BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Haltung der Bundesregierung zu Groß-Sägewerken (G-SIG: 11005191)

Kenntnisse und Haltung der Bundesregierung zur beabsichtigten Gründung von Groß-Sägewerken durch österreichische Firmen, vorgesehene Standorte, z.B. Wertheim, soziale Folgen bei Schließung kleiner und mittlerer Betriebe auf die regionalen Arbeitsplatzsituation, Bewertung der Spaner- und Profiliertechnik in der Holzverarbeitung, Ökologische Folgeschäden, Reaktionen deutscher Forstverwaltungen und Sägewerkunternehmen, Verhinderung einer weiteren Beschleunigung des Konzentrationsprozesses

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Datum

26.07.1990

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/755709.07.90

Haltung der Bundesregierung zu Groß-Sägewerken

des Abgeordneten Dr. Knabe und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

An verschiedenen Orten in der Bundesrepublik Deutschland beabsichtigen österreichische Industrie-Kombinate derzeit die Ansiedlung zentraler Groß-Sägewerke.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Absicht österreichischer Firmen, Groß-Sägewerke in der Bundesrepublik Deutschland zu gründen?

a) Welche beabsichtigten Standorte sind ihr bekannt?

b) Ist ihr das Vorhaben eines Groß-Sägewerkes bei Wertheim (bayerisch-badischer Grenzraum) bekannt?

2

Wie steht die Bundesregierung solchen Sägewerks-Großprojekten gegenüber?

3

Ist der Bundesregierung bekannt, daß die Holzbearbeitung in Großsägewerken der geplanten Dimension zu erheblichen Rationalisierungsschüben führt?

a) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Folgen dieses Rationalisierungseffektes auf die regionale Arbeitsplatzsituation?

b) Wie schätzt die Bundesregierung die sozialen Folgen der Schließung einer Anzahl von kleineren und mittleren Sägewerken infolge der starken Konkurrenz eines Großsägewerkes in der betreffenden Region ein?

4

Wie beurteilt die Bundesregierung die Spaner- und Profilier-Technik in der Holzverarbeitung?

a) Wie steht die Bundesregierung zu der Aussage, daß die ungenügende Nutzung des Vollholzes bei diesen Techniken die Wertschöpfung an dem Rohstoff Holz erheblich vermindert und damit auch den volkswirtschaftlichen Nutzen wesentlich reduziert?

b) Auf welche Weise gedenkt die Bundesregierung dem aus betriebswirtschaftlichen Gründen bestehenden Trend zur Verminderung des volkswirtschaftlichen Nutzens des Rohstoffes Holz durch die o. a. Techniken entgegenzuwirken?

5

Wie schätzt die Bundesregierung die ökologischen Folgeschäden der Konzentration der Holzverarbeitung in zentralen Groß-Sägewerken in der Bundesrepublik Deutschland ein?

a) Ist der Bundesregierung bekannt, daß die Errichtung von zentralen Groß-Sägewerken und der damit provozierte Wegfall von in der Nähe der Holz-Wuchs-Orte befindlichen kleineren und mittleren Sägewerken erheblich längere An- und Abtransportwege für das Holz zur Folge hat?

b) Wie beurteilt die Bundesregierung die Notwendigkeit längerer An- und Abtransporte für Holz bei zentralen Groß-Sägewerken im Hinblick auf deren Folgen für Wald und Klima?

c) Welche ökologische Bedeutung haben die bei einer zentralen Entrindung und Aufarbeitung zwangsläufige Konzentration der Holzabfälle und die Verluste der in der Rinde enthaltenen Nährstoffe?

6

Inwieweit haben bundesdeutsche Forstverwaltungen oder Sägewerksfirmen auf die Bildung von Großsägewerken reagiert, und wird damit der Konzentrationsprozeß noch weiter beschleunigt?

7

Welche Möglichkeiten hat die Bundesregierung, diesem Konzentrationsprozeß entgegenzuwirken, und welche Maßnahmen hat sie eingeleitet oder wird sie einleiten?

Bonn, den 12. Juni 1990

Dr. Knabe Hoss, Frau Dr. Vollmer und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen