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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Allergien als ernste gesundheitspolitische Herausforderung (G-SIG: 14012784)

Konsequenzen aus dem "Weißbuch Allergie in Deutschland 2000", Ursachen, Innenraumallergene, Prävention, Asthma bei Kindern mit Heuschnupfen, Verbesserung der Versorgung von Allergikern, Forschung, Intoleranzreaktionen bei Allergikern

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

15.05.2002

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 14/891423. 04. 2002

Allergien als ernste gesundheitspolitische Herausforderung

der Abgeordneten Annette Widmann-Mauz, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Wolfgang Lohmann (Lüdenscheid), Dr. Wolf Bauer, Dr. Hans Georg Faust, Ulf Fink, Hubert Hüppe, Dr. Harald Kahl, Eva-Maria Kors, Hans-Peter Repnik, Anita Schäfer, Aribert Wolf, Wolfgang Zöller und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Allergien gehören zu den großen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Aus epidemiologischen Querschnittsuntersuchungen geht hervor, dass viele allergische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen haben. Die Zahl der am allergischen Bronchialasthma Erkrankten ist allein in den 80er Jahren um das Doppelte gestiegen. In der Schweiz ist eine Zunahme der Heuschnupfenerkrankungen von 0,83 % im Jahr 1926 auf 11,1 % im Jahr 1991 zu verzeichnen. Studien an Zwillingen aus Dänemark zeigen einen Anstieg der kumulativen Inzidenz des atopischen Ekzems (Neurodermitis) von 3,2 % der in den Jahren 1960 bis 1964 geborenen Kinder auf 10 bis 11,5 % der zwischen 1970 und 1979 geborenen auf. Ein Fünftel der Kinder mit atopischem Ekzem entwickelte später ein Bronchialasthma. Die Ursachen für diese Zunahme von Allergien sind noch nicht ausreichend geklärt.

Allergien entwickeln sich zu einer der größten Volkskrankheiten. Sie sind keine Bagatellerkrankungen. Sie können chronisch werden, tödlich enden und gehen mit hohen Einbußen an gesundheitsbezogener Lebensqualität und volkswirtschaftlichen Verlusten einher. Allergologie ist im Gegenstandskatalog der medizinischen Ausbildung nicht offiziell vertreten. Aus einer wissenschaftlichen Studie geht hervor, dass nur 10 % der allergiekranken Menschen in Deutschland eine adäquate Versorgung erhalten. Demnach wissen viele Menschen überhaupt nicht, dass ihre Beschwerden allergischer Natur sind; viele werden inadäquat behandelt. Der Mangel an selbständigen Lehrstühlen und die wenigen Abteilungen für Allergologie an deutschen medizinischen Fakultäten behindern die qualifizierte ärztliche Aus- und Weiterbildung. Ärzte, die sich nach der Absolvierung einer Facharztweiterbildung in einem klassischen Gebiet noch zwei zusätzliche Jahre in Allergologie weiterbilden, werden häufig nicht zu Diagnostik und Therapie herangezogen, was zu Qualitätseinbußen und zu unnötigen Kostensteigerungen führt. Dabei sind durch die Fortschritte der experimentellen Immunologie und Allergologie der letzten Jahre eine Fülle neuer Kenntnisse verfügbar geworden, die – richtig umgesetzt – für viele allergische Patienten Linderung oder Heilung bringen könnten.

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI), der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU) haben mit dem im September 2000 vorgelegten „Weißbuch Allergie in Deutschland 2000“ die Situation der Allergologie in Krankenversorgung, Lehre und Forschung in Deutschland dargestellt und konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen17

1

Welche gesundheitspolitischen Konsequenzen hat die Bundesregierung aus dem „Weißbuch Allergie in Deutschland 2000“ gezogen?

2

Gibt es neue Erkenntnisse aus der Epidemiologie (oder aus Kohortenstudien) zur Ursache allergologischer Erkrankungen?

3

Wie ist heute die Datenlage zur Inzidenz und Prävalenz des Bronchialasthma (Asthma bronchiale) in Deutschland?

4

Ist die Prävalenz von Heuschnupfen (Allergische Rhinokonjunktivitis) weiterhin steigend?

5

Hat die Bundesregierung eigene Institutionen veranlasst, systematische Datenerhebungen durchzuführen?

6

Gibt es Untersuchungen über Änderungen des Stillverhaltens bei Müttern, nachdem belegt ist, dass durch konsequentes Stillen eine wirksame Primärprävention gegen Allergien erzielt werden kann?

7

Gibt es Fortschritte bei der Senkung der Konzentration von Innenraumallergenen in Risikofamilien?

8

Gibt es Konzepte, die frühzeitige Anwendung von spezifischen Immuntherapien zu fördern, um die Entstehungen von Asthma bei Kindern mit Heuschnupfen zu verhindern?

9

In welcher Weise werden Anstrengungen unternommen, um die vom Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen festgestellte Unter- bzw. Fehlversorgung im Bereich der spezifischen Immuntherapie zur Prävention von allergischem Asthma zu beheben?

10

Welchen Stellenwert haben Strategien zur Vermeidung der Progression von Atemwegserkrankungen in Bezug auf Patientenschulung, Pharmakotherapie und beim Einsatz der spezifischen Immuntherapie?

11

Gibt es Untersuchungen zur Kosteneinsparung, die durch derartige qualifizierte und indizierte Strategien entstehen?

12

Welche Initiativen hat die Bundesregierung ergriffen, um die allergologische Ausbildung von Studierenden der Medizin zu verbessern?

13

Inwieweit gibt es Bestrebungen der Bundesregierung, durch die Erfassung der Prävalenz von Allergien und damit verbunden der allergologischen Versorgungsmaßnahmen sowie ihrer Auswertung und Analyse, die Versorgung von Allergikern zu verbessern?

14

Hat die Bundesregierung Forschungsvorhaben im Bereich der allergischen Erkrankung (z. B. insbesondere in Hinblick auf Mechanismen der allergischen Entzündung, pränatale und frühkindliche Entstehungsfaktoren, Chronifizierung, Präventionsstrategien) initiiert?

15

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor über lebensbedrohliche Gefährdungen bzw. Todesfälle von allergiekranken Patienten durch Intoleranzreaktionen, die nicht durch den vergleichbaren Wirkstoff eines Generika, sondern durch Zusatz- und Hilfsstoffe sowie Farbstoffzusätze ausgelöst werden können?

16

Welche Maßnahmen sind von der Bundesregierung vorgesehen, um den Kenntnisstand in der deutschen Ärzte- und Apothekerschaft im Hinblick auf allergologische Grundzusammenhänge zu verbessern?

17

Sieht die Bundesregierung gesundheitliche Risiken für Allergiker durch die aut-idem-Regelung?

Berlin, den 23. April 2002

Annette Widmann-Mauz Dr. Sabine Bergmann-Pohl Wolfgang Lohmann (Lüdenscheid) Dr. Wolf Bauer Dr. Hans Georg Faust Ulf Fink Hubert Hüppe Dr. Harald Kahl Eva-Maria Kors Hans-Peter Repnik Anita Schäfer Aribert Wolf Wolfgang Zöller Friedrich Merz, Michael Glos und Fraktion

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