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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Hintergründe zu menschlichen Erkrankungen an hämolytischer Septikämie (G-SIG: 13011797)

Infektionen mit den EHEC-Coli-Bakterien, Übertragungswege, Vorsichtsmaßregeln, tierepidemiologische Untersuchungen, Forschungsergebnisse

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

23.07.1996

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/521902. 07. 96

Hintergründe zu menschlichen Erkrankungen an hämolytischer Septikämie

der Abgeordneten Horst Sielaff, Christel Deichmann, Dr. Wolfgang Wodarg, Heidemarie Wright, Brigitte Adler, Ernst Bahr, Edelgard Bulmahn, Hans Martin Bury, Peter Dreßen, Annette Faße, Lothar Fischer (Homburg), Günter Graf (Friesoythe), Reinhold Hemker, Reinhold Hiller (Lübeck), Stephan Hilsberg, Wolfgang Ilte, Klaus Kirschner, Marianne Klappert, Nicolette Kressl, Eckart Kuhlwein, Werner Labsch, Christa Lörcher, Winfried Mante, Ulrike Mehl, Herbert Meißner, Siegmar Mosdorf, Jutta Müller (Völklingen), Doris Odendahl, Kurt Palis, Albrecht Papenroth, Karin Rehbock-Zureich, Dr. Mathias Schubert, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Bodo Teichmann, Jella Teuchner, Dr. Gerald Thalheim, Ute Vogt (Pforzheim), Matthias Weisheit, Lydia Westrich

Vorbemerkung

In jüngster Zeit haben verschiedene Berichte über Erkrankungen von meist kleinen Kindern oder älteren Menschen für Unruhe unter den Verbrauchern gesorgt. „Entero-Hämorrhagische-Escherichia-Coli" -Bakterien (EHEC) werden für schwerwiegende Komplikationen bei sonst meist harmlosen Infektionen des Magen-Darm-Traktes verantwortlich gemacht, die für Kleinkinder, geschwächte oder ältere Menschen tödlich verlaufen können.

Es gibt Schätzungen, nach denen 15 bis 30 % der Tiere in bis zu 80 % aller Rinderherden ohne Auswirkungen für die Tiergesundheit mit den betreffenden neuartigen Bakterienstämmen infiziert sein sollen. Die betroffenen Bakterien sollen vornehmlich durch den Verzehr von rohem Fleisch, Rohmilch und möglicherweise auch Rohgemüse in den Menschen gelangen.

Um zu einer sachlichen Diskussion und realistischen Einschätzung möglicher Risiken beizutragen, fragen wir die Bundesregierung:

Fragen20

1

Wie äußern sich nach Erkenntnissen der Bundesregierung menschliche Infektionen mit den sog. EHEC-Bakterien? Wie viele Fälle wurden bis heute registriert? Wie viele Fälle endeten tödlich? Auf welche Höhe wird die Dunkelziffer nicht erfaßter Fälle geschätzt? Gibt es regionale Schwerpunkte der Erkrankung?

2

Wie viele Patienten, aufgeschlüsselt nach Kindern und Erwachsenen, sind nach Kenntnis der Bundesregierung infolge einer EHEC-Infektion dauerhaft dialysepflichtig geblieben bzw. haben sich einer Nierentransplantation unterzogen?

3

Wie viele verschiedene Bakterienstämme, die Infektionen mit derartigen Symptomen auslösen und vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, sind der Bundesregierung bekannt? Sind außer einer Übertragung über die Nahrungskette auch andere Übertragungswege vom Tier auf den Menschen bzw. zwischen Menschen möglich, und welche Anteile der Erkrankungsfälle entfallen nach Erkenntnissen der Bundesregierung jeweils auf die verschiedenen Übertragungswege?

4

Welche wesentlichen Vorsichtsmaßregeln empfehlen sich für die Verbraucher zur Vermeidung nahrungsmittelbedingter Infektionen? Welche Lebensmittel gelten derzeit im Hinblick auf EHEC als Risikolebensmittel, und welche spezifischen Vorsichtsmaßregeln empfehlen sich jeweils? Sind weitere gesetzliche Regelungen geplant?

5

In welchen Bundesländern gibt es eine Meldepflicht für EHEC-Erkrankungen? Wann ist mit der Einführung einer bundesweiten Meldepflicht zu rechnen?

6

Welche Tierarten sind in welchem Maße von EHEC-Bakterien betroffen?

7

Kann die Bundesregierung Berichte bestätigen, nach denen infektionsfähige Erreger auch noch in der Gülle vorhanden sind, und falls ja, plant die Bundesregierung rechtliche Beschränkungen für den Einsatz möglicherweise kontaminierter Wirtschaftsdünger z. B. im Gemüseanbau, um hier denkbare Übertragungswege einzudämmen?

8

Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, daß die EHEC-Bakterien Mutationen durch Virus-Einfluß unterlegen haben bzw. unterliegen?

9

Kann die Bundesregierung bestätigen, daß die Bakterienstämme, die für den offenbar stark gestiegenen Befall von Rindern verantwortlich sind, Mutationen durch antibiotische Leistungsförderer unterlegen sein könnten? Welche wissenschaftlichen Untersuchungen liegen der Bundesregierung hierzu vor?

10

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um den Einsatz antibiotischer Leistungsförderer zu erschweren bzw. zu untersagen? Unterstützt die Bundesregierung die Bestrebungen einiger Bundesländer, die gesetzlichen Regelungen für Leistungsförderer aus dem Futtermittelrecht in das Arzneimittelrecht zu überführen?

11

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich der EHEC-Kontamination von tierischen Lebensmitteln aus landwirtschaftlichen Betrieben, die ohne Fütterungsantibiotika arbeiten, vor?

12

Welche tierepidemiologischen Untersuchungen sind in Deutschland nach Kenntnis bzw. auf Betreiben der Bundesregierung hinsichtlich der Erforschung möglicher Zusammenhänge zwischen dem Auftreten atypischer pathogener Colibakterien und unterschiedlicher Fütterungsmethoden durchgeführt worden?

13

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung vergleichende Inzidenzstudien bezüglich der Ausscheidung atypischer pathogener Colibakterien bei Rindern zwischen konventionell wirtschaftenden Milcherzeugungsbetrieben und alternativ wirtschaftenden Milchviehbetrieben?

14

Wie bewertet die Bundesregierung mögliche Resistenzentwicklungen von E.-coli-Bakterien in melktechnischen Anlagen vor dem Hintergrund der ständig verschärften Milchhygienevorschriften?

15

Wie bewertet die Bundesregierung hygienische Risiken des Umfüllens, der Vermischung von verschiedenen Chargen, des Transportes (Dauer!), der Lagerung in Verarbeitungsbetrieben von Rohmilch?

16

Welche Forschungsbereiche beschäftigen sich nach erfolgter Neukonzeption der Ressortforschung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in den Bundesforschungsanstalten mit den Übertragungswegen von EHEC-Bakterien auf den Menschen?

17

Welche konkreten Ergebnisse haben die von der Bundesregierung im Robert Koch-Institut und im Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) eingerichteten Arbeitsgruppen bislang zusammengetragen?

18

Wie oft und mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten jeweils tagten die von der Bundesregierung im Mai 1995 angekündigten Arbeitsgruppen von Bundesinstituten, Bundesforschungsanstalten und Landesuntersuchungsanstalten? Welche Erkenntnisse über Epidemiologie, Datenlage, Diagnostik, Verbraucheraufklärung und möglicher rechtlicher Neubewertung wurden von ihnen zusammengetragen (Übersicht)?

19

Welche Ergebnisse liegen bislang zu dem im Mai 1995 von der Bundesregierung angekündigten Untersuchungsschwerpunkt Vorzugsmilch vor? Welche Untersuchungen werden derzeit über welche Lebensmittel durchgeführt, die möglicherweise als Risikolebensmittel gelten können?

20

Welche weiteren Forschungseinrichtungen (universitäre oder sonstige) sind nach Kenntnis der Bundesregierung mit der EHEC-Problematik befaßt, und wann ist hier mit Ergebnissen zu rechnen?

Bonn, den 26. Juni 1996

Horst Sielaff Christel Deichmann Dr. Wolfgang Wodarg Heidemarie Wright Brigitte Adler Ernst Bahr Edelgard Bulmahn Hans Martin Bury Peter Dreßen Annette Faße Lothar Fischer (Homburg) Günter Graf (Friesoythe) Reinhold Hemker Reinhold Hiller (Lübeck) Stephan Hilsberg Wolfgang Ilte Klaus Kirschner Marianne Klappert Nicolette Kressl Eckart Kuhlwein Werner Labsch Christa Lörcher Winfried Mante Ulrike Mehl Herbert Meißner Siegmar Mosdorf Jutta Müller (Völklingen) Doris Odendahl Kurt Palis Albrecht Papenroth Karin Rehbock-Zureich Dr. Mathias Schubert Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast Dr. Bodo Teichmann Jella Teuchner Dr. Gerald Thalheim Ute Vogt (Pforzheim) Matthias Weisheit Lydia Westrich

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