Hochbegabtenförderung der Bundesregierung
der Abgeordneten Cornelia Hirsch, Dr. Petra Sitte, Dr. Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
In einer Pressemitteilung vom 14. April 2006 hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, angekündigt, zukünftig ein stärkeres Gewicht auf die Förderung von hochbegabten Studierenden zu legen. Bereits in diesem Jahr sollen 7,2 Mio. Euro mehr in diesem Bereich investiert werden. Für die kommenden Jahre seien weitere Erhöhungen des Haushaltstitels geplant. Ziel sei es, die Quote der Geförderten von derzeit 0,7 auf 1 Prozent der Studierenden zu erhöhen.
Die Begabtenförderung an den Hochschulen wird zurzeit von 11 Begabtenförderungswerken durchgeführt, die sich in der Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke zusammengeschlossen haben und vom Bund finanziert werden. Daneben finanziert der Bund auch Förderprogramme für Hochbegabte in der beruflichen Bildung. Diese Förderprogramme werden überwiegend von den vor Ort zuständigen Stellen – in der Regel von den Kammern – durchgeführt.
Für die Begabtenförderung in der Vorschule und der Schule sind überwiegend die Länder zuständig. Der Bund flankiert ihre Aktivitäten durch Schüler- und Jugendwettbewerbe wie etwa Jugend forscht, die Deutsche Schülerakademie und Forschungsprojekte.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
a) Aus welchen Gründen hat sich die Bundesregierung im Haushalt 2006 gegen eine Anpassung der Bedarfssätze und Freibeträge des BAföG an die gestiegenen Lebenshaltungskosten, aber für eine Erhöhung der Mittel für die Begabtenförderung entschieden?
b) Plant die Bundesregierung für die kommenden Jahre eine Erhöhung des BAföG-Titels und/oder eine weitere Erhöhung der Mittel für die Begabtenförderung?
Wenn ja, in welchem Verhältnis sollen diese Erhöhungen stehen?
a) Inwieweit wird die Bundesregierung im Zuge der Erhöhung der Fördermittel auf die Aufnahme bzw. den Aufbau weiterer staatlich bezuschusster Förderungswerke hinwirken?
b) Inwieweit wird die Bundesregierung auf eine Änderung im Verteilungsschlüssel zwischen den einzelnen staatlich geförderten Begabtenförderungswerken hinarbeiten?
Welche Konsequenzen wird aus Sicht der Bundesregierung die erfolgte bzw. angekündigte Einführung allgemeiner Studiengebühren in mehreren Bundesländern auf die Arbeit der Begabtenförderungswerke haben?
a) Welche privatwirtschaftlichen Stipendiengeber sind der Bundesregierung neben den staatlich unterstützten Begabtenförderungswerken bekannt?
b) Wie hat sich das Finanzvolumen privatwirtschaftlicher Stipendien im Vergleich zu dem der staatlich geförderten Begabtenförderungswerke seit der Wiedervereinigung verändert (bitte jeweils Auflistung nach Jahr)?
c) Wie beurteilt die Bundesregierung die Aktivitäten der privatwirtschaftlichen Stipendiengeber?
d) Inwieweit ist geplant, auf eine Erhöhung des Anteils von Stipendien von privatwirtschaftlichen Stipendiengebern – etwa durch Appelle von Seiten der Bundesregierung, durch gesetzliche Maßnahmen etc. – hinzuwirken?
e) Inwieweit kann die Bundesregierung auf die Auswahlkriterien der privatwirtschaftlichen Stipendiengeber Einfluss nehmen?
Inwieweit ist in den kommenden Jahren neben der Erhöhung des Titels für die staatlichen Begabtenförderungswerke auch eine Erhöhung des Titels für die Begabtenförderung in der beruflichen Bildung geplant?
a) Wie bewertet die Bundesregierung die unterschiedliche Organisation der Stipendienvergabe der Begabtenförderung in der beruflichen Bildung im Vergleich zur Begabtenförderung im Studium?
b) Welche Vor- und welche Nachteile sieht die Bundesregierung jeweils?
c) Inwieweit sind bezüglich der Begabtenförderung in der beruflichen Bildung und/oder bei der Begabtenförderung im Studium Änderungen bei der Organisation der Stipendienvergabe geplant?
a) Wie beurteilt die Bundesregierung ihre Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Begabtenförderung im vorschulischen und schulischen Bereich?
b) Inwieweit werden sich die Einflussmöglichkeiten des Bundes in diesen Fragen mit der geplanten Föderalismusreform verändern?
c) Wie hat sich das Verhältnis von Bundesmitteln und weiteren Sponsorengeldern für Aktivitäten der vorschulischen und schulischen Begabtenförderung seit der Wiedervereinigung entwickelt (bitte jeweils für die Jahre einzeln ausweisen)?
a) Inwieweit gelingt es aus Sicht der Bundesregierung in der Begabtenförderung, Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft zu fördern?
b) Auf welche Studien und Untersuchungen stützt sich die Bundesregierung bei dieser Auffassung?