Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 16/8464
16. Wahlperiode 10. 03. 2008 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Barbara Höll, Dr. Axel Troost, Ulla
Lötzer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 16/8259 –
Unternehmensfinanzierung durch Kapitalbeteiligungen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesregierung beklagt, „junge und mittelständische“ Unternehmen
hätten häufig Probleme bei der Kapitalbeschaffung. Zwar gebe es bereits
direkte staatliche Unterstützungen bei der Finanzierung solcher Unternehmen.
Das notwendige Kapital für deren Gründung und Fortentwicklung müsse
jedoch vor allem vom privaten Sektor zur Verfügung gestellt werden, heißt es in
der Begründung zum Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung der
Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen (MoRaKG,
Bundestagsdrucksache 16/6311).
Während dort allgemein von „jungen mittelständischen“ Unternehmen die
Rede ist, schreibt das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in einem
Eckpunktepapier vom 9. Mai 2007 einschränkend: „Deutliche Anzeichen für ein
Marktversagen existieren ausschließlich im eng abgegrenzten Bereich der
Wagniskapitalfinanzierung.“ Zu den Unternehmen, für die eine solche
Wagniskapitalfinanzierung in Frage kommt, gehören insbesondere „innovative
technologieorientierte“ Unternehmen.
Als Beweis für einen Mangel an Wagniskapital führt das BMF an, dass das
Volumen der Frühphasenfinanzierung durch Wagniskapitalbeteiligungen von
1,6 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf rd. 260 Mio. Euro im Jahr 2006
zurückgegangen ist. Allerdings war das Jahr 2000 ein Boom-Jahr: Das Volumen bei den
Frühphasenfinanzierungen war nie zuvor so hoch. Zudem sagt der Vergleich
mit dem Jahr 2000 nichts darüber aus, ob tatsächlich ein Mangel an
Wagniskapital besteht, der den Aufbau innovativer, langfristig wettbewerbsfähiger
Unternehmen behindert. Auch ein Vergleich des Volumens von
Wagniskapitalfinanzierung in Deutschland mit dem anderer Länder beantwortet diese
Frage nicht. In den USA beispielsweise existiert traditionell ein eher
kapitalmarktbasiertes System der Unternehmensfinanzierung, bei dem Venture
Capital eine größere Rolle spielt, als im deutschen, traditionell bankbasierten
System. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 5. März 2008
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/8464 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode1. Welche empirischen Untersuchungen sind der Bundesregierung bekannt,
die untersuchen, ob „junge und mittelständische“ Unternehmen allgemein
oft Probleme bei der Kapitalbeschaffung haben, und welche von diesen
Studien bestätigen diese Vermutung?
2. Welche empirischen Studien sind der Bundesregierung bekannt, die solche
Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung im Besonderen für „junge
innovative“ Unternehmen im Spitzentechnologiebereich nachweisen?
Die Fragen 1 und 2 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die nachfolgend aufgeführten Studien kommen zu dem Ergebnis, dass junge
Unternehmen – sowohl in traditionellen Branchen tätige als auch innovative –
Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung aufweisen.
● Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2006/[Hrsg.
Bundesministerium für Bildung und Forschung] – Berlin 2006,
● Beteiligungsfinanzierung nach der Marktkonsolidierung/Prof. Dr. Dr. Ann-
Kristin Achleitner et al. [Hrsg. KfW-Bankengrupppe] – Frankfurt 2006,
● Das Anlageverhalten institutioneller Investoren aus Deutschland in Venture
Capital; Abschlussbericht der Studie im Auftrag des Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie/[Hrsg. Fleischhauer, Hoyer & Partner] –
München 2008,
● Erwerb und Übernahme von Firmen durch Finanzinvestoren/Dr. Christoph
Kaserer et al. [Hrsg. CEFS, Center for Entrepreneurial and Financial
Studies] – München 2007,
● Frischer Wind für Hidden Champions: Förderung von Forschung und
Innovation aus Sicht des Mittelstandes/Achim Bachem et al. [Hrsg. Friedrich-
Ebert-Stiftung, Arbeitskreis Forschung und Innovation] – Berlin 2007,
● Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer
Leistungsfähigkeit/[Hrsg. EFI, Expertenkommission Forschung und Innovation] –
Berlin 2008,
● KfW-Gründungsmonitor 2004–2007/[Hrsg. KfW-Bankengruppe,
Frankfurt/M.],
● KfW-Mittelstandspanel 2004–2007/[Hrsg. KfW-Bankengruppe,
Frankfurt/M.],
● Kleine und mittlere Unternehmen in Europa und ihre Finanzierung – Der
Standpunkt der Kreditbürgschaftsbanken/André Douette [Hrsg. AECM,
Europäischer Verband der Bürgschaftsbanken] – Brüssel 2006,
● KMU und Innovation: Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen durch
Innovationsnetzwerke/[Hrsg. Wirtschafts- und Sozialpolitisches
Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abt.
Wirtschaftspolitik] – Bonn, 2004,
● Mittelstandsmonitor 2003–2007/[Hrsg. Creditreform; IfM Bonn, ZEW;
KfW-Bankengruppe],
● Neue Wege der Mittelstandsfinanzierung: Chancen ergreifen, Risiken
vermeiden/[Hrsg. Wirtschafts- und Sozialpolitisches Forschungs- und
Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abt. Wirtschaftspolitik] – Bonn,
2005,
● SME access to finance; Flash Eurobarometer/[Hrsg. Europäische
Kommission], Brüssel 2005,
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 3 – Drucksache 16/8464● Start-ups zwischen Forschung und Finanzierung/Michaela Niefert et al.
[Hrsg. ZEW, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung] – Mannheim
2006,
● The European Venture Capital Market: Scaling beyond current boundaries/
[Hrsg. EVCA, European Private Equity and Venture Capital Association] –
Brüssel 2007.
3. Aus welchen Gründen haben „junge und mittelständische“ Unternehmen
allgemein und „junge innovative“ aus dem Hochtechnologiebereich im
Besonderen aus Sicht der Bundesregierung heutzutage größere Probleme bei
der Kapitalbeschaffung, als noch vor zwanzig Jahren?
In den letzten zwanzig Jahren hat der technische Fortschritt insbesondere
solche Technologiefelder erfasst, in denen sich der strukturelle Wandel vor allem
durch den Markteintritt neuer Unternehmen vollzieht. Beispiele für solche
Technologiefelder sind der Bereich Multimedia und Internet, aber auch der
Bereich der Biotechnologie. Die dort entstehenden jungen Unternehmen sind zu
einem Großteil über Beteiligungskapital finanziert, weil die traditionelle
Fremdkapitalfinanzierung hier nicht greift (vgl. auch Antwort zu Frage 5). Die
Probleme bei der Kapitalbeschaffung über den herkömmlich,
bankendominierten Weg sind daher vor allem ein Problem der zunehmenden Bedeutung des
Markteintritts neuer Unternehmen in volkswirtschaftlich wichtiger werdenden
Technologie- und Wirtschaftsbereichen.
Die Entwicklung eines Marktes für Beteiligungskapital ist in Deutschland erst
seit Mitte der Neunziger Jahre richtig vorangeschritten. Im Zuge dessen hat
sich die generelle Verfügbarkeit von Kapital für Unternehmen, insbesondere
solche mit ausgeprägtem Risikoprofil, im Vergleich zu vor 20 Jahren
grundsätzlich verbessert.
4. Aus welchen Gründen ist eine Förderung von Eigenkapitalbeteiligungen
besser geeignet, Finanzierungsprobleme zu lösen, als etwa die
Verbesserung der Bedingungen beim Zugang zu Fremdkapital
a) für „junge und mittelständischen“ Unternehmen allgemein und
b) für „junge innovative“ im Speziellen?
Junge Unternehmen verfügen in der Regel nicht über eine
Unternehmenshistorie, werthaltige Sicherheiten und eine umfangreiche Eigenkapitalbasis.
Der Kapitalgeber hat demzufolge weder verlässliche Informationen über die
Ertragseigenschaften des Geschäftsmodells, noch kann er sein Kapital mit
Sicherheiten unterlegen. Ein Fremdkapitalgeber (beispielsweise eine Bank)
erhält keine Einflussmöglichkeiten auf Geschäftsmodell oder
Unternehmensführung. Das einzugehende Risiko würde daher eine Risikoprämie einer
Finanzierung stark erhöhen.
Beteiligungsgeber hingegen erhalten in der Regel Einflussmöglichkeiten und
können das Verhalten der (bei jungen und vor allem innovativen Unternehmen
in betriebswirtschaftlichen Dingen häufig weniger erfahrenen)
Unternehmensführung in eine günstige Richtung lenken, um auf eine
Interessenharmonisierung zwischen Unternehmensführung und Kapitalgebern hinzuwirken. Die
Verzinsung des Eigenkapitals ist zudem gegenüber dem vertraglich fixierten
Kreditzins von der Geschäftsentwicklung abhängig und erfüllt somit eine
Pufferfunktion: Bei sinkenden Einnahmen reduzieren sich die Gewinne der
Eigenkapitalgeber, während die Kreditzinsen erfolgsunabhängig zu entrichten sind.
Darum werden bei Unternehmen mit hohen Ertragsrisiken häufig
Beteiligungsfinanzierungen gewählt und Kredite vermieden, da bei ersterer Finanzierungs-
Drucksache 16/8464 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiodeform unter den genannten Umfeldrestriktionen günstigere Bedingungen
herrschen.
5. Worauf führt die Bundesregierung das im Eckpunktepapier des BMF
genannte Versagen des Finanzmarktes bei der Finanzierung junger
innovativer Unternehmen zurück?
Es gibt Gründe, die dafür sorgen können, dass bestimmte Marktsegmente aus
Sicht eines Finanzierungsanbieters unattraktiv sind und deshalb systematisch
nicht bedient werden. Liegen solche Gründe vor, obwohl ein Marktangebot aus
gesamtwirtschaftlicher Sicht lohnenswert ist, spricht man von Marktversagen.
Auf dem Beteiligungskapitalmarkt sind es vor allem zwei
Marktversagenstatbestände, die aus Sicht der Bundesregierung zu Angebotslücken führen:
Positive externe Effekte sorgen dafür, dass andere Unternehmen von der
Nutzung neu geschaffenen Wissens bzw. einer neuen Technologie, die ein
innovatives Unternehmen hervorbringt, profitieren. Folglich können das innovative
Unternehmen und seine Kapitalgeber nur zum Teil die aus dem erfolgreichen
Innovationsprojekt resultierenden Erträge realisieren, obwohl sie die
Entwicklungskosten getragen haben. Dies macht die Finanzierung innovativer
Unternehmen(sgründungen) aus Sicht potenzieller Kapitalgeber vergleichsweise
unattraktiv. Auf Grund dessen treten insbesondere in der
technologieorientierten Frühphase auf Marktversagen zurückzuführende Angebotslücken auf.
Zweitens sorgen Informationsasymmetrien dafür, dass die Finanzierung
potenzieller Zielunternehmen unterbleibt. Dies ist dann der Fall, wenn die
Beteiligungsgesellschaft die Erfolgschancen eines Investitionsprojektes oder eines
Gründungsvorhabens ex ante nicht hinreichend gut einschätzen kann und der
potenzielle Beteiligungsnehmer die Güte seines Vorhabens nicht adäquat
signalisieren kann.
6. Ist dieses Marktversagen durch die kontinuierliche weltweite
Liberalisierung des Kapitalverkehrs eher abgemildert oder eher verschärft worden,
oder hat die Kapitalmarktliberalisierung nach Meinung der
Bundesregierung keinerlei Einfluss auf die Finanzierung von jungen, innovativen
Unternehmen gehabt, und wie begründet die Bundesregierung ihre Position?
Die internationale Liberalisierung hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die
zuvor genannten Ursachen des Marktversagens. Sie ist dennoch nicht ohne
Einfluss auf Grund der Tatsache, dass junge Unternehmen als Folge der
Kapitalmarktliberalisierung grundsätzlich auch international nach
Finanzierungs- bzw. Beteiligungsquellen suchen können. Insofern hat diese
Entwicklung eher mildernd gewirkt.
7. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der
Entwicklung neuer „innovativer Finanzinstrumente“ und dem Versagen des
Finanzmarktes bei der Kapitalausstattung junger, innovativer
Unternehmen, und wie begründet die Bundesregierung ihre Position?
Unter innovativen Finanzinstrumenten versteht man in der Regel sehr
komplexe Finanzmittel, die sich erst seit einigen Jahren an den Märkten
durchgesetzt haben, wie z. B. Asset Backed Securities (ABS). Ein Zusammenhang der
Entwicklung solcher Finanzinstrumente und der Kapitalausstattung junger,
innovativer Unternehmen ist nur sehr begrenzt erkennbar. So können
innovative Finanzinstrumente wie die oben genannte ABS den Kreditspielraum von
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5 – Drucksache 16/8464Banken erhöhen. Wichtig ist für innovative Unternehmen jedoch vor allem die
Existenz eines gut funktionierenden Marktes für Risikokapital.
8. Welche Initiativen, die auch die Förderung von (Wagnis-)
Kapitalbeteiligungen zum Ziel hatten, wurden in früheren Legislaturperioden
beschlossen, und inwieweit haben diese Initiativen aus Sicht der Bundesregierung
zu einem verbesserten Zugang zu Kapital für junge mittelständische bzw.
junge innovative Unternehmen geführt?
Gesamtwirtschaftliche Größen haben einen großen Einfluss auf
Investitionsentscheidungen. Aber auch steuerpolitische Entscheidungen der Bundesregierung
wirken sich auf Kapitalbeteiligungen und den Zugang zu Wagniskapital aus. Im
Rahmen der Steuerreform 2000 und als Folge des Systemwechsels vom
körperschaftsteuerlichen Vollanrechnungsverfahren zum
Halbeinkünfteverfahren wurde die Steuerfreiheit für Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an
Kapitalgesellschaften durch Kapitalgesellschaften beschlossen. Durch die sich
ergebende Entzerrung des bis dahin auf wenige Großkonzerne konzentrierten
Beteiligungsgeflechts bot sich Investoren die Gelegenheit zu
Kapitalbeteiligungen. Dies dürfte u. a. mit dazu beigetragen haben, dass sich nach Angaben des
Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) das
Fondsvolumen deutscher Beteiligungsgesellschaften von rund 16,6 Mrd. Euro
im Jahr 2002 auf rund 31,9 Mrd. Euro im Jahr 2007 erhöht hat. Mit dem Gesetz
zur Förderung von Wagniskapital vom 6. August 2004 wurde der erhöhte
Gewinnanteil (so genannte Carried Interest), den Initiatoren von so genannten
Private-Equity-Fonds oder Venture-Capital-Fonds über ihren Kapitalanteil
hinaus aus Gewinnen aus der Veräußerung von im Fondsvermögen gehaltenen
Kapitalgesellschaften erhalten, dem Halbeinkünfteverfahren unterworfen.
Das am 1. Januar 1987 in Kraft getretene Gesetz über
Unternehmensbeteiligungsgesellschaften verfolgt das Ziel einer Verbesserung der
Mittelstandsfinanzierung. Das Gesetz wurde mehrfach geändert, u. a. wurden mit dem
Zweiten und Dritten Finanzmarktförderungsgesetz die Anlagemöglichkeiten
von Unternehmensbeteiligungsgesellschaften erweitert. Derzeit sind rund
80 Unternehmensbeteiligungsgesellschaften tätig.
Zusätzlich wurde im August 2005 gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe der
Hightech-Gründerfonds aus Mitteln des Bundes und der freien Wirtschaft
aufgelegt. Der Hightech-Gründerfonds investiert Risikokapital in junge,
chancenreiche Technologieunternehmen. Er stellt technologieorientierten
Unternehmensgründungen das dringend nötige Startkapital zur Verfügung und sorgt für die
notwendige Betreuung und Unterstützung des Managements.
Der ERP/EIF-Dachfonds ist eine gemeinschaftliche Initiative der
Bundesregierung und des europäischen Investitionsfonds (EIF). Er wurde im Januar 2004
aufgelegt und beteiligt sich als Dachfondsinvestor an professionellen VC-
Fonds mit Fokus Deutschland. Das gesamte Investitionsvolumen der ERP/EIF-
Fazilität beträgt 500 Mio. Euro in fünf Jahren, 250 Mio. Euro stellt das ERP-
Sondervermögen, 250 Mio. Euro der EIF zur Verfügung. Der Dachfonds hat
sich planmäßig entwickelt und soll in absehbarer Zeit aufgestockt werden,
sobald er voll investiert ist.
Der ERP-Startfonds hat zum 1. November 2004 das Programm
„Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen (BTU)“ abgelöst. Er kofinanziert
Beteiligungen an bis zu zehn Jahre alten Technologieunternehmen zu gleichen
wirtschaftlichen Bedingungen wie private Investoren. Das
Programmmanagement erfolgt durch die KfW-Bankengruppe. Das Investitionsvolumen
beträgt 250 Mio. Euro in fünf Jahren. Auch der ERP-Startfonds hat sich
planmäßig entwickelt und es wird erwogen, ihn in absehbarer Zeit aufzustocken.
Drucksache 16/8464 – 6 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode9. Strebt die Bundesregierung einen Wandel des Systems der
Unternehmensfinanzierung in Deutschland hin zu einem mehr
kapitalmarktbasierten System (wie es z. B. in den USA Tradition hat) an, und wie begründet
sie ihre Position?
Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren durch verschiedene Initiativen
die Rahmenbedingungen für Finanzierungen und Anlagen über die
Kapitalmärkte verbessert. Die auf dem Markt tätigen Akteure haben zu entscheiden, in
welcher Form das Kapital am effizientesten bereitgestellt werden kann.
10. Aus welchem Grund muss das Kapital für die Gründung und
Fortentwicklung der im MoRaKG-Entwurf angesprochenen Unternehmen
vor allem vom privaten Sektor zur Verfügung gestellt werden, wie die
Bundesregierung in dem Gesetzentwurf betont?
Die Höhe des Kapitalbedarfs für Frühphasen-, Gründungs- und
Wachstumsfinanzierung junger Unternehmen in Deutschland übersteigt bei weitem die
Mittel der öffentlichen Hand. Sie kann stets nur unterstützend – im Rahmen
von Förderung – tätig werden. Bei den angesprochenen Unternehmen handelt
es sich um erwerbswirtschaftlich tätige Gründungen, die entsprechend privat
finanziert werden müssen.
11. Wie viel Prozent der Unternehmen, bei deren Frühphasenfinanzierung
Wagniskapitalbeteiligungsgesellschaften in den vergangenen Jahren
beteiligt waren, haben weniger als fünf Beschäftigte?
Laut den Statistiken des BVK wurden im Jahr 2006 in 158 Unternehmen mit
weniger als zehn Beschäftigten insgesamt 103,10 Mio. Euro investiert. Das
entspricht 24,8 Prozent der insgesamt mit Wagniskapital ausgestatteten
Unternehmen. Zahlen in der Abgrenzung bis zu fünf Beschäftigten liegen der
Bundesregierung nicht vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]