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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Förderung der Erforschung von Impfstoffen gegen die insbesondere in Entwicklungsländern wütende Aids-Epidemie (G-SIG: 14011592)

Forschungsstand, Bundesmittel für die Aids-Impfstofferforschung, Einstellung eines eigenen Titels im Haushalt des BMF

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

18.12.2000

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 14/481427. 11. 2000

Förderung der Erforschung von Impfstoffen gegen die insbesondere in Entwicklungsländern wütende Aids-Epidemie

der Abgeordneten Erika Reinhardt, Klaus-Jürgen Hedrich, Dr. Norbert Blüm, Siegfried Helias, Joachim Hörster, Rudolf Kraus, Dr. Manfred Lischewski, Marlies Pretzlaff, Hans-Peter Repnik, Dr. Christian Ruck, Peter Weiß (Emmendingen), Annette Widmann-Mauz und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

In den meisten Industriestaaten scheint man die Ausbreitung von Aids unter Kontrolle bekommen zu haben. Völlig anders sieht die Situation in vielen Entwicklungsländern aus, wo die Epidemie vor allem im südlichen Afrika geradezu apokalyptische Zustände heraufbeschwört. In einigen Staaten wie z. B. Botswana oder Simbabwe ist bereits mehr als ein Drittel der Bevölkerung infiziert. In Südafrika rechnet man mit einer Reduzierung der Lebenserwartung um 14 Jahre.

Die Todesrate ist besonders hoch unter der städtischen Bevölkerung und der Altersgruppe zwischen 20 und 45 Jahren, was massive negative Konsequenzen für das Wirtschafts- und Sozialleben der betroffenen Staaten nach sich zieht.

Beobachter rechnen mit einem drastischen Anstieg der Infiziertenzahlen nicht nur im restlichen Afrika, sondern auch in anderen Entwicklungsregionen wie dem indischen Subkontinent oder Fernost sowie den Transformationsstaaten.

Die Bundesregierung hat sich im Rahmen der G8 verpflichtet, stärkere Anstrengungen zur Bekämpfung der Aids-Epidemie und insbesondere zur Entwicklung von Impfstoffen hiergegen zu unternehmen. Prävention und Therapie gegen Aids haben aus unterschiedlichen Gründen gerade in den Entwicklungsländern bislang nur eine sehr begrenzte Wirksamkeit entfalten können. Aids-Spezialisten setzen daher große Hoffnung in den Ansatz, über Impfstoffe gegen Aids die Probleme vor allem in Entwicklungsländern in den Griff zu bekommen.

Medizinische Fachkreise befürchten allerdings eine Verkomplizierung der Forschungsbemühungen, sollte sich die These bestätigen, dass die für einzelne Entwicklungsregionen spezifischen HIV-Subtypen nicht mit einem HIV-subtypenübergreifenden, sondern nur mit einem für diese Subtypen speziell entwickelten Impfstoff bekämpft werden können. Zudem rechnet man erfahrungsgemäß damit, dass in Industrieländern entwickelte Impfstoffe für das Gesundheitsbudget vieler Entwicklungsländer zu teuer sind und wie z. B. bei der Hepatitis-B-Impfung die Menschen in den Entwicklungsländern erst mit einer Verzögerung von 15 bis 20 Jahren erreichen – was angesichts des immer noch rapiden Anstiegs der Aids-Infektionsrate in den Entwicklungsländern fatal wäre.

Umso bedenklicher muss stimmen, dass die Sonderarbeitsgruppe Aids-Impfstoffe der Weltbank im Februar 2000 von einem Marktversagen in der Impfstoffentwicklung gesprochen hat. Die öffentliche Förderung sei unzureichend und die Anreize für private Investoren zu gering, da die Märkte in den Entwicklungsländern, in denen die Epidemie ihr größtes Ausmaß hat, zu geringe Gewinnerwartungen versprächen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Welchen Stand hat die Erforschung von Impfstoffen gegen Aids gegenwärtig erreicht?

2

Hat man zumindest eine annähernde medizinische Klarheit darüber gewonnen, ob ein einziger Impfstoff für alle HIV-Subtypen in Frage kommt oder die Entwicklung verschiedener Impfstoffarten notwendig wird?

3

Welche Prognose lässt sich hinsichtlich der Nutzbarkeit eines derartigen Impfstoffs unter den spezifischen finanziellen, klimatischen etc. Entwicklungslandbedingungen treffen?

4

Welche namhaften Institutionen forschen gegenwärtig auf nationaler und internationaler Ebene nach Aids-Impfstoffen? Wer hiervon beschäftigt sich speziell mit der Erforschung der für Entwicklungsregionen spezifischen HIV-Subtypen und eines Impfstoffes hiergegen? Welche Erkenntnisse liegen über die diesbezüglichen Forschungsbemühungen der privaten Wirtschaft vor?

5

Welche Rolle spielt UN-Aids in Genf für die Aids-Impfstofferforschung?

6

Wie hoch sind die gegenwärtig in den Bundeshaushaltsplan eingestellten Finanzmittel speziell für die Aids-Impfstofferforschung und an welche nationalen/internationalen Institutionen fließen diese Finanzmittel?

7

Richtet sich ein Teil der von der Bundesregierung unterstützten Forschungsaktivitäten auf die Entwicklung von Impfstoffen speziell für HIV-Subtypen in Entwicklungsregionen? Wenn nein, warum nicht?

8

Welche Position bezieht die Bundesregierung zu der Forderung, zusätzlich zu den bisher bereits vorgesehenen Finanzmitteln einen eigenen Haushaltstitel für die Aids-Impfstoffentwicklung gegen entwicklungslandspezifische HIV-Subtypen im Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einzurichten?

9

Welche Bemühungen unternimmt die Bundesregierung, zusätzliche Finanzmittel zur Aids-Impfstofferforschung auf internationaler Ebene insbesondere bei der Weltbank oder der EU zu aktivieren?

Berlin, den 14. November 2000

Erika Reinhardt Klaus-Jürgen Hedrich Dr . Norbert Blüm Siegfried Helias Joachim Hörster Rudolf Kraus Dr. Manfred Lischewski Marlies Pretzlaff Hans-Peter Repnik Dr. Christian Ruck Peter Weiß (Emmendingen) Annette Widmann-Mauz Friedrich Merz, Michael Glos und Fraktion

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