweist.
Frühestens werden am 5. Oktober 1999, wenn die Bundesanstalt für Arbeit ihre Abschlussbilanz zum Ende des Vermittlungsjahres vom 30. September 1999 vorlegen wird, auch Zahlen über die bei der Berufsberatung gemeldeten noch nicht vermittelten Bewerber sowie freien Ausbildungsplätze vorliegen.
Einen vollständigen Überblick über die Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt ermöglicht erst die Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung über die bei den zuständigen Stellen (u. a. Kammern) zum 30. September dieses Jahres neu eingetragenen Ausbildungsverträge, deren Daten Anfang Dezember veröffentlicht werden.