Zum Sparen der Bevölkerung liegt mit den Einkommens- und Verbrauchsstichproben (EVS) des Statistischen Bundesamtes für die Erhebungsjahre 1988, 1993 und 1998 umfangreiches Datenmaterial vor, das tiefgegliederte Analysen zulässt. Der Mikrozensus eignet sich dagegen nicht zur Beantwortung der gestellten Fragen, da er nur grobe Informationen zum Einkommen und nur vereinzelte, sporadische Informationen zum Sparen erhebt.
Da die Kleine Anfrage auf das Sparen der Bevölkerung vor dem Rentenalter gerichtet ist, werden im Folgenden und bei der Beantwortung der Frage 3 sowie in den anliegenden sieben Tabellen die Ergebnisse der EVS für private Haushalte genannt, deren Bezugsperson (Haushaltsvorstand, Haupteinkommensbezieher) unter 65 Jahre alt ist. Diese Ergebnisse sind durch Sonderauswertungen des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung aus anonymisiertem Mikrodatenmaterial der EVS gewonnen. Wegen der vorgenommenen Altersbegrenzung weichen sie von veröffentlichten Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes ab, die z. B. in der Antwort auf Frage 1 zugrunde gelegt sind. Außerdem sind geringfügige Abweichungen der Beträge gegenüber Auswertungen aus dem Originaldatenmaterial möglich, weil in der zur Verfügung gestellten Mikrodatenbasis aus Datenschutzgründen 2 % der Datensätze und die Datensätze von Haushalten mit mehr als 6 Personen fehlen.
In den anliegenden sieben Tabellen sind die Haushalte mit einer Bezugsperson unter 65 Jahren nach der Höhe ihres verfügbaren Einkommens, nach der Haushaltsgröße und danach gegliedert, ob ihre Ersparnis im Berichtszeitraum größer Null oder kleiner bzw. gleich Null war. Die Tabellen 1 bis 5 geben für die so gebildeten Gruppen und deren Zusammenfassungen an: die hochgerechnete Anzahl der Haushalte (ohne Ausgleich für die in der Mikrodatenbasis fehlenden Datensätze), das verfügbare Einkommen, die Ersparnis und die Sparquoten in Westdeutschland 1988, 1993 und 1998 sowie in Ostdeutschland 1993 und 1998.
Die Tabellen 6 und 7 geben ergänzend die durchschnittlichen Vermögensbestände derselben Haushalte in den alten und neuen Ländern im Jahre 1998 an, gegliedert nach den Hauptformen des Privatvermögens. Tabellenfelder, für die Angaben von weniger als 25 befragten Haushalten vorliegen, enthalten wegen zu großer statistischer Unsicherheit das Zeichen „/“ statt Zahlenangaben.
Bei den Ergebnissen der EVS ist zu beachten, dass Haushalte mit sehr hohen Nettoeinkommen (monatlich 1988 über 25 000 DM und 1993 sowie 1998 über 35 000 DM) nicht in die EVS einbezogen sind; die Aussagefähigkeit der EVS ist dadurch jedoch für Fragen, die sich auf Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen beziehen, nicht beeinträchtigt. Die Nichteinbeziehung der Haushalte von Ausländern in der EVS 1988 dürfte den Vergleich mit 1993 und 1998 nicht wesentlich beeinträchtigen. Die durchschnittlichen Sparbeträge und Sparquoten der einzelnen Haushaltsgruppen mit Aufteilung der Haushalte danach, ob die Ersparnis im Berichtszeitraum größer Null oder kleiner bzw. gleich Null ist, sind 1998 nur eingeschränkt vergleichbar mit 1993 und 1988, weil 1998 die Einnahmen und Ausgaben nur für ein Vierteljahr statt für ein ganzes Jahr erhoben worden sind und sich deshalb für das Sparen und Entsparen als Saldo zwischen Einnahmen und Ausgaben größere Beträge gegenüber früher einstellen. Beim Zeitvergleich ist außerdem zu berücksichtigen, dass viele Haushalte im Zeitverlauf in höhere Einkommensklassen wandern und dass ein und dieselbe Einkommensklasse in den späteren Jahren eine geringere Kaufkraft und Sparfähigkeit repräsentiert als im vorhergehenden Erhebungsjahr; beides führt dazu, dass die Sparquoten für eine bestimmte Einkommensklasse und Haushaltsgröße im Zeitverlauf sinken.
Die Tabellen 1 bis 5 zeigen, dass bei gegebener Haushaltsgröße die Häufigkeit der sparenden Haushalte und die Sparquote mit dem Einkommen steigen, was den bekannten Zusammenhang zwischen Einkommen und Sparfähigkeit bestätigt. Außerdem ist trotz aller statistisch-methodischen Einschränkungen zuverlässig erkennbar, dass zum einen ein beachtlicher Teil der Haushalte Ersparnisse bildet, selbst wenn das Einkommen im Verhältnis zur Haushaltsgröße sehr niedrig ist, und dass zum anderen ein beachtlicher Teil der Haushalte entspart oder eine Ersparnis von Null hat, selbst wenn das Einkommen im Verhältnis zur Haushaltsgröße hoch ist. Den Tabellen 6 und 7 ist zusätzlich zu entnehmen, dass auch die Vermögensbestände bei gegebener Haushaltsgröße in der Regel mit dem Einkommen steigen (mit Ausnahmen bei den niedrigsten Einkommen) und dass die entsparenden bzw. nicht sparenden Haushalte Vermögensbestände haben, die in großem Maße den Vermögensbeständen der sparenden Haushalte bei gleicher Personenzahl, mit gleichem Einkommen und im gleichen Gebiet entsprechen.
Aus diesen Befunden folgt, dass aus dem verfügbaren repräsentativen statistischen Datenmaterial über das Sparen der privaten Haushalte keine Einkommensgrenzen ableitbar sind, die angeben, welche Haushalte ihr Einkommen voll für den Lebensunterhalt benötigen und welche Haushalte sparen können. Die Gültigkeit des allgemeinen Zusammenhangs zwischen Einkommen einerseits und Sparen sowie Vermögen andererseits ist jedoch empirisch gesichert.