Volltext (unformatiert)
[Drucksache 10/1954
07.09.84
Sachgebiet 9
Deutscher Bundestag
10. Wahlperiode
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Drabiniok und der Fraktion DIE GRÜNEN
- Drucksache 10/1857 -
Transitverkehr zwischen dem Bundesgebiet und West-Berlin
Der Bundesminister für Verkehr — A 23/20.00.70/80 BM 84 — hat
mit Schreiben vom 7. September 1984 im Namen der
Bundesregierung die Kleine Anfrage wie folgt beantwortet:
1. Wie hoch ist das jährliche Reisendenaufkommen im Transitverkehr
zwischen dem Bundesgebiet und West-Berlin?
Im Personenverkehr zwischen Berlin (West) und dem
Bundesgebiet wurden im Jahre 1983 insgesamt rd. 21,4 Mio. Reisende
gezählt.
2. Wie viele der Reisenden gemäß Antwort zu Frage 1 entfallen dabei
auf
a) den Flugverkehr,
b) den PKW-Verkehr,
c) den Omnibusverkehr,
d) den Eisenbahnverkehr?
Von der Gesamtzahl der Reisenden entfielen auf
a) den Flugverkehr 14,9 %,
b) den PKW-Verkehr (einschließlich Krafträder) 61,0 %,
c) den Omnibusverkehr 12,2,%
d) den Eisenbahnverkehr 11,9 % .
3. Wie verteilt sich das Flugreisendenaufkommen gemäß Antwort zu
Frage 2 a) auf die einzelnen Flugstrecken bzw. Flughäfen?
Das Verkehrsaufkommen verteilt sich auf die einzelnen
Verkehrsflughäfen wie folgt:
Hamburg 13,4 %
Hannover 9,6 %
Bremen 2,6 %
Düsseldorf 13,2 %
Köln/Bonn 9,0 %
Frankfurt am Main 25,9 %
Stuttgart 9,0 %
Nürnberg 3,7
München 12,4
sonstige Flughäfen im Bundesgebiet 1,2 %.
4. Wie verteilt sich das Reisendenaufkommen
a) des Individualverkehrs gemäß Antwort zu Frage 2 b),
b) des Omnibusverkehrs gemäß Antwort zu Frage 2 c),
c) des Eisenbahnverkehrs gemäß Antwort zu Frage 2 d)
auf die einzelnen Übergänge bzw. Transitwege?
Das Verkehrsaufkommen verteilt sich auf die einzelnen
Übergänge wie folgt:
PKW-Verkehr Omnibusverkehr
(einschließlich Krafträder)
Gudow 20,8 % 20,7
Helmstedt 53,1 % 52,3 %
Herleshausen 2,1 % 1,2 %
Rudolphstein 24,0 % 25,8 %
Eisenbahnverkehr
Büchen 16,9
Helmstedt 50,4 %
Bebra 16,0 %
Ludwigsstadt 12,2 %
Hof 4,5
5. Wie hoch ist das jährliche Güterverkehrsaufkommen
a) des Eisenbahnverkehrs,
b) des Straßengüterfernverkehrs,
c) der Binnenschiffahrt
im Transitverkehr zwischen dem Bundesgebiet und West-Berlin?
Das Güterverkehrsaufkommen zwischen Berlin (West) und dem
Bundesgebiet betrug im Jahre 1983
a) im Eisenbahnverkehr 2,1 Mio. t,
b) im Straßenverkehr 10,0 Mio. t,
c) im Binnenschiffsverkehr 3,0 Mio. t.
6. Wie verteilt sich das Güterverkehrsaufkommen
a) des Eisenbahnverkehrs gemäß Antwort zu Frage 5 a),
b) des Straßengüterfernverkehrs gemäß Antwort zu Frage 5 b),
c) der Binnenschiffahrt gemäß Antwort zu Frage 5 c)
auf die einzelnen Übergänge bzw. Transitwege?
Das Güterverkehrsaufkommen verteilt sich auf die einzelnen
Übergänge wie folgt:
a) Eisenbahnverkehr
Bächen 11,4 %
Helmstedt 71,2 %
Vorsfelde 10,3 %
Bebra 1,3 %
Ludwigsstadt 0,0 %
Hof 5,8
b) Straßenverkehr
Gudow 19,5 %
Helmstedt 56,9 %
Herleshausen 2,8 %
Rudolphstein 20,8
c) Binnenschiffsverkehr
Ruhen (Mittellandkanal) 65,0 %
Schnackenburg (Elbe) 35,0 %.
7. Wie hoch sind die jährlichen Erlöse der Deutschen Bundesbahn,
die im Vor- bzw. Nachlauf im Transitverkehr zwischen dem
Bundesgebiet und West-Berlin auf Strecken der Deutschen
Bundesbahn
a) im Personenverkehr,
b) im Güterverkehr
erzielt werden?
Die Einnahmen der Deutschen Bundesbahn im Eisenbahnverkehr
von und nach Berlin (West) betrugen im Jahre 1983
a) im Schienenpersonenverkehr 40,5 Mio. DM,
b) im Güterverkehr 53,0 Mio. DM.
8. Wie hoch ist die Gesamtsumme der bisher an die DDR gezahlten
Transitpauschalen seit Inkrafttreten des Abkommens über den
Transitverkehr mit Berlin (West) vom 17. Dezember 1971?
Die Gesamtsumme der bisher an die DDR geleisteten Zahlungen
gemäß Artikel 18 des Transitabkommens vom 17. Dezember 1971
sowie gemäß den Protokollen vom 19. Dezember 1975 und vom
16. November 1978 beträgt 5164,6 Mio. DM.
9. Wie hoch sind die jährlichen Leistungen des Bundes zur
Subventionierung der Flugpreise im Luftreiseverkehr zwischen West-Berlin
und dem Bundesgebiet?
In den Jahren 1974 bis 1983 hat der Bund zur Förderung des
Luftreiseverkehrs zwischen Ber liner und westdeutschen
Flughäfen folgende Flugpreissubventionen gewährt:
1974: 43,2 Mio. DM
1975: 42,8 Mio. DM
1976: 40,8 Mio. DM
1977: 40,6 Mio. DM
1978: 40,3 Mio. DM
1979: 84,5 Mio. DM
1980: 99,5 Mio. DM
1981: 93,3 Mio. DM
1982: 91,1 Mio. DM
1983: 92,3 Mio. DM
10. Wie hoch ist die Gesamtsumme aller bisher an die DDR gezahlten
Kostenbeteiligungen des Bundes für Investitionen zur
Verbesserung des Straßenverkehrs von und nach Berlin (West)?
11. Welche Straßenbaumaßnahmen wurden mit den Mitteln gemäß
Antwort zu Frage 10 bisher durchgeführt?
12. Wie hoch ist die Summe der an die DDR gezahlten
Kostenbeteiligungen des Bundes für den Aus- bzw. Neubau
a) der Autobahn Hamburg—Berlin,
b) der Autobahn Helmstedt—Berlin?
13. Wie hoch ist die Gesamtsumme aller bisher an die DDR gezahlten
Kostenbeteiligungen des Bundes für Investitionen zur
Verbesserung des Schiffsverkehrs auf den Transitwasserstraßen von und
nach Berlin (West)?
14. Welche Maßnahmen wurden mit den Mitteln gemäß Antwort zu
Frage 13 bisher durchgeführt?
15. Wie hoch ist die Gesamtsumme aller bisher an die DDR gezahlten
Kostenbeteiligungen des Bundes für Maßnahmen zur
Verbesserung des Eisenbahnverkehrs von und nach Berlin (West)?
16. Welche Maßnahmen wurden mit den Mitteln gemäß Antwort zu
Frage 15 bisher durchgeführt?
Zur Verbesserung des Verkehrs von und nach Berlin (West)
wurden auf der Grundlage von Vereinbarungen mit der DDR folgende
Baumaßnahmen durchgeführt:
Baumaßnahme Vereinbarung
vom
Kostenbeteiligung
des Bundes
Straßen
1. Grunderneuerung der Auto
-b
ahn Berlin-Marienborn und
teilweiser Ausbau auf
6 Spuren
19. 12. 1975
und
23. 12. 1977
262,2 Mio. DM
2. Herstellung einer Autobahn
verbindung zwischen Berlin
und dem Bundesgebiet bei
Gudow/Zarrentin
16. 11. 1978 1 200,0 Mio. DM
3. Autobahnneu- bzw. Ausbau
bei Wartha und Eisenach
einschließlich Bau einer
Großbrücke über die Werra
30. 04. 1980 268,0 Mio. DM
Summe Straßen 1 730,2 Mio. DM
Binnenwasserstraßen
4. Baumaßnahmen zur Ö ff
nung des Teltow-Kanals von
Westen her
16. 11. 1978 70,0 Mio. DM
5. Beseitigung großer Schäden
an Mittellandkanal,
Schiffshebewerk Rothensee und
Elbe-Havel-Kanal
16. 11. 1978 120,0 Mio. DM
6. Ausbau des Mittelland
kanals
30. 04. 1980 150,0 Mio. DM
Summe Binnenwasserstraßen 340,0 Mio. DM
Eisenbahn
7. Öffnung des Übergangs
Staaken; Wiedereröffnung
der Fernbahnhöfe Wannsee,
Charlottenburg, Spandau
19. 12. 1975 44,6 Mio. DM
8. Ausbau Streckenabschnitte
Wannsee — Griebnitzsee,
Potsdam — Werder,
Ausbau Wasch- und
Reinigungsanlage Rummelsburg
30. 04. 1980 89,0 Mio. DM
Summe Eisenbahn 133,6 Mio. DM
Die Baumaßnahmen sind bis auf die Maßnahme lfd. Nr. 3
abgeschlossen. Deren Fertigstellung ist für Ende 1984 vorgesehen, die
Schlußrate beträgt 60,3 Mio. DM.
17. Welche Summen sind als Kostenbeteiligungen des Bundes für
Maßnahmen und Investitionen zur Verbesserung des
a) Straßenverkehrs,
b) Schiffsverkehrs,
c) Eisenbahnverkehrs
von und nach Berlin (West)
a) im Bundeshaushaltsplan für das Haushaltsjahr 1984 enthalten,
b) im Entwurf des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr
1985 vorgesehen,
c) in der mittelfristigen Finanzplanung bis 1988 vorgesehen?
Im Bundeshaushalt 1984 sind folgende Beträge für Zahlungen an
die DDR veranschlagt:
Kostenbeteiligung am Ausbau des
Mittellandkanals (lfd. Nr. 6) — Schlußrate — 37, 5 Mio. DM
Kostenbeteiligung am Autobahnneu- bzw.
-ausbau bei Wartha und Eisenach
(lfd. Nr. 3) — Schlußrate — 60,3 Mio. DM
Im Entwurf des Bundeshaushaltsplanes 1985 sowie in der
mehrjährigen Finanzplanung bis 1988 sind für Maßnahmen zur
Verbesserung des Verkehrs von und nach Berlin (West) keine Mittel
vorgesehen.
18. Hält die Bundesregierung
a) den Qualitätsstandard der Reisezugwagen,
b) den Reisekomfort,
c) die Reisegeschwindigkeit
im Eisenbahntransitverkehr zwischen dem Bundesgebiet und
West-Berlin für ausreichend, und wenn ja, wie begründet die
Bundesregierung ihre Auffassung, wenn nein, welche Aktivitäten
wird die Bundesregierung unternehmen, um eine Verbesserung im
Schienenverkehr von und nach Berlin sicherzustellen?
19. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die Einbeziehung in
das Intercity-Netz der Deutschen Bundesbahn für West-Berlin auf
Grund der besonderen Lage besonders dringlich ist, und wenn
nein, wie begründet die Bundesregierung ihre Auffassung, wenn
ja, welche Aktivitäten wird die Bundesregierung unternehmen, um
diese Einbeziehung sicherzustellen?
20. Liegen der Bundesregierung gesamtwirtschaftliche Kosten-
Nutzen-Untersuchungen über den Ausbau und die Elektrifizierung der
Eisenbahnstrecken
a) Hamburg—Büchen—Berlin,
b) Helmstedt—Berlin,
c) Bebra—Berlin,
d) Ludwigsstadt—Berlin,
e) Hof—Berlin
vor, und wenn ja, mit welchen Ergebnissen, wenn nein, warum
nicht?
21. Welchen Stellenwert hat der Schienenverkehr von und nach West-
Berlin in der Politik der Bundesregierung, insbesondere im
Hinblick auf die Berlinförderung?
22. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß der
Schienenverkehr in der Vergangenheit bei den Maßnahmen und Investitionen
zur Verbesserung des Transitverkehrs von und nach West-Berlin
benachteiligt worden ist, und wenn nein, wie begründet die
Bundesregierung ihre Auffassung, wenn ja, welche Aktivitäten wird
die Bundesregierung unternehmen, um diese Benachteiligung zu
beenden?
23. Ist die Bundesregierung bereit, unverzüglich Verhandlungen mit
der DDR aufzunehmen, mit dem Ziel, als erste Maßnahme zur
Verbesserung des Schienenverkehrs zwischen dem Bundesgebiet
und West-Berlin
a) die durchgehende Modernisierung und Elektrifizierung der
Eisenbahnstrecke Hannover—Berlin,
b) die Aufnahme des Intercity-Betriebs auf der Eisenbahnstrecke
Hannover—Berlin
sicherzustellen, und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung und die Deutsche Bundesbahn sind ständig
bemüht, den Schienenverkehr von und nach Berlin (West) zu
verbessern und stehen darüber mit der anderen Seite im
Gespräch.
Ziel dieser Bemühungen ist es, die Qualität des Personenverkehrs
auf ein dem Intercity-Verkehr entsprechendes Niveau
anzuheben. Zu diesem Zwecke werden derzeit verschiedene
Möglichkeiten untersucht, wie dieses Ziel — ggf. schrittweise —
wirtschaftlich vertretbar erreicht werden kann.
In der Vergangenheit konnte bereits eine Reihe von
Verbesserungen sowohl im betrieblichen als auch im tariflichen Bereich
erreicht werden. Insbesondere hat die Deutsche Bundesbahn zur
Verbesserung der Qualität ihres Wagenparks 200 im Berlin-
Verkehr eingesetzte Reisezugwagen mit einem Kostenaufwand
von 35 Mio. DM modernisiert. Der Reisekomfort der
Transitreisezüge ist nach Fertigstellung der Wasch- und Reinigungsanlage
Rummelsburg verbessert worden. Ferner wird seit Beginn des
Jahres 1983 auch in Berlin (West) der Haus-Gepäckservice
angeboten, eine Verbesserung insbesondere für ältere Reisende.
Da der Eisenbahnverkehr nach und in Berlin von der Deutschen
Reichsbahn durchgeführt wird, sind den
Einwirkungsmöglichkeiten der Bundesregierung bzw. der Deutschen Bundesbahn
Grenzen gesetzt.
So liegen der Bundesregierung auch keine
gesamtwirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Untersuchungen über Ausbau und
Elektrifizierung der in der DDR gelegenen Eisenbahnstrecken von und
nach Berlin (West) vor. Eine Beteiligung des Bundes an
Aufwendungen für eine Modernisierung und Elektrifizierung des von der
Deutschen Reichsbahn betriebenen Teils der Eisenbahnstrecke
Hannover—Berlin ist nicht beabsichtigt.]