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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft (G-SIG: 11005268)

NS-Vergangenheit führender Repräsentanten der Liga, Tätigkeit führender Ligisten in rechtsextremistischen Organisationen, bevölkerungspolitische Ziele in Ligaschriften

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit

Datum

25.10.1990

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/792614.09.90

Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft

der Abgeordneten Oesterle-Schwerin und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Am 25. August 1990 befaßte sich der Westdeutsche Rundfunk 3 (WDR 3) in der „Aktuellen Stunde" mit dem Verein „Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft". Thematisiert wurden hierbei u. a.

  • die NS-Vergangenheit führender Repräsentanten der Liga,
  • die Autoren- und Referententätigkeit führender Ligisten in rechtsextremistischen Organen und Organisationen,
  • die qualitativen und quantitativen bevölkerungspolitischen Ziele in Liga-Schriften,
  • die frauenunterdrückenden Rollenbilder der Liga,
  • die in der Konsequenz ausländer/innenfeindlichen familien- und sozialpolitischen Ziele der Liga.

Da die „Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft" aus dem Bundeshaushalt 1990 einen Betrag in Höhe von 30 000 DM erhielt, fragen wir die Bundesregierung:

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen13

1

Ist der Bundesregierung bekannt, daß sich im Document-Center Berlin NS-Akten und -Dokumente über mindestens vier Repräsentanten der „Deutschen Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft" befinden?

2

Ist der Bundesregierung bekannt, daß der erste Vorsitzende und einzige Ehrenpräsident der Liga, Prof. Dr. Hans Schaefer, nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern auch der SA und des NS-Dozentenbundes war und er bis zum Kriegsende Kriegsforschung im Auftrag von Luftwaffe und Kriegsmarine betrieben hat?

3

Ist der Bundesregierung bekannt, daß der Kuratoriumsvorsitzende der „Deutschen Liga für das Kind", Prof. Hubertus von Voss, hingegen in einem Leserbrief vom 4. Januar 1990 (General-Anzeiger Bonn) an die Präsidentin des Deutschen Bundestages behauptete: „Die Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Kuratoriums hatten weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart etwas mit national- oder sozialrevolutionären Ideologien mit totalitären Zielen zu tun"?

4

Falls ja, wie bewertet die Bundesregierung diese Aussage?

5

Ist der Bundesregierung bekannt, daß Dr. med. Hans-Dietrich alias Ferdinand Oeter, Mitglied im Wissenschaftlichen Kuratorium der Liga und Liga-Autor, in der vom Verfassungsschutzbericht 1988 als rechtsextrem eingeschätzten „Nation Europa" 1954, 1982, 1984 und 1988 bevölkerungspolitische Artikel veröffentlichte?

6

Ist der Bundesregierung außerdem bekannt, daß Oeter in der rassistisch-völkischen „Neuen Anthropologie" der lt. Verfassungsschutzbericht 1988 rechtsextremistischen „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung" 1982 und 1984 publizierte, und daß er 1980 als Referent für die im Verfassungsschutzbericht 1989 als stärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung bewertete „Gesellschaft für Freie Publizistik" auftrat?

7

Was veranlaßte die Bundesregierung dazu, sowohl die „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung" mit ihrem Organ „Neue Anthropologie" als auch das Organ „Nation Europa" im Verfassungsschutzbericht 1989 unerwähnt zu lassen, obwohl sich an deren rechtsextremistischer Ausrichtung nichts geändert hat?

8

Sind der Bundesregierung die familien- und bevölkerungspolitischen Publikationen Hans-Dietrich alias Ferdinand Oeter aus der Zeit vor 1945 bekannt?

9

Wenn ja, um welche Veröffentlichungen in welchen Organen handelt es sich?

10

Teilt die Bundesregierung die bevölkerungspolitischen Positionen des Liga-Autors Hans-Dietrich alias Ferdinand Oeter, wie er sie in der Sendung zur „Deutschen Liga für das Kind" (WDR 3, „Aktuelle Stunde" vom 25. August 1990) verbreitete:

„Ich sehe aber gerade in der heutigen beispielsweise Rentenpolitik eine Gefahr, daß wir, um die Renten bezahlen zu können, wir wieder Mengen von ausländischen fremden Erwerbstätigen hier aufnehmen müssen, die in ihren Entwicklungsländern sehr viel dringender gebraucht werden, weil es ja die Elite aus diesen Ländern ist und die wir hier dann bloß dazu benutzen, um die Renten derer zu bezahlen, die keine Kinder haben."

„Ich würde eben sagen, daß vor allen Dingen die tüchtigen Leute mehr Kinder haben sollten und die sozialen Versager das nach Möglichkeit nicht."

11

Teilt die Bundesregierung die Auffassung des Ligisten Prof. Dr. Johannes Pechstein, daß öffentliche Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren „Gefährdungsbetreuung" sei (Welt am Sonntag vom 25. März 1990)?

12

Teilt die Bundesregierung weiterhin die Position von Pechstein, insbesondere in der DDR das Angebot für öffentliche Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren von ca. 80 Prozent auf etwa zwei Prozent abzubauen? (Aufsatz Pechstein: „Deutschland's Krippen-Not — Auflösung der DDR-Kinderkrippen als Relikte der SED-Diktatur — Gefährliche Krippen-Propaganda in der Bundesrepublik wegen falscher Familienpolitik", 1990).

13

Hält die Bundesregierung weiterhin eine Förderung des Vereins „Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft" für vertretbar?

Bonn, den 11. September 1990

Frau Oesterle-Schwerin Hoss, Frau Dr. Vollmer und Fraktion

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