Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
13. Wahlperiode
Drucksache 13/3484
16. 01.96
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Angelika Beer und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
— Drucksache 13/3377 —
Öffentlichkeitsarbeit für den Einsatz der Bundeswehr im Rahmen des
Operationsplans für die Stationierung der multinationalen Friedenstruppen (IFOR)
Damit die öffentliche Kontrolle des Einsatzes der Bundeswehr in Ex-
Jugoslawien möglich ist, bedarf es einer ausreichenden und freien
Berichterstattung der Presse. Dafür ist eine entsprechende
Informationspolitik der Bundesregierung notwendig.
1. Welche Konzepte haben die NATO, die Bundesregierung und das
Bundesministerium der Verteidigung für die Öffentlichkeitsarbeit
über die deutsche Beteiligung am IFOR-Einsatz (bitte im Anhang
Bezeichnung und Name der Dokumente)?
Wann wurden diese Konzepte entwickelt und fertiggestellt?
Wie unterscheiden sich diese Konzepte?
Welche zentralen Leitlinien/Grenzen sind in diesen Konzepten
enthalten?
Die Regelungen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bzw.
Public Information (PI) der NATO im Rahmen der Operation zur
militärischen Absicherung des Friedensvertrages für das frühere
Jugoslawien (Implementation Force - IFOR) sind jeweils im
Annex P des Operationsplanes von SACEUR (OPLAN 10405) und
von CINCSOUTH (OPLAN 40105) dargelegt.
In Abstimmung und zeitlich parallel mit der Erarbeitung der
betreffenden NATO-Operationspläne wurde im Bundesministerium
der Verteidigung eine Weisung für die Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit für die Beteiligung der Bundeswehr an der Friedens-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom
11. Januar 1996 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich - in kleinerer Schrifttype - den Fragetext.
truppe zur Unterstützung und Durchsetzung einer
Friedensvereinbarung für das frühere Jugoslawien fertiggestellt.
Diese NATO- und nationalen Konzepte für die Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit wurden wie folgt herausgegeben:
— SACEUR OPLAN 10405, „Joint Endeavour", Annex P, vom
16. Dezember 1995 (Final),
— CINCSOUTH OPLAN 40105, „Decisive Endeavour", Annex P
vom 6. Dezember 1995,
— BMVg-Weisung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vom
13. Dezember 1995.
NATO-PI erfolgte bis zur Ankündigung des tatsächlichen
Einsatzes der multinationalen Friedenstruppe (IFOR) im früheren
Jugoslawien reaktiv; seit Beginn der Verlegung von IFOR-
Truppen in die Einsatzgebiete wird sie aktiv durchgeführt.
Die Durchführung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des
Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) und der
Bundeswehr erfolgt in Abstimmung mit den zuständigen NATO-
Pressestellen ereignisorientiert, so umfassend wie möglich und je nach
Lage aktiv oder reaktiv. Damit soll erreicht werden, daß über die
in Deutschland stattfindenden Vorbereitungen für die Verlegung
und den Einsatz deutscher IFOR-Kräfte sowie über die aktuellen
Ereignisse in den Einsatzgebieten so informiert wird, daß die
militärischen Maßnahmen als erforderliche Umsetzung der
politischen Ziele verstanden und von der Öffentlichkeit in
Deutschland und im Ausland nachvollzogen werden können.
Die Notwendigkeit militärischer Geheimhaltung sowie die
Beachtung der Zuständigkeiten zwischen den NATO- und
nationalen Pressestellen können Art , Umfang und Zeitpunkt von
Mitteilungen im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
beeinflussen.
2. Welche Zeitungen/Fernseh- und Rundfunkanstalten/
Fachzeitschriften/Fachjournalisten werden via Verteiler von der
Bundesregierung und/oder vom Bundesministerium der Verteidigung mit
Informationen zum Einsatz im Rahmen von IFOR bedient?
In welchen Zeitabständen?
Nach welchen Kriterien wurden solche Verteiler erstellt?
Wie unterscheiden sich die Verteiler?
Alle interessierten Medienvertreter werden durch den Presse-
und Informationsstab (Pr-/InfoStab) des Bundesministeriums der
Verteidigung, durch betroffene Dienststellen und Truppenteile
der Bundeswehr sowie durch die dem BMVg nachgeordnete
Presseorganisation der Bundeswehr in Deutschland und in den
Einsatzgebieten auf Anfrage und/oder ereignisorientiert in
mündlicher, schriftlicher oder anderer Weise (z. B. bei
Truppenbesuchen) so umfassend wie möglich zu allen Bereichen der
IFOR-Beteiligung der Bundeswehr informiert.
Überdies werden die in der Bundespressekonferenz
akkreditierten Medienvertreter auf Anfrage oder bei Bedarf
ereignisorientiert zur deutschen IFOR-Beteiligung - ebenso wie zu anderen
Themen - in den regelmäßig in Bonn stattfindenden
Regierungspressekonferenzen (im Regelfall dreimal pro Woche)
unterrichtet.
3. Welche Tages- und andere -zeitungen/Periodika/Rundfunk- und
Fernsehanstalten/Nachrichtenagenturen werden exklusiv oder in
anderer Weise bevorzugt bedient, und aus welchen Gründen?
Gibt es darüber hinaus ein Konzept unterschiedlicher Einstufungen
für die oben genannten Medien?
Wenn nein, heißt das, daß alle erwähnten Medien denselben
Zugang zu den Informationen haben?
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BMVg erfolgt für die
Vertreter der verschiedenen Medienarten (Tageszeitungen,
Agenturen, elektronische Medien usw.) nach den gleichen Regeln und
Verfahren. Dabei ist der Zugang zu Informationen für alle
Medienvertreter gleich gewährleistet. Einschränkungen können
sich aus den äußeren Bedingungen für die Pressearbeit ergeben
(z. B. begrenzte Transpo rt- oder Unterkunftskapazität).
4. Wie ist gesichert, daß den Mitgliedern der Fachaussschüsse die
Informationen in jedem Fall vor der Presse zugehen, und daß die
Presse keine Informationen erhält, die den Fachausschüssen nicht
freiwillig überlassen werden?
Mitglieder des Bundestages werden regelmäßig in schriftlicher
(z. B. wöchentlicher Bericht) oder mündlicher Form (z. B.
Sachstandsvortrag in Sitzungen von Fachausschüssen) über den
Stand der Bundeswehrbeteiligung bei IFOR und die Lage in den
Einsatzgebieten unterrichtet. Überdies wird interessie rten
Mitgliedern des Bundestages die Möglichkeit geboten - wie bereits
mehrfach geschehen -, sich im BMVg in die aktuelle Lage
einweisen zu lassen und zusätzliche, auch sensitive und
geheimhaltungsbedürftige Informationen zu erhalten. Bundesregierung
und BMVg haben bisher große Anstrengungen unternommen
und werden dies auch künftig so praktizieren, vor einer
Veröffentlichung von Informationen und Entscheidungen zum IFOR-
Einsatz der Bundeswehr den politisch-parlamentarischen
Bereich zu unterrichten.
Medienvertreter erhalten offene und aus allgemeinen Quellen
zugängliche Informationen. Umfang der Medienlandschaft,
Schnelligkeit und Vielfalt der Kommunikationsmittel und -wege,
Zahl und Komplexität der beim IFOR-Einsatz beteiligten
nationalen und NATO PI-Stellen bieten den Medien umfassende
Informationsmöglichkeiten. Eine ständige und umfassende
Kontrolle der Presse und damit der veröffentlichten Informationen
widerspricht dem Prinzip der freien Presse; sie ist daher im Sinne
der grundsätzlich offenen und vertrauensvollen deutschen und
NATO-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nicht erwünscht.
Allerdings sind Einschränkungen in der Informationsweitergabe an
nicht-autorisierte Stellen dort erforderlich, wo sie beispielsweise
dem Schutz militärischer Geheimnisse und der Operations
-führung oder der Sicherheit und dem Schutz der Privatsphäre der
Soldaten dienen.
5. Haben die Bundesregierung und das Bundesministerium der
Verteidigung jeweils eigene Pressekonferenzen/
Pressehintergrundgespräche für die Berichterstattung geplant?
Wie viele Pressekonferenzen/Pressehintergrundgespräche fanden
bereits statt?
Wie viele Pressekonferenzen/Pressehintergrundgespräche sind bis
zum Ende des Einsatzes (vorausgesetzt die vorgesehene Dauer von
zwölf Monaten wird eingehalten) regelmäßig oder unregelmäßig
geplant?
Nein im Hinblick auf Pressekonferenzen (siehe auch Antwort zu
Frage 2).
Hintergrundgespräche erfolgen für interessie rte Medienvertreter
ereignisorientiert, und/oder auf Anfrage. Im Pr-/InfoStab und
Führungszentrum der Bundeswehr des BMVg wurden im
Hinblick auf die deutsche IFOR-Beteiligung bisher in vier Fällen
solche Gespräche geführt. Eine Vorhersage über den Umfang
künftiger Pressehintergrundgespräche ist aufgrund der
Rahmenbedingungen für solche Gespräche (z. B. ereignisorientiert, auf
Anfrage) nicht möglich.
6. Gibt es eine (mündliche oder schriftliche) Anweisung für das
Verhalten der Soldaten in Ex-Jugoslawien gegenüber der Presse?
(Wenn ja, bitte eine Dokumentation im Anhang)
Sind der Truppe Presseoffiziere (nach dem Modell Somalia)
beigestellt, und besitzen nur diese Auskunftsrecht gegenüber den
Medien?
Kommandeure der betreffenden IFOR-Einsatzkontingente bzw.
-verbände der Bundeswehr führen Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen ihrer Führungsverantwortung in Abstimmung
mit dem Pr-/InfoStab BMVg und den zuständigen NATO-
Pressestellen auf der Basis der o. a. Weisungen der NATO und des
BMVg durch. In diesem Rahmen informieren sie Medienvertreter
über Aspekte der Durchführung des Auftrages der eigenen
Truppenteile. Dabei können auch Soldaten auf freiwilliger Basis
auf Anfrage zu nicht-geheimhaltungsbedürftigen Themen aus
ihren Aufgaben- und Zuständigkeitsbereichen zu Wo rt kommen.
Zur Beratung und Unterstützung der Kommandeure in Fragen
der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Presseorganisation
der Bundeswehr in Deutschland verfügbar; zusätzlich sind in den
Einsatzgebieten deutsche Presse- und Informationszentren und
Presseelemente bei den Einsatzkontingenten/-verbänden
eingerichtet.]