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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Hooligans, der Rechtsextremismus und die Fußball-Europameisterschaft 2000 (G-SIG: 14011200)

Rechtsextreme Hooligan-Fanclubs in den Vereinen, Ermittlungsverfahren gegen gewaltbereite Fußballfans, Einflußnahme rechtsextremer Organisationen auf die Hooligan-Szene, verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse über Verbindungen zwischen der Skinhead-Musikszene und dem Hooligan-Milieu, Kosten der Polizeieinsätze, Passbeschränkungen gegen Hooligans

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

27.06.2000

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher Bundestag14/360508. 06. 2000

Hooligans, der Rechtsextremismus und die Fußball-Europameisterschaft 2000

der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau und der Fraktion der PDS

Vorbemerkung

Eine ganze Reihe von Fußballvereinen verfügt über eine rechtsextrem durchsetzte Hooligan-Szene. Teilweise gehen diese rechtsextrem durchsetzten Hooligans auch in das Internet.

So z. B. die Hooligans von Hertha BSC. Ihr Internet-Angebot (das Titelblatt mit einem Bild von Rudolf Hess und der Unterschrift „Einst kommt der Tag der Rache“. Die Homepage – sie ist aufzurufen u. a. unter „hool 88“ (die 8 steht offenbar für den achten Buchstaben im Alphabet, die „88“ dürfte also für „Heil Hitler“ stehen) – enthält neofaschistische und rassistische Tiraden. In der Ausgabe vom 13. März 2000 wird gegen eine „Hetzkampagne gegen Hertha-Fans“ Stellung genommen, die von den „Schmierfinken der Berliner Presse“ betrieben werde. In dem Bericht über das Spiel von Hertha BSC gegen Schalke 04 wird gegen die türkischen Fans aus Gelsenkirchen in rassistischer Weise gehetzt: Von „Schwarzkopf-Horden“ und deren „Kanackenfahnen“ wird da geschrieben. Der >Spielbericht< endete mit den Worten: „Sollten auch bei den nächsten Spielen wieder so viele Kanacken im Stadion sein, wird es auch dann wieder heißen: Lauf Türke lauf, sonst …“. Diese neofaschistische Homepage machte für sich Werbung mit dem offiziellen Logo von Hertha BSC Berlin.

Ähnlich rechtsextreme Hooligan-Gruppen gibt es in einer ganzen Reihe von Städten mit Vereinen aus der 1. Bundesliga (so z. B. die Supporters Leverkusen, Ultra Frankfurt etc.).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Welche zahlenmäßige Stärke haben nach Einschätzung der Bundesregierung die gewaltbereiten Fans der bundesdeutschen Fußballszene insgesamt?

2

Wie viele dieser gewaltbereiten Fußballfans gehören rechtsextremen Organisationen bzw. der rechtsextremen Szene an?

3

Wie viele rechtsextrem durchsetzte Hooligan-Fanclubs gibt es bei welchen Vereinen – in der 1. Bundesliga, – in der 2. Bundesliga, – in den Regionalligen?

(Bitte nach Vereinen, Größe der Hooligan-Szene und rechtsextrem beeinflusstem Anteil der Fans aufführen.)

4

Gegen wie viele gewaltbereite Fußballfans wurden seit 1995 Ermittlungsverfahren eingeleitet und in wie vielen Fällen kam es zu Verurteilungen?

(bitte nach Deliktgruppen, Verurteilungen, Jahren und Vereinen aufführen)?

5

Wie viele Ermittlungsverfahren wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 1995 gegen gewaltbereite Fußballfans wegen Verstoßes gegen die §§ 86 und 130 im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen durchgeführt?

(bitte nach Vereinen aufschlüsseln)?

6

Wie hat sich nach Einschätzung der Bundesregierung die Fußballfan-Szene seit dem Beitritt der neuen Länder insgesamt in der BRD, bezogen auf die Gewaltbereitschaft und eine rechtsextreme Durchsetzung entwickelt?

7

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über gezielte Versuche der Einflussnahme rechtsextremer Organisationen auf die Hooligan-Szene seit 1995 vor?

(bitte nach Vereinen aufschlüsseln)?

8

Gibt es seit 1995 Erkenntnisse über die Teilnahme von organisierten Hooligans an rechtsextremen Aufmärschen und Veranstaltungen?

Wenn ja, welche?

9

Welche verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse hat die Bundesregierung über Zusammenhänge zwischen der Skinhead-Musikszene und dem Hooligan-Milieu?

– Gibt es Skinhead-Musikbands, die aus dem Hooligan-Milieu stammen?

– Erfolgt nach den Erkenntnissen der Bundesregierung eine Zusammenarbeit (gemeinsame Vertriebsstrukturen, Konzertauftritte etc.) mit Musikbands aus dem rechtsextremen Lager?

10

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über eine Zusammenarbeit zwischen der Hooligan-Szene und der „Organisierten Kriminalität“?

11

Welche Aktivitäten hat die Bundesregierung seit 1995 ggf. gemeinsam mit dem Deutschen Fußballbund unternommen, um gegen die gewaltbereite bzw. rechtsextrem durchsetzte Hooligan-Szene vorzugehen?

(bitte nach Aktivitäten, Ausgaben und Jahren aufschlüsseln)?

12

Welche Kosten sind dem Bund und den Ländern durch Polizeieinsätze gegen und zum Schutz vor rechtsextremen bzw. gewaltbereiten Hooligans seit 1995 entstanden?

(bitte nach Jahren auflisten)?

13

Welche Kosten für diese Polizeieinsätze wurden hier vom DFB oder von den Vereinen aus der 1. Bundesliga selbst übernommen?

14

Gibt es Schätzungen und Erkenntnisse, wie viele gewaltbereite Fußballfans aus der BRD zur Fußball-Europameisterschaft nach Belgien und in die Niederlande fahren werden und wie viele von diesen „Fans“ sind rechtsextremen Kreisen zuzuordnen?

15

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Aufrufe und Mobilisierungsversuche aus der rechtsextrem durchsetzten Hooligan-Szene zur Fußball-Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden?

16

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über eine internationale Zusammenarbeit/internationale Kontakte der rechtsextremen Hooligan-Szene aus den europäischen Ländern?

17

Wie viele Personen aus der gewaltbereiten Hooligan-Szene unterliegen gegenwärtig Passbeschränkungen?

18

Welche weiteren Aktivitäten plant die Bundesregierung zukünftig (eventuell zusammen mit dem DFB) in Bezug auf die gewaltbereite Hooligan-Szene durchzuführen?

Berlin, den 30. Mai 2000

Ulla Jelpke Petra Pau Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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