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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Haltung der Bundesregierung zur Rekrutierung von jungen Menschen für den Militärdienst durch den Einsatz von Computerspielen wie z. B. "America's Army" (G-SIG: 14012962)

Versand eines gewaltverherrlichenden Computerspiels der US-Armee als Werbeaktion, Jugendschutz

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

09.07.2002

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 14/944817. 06. 2002

Haltung der Bundesregierung zur Rekrutierung von jungen Menschen für den Militärdienst durch den Einsatz von Computerspielen wie z. B. „America’s Army“

der Abgeordneten Heidi Lippmann, Roland Claus und der Fraktion der PDS

Vorbemerkung

Die Armee der Vereinigten Staaten von Amerika hat nach Pressemeldungen (z. B. jetzt – Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 17. Juni 2002) ein Computerspiel namens „America’s Army“ entwickelt, um junge Menschen für die Armee zu begeistern und zu rekrutieren. Zur Werbung für dieses Computerspiel existiert eine Homepage, die man unter „www.americasarmy.com“ besuchen kann. Dort kann jede/jeder, die/der mindestens 14 Jahre alt ist und in den USA lebt, eine Vorbestellung für das Spiel eintragen, das dann kostenfrei nach Hause gesandt wird. Auch ein direkter Link zur Rekrutierungshomepage der US- Armee ist dort eingerichtet.

Wie man den Bildern und der Beschreibung auf der Homepage entnehmen kann, soll das Spiel Kriegshandlungen besonders realistisch darstellen. So sind z. B. die Waffen und die Ausrüstung der virtuellen Kämpfer exakt denen der US-Armee nachempfunden.

Besonders der „Operations“ genannte Teil des Spiels, in dem es Aufgabe der Spielerinnen und Spieler ist, ähnlich wie bei dem seit den Ereignissen von Erfurt öffentlich in die Kritik geratenen Computerspiel „Counterstrike“, Kampfmissionen zu erfüllen, ist nach allen vorliegenden Bildern und Beschreibungen als gewaltverherrlichend zu bezeichnen. Auf der Homepage befinden sich unter anderem „screenshots“, auf denen z. B. die „Erschießung eines gegnerischen Kämpfers aus kurzer Entfernung“ (Übersetzung der Verfasser) zu sehen ist, so die Bildunterschrift.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen5

1

Ist der Bundesregierung dieses Computerspiel bekannt?

2

Wie beurteilt die Bundesregierung den Einsatz eines gewaltverherrlichenden Computerspiels zur Rekrutierung junger Menschen für den Militärdienst, insbesondere unter dem Eindruck der Ereignisse von Erfurt und Littleton und der danach erfolgten gesellschaftlichen Diskussion über gewaltverherrlichende Computerspiele?

3

Kann gewährleistet werden, dass im Rahmen des Jugendschutzes dieses gewaltverherrlichende Computerspiel mit realem Bezug nicht an Jugendliche in Deutschland versandt wird?

4

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob für die Bundeswehr angesichts des Mangels an Rekrutinnen und Rekruten eine ähnliche Werbeaktion geplant ist?

5

Falls ja, in welcher Form wird diese Werbeaktion stattfinden?

Berlin, den 13. Juni 2002

Heidi Lippmann Roland Claus und Fraktion

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