Sicherheitsrelevante Zwischenfälle im Flugverkehr
der Abgeordneten Dr. Anton Hofreiter, Bettina Herlitzius, Winfried Hermann, Peter Hettlich, Cornelia Behm, Hans-Josef Fell, Ulrike Höfken, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Undine Kurth (Quedlinburg), Nicole Maisch und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Wissenschaftler des Battelle Memorial Institute haben im Auftrag der NASA über mehrere Jahre hinweg rund 24 000 Piloten zu sicherheitsrelevanten Zwischenfällen im Flugverkehr befragt. Die Ergebnisse dieser Studie unter dem Titel „National Aviation Operations Monitoring Service (NAOMS)“ waren sehr viel alarmierender als die offiziellen Zahlen der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde FAA. Aus diesem Grund wollte die NASA diese Studie auch geheim halten. Begründet hatte dies der stellvertretende Direktor der NASA gegenüber der Nachrichtenagentur AP damit, dass durch eine Veröffentlichung „das öffentliche Vertrauen in und das wirtschaftliche Wohlergehen der Fluggesellschaften wesentlich beeinträchtigen könnten“. Nachdem sogar Teile der Daten heimlich gelöscht werden sollten, brach in den USA ein Sturm der Empörung los. Schließlich musste sich NASA-Direktor Michael Griffin bei einer Anhörung des Kongresses entschuldigen. Ferner sagte er zu, bis Ende des Jahres die Studie nun doch zu veröffentlichen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Welche Art von sicherheitsrelevanten Zwischenfällen im Flugverkehr werden in Deutschland registriert, und wie werden diese definiert?
Wie viele derartige Vorkommnisse wurden 1990, 1995, 2000, 2005 registriert (Angaben getrennt nach Jahr, Art der Vorkommnisse und nach Flughäfen bzw. Lufträume)?
Welche Ursachen waren jeweils verantwortlich (Angaben wie oben)?
Wurde in Deutschland je eine vergleichbare Umfrage durchgeführt, und wenn ja, wann, von wem, mit welchen Fragestellungen, mit wie vielen und welchen Beteiligten, und mit welchen Ergebnissen?
Wenn nein, ist die Bundesregierung bereit, möglichst schnell eine derartige Studie durchführen zu lassen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass in Deutschland, anders als in den USA, die offiziellen Zahlen den Realitäten entsprechen, und wenn ja, wie begründet sich diese Auffassung?
Sind der Bundesregierung ähnliche Studien wie NAOMS aus anderen Ländern bekannt, und wenn ja, um welche Studien handelt es sich, und zu welchen Ergebnissen kommen diese Studien?
Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den Statistiken der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), die zeigen, dass die Zahl der Unfälle und schweren Störungen kontinuierlich steigt und 2006 den bisherigen Höchstwert erreicht hat?
Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen diesem Trend und dem alljährlich festzustellenden Zuwachs an Flugbewegungen?
Welche Schritte unternimmt die Bundesregierung, um das durch steigende Zahlen der Flugbewegungen wie der Unfälle und schweren Störungen erhöhte Unfallrisiko für Passagiere und Besatzungen wie auch der Bevölkerung in der Umgebung von Flughäfen zu reduzieren, und welchen Erfolg hatten diese Schritte bisher?