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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Kinder und Jugendliche mit Teilleistungsstörungen (G-SIG: 12010972)

Initiativen der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen e.V. und deren evtl. finanzielle Unterstützung, Arbeit der Elternselbsthilfevereine

Fraktion

PDS/LL

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

09.09.1992

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/318925.08.92

Kinder und Jugendliche mit Teilleistungsstörungen

der Abgeordneten Dr. Ursula Fischer und der Gruppe der PDS/Linke Liste

Vorbemerkung

In den letzten Jahren hat die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen (MCD/HKS u. a.) deutlich zugenommen.

Frühe Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen, Sprachauffälligkeiten und emotionale Labilität verbinden sich zu einem Problem, bei dem die „Andersartigkeit" der Kinder eine große Herausforderung an Eltern und Umwelt darstellt.

Werden Kinder als unaufmerksam, übererregbar, aggressiv, zappelig und hyperaktiv beschrieben, ergibt sich oft eine massive Kritik an den Eltern und deren Erziehungskompetenz.

Die beschriebenen Erlebens- und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder werden bislang unter den medizinischen Diagnosen: Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD) und/oder Hyperkinetisches Syndrom (HKS) subsumiert.

Die wissenschaftliche Diskussion zeigte eine große Bandbreite möglicher Ursachen und Behandlungsansätze, insbesondere durch die mangelnden Möglichkeiten der Früherkennung wuchsen die Probleme der betroffenen Familien unerhört an.

Lern- und Leistungsstörungen und dissoziales Verhalten in der Schule markieren oftmals den Endpunkt. Der Teufelskreis aus Unverständnis und Schuldzuweisungen ist zu diesem Zeitpunkt sowohl aus Sicht der Kinder als auch aus Sicht der betroffenen Eltern geschlossen; die Kinder sind von Behinderung bedroht.

Die oben beschriebenen Unsicherheiten veranlaßten in den letzten acht bis zehn Jahren viele Eltern, sich in Selbsthilfegruppen zusammenzuschließen, um gemeinsam ihre Probleme und die ihrer Kinder besser lösen zu können.

Der Status und die Größe der einzelnen Gruppen sind sehr unterschiedlich. Die großen Vereine haben den Rahmen einer Selbsthilfegruppe längst verlassen und stellen ein breites Informations- und Beratungsangebot bereit. An diesen Projekten arbeiten betroffene Eltern zusammen mit Ärzten, Pädagogen, Psychologen und Therapeuten.

Sie sind inzwischen ein fester Bestandteil der psychosozialen Versorgung der betreffenden Region geworden.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen (MCD/HKS) e.V. wurde vor über einem Jahr als überregionaler Zusammenschluß der Elterninitiativen und Vereine in Köln gegründet.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen10

1

Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Zahl der betroffenen Kinder?

2

Sind der Bundesregierung Ursachen für Teilleistungsstörungen bekannt?

3

Wie beurteilt die Bundesregierung die stetige Zunahme der Zahl der auffälligen Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen in den letzten Jahren, und welche zusätzlichen Maßnahmen hält sie für geboten?

4

Sieht die Bundesregierung Zusammenhänge zwischen Teilleistungsstörungen im Kindesalter und Alkohol- und Drogenkonsum sowie Kriminalität bei Jugendlichen?

Wenn ja, welche Präventionsmaßnahmen hält sie für erforderlich?

5

Hält die Bundesregierung das gegenwärtige Therapieangebot für ausreichend?

6

Ist die Bundesregierung der Meinung, daß die Bevölkerung ausreichend über Teilleistungsstörungen aufgeklärt ist?

7

Sind der Bundesregierung die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen (MCD/HKS) e.V. und ihre örtlichen Initiativen bekannt?

8

Bewertet die Bundesregierung die Arbeit der Elternselbsthilfevereine als Präventionsarbeit im Sinne einer Kostendämpfung im Gesundheitswesen?

9

Beabsichtigt die Bundesregierung, die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen (MCD/HKS) e. V. in ihrer Arbeit finanziell zu unterstützen?

10

Welche Chancen auf ein Weiterbestehen der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen (MCD/HKS) e. V. sieht die Bundesregierung, wenn im Herbst 1993 die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der beiden hauptamtlichen Kräfte auslaufen?

Bonn, den 25. August 1992

Dr. Ursula Fischer Dr. Gregor Gysi und Gruppe

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