Stand der Förderung des Stillens von Säuglingen und Kleinkindern
der Abgeordneten Birgitt Bender, Elisabeth Scharfenberg, Dr. Harald Terpe, Kerstin Andreae, Markus Kurth, Irmingard Schewe-Gerigk, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
National und international bestehen Bemühungen das Stillen zu fördern. So findet z. B. vom 29. September bis 5. Oktober 2008 die Weltstillwoche unter dem Motto „Stillen fördern – goldrichtig … oder alle gewinnen, wenn stillende Mütter gut unterstützt werden …“ statt. Sie wird von der World Alliance for Breastfeeding Action (WABA) organisiert und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie dem Weltkinderhilfswerk (UNICEF) unterstützt.
Stillen dient nicht nur der Gesundheit des Säuglings, sondern fördert auch die Gesundheit der Mutter. Gestillte Kinder werden z. B. im ersten Lebensjahr seltener krank. Die Muttermilch bewirkt eine langfristige positive Prägung des Immunsystems. Ebenso ist zu beobachten, dass gestillte Kinder im späteren Alter weniger zu Übergewicht neigen als nicht oder nur kurz Gestillte.
Während des Stillens ausgeschüttete Hormone fördern z. B. die Gebärmutterrückbildung der Mütter. Ebenso ist die Brustkrebsrate bei Frauen, die lange gestillt haben, geringer als bei Frauen, die nie gestillt haben. Zudem fördert das Stillen die Mutter-Kind-Bindung.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Wie stellt sich die Stillsituation (Stillraten nach Alter, Stilldauer) in der Bundesrepublik Deutschland aktuell dar?
Welche Entwicklung des Stillverhaltens in der Bundesrepublik Deutschland ist seit der Gründung der Nationalen Stillkommission (www.bfr.bund.de/cd/ 2404), die aufgrund von Beschlüssen der 45. Weltgesundheitsversammlung 1994 erfolgte, zu beobachten gewesen?
Wie ist die jetzige Situation im europäischen Vergleich sowie im Blick auf die internationalen und nationalen Empfehlungen zu bewerten?
Welche Aktivitäten hat die Nationale Stillkommission in den letzten Jahren unternommen, um das Stillen in der Bundesrepublik Deutschland zu fördern? Wie ist der Erfolg zu bewerten? Werden die Empfehlungen in der Praxis umgesetzt?
Wie bewertet die Bundesregierung die Umsetzung der WHO/UNICEF-Initiative „babyfreundliches Krankenhaus“ in der Bundesrepublik Deutschland, und welchen nationalen Handlungsbedarf sieht sie?
Wie bewertet die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die Praxis kommerzieller Anbieter von Ersatzmilch, direkt nach der Entbindung entsprechende Proben an Mütter zu verteilen, um so für den Gebrauch dieser Milch zu werben? Wie bewertet die Bundesregierung es, wenn diese Werbung in Krankenhäusern erfolgt? Und wie bewertet die Bundesregierung die Praxis kommerzieller Anbieter, Muttermilchersatzprodukte sowie gesüßte Getränke und Lebensmittel für Kinder unter sechs Monaten zu bewerben?
Welche Aktivitäten der Bundesregierung wurden aufgrund der Globalen Strategie zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern (55. Weltgesundheitsversammlung 2002) im Hinblick auf das Stillen ergriffen?
Welche Aktivitäten der Bundesregierung wurden aufgrund des Aktionsplans „Schutz, Förderung und Unterstützung des Stillens in Europa“ (EU-Konferenz zur Förderung des Stillens in Europa Juni 2004) ergriffen?
In welchen der im Aktionsplan benannten Bereiche (Leitlinien und Planung, Information, Ausbildung und Kommunikation, Schulung, Schutz, Förderung und Unterstützung, Monitoring, Forschung) sieht die Bundesregierung nationalen Handlungsbedarf – gegebenenfalls durch wen? Welche Aktivitäten sind von ihr selbst geplant?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Finanzierung der Stillberatung durch die gesetzlichen Krankenkassen? Hält sie die Inanspruchnahme und den vorgesehenen Umfang der Stillberatung für ausreichend oder sieht sie Handlungsbedarf?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Selbsthilfegruppen und das ehrenamtliche Engagement zur Förderung des Stillens vor? Wie bewertet sie deren Arbeit (z. B. der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen oder der La Leche Liga Deutschland)? Wie finanzieren sich diese Gruppen und Vereine – erhalten sie Gelder von Krankenkassen bzw. öffentliche Fördermittel?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die praktische Umsetzbarkeit von Stillpausen nach dem Mutterschutzgesetz im beruflichen Alltag? Gibt es hier Handlungsbedarf, und wenn ja, was tut die Bundesregierung, um die betroffenen Mütter, Kinder und Betriebe zu unterstützen?