Neben der unmittelbaren Energiespeicherung in Form fester, flüssiger oder gasförmiger Energieträger gibt es im wesentlichen folgende Möglichkeiten, Energie zu speichern:
- Speicherung in Form potentieller Energie (Pumpspeicherwerke)
- Speicherung in Form von Wärmeenergie (thermische Speicher)
- Speicherung in Form von Druckenergie (Luft-Pumpspeicher)
- Speicherung in Form von Rotationsenergie (Gyrospeicher).
Es ist nicht möglich, bei den bisher bekannten Energiespeichermöglichkeiten von einem abgeschlossenen Entwicklungsstand zu sprechen. Auch dort, wo Speicher technisch vom Prinzip her ausgereift sind, müssen sie oft unter den speziellen Bedingungen des Gesamtenergiesystems, in das sie integriert werden sollen, weiterentwickelt werden. Eine Speicherentwicklung muß daher praktisch in allen Fällen als Komponentenentwicklung einer Energieversorgung begriffen werden, die die jeweiligen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen festlegt.
Primärenergiespeicherung
Ein Teil der Energieträger, insbesondere die fossilen Energieträger, sind in ihrem festen, flüssigen oder gasförmigen Aggregatzustand ohne grundsätzliche technische Schwierigkeiten lagerbar. Insoweit ist eine Energiespeicherung praktisch in unbegrenzten Mengen möglich. Die Speicherprobleme sind – von Sonderfällen abgesehen — nicht technischer, sondern ökonomischer Art.
Bei der Speicherung flüssiger Brennstoffe werden die Probleme von Art, Umfang und Ort der Lagerhaltung wesentlich bestimmt. Insofern ist die Frage nach der technischen Reife, besonders bei großer Speicherkapazität, nur anhand der speziellen Erfordernisse zu beantworten. Soweit die Lagerung in Speicherseen oder Kavernen in Frage kommt, wird das technische Problem von den topographischen Bedingungen her gestaltet (siehe Frage 9). Differenzierter sind die Speicherverhältnisse für den gasförmigen Energieträger.
Um den hohen Aufwand für die Erschließung der Erdgasvorkommen und die zum Teil langen Transportwege zwischen Gewinnung und Verbrauch wirtschaftlich zu gestalten, ist ein hoher Ausnutzungsgrad dieser Anlagen notwendig. Er kann zunehmend nur durch einen Ausgleich der jahres- und tageszeitlichen Abnahmeschwankungen mit Hilfe von großvolumigen Speichern erreicht werden.
Oberirdische Nieder- und Hochdruckgasbehälter bieten keine grundsätzlichen technischen Probleme. Es sind allenfalls Fragen betriebs- und systemtechnischer Art zu lösen. Das trifft auch weitgehend für die Speicherung verflüssigter Gase zu.
Zur Frage der unterirdischen Speichermöglichkeiten wird auf Frage 9 verwiesen.
Sekundärenergiespeicherung
a) Mechanische Energiespeicher nutzen die einfachste Möglichkeit der Speicherung von Energie in Form von Rotationsenergie (Schwungräder-Gyrospeicher). Es existieren Schwungräder, die bei einer Masse von 60 kg etwa 30 kWh speichern können. Neben den Problemen der Lagerung (Magnetlagerung), sind hauptsächlich Festigkeitsprobleme — also Werkstoffprobleme — und Fragen der Energie — Ein- und Auskopplung — die Ursache, die den erzielbaren Energiedichten Grenzen setzten.
In der maschinentechnischen Praxis werden Speicher dieser Art für spezielle Zwecke genutzt, z. B. kleinere Schwungräder als Energiepuffer, um den Ungleichförmigkeitsgrad bei Antrieben der verschiedensten Arten zu dämpfen.
Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie wird zur Zeit ein Anlagenkonzept erarbeitet für eine stationäre Schwungrad-Anlage zur Rückgewinnung von Bremsenergie an einer U-Bahn-Tunnelgefällstrecke (siehe Frage 2) .
Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in München hat für den Kurzzeitbetrieb eine große Schwungrad- Speicheranlage errichtet (240t Schwungradmasse, ca. 1600 Umdrehungen pro Minute). Bei einer Pulszeit von 10 sec ist eine Leistungsentnahme von 150 Megawatt möglich. Die Speicherfähigkeit beträgt ungefähr das 10fache der Entnahme.
b) Hydraulische Pumpspeicher sind zur Zeit die einzige Möglichkeit, elektrische Energie auf wirtschaftliche Weise in großen Mengen zu speichern und wieder in Form von Elektrizität zurückzuführen. Ein überschüssiges Angebot elektrischer Energie in Schwachlastzeiten wird genutzt, um Wasser in höher gelegene Becken zu pumpen, also elektrische Energie in Form potentieller Energie zu speichern. Diese Speichermethode erfüllt, verglichen mit anderen Speichermöglichkeiten, praktisch alle in den Vorbemerkungen genannten Bewertungsparameter in sehr günstigem Maße. Der Wirkungsgrad liegt in der Größenordnung von 70 v. H. bis 80 v. H. Pumpspeicherwerke sind technisch ausgereift. Die Problematik liegt darin, daß ihre Verwendung von den topographischen Verhältnissen (große Fallhöhen, große Wasserbecken) abhängt. Es existieren Überlegungen, in begrenztem Umfang auch im flachen Land Pumpspeicherwerke durch unterirdische Hohlräume als unteres Auffangbecken zu ermöglichen.
c) Luft-Pumpspeicherwerke arbeiten in Verbindung mit einem Gasturbinensatz, bestehend aus Gasturbine, Generator und Verdichter. Im Normalbetrieb erbringt die Gasturbine die Arbeitsleistung für den Generator und den Verdichter. Wird aus dem Druckluftspeicher der Gasturbinenbrennkammer komprimierte Luft zugeführt, so kann dein Generator die volle Gasturbinenleistung zugeführt werden, weil die Gasturbine dadurch vom Verdichteranteil entlastet wird. Der Generator kann also um den eingesparten Verdichteranteil höher ausgelegt werden. Auf diese Weise wird bei gleichem Gasturbinenmodell eine zwei- bis dreifache Leistungssteigerung erzielt. In Zeiten geringen Energiebedarfs arbeitet der Generator als Motor, der den Verdichter antreibt und den Luftspeicher füllt. Es wird also mittelbar elektrische Energie gespeichert in Form von Druckenergie.
Energiedichte 10 kWh/m 3 , Energieinhalt bis 10 6 kWh, Wirkungsgrad 80 v. H.
Anlagen dieser Art können als technisch beherrscht angesehen werden. Die Probleme sind anlagentechnischer Art in Verbindung mit den speziellen Spezifikationen des Energiesystems, in dem der Speicher arbeitet. Ihre Anwendung ist auf Grund fehlender Speichervolumina auf wenige Anwendungsfälle beschränkt.
d) Thermische Speicherung. Während der elektrischen Schwachlastzeit kann Entnahmedampf gespeichert werden, der bei Spitzenbedarf über eine Kondensationsturbine zusätzlich elektrische Leistung erzeugt. Auf diese Weise kann eine Momentanreserve bereitgestellt werden. Diese Speicherung bietet keine Probleme grundsätzlicher Art; allenfalls Integrations- bzw. Adaptionsprobleme.
Diese Art der Speicherung wird seit vielen Jahrzehnten auch im Zusammenhang mit Fernwärmenetzen praktiziert. Auf Grund von wirtschaftlichen Randbedingungen ist der Anwendungsbereich begrenzt.
Zur Kategorie der thermischen Speicher zählen auch die Nacht-Strom-Speicher-Ofen sowie Brauchwasserspeicher, die seit langer Zeit im Handel sind.
Bei der Nutzung von Sonnenenergie für Warmwasserbereitung werden ebenfalls Warmwasserspeicher eingesetzt. Speziell für Heizzwecke, wo große Kapazitäten benötigt werden, sind die Anlagenkosten noch sehr hoch, so daß die wirtschaftliche Nutzung nur in seltenen Fällen gegeben ist.