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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Probleme mit hochdruckverpreßten schwachaktiven radioaktiven Abfällen in Atommüllfässern (G-SIG: 11001893)

Zahl der in der Bundesrepublik Deutschland lagernden Fässer mit Preßlingen, Bildung von Wasserstoff auch in nicht aufgeblähten Fässern; Endlagerung von Plutonium in schwach- und mittelaktivem Atommüll, Gesundheitsgefährdung durch die Einatmung von Plutoniumaerosolen

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

27.05.1988

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/222902.05.88

Probleme mit hochdruckverpreßten schwachaktiven radioaktiven Abfällen in Atommüllfässern

des Abgeordneten Dr. Daniels (Regensburg) und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Berichte über die laufenden Untersuchungen an Atommüllfässern (Atomwirtschaft, April 1988 S. 178-180) lassen den Schluß zu, daß alle Atommüllfässer mit hochdruckverpreßten schwachaktiven Abfällen (Preßlingen) Gas entwickeln und undicht sind. Dies scheint im Gegensatz zu der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Daniels (Regensburg), Frau Wollny und der Fraktion DIE GRÜNEN (Drucksachen 11/1828, 11/2060) zu stehen.

Daher fragen wir erneut die Bundesregierung:

Aufgrund der skandalösen Transnuklearaffäre erfuhr die überraschte Öffentlichkeit, daß auch Plutonium in schwach- und mittelaktivem Atommüll endgelagert werden soll. Plutonium ist eines der gefährlichsten Gifte, das die Menschheit kennt. Gemeinhin gilt ein Mikrogramm als Aerosol aufgenommen als tödliche Dosis, daher kommen Plutoniumspuren in Abfällen einer gesonderten Bedeutung zu.

Fragen12

1

Wieviel Fässer mit Preßlingen lagern in der Bundesrepublik Deutschland?

2

Ist geplant auch im Schacht Konrad Preßlingeinlagerungen vorzunehmen?

3

Welche Stoffe befinden sich in den Fässern, die nicht inert sind?

4

Welche Rolle spielen die hydrolytisch spaltbaren Lösungsmittel in einem solchen Gebinde?

5

Kann eine Vakuum-Trocknung der hochdruckverpreßten Abfälle die Wasserstoffbildung auch in einem feuchten Endlager verhindern?

6

Wie verhält sich der hydrolytisch zersetzte Sauerstoff in den Fässern?

7

Muß davon ausgegangen werden, daß aufgrund der chemischen Zusammensetzung alle hochverpreßten Abfallgebinde Wasserstoff bilden?

8

Muß infolgedessen davon ausgegangen werden, daß die nicht aufgeblähten Fässer ebenfalls Wasserstoff produzieren, sich nicht aufwölben und deswegen undicht sind, da es gemäß Drucksache 11/2060 keine generellen Dichtigkeitsanforderungen bei Atommüllfässern bestehen?

1

Wieviel Plutonium wird jährlich durch undichte Brennelemente in Atomkraftwerken im Kühlwasser freigesetzt?

2

Welche Menge an Plutoniumaerosolen darf eine Person einatmen, die sich in der Nähe eines Brandes eines bitumierten Fasses mit Plutoniumspuren aufhält?

3

Wie hoch ist der durchschnittliche Anteil an Plutonium in einem Atommüllfaß mit Filtern, Ionenaustauschern und Verdampferkonzentraten?

4

Mit welchen Mengen an Plutoniumspuren ist in dem schwach- und mittelaktiven Abfall bei der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf zu rechnen? Welche Mengen an Plutoniumspuren sind dann in den einzelnen Atommüllfässern mit schwach- und mittelaktiven Atommüll, die aus Wackersdorf kommen, zu rechnen?

Bonn, den 2. Mai 1988

Dr. Daniels (Regensburg) Dr. Lippelt (Hannover), Frau Schmidt-Bott, Frau Vennegerts und Fraktion

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