Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden – mit Stand 1. April 1999 – seit 1990 insgesamt 16 vollendete Tötungsdelikte aus rechtsextremistischer, fremdenfeindlicher und antisemitischer Motivation begangen.
Aufgrund datenschutzrechtlicher Löschungsfristen für polizeiliche Datensysteme sind ehemals gespeicherte Tötungsdelikte nicht mehr nachvollziehbar. Diese Löschungen liegen in der Zuständigkeit der Bundesländer; dem BKA liegen über die Größenordnung eventueller Löschungen keine Erkenntnisse vor.
Insofern kann nicht von einer Vollständigkeit der Statistik im vorliegenden Fall ausgegangen werden.
Im einzelnen sind folgende vollendete Tötungsdelikte bekannt:
1990:
1. In Eberswalde/Brandenburg wurde ein Angolaner Opfer eines Tötungsdeliktes. Die näheren Umstände sind aufgrund von Datenlöschungen nicht mehr nachvollziehbar.
1991:
2. Am 31. März stürzten mehrere Skinheads in Dresden einen Mosambikaner, der später seinen Verletzungen erlag, aus einer fahrenden Straßenbahn.
3. Bei einem Brandanschlag am 19. September auf ein Asylbewerberheim in Saarlouis wurde ein Asylbewerber aus Ghana getötet.
4. Am 12. Dezember wurde bei einem bewaffneten Raubüberfall einer kriminellen Vereinigung auf einer Landstraße in Meuro/Brandenburg ein Kraftfahrer erschossen.
1992:
5. Am 18. März wurde bei einem Überfall durch Skinheads in Buxtehude ein Obdachloser so schwer verletzt, daß er später daran verstarb.
6. Ein Angehöriger der rechtsextremistischen Szene erstach am 24. April in Berlin bei einem Streit einen vietnamesischen Zigarettenhändler.
7. Am 29. Mai wurde in Magdeburg bei einem Überfall durch Skinheads ein Punk getötet.
8. Am 8. Juli drangen Skinheads in Ostfildern/BW in eine Unterkunft von Bauarbeitern ein und erschlugen einen Gastarbeiter aus Jugoslawien.
9. Im Anschluß an ein gemeinsames Zechgelage wurde am 13. November in Wuppertal das Opfer als vermeintlicher Jude von Skinheads erschlagen.
10. Am 21. November wurde in Berlin bei einer Auseinandersetzung zwischen rechten und linken Jugendlichen ein Angehöriger der Hausbesetzerszene tödlich verletzt.
11. Am 23. November wurden in Mölln bei einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus drei Hausbewohner getötet.
1993:
12. Am 20. Februar erlitt bei einer Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen der örtlichen rechtextremistischen und linksextremistischen Szene in Hoyerswerda ein Linksextremist tödliche Verletzungen.
13. Ein 56jähriger Türke erlitt infolge einer angedeuteten „Scheinexekution“ am 9. März in Mülheim einen tödlichen Herzinfarkt.
14. Bei einem Brandanschlag am 29. Mai auf ein Wohnhaus in Solingen wurden fünf Angehörige einer türkischen Familie getötet.
15. Ein 18jähriger erschlug am 6. Juli in Marl/Nordrhein-Westfalen einen Obdachlosen.
1994 und 1995 wurden keine vollendeten Tötungsdelikte gemeldet.
1996:
16. Am 15. Februar erlitt bei einer Auseinandersetzung zwischen Angehörigen der örtlichen rechtsextremistischen und linksextremistischen Szene ein Angehöriger der linksextremistischen Szene tödliche Verletzungen.
1997 und 1998 wurden keine vollendeten Tötungsdelikte gemeldet.