Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
13. Wahlperiode
Drucksache 13/7531
24. 04. 97
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jelena Hoffmann (Chemnitz), Iris Follak,
Dr. Gerald Thalheim, Ernst Bahr, Peter Dreßen, Günter Graf (Friesoythe), Christel
Hanewinckel, Dr. Liesel Hartenstein, Wolfgang Ilte, Sabine Kaspereit, Hans-Peter
Kemper, Marianne Klappert, Dr. Hans-Hinrich Knaape, Christine Kurzhals, Werner
Labsch, Christoph Matschie, Siegmar Mosdorf, Michael Müller (Düsseldorf),
Christian Müller (Zittau), Gerhard Neumann (Gotha), Dr. Rolf Niese, Albrecht
Papenroth, Rudolf Purps, Margot von Renesse, Marlene Rupprecht, Dieter Schanz,
Günter Schluckebier, Ottmar Schreiner, Ilse Schumann, Ernst Schwanhold, Jörg
Tauss, Dr. Bodo Teichmann, Reinhard Weis (Stendal), Gunter Weißgerber
— Drucksache 13/7368 —
Luftschadstoffbelastung und Waldschäden im Erzgebirge
In der Region zwischen dem mittleren Erzgebirge und Zittauer Gebirge
sind die Waldschäden extrem hoch und vor weiteren gravierenden
Schäden wurde von der sächsischen Landesanstalt für Forsten (LAF) vor
kurzem gewarnt. Dies schlägt sich im Ergebnis der
Waldschadenserhebung für Sachsen kaum nieder, da die Verschlechterung durch eine
Verbesserung außerhalb des Extremschadensgebietes ausgeglichen
wird. Die in dieser Region hohen Schadstoffbelastungen der Luft werden
u. a. auch durch außerordentlich hohe Schwefeleinträge aus
tschechischen Braunkohlekraftwerken verursacht. Zur Rettung der Wälder in
dieser Region müssen daher unbedingt Maßnahmen zur Verringerung
der Schadstoffimmissionen durchgeführt werden.
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über das Ausmaß und
die voraussichtliche Entwicklung der Waldschäden im Bereich des
sächsischen Erzgebirges?
In den oberen Berg- und Kammlagen des Mittel- und
Osterzgebirges sind akute Schäden, besonders an Fichtenbeständen,
aufgetreten. Die Schadflächen haben inzwischen folgendes
Ausmaß erreicht:
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit vom 22. April 1997 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich - in kleinerer Schrifttype - den Fragetext.
30 000 ha Schadstufe 1 (weniger als ein Drittel der Bäume
geschädigt),
10 000 ha Schadstufe 2 (ein bis zwei Drittel der Bäume
geschädigt),
10 000 ha Schadstufe 3 (mehr als zwei Drittel der Bäume
geschädigt) .
Nach Einschätzung durch die Sächsische Staatsregierung ist
davon auszugehen, daß ein erheblicher Teil der Waldflächen in der
Schadstufe 3 abstirbt. Es wird mit einer Schadholzmenge von
300 000 m3 gerechnet.
2. Wie hoch sind die jährlichen Schadstoffimmissionen in diesem
Gebiet in den letzten Jahren in bezug auf Schwefel- und
Stickstoffverbindungen?
Aufgrund der veränderten Emissionsstruktur hat die mittlere
Schwefeldioxid (SO 2)-Belastung in Sachsen in den letzten Jahren
erheblich abgenommen. Dies trifft auch auf das Erzgebirge zu, wo
seit 1992 ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Rückgang der
SO 2-Jahresmittelwerte und auch der kurzzeitigen
Spitzenbelastungen zu verzeichnen sind. Die ungünstigen meteorologischen
Bedingungen hatten allerdings im Winter 1995/96 vorübergehend
zu einem erneuten Ansteigen der Immissionskonzentrationen im
Erzgebirge geführt. Die Entwicklung der SO 2-Immissionen im
Erzgebirge ist nachfolgender Tabelle zu entnehmen.
Jahresmittelwerte der SO 2-Immissionen im Erzgebirge von 1991
bis 1996 in µg/m3 und Wintermittel 1994/95: 1995/96: 1996/97
Jahr/Meß- Zinnwald Bärenstein Fichtel- Olbernhau
Annabergstelle berg Buchholz
1991 61 107 44 95 123
1992 37 70 24 73 80
1993 38 86 28 78 78
1994 43 66 31 67 68
1995 36 55 31 42 51
1996 37 73 37 54 59
Winter
1994/95 28 66 20 49 65
1995/96 70 147 53 108 123
1996/97 46 - 28 54 43
Stickoxide werden an den Meßstationen im Erzgebirge, mit
Ausnahme der Station Zinnwald, erst seit 1995 gemessen. Die
Jahresmittelkonzentration von Stickstoffdioxid lag an den Meßstationen
Annaberg, Aue und Olbernhau 1995 und 1996 zwischen 36 und
42 µg/m 3 . In Zinnwald sind seit 1993 wesentlich niedrigere Werte
(14 bzw. 19 µg/m 3 . zu verzeichnen.
3. Welche Schadstoffbelastungen des Waldbodens und welcher Grad
der Versauerung des Bodens in diesem Gebeit sind festgestellt
worden?
Entsprechende Untersuchungs- und Meßergebnisse liegen der
Bundesregierung nicht vor.
4. Welche Verursacher der Schadstoffbelastungen sind in welchem
Ausmaß in diesem Gebiet für die Vergangenheit und für die nächste
Zukunft festzustellen?
Als wesentliche Verursacher der Schadstoffbelastung kommen in
erster Linie die Großkraftwerke auf Braunkohlebasis im
mitteldeutschen Braunkohlerevier und im Böhmischen Becken in
Betracht. Es liegen jedoch der Bundesregierung keine Daten vor, die
es erlauben, den Beitrag der beiden Seiten oder einzelner
Kraftwerke am Ausmaß der Schadstoffbelastung festzustellen.
Die deutschen Kraftwerke sind gemäß den Anforderungen der
Verordnung über Großfeuerungsanlagen (13. BImSchV) zu
sanieren oder stillzulegen. Alle Kraftwerke, die auf Dauer
weiterbetrieben werden, mußten bis zum 30. Juni 1996 saniert sein.
Kraftwerke, die nicht saniert wurden, unterliegen einer
begrenzten Restnutzungsdauer und müssen spätestens am 1. April 2001
stillgelegt sein. Nach Angaben der Vereinigten Energiewerke AG
(VEAG) waren Anfang 1997 von 7 900 MW installierter Leistung
4 550 MW entschwefelt (58 %). Dieser Anteil soll bis Anfang 1998
auf 5 350 MW (entspricht 82 % der dann installierten
Kraftwerksleistung) steigen.
Die tschechischen Luftreinhaltegesetze, die eng an EU-Standards
angelehnt sind, lassen den Betrieb von Anlagen ohne
Rauchgasentschwefelung nach dem 31. Dezember 1998 nicht mehr zu. Eine
Restnutzungsdauer oder Ausnahmen für den Weiterbetrieb von
Anlagen, die nicht diesen Vorgaben entsprechen, über diesen
Termin hinaus sieht das tschechische Recht nicht vor. Auch
Meldungen aus jüngster Zeit über eine Verzögerung der
Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Temelin geben keine Veranlassung,
den vorgesehenen Plan für die Abschaltung der noch
unentschwefelten Braunkohlekraftwerksblöcke in Böhmen in Frage zu
stellen.
Nach tschechischen Angaben sind von den vier großen
grenznahen Kraftwerken mit einer Leistung von 4 040 MW z. Z.
2 710 MW saniert; während im Winter 1995/96 noch insgesamt
Kraftwerke mit einer Leistungskapazität von 3 600 MW ohne
Rauchgasreinigung betrieben wurden, waren es in diesem Winter
nur noch 800 MW. Die SO 2-Emissionen wurden von annähernd
1 Mio. t im Jahr 1991 bis 1996 auf knapp 400 000 t zurückgeführt
und sollen 1997 nur noch ca. 200 000 t betragen.
5. Inwieweit sind Emissionen aus der Energiewi rtschaft, der Indust rie,
dem Straßenverkehr und der Landwirtschaft an den Waldschäden
und der Bodenschädigung beteiligt?
Da neben Luftschadstoffen (SO 2 , NOx, O3 , NH3 , F-, Cl-
Verbindungen, Stäuben und Schwermetallen) auch standortspezifische
Faktoren (wie Bodentyp, Nährstoffangebot, Relief), Witterung,
pflanzenspezifische Faktoren sowie genetische Variabilität in
Form unterschiedlicher Empfindlichkeit gegenüber
Schadfaktoren, Witterung und Schädlingsbefall von Bedeutung für
Waldschäden und Bodenschädigungen sind, ist keine Aussage zu den
einzelnen Anteilen dieser Emittentengruppen möglich.
6. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung, inwieweit und zu
welchen Jahreszeiten Emissionen aus Braunkohle und
Industrieanlagen in Tschechien an den Waldschäden beteiligt sind?
Die Waldschäden, chronische sowie neuartige, werden von einem
Komplex verschiedener Streßfaktoren verursacht, die regional
sehr verschieden wirken. Deshalb ist eine exakte Zuordnung der
Waldschäden zu bestimmten grenzüberschreitenden
Schadstoffemissionen nicht möglich.
Das europäische Umweltüberwachungsprogramm EMEP
(European Monitoring and Evaluation Program) erlaubt eine
europaweite Berechnung der Schadstoffausbreitung und der
grenzüberschreitenden Schadstoffströme. Im letzten EMEP-Bericht aus 1996
wird für die Jahre 1993 bis 1995 mitgeteilt, daß die Deposition von
oxidiertem Schwefel in Deutschland, die auf Importe aus der
Tschechischen Republik zurückzuführen ist, 1993 843 t Schwefel,
1994 573 t Schwefel und 1995 711 t Schwefel betrug. Quantitative
Aussagen für 1996 liegen noch nicht vor.
Anzumerken ist, daß die von Deutschland nach Tschechien
gelangenden Mengen von oxidiertem Schwefel mit Ausnahme des
Jahres 1993 über den Werten liegen, die von Tschechien nach
Deutschland kommen. Ursache für den Exportüberschuß
Deutschlands sind die meteorologischen Bedingungen über Mitteleuropa
mit häufigen nordwestlichen und westlichen Winden sowie die
ungünstigen Austauschbedingungen im Böhmischen Becken.
Für eine detaillierte Bewertung der Verursacheranteile an der
regionalen Immissionssituation ist das EMEP-Programm nicht
geeignet.
Um ein klares Bild über Art, Ausmaß und Wirkungen der
Emissionen von Luftschadstoffen und ihrer räumlichen Verteilung
(Ausbreitung) zu gewinnen, verhandeln deutsche, tschechische und
auch polnische Experten gegenwärtig über die Erstellung
grenzüberschreitender Ausbreitungsrechnungen. Ausgehend von der
Region, die im Dreiländereck als „Schwarzes Dreieck" definiert ist,
sollen alle Emissionsquellen in die Untersuchung einbezogen
werden, denen ein signifikanter Einfluß auf die Immissionslage der
Region beigemessen wird, insbesondere auch Quellen außerhalb
des „ Schwarzen Dreiecks " . Diese Untersuchungen sollen Eingang
finden in das z. Z. in Sachsen durchgeführte Projekt zur
Optimierung emissionsmindernder Maßnahmen (siehe Antwort zu
Frage 10) .
Nach derzeitigem Erkenntnisstand können im kleinräumigen
Bereich die nordböhmischen Emissionen besonders im
Winterhalbjahr erheblich zur Schadstoffbelastung und damit zu den
Waldschäden auf der deutschen Seite - insbesondere in den
Kammlagen des Erzgebirges - beitragen. Die höchste Luftbelastung wird
bei austauscharmen Wetterlagen im Winter in den Tallagen
erreicht; Ursachen hierfür sind vor allem Emissionen aus dem
Hausbrand- und aus Kleinfeuerungsanlagen. Unbestritten ist, daß
es im Winter 1995/96 im oberen Erzgebirge wiederholt bei aus
dem Böhmischen Becken ausfließenden und das Erzgebirge
überströmenden Winden zu örtlich starken SO 2-
Belastungssituationen kam, die auf einen SO 2-Transport von Kraftwerksfahnen
Nordböhmens zurückzuführen sind.
7. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, eine
Immissionsminderung in dieser Region insgesamt und insbesondere auch
aus Tschechien zu erreichen?
Die Bundesregierung und die Sächsische Staatsregierung sind seit
Anfang der 90er Jahre bemüht, eine Verminderung der
Immissionen im Erzgebirge zu erreichen. Aufgrund der geographischen
und meteorologischen Besonderheiten, der Siedlungs- und
Industriedichte sowie insbesondere der erheblichen Vorbelastung der
Böden kann damit jedoch auch künftig die Gefahr von
Waldschäden im Erzgebirge nicht sicher ausgeschlossen werden. In
nächster Zukunft kommt es deshalb darauf an, gemeinsam mit der
tschechischen Seite weitergehende Maßnahmen abzustimmen
und durchzuführen.
Nach Sanierung der Großkraftwerke bis Ende dieses Jahres kommt
dabei der Sanierung kleiner und mittlerer Anlagen, dem Ausbau
und der Effizienzsteigerung von Fernwärmesystemen unter
Verwendung modernster Meß- und Regeltechnik und der Umstellung
auf weniger umweltbelastende Energieträger insbesondere bei
den Einzelfeuerungen besondere Bedeutung zu. Das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ist
bereit, diese Maßnahmen auf tschechischer Seite durch die
Förderung der Verwendung fortschrittlicher Technologien auch finanziell
zu unterstützen, wenn von der Maßnahme eine Verringerung der
Luftbelastung auch in angrenzenden deutschen Gebieten erwartet
werden kann.
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit wird die weiteren Aktivitäten - darunter auch eine
Vereinbarung über die Lieferung von Ersatzstrom bei
immissionsbedingter Abschaltung von Kraftwerken - gemeinsam mit der
Sächsischen Staatsregierung, der Bayerischen Staatsregierung
und der tschechischen Seite im Rahmen der von den Ministern
im Oktober 1996 eingerichteten deutsch-tschechischen
Hochrangigen Arbeitsgruppe Luftreinhaltung abstimmen und
begleiten.
8. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen bzw. was
will sie unternehmen, um eine Verminderung der Emissionen aus
tschechischen Kraftwerken zu erreichen?
Welche finanziellen Mittel wären dazu erforderlich?
Mit der Sanierung ihrer Kraftwerke erfüllt die tschechische
Energiewirtschaft die in der Tschechischen Republik geltenden
gesetzlichen Anforderungen. Das Sanierungs- und
Stillegungsprogramm wird Ende 1998 abgeschlossen sein.
Die Bundesregierung hat für die Verminderung der Luftbelastung
im Erzgebirge aus Tschechischen Emissionsquellen in den
vergangenen Jahren bereits erhebliche finanzielle Leistungen
erbracht. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit fördert seit 1992 aus Mitteln des für „Investitionen zur
Verminderung grenzüberschreitender Umweltbelastungen" zur
Verfügung stehenden Haushaltsansatzes u. a. Projekte in der
Tschechischen Republik, die der Verminderung von Emissionen
dienen. Das sind im einzelnen
— Rauchgasentschwefelungsanlagen Kraftwerk Prunerov I
(Inbetriebnahme Dezember 1995)
— Wirbelschichtfeuerungsanlage Kraftwerk Tisova
(Inbetriebnahme Januar 1998)
— zwei Rauchgasentschwefelungsanlagen Kraftwerk T 700 von
Chemopetrol Litvinov (Inbetriebnahme Mai bzw. August 1997)
sowie
— Projekt 35 (Anschaffung/Betrieb eines mobilen
Luftschadstoffmeßsystems).
Für diese Vorhaben wurden bzw. werden Bundeszuschüsse in
Gesamthöhe von rd. 48 Mio. DM bereitgestellt. Dabei werden
anspruchsvolle Umweltstandards realisie rt , die Modellcharakter für
die Tschechische Republik haben. Durch die drei erstgenannten
Projekte vermindern sich die SO 2-Emissionen um insgesamt
99 000 t pro Jahr, die NOx-Emissionen um 6 200 t jährlich und die
staubförmigen Emissionen um 2 050 t jährlich.
Gegenwärtig bereitet das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit zusammen mit der Bayerischen
Staatsregierung und der Deutschen Ausgleichsbank die
Unterstützung der tschechischen Seite bei der Wärme- und
Stromversorgung der Stadt Eger/Cheb vor. Durch die Errichtung von
vier gasgefeuerten Blockheizkraftwerken sowie die Umstellung
aller anderen, bisher nur braunkohlegefeuerten
Wärmeerzeugungsanlagen auf Gasfeuerung, die Sanierung des
Wärmeverteilungsnetzes und die Installation von Meß-, Steuer- und
Regelungstechnik beim Wärmeendverbraucher kann die
tschechische TERRA s. r. o. - der Lieferant von Fernwärme in Eger/
Cheb - die energiebedingten, grenzüberschreitenden Emissionen
deutlich vermindern. Im einzelnen werden die Reduzierungen
geschätzt auf rd. 1 500 t/a SO 2, rd. 40 000 t/a CO 2, rd. 40 t/a
Stickoxide, rd. 90 t/a Staub und rd. 80 t/a Kohlenmonoxid.
Es ist derzeit vorgesehen, die neuen Anlagen zu 50 % noch in 1997
in Betrieb zu nehmen, die zweite Hälfte wird bis Ende 1998 ihren
Betrieb aufnehmen. Vor diesem Hintergrund ist bereits vor Beginn
des nächsten Winters mit positiven Umwelteffekten aus diesem
Projekt zu rechnen.
Auch im Rahmen des TRANSFORM-Beratungsprogrammes der
Bundesregierung zur Unterstützung der Staaten Mittel- und
Osteuropas beim Aufbau von Demokratie und sozialer
Marktwirtschaft wurden Maßnahmen in der Tschechischen Republik im
Bereich des Umweltschutzes durchgeführt. Im Zeitraum 1992 bis
1996 wurden vier Vorhaben mit einem Volumen von rd. 900 TDM
realisiert , davon u. a. die Planung von Investitionsvorbereitungen
für Brennstoffumstellungen und den rationellen Energieeinsatz im
nordböhmischen Landvorsprung Varnsdorf/Sluknov.
9. Welche kurzfristigen Maßnahmen sind möglich und werden von der
Bundesregierung unterstützt, die Waldschäden in dieser Region zu
begrenzen und durch forstliche Maßnahmen evtl. eine naturnahe
Regeneration bzw. Wiederaufforstung geschädigter Flächen zu
erreichen?
Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und
Technologie fördert unter dem Titel „Untersuchungen von
Waldökosystemen im Erzgebirge als Grundlage für einen ökologisch
begründeten Waldumbau" ein umfangreiches
Untersuchungsprogramm. Das derzeitige Fördervolumen beträgt ca. 14 Mio. DM.
Die bisher vorliegenden und noch zu erwartenden Ergebnisse
bilden die wissenschaftliche Grundlage für naturnahe
Regeneration und standortgerechte Wiederaufforstung geschädigter
Flächen.
Die Staatsregierung Sachsen beschloß am Ende des vergangenen
Jahres Maßnahmen zur Sanierung der Waldschäden. Neben der
Aufbereitung der abgestorbenen und stark geschädigten Bäume
sowie der Bodenschutzkalkung in geschädigten Waldbeständen
sind Maßnahmen der Bodensanierung durch plätzeweise oder
streifenweise Einarbeitung von Kalk vor Beginn der Pflanzung
sowie ein standortgerechter Waldaufbau vorgesehen.
Die Aufforstungsmaßnahmen mit Baumarten der natürlichen
Waldgesellschaft als auch mit Pionier- und Alternativbaumarten
auf einer Fläche von 1 600 ha bieten eine Garantie zur
Verbesserung der ökologischen Bedingungen und zur Sicherung einer
umfassenden Stabilität im künftigen Waldgefüge.
10. Welche Maßnahmen hat die sächsische Staatsregierung zur
Begrenzung der drohenden weiteren Waldschäden bisher ergriffen,
und wie können diese von der Bundesregierung, der Europäischen
Union und auch von Tschechien unterstützt werden?
Nach Mitteilung des Sächsischen Umweltministeriums werden
von dort kommunalen und gemeinnützigen Betreibern von
Heizungsanlagen in Sachsen Fördermittel für die Umstellung auf
umweltfreundliche Energieträger bereitgestellt, um die lokalen
Emissionen zu verringern. Von 1992 bis 1996 wurden dafür 86 Mio.
DM bewilligt. Es ist beabsichtigt, ab 1997 ein Sonderprogramm für
das Erzgebirge aufzulegen, um die Umstellung der
braunkohlebeheizten Einzelofenheizung auf umweltfreundliche
Energieträger zu beschleunigen. Das Programm sieht eine regional und
zeitlich begrenzte Zuschußförderung für die Heizungsumstellung
in Wohngebäuden und Wohnungen vor. Ziel des
Förderprogrammes ist es, die Luftschadstoffbelastungen durch SO 2 in den
am stärksten von Waldschäden betroffenen Gebieten Sachsens zu
verringern.
Zur wissenschaftlichen Begleitung der Sanierungsmaßnahmen
wird im Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie das
zu 75 % von der EU finanzierte Projekt „Optimierung
emissionsmindernder Maßnahmen unter gleichzeitiger Kontrolle der
Aziditäts- und Luftschadstoffentwicklung im Schwarzen Dreieck"
(OMKAS) durchgeführt. So wird u. a. in Jöhstadt und Neuhausen
ein nach dem Echolotverfahren arbeitendes Meßgerät zur
Erfassung des Windfeldes bis 1 000 m über dem Erdboden sowie zur
Ortung von Inversionsschichten errichtet. Ziel des OMKAS-
Projektes ist es, die Auswirkungen der mittleren tschechischen
Emissionsquellen auf Sachsen quantitativ zu erfassen, um durch
Einbeziehung der Fördermöglichkeiten gezielt Einfluß auf die
Priorität bei der Sanierung zu nehmen. Zusätzliche Meßergebnisse wird
das mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit anzuschaffende moderne LIDAR/
SODAR-Fernmeßsystem für Luftverunreinigungen erbringen,
welches ab 1998 schwerpunktmäßig in Nordböhmen eingesetzt
werden soll.
Die Bundesregierung unterstützt die Sächsische Staatsregierung
im Rahmen des „Investitionsförderungsgesetzes Aufbau Ost" (ab
1995 für die Dauer von zehn Jahren mit jährlich 6,6 Mrd. DM) und
der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur" (1996 für die neuen Länder 6,4 Mrd. DM
sowie Verpflichtungsermächtigungen von weiteren 5,7 Mrd. DM).
Dabei legen die Länder Maßnahmen und Bereiche fest, die
prioritär unterstützt werden sollen. Auch die Förderentscheidung für
Einzelprojekte erfolgt durch die Länder. Aus dem
„Investitionsförderungsgesetz Aufbau Ost" erhält Sachsen jährlich rd. 1,5 Mrd.
DM, u. a. für Maßnahmen zur Energieeinsparung an Gebäuden.
Daneben fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit im Rahmen des „Investitionsprogramms zur
Verminderung von Umweltbelastungen" die Erstanwendung
innovativer Technologien in großtechnischem Maßstab. Der Bereich
„Klimavorsorge" soll in Zukunft einen Förderschwerpunkt
darstellen. 1997 stehen bundesweit insgesamt 50 Mio. DM zur
Verfügung. Seit 1990 wurden insgesamt 670 Mio. DM bereitgestellt;
davon 170 Mio. DM für Luftreinhaltungsmaßnahmen. In Sachsen
wurden seit 1990 fünf Luftreinhaltungsprojekte gefördert, u. a. ein
Großversuch zum Einsatz gasbetriebener Nutzfahrzeuge der
Erdgas Südsachsen GmbH (Kreis Chemnitz).
Aus Mitteln des ERP-Umwelt- und Energiesparprogramms wur
-
den seit 1990 bis heute in Sachsen rd. 1,2 Mrd. DM an Krediten für
Luftreinhaltungs- und Energieeinsparungsmaßnahmen bewilligt.
Die Deutsche Ausgleichsbank stellte hierfür zusätzlich mehr als
250 Mio. DM Kredite aus dem eigenen Umweltprogramm zur
Verfügung. Insgesamt wurden hierdurch seit 1990 in Sachsen im
Bereich Luftreinhaltung und Energieeinsparung Investitionen von
knapp 4 Mrd. DM angestoßen.
Die EU stellt im Rahmen der Strukturfondsförderung nach Ziel 1
(neue Bundesländer) im Zeitraum 1994 bis 1999 rd. 26 Mrd. DM an
Fördermitteln bereit, die überwiegend im Rahmen der
„Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wi rt
-schaftsstruktur" eingesetzt werden.
Im Rahmen des EU-PHARE-Programms für grenzüberschreitende
Zusammenarbeit stehen 1995 bis 1999 für Vorhaben der
Tschechischen Republik im tschechischen Grenzgebiet zur Bundesrepublik
Deutschland pro Jahr etwa 25 Mio. ECU (ca. 50 Mio. DM) zur
Verfügung. Damit sollen Projekte finanziell unterstützt werden, die
neben entsprechenden Effekten auf tschechischem Territorium
gleichzeitig positive grenzüberschreitende Effekte zur Folge
haben. Förderfähig sind u. a. auch Umweltschutz- sowie technische
Maßnahmen (z. B. Energieträgerumstellungen). Weitere Mittel für
den Umweltschutz stellt die EU seit 1992 mit dem PHARE-
Regionalprogramm „Schwarzes Dreieck" zur Verfügung. Für die
Einrichtung eines einheitlichen deutsch-tschechisch-polnischen
Luftmeßnetzes wurden 2,2 Mio. ECU (ca. 4,4 Mio. DM) eingesetzt. Eine
Vereinbarung der drei Umweltminister vom 17. September 1996
regelt den Austausch der Immissionsdaten der Luftbelastung im
„Schwarzen Dreieck". 1996 wurden aus PHARE/
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit rd. 21 Mio. DM (42 %) für Vorhaben
mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt eingesetzt bzw. rd.
7 Mio. DM (12 %) für fünf Vorhaben mit positiven Auswirkungen
auf die Luftqualität im deutsch-tschechischen Grenzgebiet.
Gegenüber 1995 konnten diese Werte merklich gesteigert werden.
Der Anteil an Umweltschutzvorhaben liegt über den Richtwerten
des Programms (33 % Umweltschutz). Der Anteil für Vorhaben der
Luftreinhaltung soll in den Folgejahren angesichts der besonderen
Situation im Erzgebirge noch erhöht werden.]