Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 14/6529
14. Wahlperiode 03. 07. 2001
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
vom 29. Juni 2001 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land),
Norbert Barthle, Brigitte Baumeister, Meinrad Belle, Peter Bleser, Sylvia Bonitz,
Georg Brunnhuber, Leo Dautzenberg, Hubert Deittert, Renate Diemers,
Marie-Luise Dött, Albrecht Feibel, Ingrid Fischbach, Jochen-Konrad Fromme,
Dr. Jürgen Gehb, Manfred Grund, Carl-Detlev Freiherr von Hammerstein,
Siegfried Helias, Ernst Hinsken, Martin Hohmann, Klaus Holetschek,
Josef Hollerith, Dr.-Ing. Rainer Jork, Irmgard Karwatzki, Norbert Königshofen,
Dr. Karl A. Lamers (Heidelberg), Vera Lengsfeld, Werner Lensing, Peter Letzgus,
Dr. Gerd Müller, Elmar Müller (Kirchheim), Anton Pfeiffer, Beatrix Philipp,
Helmut Rauber, Katherina Reiche, Franz-Xaver Romer, Karl-Heinz Scherhag,
Dietmar Schlee, Bernd Schmidbauer, Wilhelm Josef Sebastian, Heinz Seiffert,
Bernd Siebert, Werner Siemann, Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten, Matthäus
Strebl, Arnold Vaatz, Peter Weiß (Emmendingen), Heinz Wiese (Ehingen),
Hans-Otto Wilhelm (Mainz), Klaus-Peter Willsch, Werner Wittlich
– Drucksache 14/6215 –
Paläoklimaforschung in Deutschland – Stand, Ergebnisse und Perspektiven
In dem Buch „Klimafakten“ haben im März dieses Jahres Mitarbeiter der
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), einer
nachgeordneten Behörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, des
Instituts für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben und des
Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung den Bestand
geowissenschaftlicher Klimafakten zusammengefasst und einer breiten Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Mit dem Buch sollen die Leser in die Lage versetzt werden,
„das heutige Klima mit seinen beobachtbaren Naturprozessen zu verstehen
und bewerten zu können“.
Unter Verweis auf den wachsenden Einfluss von Klimaforschern auf
politische Entscheidungen führen die Autoren aus, dass in den heutigen
Computermodellen, die für Prognosen zukünftiger Klimaentwicklungen verwendet
werden, zahlreiche äußere Einflussgrößen des Klimas bislang nicht mit
hinreichender Genauigkeit abgebildet seien. Im Hinblick auf den
Zusammenhang zwischen der Zunahme von Kohlendioxid in der Atmosphäre und der
Temperaturentwicklung der letzten 150 Jahre stellen die Autoren fest: „Die
beobachteten Temperaturanstiege bzw. -abnahmen erfolgten ohne Bezug zum
Kohlendioxid. … Nur die Änderungen in der Aktivität der Sonne erfolgten
fast zeitgleich mit dem Gang der Temperaturen.“ Kohlendioxid (CO2) sei
nicht der bestimmende Faktor des Klimageschehens. Auch seien die
komplexen internen Prozessabläufe, die das Klima und dessen Zustände
beeinflussten, noch nicht hinreichend entschlüsselt. Damit müssten aus Sicht der
Autoren die Ergebnisse der Klimasimulationsrechnungen und die daraus
abgeleiteten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen in ihrer Substanz
grundlegend überdacht werden.
Die Autoren fordern konzentrierte Anstrengungen, Daten zu sammeln und
Grundlagen zu schaffen, um den Ablauf von Klimaprozessen besser zu
verstehen, da nur durch eine Kombination von paläoklimatischer Forschung und
moderner Klimaanalyse eine Einschätzung der möglichen zukünftigen
Klimaentwicklung möglich sei. „Eine Überprüfung der Modelle, die … aus
verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt sind, ist oberstes Gebot“, heißt es in
dem Buch.
Auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush,
verweist in seinem Brief vom 13. März 2001 an verschiedene Senatoren des
US-Kongresses zur Umsetzung der Beschlüsse des „Kyoto-Protokolls“ auf
den lückenhaften Kenntnisstand der Klimawissenschaft: „… we must be very
careful not to take actions that could harm consumers. This is especially true
given the incomplete state of scientific knowledge of the causes of, and
solutions to, global climate and the lack of commercially available technologies
for removing and storing carbon dioxide.“
Demgegenüber erklärt die Deutsche Meteorologische Gesellschaft in einer am
26. März 2001 öffentlich vorgestellten Stellungnahme zu Klimaänderungen,
die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung reichten
zweifellos aus, um international abgestimmte, effektive und baldige
Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Diese Wissenschaftler führen auf der Basis
von Klimamodellierungen aus, die globale Erwärmung der letzten 100 bis 150
Jahre gehe mit hoher Wahrscheinlichkeit auf menschliche Aktivitäten zurück,
insbesondere auf den ständig gestiegenen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2)
und anderen klimawirksamen Spurengasen. Sie fordern Politik, Wirtschaft
und Öffentlichkeit auf, „sich entschieden und ohne Vorbehalte“ für
Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.
In Veröffentlichungen des „Intergovernmental Panel on Climate Change“
(IPCC) werden Klimaschutzmaßnahmen ebenfalls vorrangig mit aus
Computersimulationen hergeleiteten Ergebnissen begründet, die eine Senkung des
anthropogenen, Kohlendioxidausstoßes zur Stabilisierung des Klimas nahe
legen. Das IPCC verdeutlicht mögliche Folgen des vom Menschen erzeugten
Klimawandels mit „Szenarien“, in denen z. B. ein Temperaturanstieg bis zum
Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 5,8 ˚C und ein Anstieg des
Meeresspiegels um bis zu 88 cm prognostiziert werden.
Das IPCC empfiehlt aktuell den Industriestaaten auf dieser Basis
Klimaschutzmaßnahmen wie die Markteinführung von Windkraftanlagen, die
Senkung von Emissionen bei der industriellen Produktion, die Energiegewinnung
aus Biomasse und den Ausbau der friedlichen Nutzung der Kernenergie z. B.
durch Verlängerung der Betriebslaufzeiten von Kernkraftwerken.
Die Kosten der Industrieländer allein für die Umsetzung des Kyoto-Protokolls
von 1997 werden in vom IPCC zitierten Studien mit bis zu 2 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes angegeben.
Vo r b e m e r k u n g
Politisches Handeln zur Umsetzung der Leitlinie einer Nachhaltigen
Entwicklung muss sich auf eine breite und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisbasis
abstützen. Die Bundesregierung fördert aus diesem Grund auch im Bereich der
Klimaforschung alle relevanten Forschungsrichtungen, wie dies in der
Beantwortung der Kleinen Anfrage im Einzelnen dargestellt wird.
In dem in der Einleitung der Anfrage zitierten Buch „Klimafakten“ wird
insbesondere unter Verweis auf die Klimaentwicklung der Erdvergangenheit der
Einfluss der Sonne diskutiert. Die Bundesregierung nimmt diese
Veröffentlichung zur Kenntnis. Sie hält es für erforderlich, dass auch die Ergebnisse
paläoklimatologischer Forschung in die wissenschaftliche Diskussion angemessen
einbezogen werden. Ihre Forschungsförderung ist entsprechend breit
ausgerichtet.
Die komplexen Zusammenhänge des Klimasystems und die Bedeutung, die ein
vertieftes Verständnis dieser Zusammenhänge für den Menschen hat, sind der
Grund für intensive internationale Forschungsanstrengungen. Deren
Ergebnisse werden in regelmäßigen Abständen vom Zwischenstaatlichen Ausschuss
für Klimafragen der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate
Change, IPCC) ausgewertet. Die Bundesregierung unterstützt diese Aktivitäten
im Interesse eines international ausgewogenen Ergebnisbildes, das den
gegenwärtigen Erkenntnisstand widerspiegelt und neue Fakten für die
Weiterentwicklung des Wissens über die zukünftige Klimaentwicklung einbezieht. Im
nationalen Rahmen leistet die Bundesregierung ihren Beitrag durch gezielte
förderpolitische Aktivitäten, vor allem des Bundesministeriums für Bildung
und Forschung und insbesondere durch Unterstützung geowissenschaftlicher
bzw. paläoklimatischer Forschung zur Weiterentwicklung des Verständnisses
des Klimasystems und der Klimamodellierung. Dies wird in der Beantwortung
der Kleinen Anfrage aufgezeigt.
Nur durch die gemeinsame, interdisziplinäre Bearbeitung können noch offene
Fragen geklärt und Wissensdefizite verringert werden. Daher ist z. B.
gemeinsame Forschung von Gruppen aus dem Bereich der Paläoklimatologie und der
Klimamodellierung eines der Förderkriterien des neuen Förderprogramms der
Bundesregierung zur Klimaforschung (DEKLIM – Deutsches
Klimaforschungsprogramm).
Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimafragen (IPCC), der sich aus
weltweit mehr als 1 000 Wissenschaftlern aller betroffenen Fachdisziplinen
zusammensetzt, hat seinen Dritten Sachstandsbericht (Third Assessment Report,
TAR) im Frühjahr dieses Jahres vorgelegt. Entsprechend den Regeln des IPCC
wurden die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger
gemeinsam von den Wissenschaftlern sowie Vertretern der Regierungen diskutiert und
einvernehmlich beschlossen. Die Bundesregierung hat sich intensiv an den
Abstimmungen des IPCC beteiligt und macht sich die Ergebnisse des Dritten
Sachstandsberichts in der Durchführung ihrer Forschungs- und
Klimaschutzpolitik zu Eigen.
Die Förderung von Forschung zu allen Komponenten und Mechanismen des
Klimasystems sowie seiner Beeinflussung durch den Menschen wird auch in
Zukunft eine wichtige Aufgabe der Bundesregierung bleiben. Zu dem
eingeschlagenen klimapolitischen Weg gibt es gegenwärtig, auch angesichts der
Vorsorgepflicht, keine Alternative.
1. Welche Forschungs- und Hochschulinstitute sind in Deutschland im
Bereich der Klimaforschung tätig?
Nach Kenntnis der Bundesregierung sind in Deutschland nahezu alle
Forschungsinstitutionen mit geowissenschaftlicher Ausrichtung im Bereich der
Klimaforschung tätig. Hierzu zählen:
Die Einrichtungen der Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft (HGF): Alfred-
Wegener-lnstitut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Deutsches Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR), Forschungszentrum Jülich (FZJ),
Forschungszentrum Karlsruhe (FZK), Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ),
Forschungszentrum Geesthacht (GKSS), Forschungszentrum Informationstechnik
GmbH (GMD), Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit GmbH (GSF),
Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig GmbH (UFZ),
die Einrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
(WGL): Institut für Meereskunde (IfM), Institut für Troposphärenforschung
e. V. (IfT), Institut für Atmosphärenforschung (IAP), Institut für
Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
und das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA),
die Max-Planck-Institute für Biogeochemie, Chemie, Kernphysik,
Meteorologie, Mikrobiologie,
das Institut für Atmosphärische Umweltforschung (IFU) und das Institut für
Toxikologie und Aerosolforschung (ITA) der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG),
das Deutsches Klimarechenzentrum (DKRZ), Forschungszentrum für marine
Geowissenschaften (GEOMAR), die Heidelberger Akademie der
Wissenschaften, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW), das
Öko-Institut in Freiburg sowie die Universitäten in:
Bonn; Bremen; Düsseldorf; Essen; Frankfurt; Freiburg; Gießen; Göttingen;
Greifswald; Halle; Hamburg; Hannover; Heidelberg; Hohenheim; Karlsruhe;
Kassel; Kiel; Köln; Leipzig; Magdeburg; Mainz; Mannheim; München;
Münster; Oldenburg; Osnabrück; Potsdam; Rostock; Stuttgart; Wuppertal, die Freie
Universität Berlin, die Humboldt-Universität Berlin sowie die Universität der
Bundeswehr München,
die Technischen Universitäten Berlin; Braunschweig; Darmstadt; Dresden;
Freiberg; München;
die Fachhochschule Köln sowie
das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), die
Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH), der Deutsche Wetterdienst
(DWD), die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das
Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung (NLfB), das Zentrum für
Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF), Rheinisch-
Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RW1).
2. In welcher Höhe hat die Bundesregierung für die Klimaforschung in den
vergangenen fünf Jahren Projektmittel bewilligt (aufgeschlüsselt nach
Neoklimatologie, Paläoklimatologie und Simulationen sowie nach
Jahren)?
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die bewilligten Projektmittel (in
DM, überwiegend Fördermittel aus dem Etat des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung):
Neoklimatologie Paläoklimatologie Simulation/Modellierung
1998 41 248 617 5 110 407 10 284 615
1999 35 462 046 8 566 719 8 505 616
2000 23 107 525 8 713 363 7 456 282
Summe 99 818 188 22 390 489 26 246 513
Jährliche Daten liegen in dieser Abgrenzung erst seit 1998 vor.
3. Wie entwickelten sich die Forschungsmittel des Bundes (Projektmittel und
institutionelle Förderung) für die Klimaforschung in den letzten fünf
Jahren in folgenden Forschungseinrichtungen:
Max-Planck-lnstitut für Meteorologie
Deutsches Klimarechenzentrum
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
GKSS Geesthacht
Forschungszentrum Karlsruhe
Forschungszentrum Jülich
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Fraunhofer-Gesellschaft?
Die für die oben aufgeführten Institutionen bewilligten Fördermittel
(Projektmittel und institutionelle Förderung, überwiegend Fördermittel aus dem Etat
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung) im Bereich der
Klimaforschung betragen:
1996 1997 1998 1999 2000 Summe
TDM TDM TDM TDM TDM TDM
Max-Planck-lnstitut für Meteorologie, Hamburg 11 149 10 153 12 242 8 552 11 780 53 876
Deutsches Klimarechenzentrum 15 000 17 000 4 100 2 663 0 38 763
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und
Meeresforschung 34 005 59 335 66 383 54 353 60 280 274 358
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung 6 414 5 997 6 269 7 864 8 319 34 864
Forschungszentrum Geesthacht 10 100 9 610 11 546 9 813 9 483 50 553
Forschungszentrum Karlsruhe 25 400 18 500 21 400 19 700 21 200 106 200
Forschungszentrum Jülich 15 400 19 300 25 323 22 601 23 091 107 715
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt 14 500 13 970 12 675 11 495 12 300 64 941
Institut für Atmosphärische Umweltforschung,
Garmisch-Partenkirchen 3 604 3 673 5 213 4 800 3 194 20 486
4. In welcher Höhe und an welchen Einrichtungen hat die Bundesregierung
in den vergangenen fünf Jahren spezielle Simulationsrechnungen zur
Klimaentwicklung gefördert?
Im Bereich der Klimasimulationen wurden in den vergangenen 5 Jahren
folgende Institutionen von der Bundesregierung gefördert:
Zuwendungsempfänger im Bereich Fördersumme DM
Klimasimulation/Modellierung 1996 bis 2000
Alfred-Wegener-lnstitut für Polar- und Meeresforschung 464 531
Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, 173 226
Hamburg
Deutsches Klimarechenzentrum1) 230 106
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt 445 681
Dr.-Ing. Karl Ludwig, Karlsruhe 120 798
Fachhochschule Köln 193 456
Fernuniversität Berlin 1 967 357
Forschungszentrum Jülich 2 145 163
Forschungszentrum für marine Geowissenschaften, Kiel 495 550
Forschungszentrum Geesthacht 2 263 567
Forschungszentrum Informationstechnik GmbH 260 047
Institut für Atmosphärenphysik, Rostock 117 536
Institut für Meereskunde, Kiel 364 130
Max-Planck-lnstitut Biogeochemie, Jena 202 345
Max-Planck-lnstitut Chemie, Mainz 354 341
Max-Planck-lnstitut Meteorologie, Hamburg 1 927 668
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung 3 965 172
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, 208 822
Essen
Technische Universität Braunschweig 317 097
Technische Universität Dresden 133 576
Technische Universität München 247 066
Universität Bremen 1 035 377
Universität Göttingen 211 423
Universität Hamburg 150 846
Universität Hannover 2 475 184
Universität Hohenheim 401 565
Universität Karlsruhe 178 435
Universität Kassel 616 266
Universität Kiel 744 337
Universität Köln 321 201
Universit��t Leipzig 236 826
Universität Magdeburg 379 278
Universität München 1 136 512
Universität Potsdam 42 784
Summe2): 24 527 269
1) Die Bundesregierung hat ferner vom DKRZ im Zeitraum 1996 bis 2000 Rechenzeiten für die deutsche
Klimaforschung in Höhe von insgesamt 11 589 259 DM finanziert.
2) Die Angaben beziehen sich nur auf die eingesetzten Projektfördermittel, hauptsächlich aus dem Etat des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
5. Erachtet die Bundesregierung eine verbesserte Integration der
Erkenntnisse der Paläoklimaforschung in die aktuellen Klimamodelle als
notwendig und wie kann sie gefördert werden?
Die Integration von Erkenntnissen der Paläoklimaforschung in aktuelle
Klimamodelle ist nach Meinung der Bundesregierung unentbehrlich und daher ein
wesentlicher Bestandteil ihrer entsprechenden Fördermaßnahmen. Beispiele
hierfür sind
das HGF-Strategiefondsprojekt KIHZ („Klimavariationen in historischen
Zeiten“), in dem Forschergruppen aus dem Paläoklimabereich und der
Modellierung eng zusammenarbeiten (beteiligt sind die HGF-Institute
AWI, GFZ, GKSS, GSF und FZJ, die WGL-Institute: IOW und PIK, das
GEOMAR sowie Gruppen der Hochschulen in Berlin, Bonn, Bremen,
Hamburg und Mainz, Projektlaufzeit: 2000 bis 2003, Förderumfang:
11,7 Mio. DM)
das aktuelle Klimaforschungsprogramm DEKLIM (Deutsches
Klimaforschungsprogramm), in welchem die Einbeziehung der Modellierung in die
Paläoklimaforschung sowie die Verwendung von geowissenschaftlichen
Daten für die Weiterentwicklung von Klimamodellen Förderkriterium ist
(Laufzeit: 2001 bis 2004, Förderumfang: 88 Mio. DM, hiervon Fördermittel
für Paläoklimaforschung in Höhe von 26,0 Mio. DM).
6. Hält die Bundesregierung eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem
Deutschen Klimarechenzentrum in Hamburg und anderen
Forschungsinstitutionen, wie z. B. der BGR, für möglich bzw. sinnvoll?
Das Deutsche Klimarechenzentrum hat satzungsgemäß die Aufgabe, ein
Höchstleistungsrechenzentrum für Zwecke der Grundlagenforschung und der
angewandten Forschung in der Klimatologie und den mit der Klimatologie
unmittelbar verwandten Disziplinen zu betreiben. Vorrangige Aufgabe des
Deutschen Klimarechenzentrums ist es, als überregionale Serviceeinrichtung
Rechenzeit und technische Unterstützung für die Durchführung von
Simulationsrechnungen mit numerischen Modellen für die Klimaforschung und
verwandte Gebiete, wie beispielsweise die Klimafolgenforschung als Teil der
Forschung zum globalen Wandel, bereitzustellen. Der Zugang zu dem
Höchstleistungsrechenzentrum Deutsches Klimarechenzentrum wird durch einen
wissenschaftlichen Lenkungsausschuss organisiert. Auch die BGR kann sich bei
Bedarf dieser Forschungsmöglichkeiten bedienen.
7. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um die Zusammenarbeit der
verschiedenen mit der Klimaforschung befassten Institute zu verbessern?
Die gemeinsame wissenschaftliche Auseinandersetzung der verschiedenen
relevanten Forschungseinrichtungen mit wichtigen klimatologischen
Fragestellungen ist nach Meinung der Bundesregierung eine Grundvoraussetzung für
deren effektive Beantwortung. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung
beispielsweise bei ihrem neuen Förderprogramm der Klimaforschung (Deutsches
Klimaforschungsprogramm „DEKLIM“) auf eine integrative Bearbeitung
dieser Fragestellungen durch die entsprechenden Forschungseinrichtungen
besonderen Wert gelegt. Mit der Bearbeitung von komplexen Forschungsfragen in
Verbünden wird diesen Strukturen ein herausgehobener Stellenwert
eingeräumt. Diesem Aspekt wurde ebenfalls in der gemeinsam mit der DFG
verabschiedeten Programmkonzeption „GEOTECHNOLOGIEN“ Rechnung
getragen, er wird auch in Zukunft bei neuen Programmaktivitäten als wichtiges
Grundprinzip umgesetzt werden.
8. Erachtet die Bundesregierung eine kritische Überprüfung der Ergebnisse
aus den Klimasimulationsrechnungen vor dem Hintergrund der von der
BGR veröffentlichten Forschungsergebnisse als notwendig und wenn ja,
welche Maßnahmen sind geplant?
Nach Meinung der Bundesregierung ist die kritische Evaluation der aktuellen
wissenschaftlichen Ergebnisse nicht nur vor dem Hintergrund der
Bundesanstalt für Geowissenschaften-Veröffentlichung ein selbstverständlicher und ein
in der Wissenschaft ständig stattfindender Prozess. Halten die von BGR, NLfB
und GGA zusammengestellten und veröffentlichten Ergebnisse einer kritischen
Überprüfung stand und zeigt sich, dass sie neue, bisher nicht oder nicht
ausreichend berücksichtigte Aspekte enthalten, werden sie in die zukünftige
Entwicklung der Klimaforschung und damit auch in die Weiterentwicklung von
Klimamodellen Eingang finden.
9. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die jährlichen
geogenen und anthropogen erzeugten CO2-Emissionen in den vergangenen
10 Jahren absolut und wie hat sich der Anteil anthropogen erzeugter
CO2-Emissionen verändert?
Globale Messungen von Kohlendioxid(CO2)-Emissionen sind derzeit nicht
möglich, d. h. auch die derzeitigen Emissionsraten müssen – ähnlich wie die
der Vergangenheit – indirekt aus anderen Messwerten abgeleitet werden.
Angaben über jährliche geogene CO2-Emissionen sind nicht verfügbar. Geologische
Austauschprozesse, die die atmosphärische CO2-Konzentration beeinflussen,
finden zwischen den großen Kohlenstoffreservoiren (z. B. Erdkruste,
Ozeanisches Tiefenwasser) auf Zeitskalen von 100 bis 1 Mio. Jahren statt. Der
zwischen den oberen Schichten der Ozeane und Landflächen einerseits und der
Atmosphäre andererseits stattfindende „schnellere“ Teil des CO2-Kreislaufes
weist zwar pro Jahr erhebliche Austauschmengen an CO2 auf, es sind hiermit
jedoch in den letzten 10 000 Jahren (nach der letzten Eiszeit) keine
nennenswerten Änderungen der atmosphärischen CO2-Konzentrationen verbunden.
Die Größenordnung der anthropogen bedingten Kohlendioxidemissionen kann
aus dem Umfang der weltweiten Verbrennung fossiler Energieträger und der
Zementproduktion berechnet werden. Danach ergibt sich auf der Grundlage
von Daten der U.S. Energy Information Agency zu fossilen Energieträgern
(Kohle, Erdöl, Erdgas) und des U.S. Geological Survey zur Zementproduktion,
dass die anthropogen verursachten CO2-Emissionen weltweit von 22,17 Mrd. t
im Jahr 1990 auf 23,34 Mrd. t im Jahr 1999 gestiegen sind.
Die in Deutschland anthropogen verursachten CO2-Emissionen verminderten
sich von 1 014 Mio. t im Jahr 1990 bis zum Jahr 2000 auf etwa 861 Mio. t. Dies
entspricht einer Reduktion um etwas mehr als 15 %.
10. Wie werden sich nach derzeitiger Kenntnis der Bundesregierung die
anthropogen verursachten CO2-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten
weltweit bzw. bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland entwickeln?
Eine verlässliche Darstellung der Entwicklung der anthropogenen CO2-
Emissionen in den kommenden Jahrzehnten ist mit großen Schwierigkeiten und
Ungenauigkeiten verbunden, weil die zukünftige demographische, technologische
und wirtschaftliche Entwicklung nicht konkret vorhersagbar ist. Zur
Abschätzung der künftigen Entwicklung der anthropogenen CO2-Emissionen können
Prognosen und Szenarien herangezogen werden. In der politischen Diskussion
geht allerdings immer wieder verloren, dass es kein gesichertes Zukunftswissen
gibt und dass Szenarien nicht mehr sein können als „Wenn – Dann-Aussagen“.
Die mögliche künftige weltweite Entwicklung der CO2-Emissionen wurde im
„Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – Special Report on
Emission Scenarios“3) (SRES) für den Zeitraum bis 2100 im Rahmen von
Modellszenarien untersucht. Die verschiedenen Szenarien sind im Bericht
ausführlich beschrieben. Es wird davon ausgegangen, dass sich vor allem wegen der
notwendigen nachholenden Entwicklung in den schwach entwickelten
Regionen der Erde die Emissionen des Jahres 1990 (weltweit etwa 22 Mrd. t CO2)
bis zum Jahr 2020 auf eine szenarienabhängige Bandbreite von etwa 30 Mrd. t
CO2 bis 54 Mrd. t CO2 erhöhen werden. Dies entspräche einer Steigerung von
35 bis 145 %.
Prognosen für die CO2-Emissionen in Deutschland liegen gegenwärtig für den
Zeitraum bis 2020 vor. Ein Teil dieser Prognosen wurde mit dem Nationalen
Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vom Oktober 2000 veröffentlicht
(BT-Drucksache 14/4729 vom 14. November 2000). Die Bundesregierung
strebt eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 % bis zum Jahr 2005 an
(Bezugsjahr 1990). Ferner hat sich Deutschland im Rahmen der EU-
Lastenverteilung verpflichtet, die Emissionen aller sechs im Kyoto-Protokoll genannten
Treibhausgase zum ersten Verpflichtungszeitraum 2008 bis 2012 um 21 %
gegenüber 1990 bzw. 1995 zu reduzieren. Für den danach folgenden Zeitraum
setzt sich die Bundesregierung sowohl national als auch international für
anspruchsvolle Reduktionsziele ein. Zur Entwicklung der CO2-Emissionen wird
auf das Nationale Klimaschutzprogramm der Bundesregierung verwiesen.
11. Welche Mengen an Kohlenstoff werden nach Kenntnis der
Bundesregierung jährlich geogen bzw. biogen in Senken gebunden?
Es ist zu unterscheiden zwischen dem allgemeinen Kohlenstoffzyklus und dem
darin eingebetteten anthropogenen Teil. Die anthropogen emittierten
Kohlendioxidmengen können in der Biosphäre, dem Ozean und der Atmosphäre
verbleiben (siehe Tabelle: Zeilen 2, 3, 4).
Im Sonderbericht des IPCC über Landnutzung, Landnutzungsänderungen und
Forstwirtschaft aus dem Jahr 2000 („Land Use, Land-Use Change, and
Forestry“, A Special Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change,
Cambridge 2000, Cambridge University Press, 5.5 ISBN 0521804957) wird die
Kohlenstoffbilanz wie folgt zusammen gefasst:
Jährliche globale Kohlendioxidbilanz in Mrd. t CO2 pro Jahr
3) Special Report of the IPCC Working group III, IPCC 2000, ISBN 92-9169-113-5
1980 bis 1989 1989 bis 1998
1) Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und
Zementproduktion
20,19 1,84 23,12 2,20
2) Verbleib in der Atmosphäre 12,11 0,73 12,11 0,73
3) Aufnahme durch Weltmeere 7,34 2,94 8,44 2,94
4) Netto-Aufnahme durch terrestrische Ökosysteme
= (1) – [(2) + (3)]
0,73 3,67 2,57 3,67
5) Emissionen aus Landnutzungsänderungen, insbesondere
Entwaldung
6,24 2,94 5,87 2,94
6) Rechnerisch hergeleitete verbleibende Senke = (4) + (5) 6,97 4,77 8,44 4,77
12. Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die mengenmäßig
größten Senken und in welchem Umfang sind die Wälder daran beteiligt?
Der größte Teil des anthropogen emittierten CO2 verbleibt in der Atmosphäre.
Wichtige Senken sind die Ozeane und die Biosphäre (siehe Tabelle zur
Antwort auf Frage 11). Ungeklärt ist der Verbleib eines Teils des emittierten CO2
(Zeile 6). Dieser Teil wird in der Fachliteratur als „missing sink“ bezeichnet.
Es wird angenommen, dass er hauptsächlich auf die Kohlenstoffaufnahme
durch Wälder zurückzuführen ist, wobei die Beteiligung der verschiedenen
Vegetations- bzw. Klimazonen hieran umstritten ist. Große Senkenpotentiale
werden in den Wäldern aller geographischen Regionen vermutet. Allerdings
steht derzeitig in der borealen Zone wie in den Tropen die
Kohlenstofffreisetzung durch Waldzerstörung der Rolle der Wälder als C-Senken entgegen.
13. Von welcher weiteren Entwicklung der Ablagerung von Kohlenstoff in
natürlichen Senken geht die Bundesregierung in den kommenden Jahren
aus?
Prognosen hierzu sind mit großen Unsicherheiten behaftet.
Die Bundesregierung wird daher die künftige Entwicklung der Forschung auf
diesem Gebiet aufmerksam verfolgen.
14. Erwartet die Bundesregierung in den kommenden Jahren einen Anstieg
des in Biomasse gebundenen Kohlenstoffs weltweit durch eine verstärkte
Aufforstung bzw. ein verstärktes Pflanzen- oder Algenwachstum?
Es konnte nachgewiesen werden, dass sich Stickstoffeinträge und erhöhter
CO2-Gehalt allein und im Zusammenwirken zuwachserhöhend auswirken,
wobei das Ausmaß der Zuwachssteigerung vom Standort abhängt. Auf schwach
nährstoffversorgten Standorten wirkt sich z. B. der „düngende“ Einfluss der
Stickstoffeinträge stärker aus als auf nährstoffreichen Standorten.
Nährstoffoder auch Wassermangel begrenzt dagegen an vielen Standorten die
wuchsfördernde Wirkung des CO2.
Eine Prognose über die weitere Entwicklung ist schwierig und mit großen
Unsicherheiten behaftet. Neben den o. g. wachstumsfördernden Einflüssen sind
mit dem beobachtbaren Klimawandel auch Einflussfaktoren verbunden, die
örtlich zu Zuwachsverlusten führen könnten. So könnten z. B. höhere
Temperaturen und veränderte Niederschlagsverhältnisse mit längeren Trockenperioden zu
reduziertem Wachstum, vermehrten Waldbränden oder Schäden durch Insekten
führen. Hinzu kommen die sozioökonomischen Bedingungen und ihre
Änderungen, die den Druck auf die Waldnutzung erhöhen können. Prognosen für
eine Schätzung der künftigen CO2-Bindung durch neu aufgeforstete Flächen
sind besonders unsicher. Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt über die
genannten Klimafaktoren hinaus von sozioökonomischen Einflüssen ab, insbesondere
von der wirtschaftlichen Attraktivität der Aufforstung wie auch
konkurrierender Landnutzungen. Dies schränkt die weltweit für Aufforstungen verfügbaren
Flächen stark ein. Zudem wird davon ausgegangen, dass gegenwärtig die
Entwaldung die geschätzte weltweite Aufforstungsrate von rund 4,6 Mio. ha pro
Jahr übertrifft. Die Aussagen über die zukünftige Entwicklung des
Algenwachstums in den Ozeanen sind sehr unsicher und widersprüchlich.
15. Welche Einflussfaktoren sind nach Kenntnis der Bundesregierung
ausschlaggebend für die globale Entwicklung des Klimas in Zeiträumen von
200 bis 400 Jahren?
Die Bundesregierung ist der Ansicht, dass Wechselwirkungen zwischen einer
Vielzahl verschiedener Faktoren das globale Klimageschehen auf Zeitskalen
im Bereich von Jahrzehnten bis Jahrhunderten beeinflussen. Externe natürliche
Einflussfaktoren sind Änderungen der solaren Strahlungsflussdichte sowie
kurzfristig stark ansteigende atmosphärische Partikelkonzentrationen durch
eruptive Vulkantätigkeit. Interne Faktoren dagegen sind Wechselwirkungen im
Klimasystem selbst, besonders der Energieaustausch zwischen Atmosphäre
und Ozean (natürliche Variabilität). Seit Beginn der Industrialisierung vor ca.
150 Jahren kommt dem menschlichen Einfluss durch das
Bevölkerungswachstum und den steigenden Energieverbrauch besondere Bedeutung zu. Steigende
Treibhausgasemissionen mit ihrem Einfluss auf die Physik und Chemie der
Atmosphäre und die globalen Spurenstoffkreisläufe sowie
Landnutzungsänderungen in erheblichem Umfang sind wichtige Beispiele hierfür. Hinzu kommt,
dass eine Reihe anderer anthropogener Aktivitäten wie Städtebau, Waldrodung,
landwirtschaftliche Nutzung, etc. die strahlungsphysikalischen Eigenschaften
der Erdoberfläche verändern.
Bei dem Zusammenwirken all dieser natürlichen und anthropogenen Einflüsse
spielen komplexe Wechselwirkungen und nichtlineare Rückkopplungen auf
unterschiedlichen Zeitskalen eine Rolle.
Ziel der Bundesregierung ist es daher, durch Forschungsförderung eine
wissenschaftlich solide Grundlage für politische Entscheidungen zu schaffen, die das
Risiko menschlicher Beeinflussung der langfristigen Klimaentwicklung so
klein wie möglich halten.
16. Welches Gewicht haben nach Kenntnis der Bundesregierung die
unterschiedlichen Einflussfaktoren, wie z. B. Sonnenfleckenzyklus,
meeresbiologische Zusammenhänge, Vulkanausbrüche, auf regionale bzw.
globale klimatische Veränderungen?
Nach Kenntnis der Bundesregierung haben die genannten Einflussfaktoren zum
Teil Relevanz für globale und regionale Variationen des Klimas. Über eine
regionale Einwirkung von Sonnenfleckenzyklen auf die Temperatur der Erde
wird diskutiert. Nachweisbar ist der Einfluss von Aerosolen, die bei hoch
reichenden Vulkanausbrüchen bis in die Stratosphäre emittiert werden. Sie
besitzen eine, wenn auch nur mit im Bereich einiger Jahre nachzuweisende
Wirkung auf die Strahlungsbilanz der Atmosphäre und damit auch auf die mittlere
Temperatur der Erde. Diese Prozesse haben Eingang in die Klimamodellierung
gefunden. Die Entwicklung der globalen Temperatur zwischen den Jahren 1860
und 2000 konnte nur bei Berücksichtigung aller klimarelevanten
Einflussfaktoren hinreichend genau simuliert werden (siehe Report der IPCC-Working
Group I des Third Assessment Report). Bei diesen Untersuchungen zeigte sich,
dass der Einfluss der solaren Strahlungsflussdichte kleiner ist als der der
anthropogenen Treibhausgasemissionen. Die Variabilität von Solarstrahlung und
Vulkaneruptionen allein können hiernach die beobachtete Erwärmung,
insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nicht erklären.
Die Untersuchung des Zusammenwirkens aller das Klima beeinflussender
Faktoren wird auch in Zukunft eine wichtige Herausforderung für die
Klimaforschung sein (siehe auch Beantwortung der Frage 15). Bei der Weiterentwicklung
der Klimamodelle steht dabei eine bessere Berücksichtigung des
Wasserkreislaufs, der Wolkenbildung und -dynamik, der Wechselwirkung zwischen
Strahlung und Wolken sowie des Einflusses von Aerosolen im Mittelpunkt.
17. Sind die Ergebnisse der Klimasimulationen vor dem Hintergrund der
Ergebnisse der Paläoklimaforschung aus Sicht der Bundesregierung
hinreichend tragfähig, um als wichtige Grundlage für Milliardeninvestitionen
z. B. im Energie- und Bausektor zu dienen?
Ja. Die Ergebnisse des Dritten Sachstandsberichtes des IPCC haben neue und
stärkere Befunde dafür erbracht, dass der größte Teil der in den letzten 50
Jahren beobachteten Erwärmung menschlichen Aktivitäten zuzuordnen ist. Die
Ergebnisse der Klimasimulationen basieren, was die jüngste Klimavergangenheit
und die Klimagegenwart betrifft, auf der Berücksichtigung von Mess- und
Beobachtungsdaten. Hier sind große Fortschritte im Zusammenspiel zwischen
Daten und Modellierung erreicht worden, was die Sicherheit der Aussagen
erhärtet hat. Auch die Simulation der weiteren Klimavergangenheit auf der Basis
der Ergebnisse der Paläoklimaforschung ist in den vergangenen Jahren deutlich
verbessert worden und wird von der Bundesregierung intensiv unterstützt
(siehe Antwort Frage 5). Die Simulation der Klimaentwicklung in den nächsten
Jahrzehnten und Jahrhunderten basiert dagegen zwangsläufig auf
verschiedenen Annahmen über die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung in diesem
Zeitbereich. In diesem Zusammenhang liegen als Ergebnisse auch
Entwicklungsszenarien vor, die ein hohes Risiko und tief greifende Auswirkungen
möglicher Klimaveränderungen auf natürliche und menschliche Systeme
aufzeigen. Die mit Klimasimulationen und anderen wissenschaftlichen Methoden
gewonnenen Erkenntnisse sind ausreichend, um eine an Vorsorgegrundsätzen
orientierte Klimapolitik zu begründen. Die Bundesregierung setzt sich daher
dafür ein, dass – entsprechend der Zielsetzung der Klimarahmenkonvention –
die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau
stabilisiert werden, auf dem gefährliche Störungen des Klimasystems und deren
Folgen verhindert werden. Hierzu bedarf es gemeinsamer und nachhaltiger
weltweiter Anstrengungen. Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass hierbei
das Kyoto-Protokoll einen ersten Schritt darstellt und es noch weiterer
Anstrengungen bedarf. Mit dem Nationalen Klimaschutzprogramm der Bundesrepublik
Deutschland, das im Herbst letzten Jahres vom Bundeskabinett verabschiedet
wurde, sind in diesem Zusammenhang wichtige Akzente gesetzt worden.
Darüber hinaus sind der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energieträger und eine
Energieeinsparung wesentliche Bestandteile einer vorausschauenden und
verantwortungsvollen Energie- und Rohstoffpolitik.
18. Beruht das vom IPCC im Februar dieses Jahres veröffentlichte Szenario,
das einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um bis zu 5,8 ˚C
sowie einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 88 cm ausweist, nach
Kenntnis der Bundesregierung auf realistischen Grundannahmen und
welche Eintrittswahrscheinlichkeit hat das Szenario?
Die vom IPCC veröffentlichten Szenarien basieren auf der Annahme sehr
unterschiedlicher Entwicklungsmöglichkeiten des Bevölkerungs- und
Wirtschaftswachstums in verschiedenen Weltregionen und decken damit eine große
Bandbreite auch hinsichtlich der Entwicklung der gesellschaftlichen Systeme,
der Globalisierung der nationalen Wirtschaftsordnungen und des
Technologietransfers ab (siehe Antwort Frage 17). Hierbei handelt es sich um
Modellszenarien, nicht aber um Prognosen. Modellszenarien dienen der möglichst
vollständigen Auslotung und Abschätzung des gesamten Bereichs möglicher künftiger
Entwicklungen und spiegeln somit auch extreme Annahmen wider. Das
angesprochene Szenarium, das eine Temperaturerhöhung bis zu 5,8 Cnach sich
ziehen kann, markiert nach Kenntnis der Bundesregierung ein negatives
Extrem, dessen Eintritt aus heutiger Sicht zwar unwahrscheinlich ist, das aber
wohl den Grenzbereich einer denkbaren Entwicklung aufzeigt.
Derartige Szenarien haben keinen Vorhersagecharakter, es ist daher weder
möglich noch sinnvoll, ihnen genaue Eintrittswahrscheinlichkeiten
zuzuordnen.
19. Wie schätzt die Bundesregierung die Verlässlichkeit solcher Szenarien
ein, wenn schon die Darstellung des IPCC zum Temperaturverlauf der
letzten 1000 Jahre wissenschaftlich umstritten ist?
Die im letzten IPCC-Bericht veröffentlichten Ergebnisse über die
Temperaturentwicklung während der letzten 1 000 Jahre zeigen in guter Übereinstimmung
zwischen gemessenen Temperaturen, Proxy-Daten (paläoklimatologische
Messergebnisse) und Klimasimulationen, dass auf der Nordhalbkugel der
Temperaturanstieg im 20. Jahrhundert der größte war während der letzten 1 000
Jahre. Sichtbar wird ebenfalls, dass die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts die
wärmste Dekade waren und 1998 das wärmste Jahr. Der Bundesregierung ist
nicht bekannt, dass diese Ergebnisse wissenschaftlich umstritten sind.
Zu der Verlässlichkeit sehr langfristiger Klimaszenarien wurde bereits in der
Antwort auf Frage 18 Stellung genommen.
20. Hält die Bundesregierung die vom IPCC berechneten
volkswirtschaftlichen Kosten der Erfüllung des Kyoto-Protokolls von bis zu 2 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes angesichts der sich abzeichnenden
konjunkturellen Flaute in Deutschland und der aus der Verteuerung von Energie
resultierenden Verteilungswirkungen für sozial und ökonomisch vertretbar?
Der Dritte Sachstandsbericht des IPCC fasst die verschiedenen weltweit
existierenden Studien zur Kostenabschätzung bei der Umsetzung des Kyoto-
Protokolls auf der Basis internationaler energiewirtschaftlicher Modelle zusammen.
Die zitierten volkswirtschaftlichen Kosten variieren dabei, je nach Modell,
zwischen 0,2 und 2 % des Bruttoinlandsprodukts; die große Mehrheit der
Ergebnisse dieser Modelle liegt unter 1 %. Die Bundesregierung geht davon aus,
dass in Deutschland durch die Umsetzung des Kyoto-Protokolls keine
volkswirtschaftlichen Kosten in der oben genannten Höhe entstehen werden.
Mit entscheidend für die Höhe der tatsächlichen Erfüllungskosten wird jedoch
sein, welche Umsetzungsmechanismen verwendet werden. Die Kosten dürften
spürbar geringer ausfallen, wenn man verstärkt auf marktkonforme Instrumente
setzt und wenn effiziente Verrechnungsverfahren zugelassen werden. In
Deutschland fällt der Ökosteuer bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls eine
zentrale Rolle zu. Neben einem ökologischen Lenkungseffekt aufgrund der
Verteuerung des Faktors Energie dürften sich auch positive
Verteilungswirkungen ergeben, da das Steueraufkommen zur Absenkung der Lohnnebenkosten
verwendet wird. Dadurch verbilligt sich der Faktor Arbeit relativ und dürfte
verstärkt genutzt werden (Verringerung der Arbeitslosigkeit).
21. Hält die Bundesregierung eine Überprüfung ihrer klimapolitischen
Zielsetzung sowie der angelaufenen bzw. geplanten Maßnahmen für
notwendig?
Die Bundesregierung überprüft ihre klimapolitischen Ziele kontinuierlich und
orientiert sie am aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Die
Bundesregierung hält eine Revision ihrer Klimaschutzpolitik zum gegenwärtigen Zeitpunkt
nicht für notwendig.
22. Wird die Bundesregierung angesichts dieser Ergebnisse ihre Haltung im
Rahmen der anstehenden Neuverhandlungen internationaler
Klimaschutzabkommen überdenken?
Neuverhandlungen existierender Klimaschutzabkommen
(Klimarahmenkonvention, Kyoto-Protokoll) stehen gegenwärtig nicht auf der Tagesordnung der
internationalen Verhandlungen. Bei der Frage der Ausgestaltung der
Anwendung des Kyoto-Protokolls wird die Bundesregierung gemeinsam mit den
europäischen Partnerstaaten weiterhin alles dafür tun, das Protokoll unmittelbar
nach einem erfolgreichen Abschluss der internationalen
Klimaschutzverhandlungen (COP 6) gemeinsam mit möglichst vielen und wichtigen
Vertragsstaaten zu ratifizieren und möglichst rasch, und zwar vor dem Rio+10-Gipfel im
Jahre 2002, in Kraft zu setzen.
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