Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 17/488
17. Wahlperiode 21. 01. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Tressel, Undine Kurth
(Quedlinburg), Thilo Hoppe, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/341 –
Wiederaufbauhilfe der Bundesregierung für die vom Tsunami 2004 betroffenen
Tourismusregionen in Südostasien
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Januar 2005 kündigte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder
Wiederaufbauhilfe der Bundesregierung in der vom Tsunami betroffenen Region
in Höhe von bis zu 500 Mio. Euro an. In der Antwort (Bundestagsdrucksache
16/423) auf eine Kleine Anfrage (Bundestagsdrucksache 16/318) wurde dieser
Betrag bestätigt. Am 26. Dezember 2009 jährt sich die Naturkatastrophe zum
fünften Mal. Der Zeitraum, in dem die Wiederaufbauhilfe gezahlt werden sollte,
läuft damit ab. Es ist Zeit für ein bewertendes Fazit.
1. In welcher Höhe wurde Südostasien bisher Wiederaufbauhilfe gewährt, und
wie gestalteten sich die Tranchen nach 2005?
Die Bundesregierung hat Wiederaufbauhilfe in Höhe von rd. 442 Mio. Euro aus
dem Sondertitel Kapitel 23 02 Titel 971 01 im Einzelplan 23 für Maßnahmen im
Zusammenhang mit dem Seebeben im Indischen Ozean für vom Tsunami
betroffene Länder zur Verfügung gestellt. Bei dem verbleibenden Betrag i. H. v. 58
Mio. Euro handelt es sich auch um Haushaltsmittel, die aufgrund der politischen
Situation auf Sri Lanka nicht umgesetzt werden konnten. Unter
Berücksichtigung der sonstigen Titel des Einzelplans 23 wurden der Region seither aber
insgesamt mehr als 500 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf die
Mittelbereitstellungen aus dem Sondertitel Kapitel 23 02 Titel 971 01. Danach standen
für Wiederaufbauzwecke im Haushaltsjahr 2006 275 Mio. Euro, davon 150 Mio.
Euro Barmittel und 125 Mio. Euro Verpflichtungsermächtigungen, in 2007
120 Mio. Euro Barmittel, in 2008 80 Mio. Euro Barmittel und in 2009 25 Mio.
Euro Barmittel zur Verfügung. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 19. Januar 2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/488 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode2. In welche Länder flossen die finanziellen Mittel (Zahlen konkret
aufgeschlüsselt nach Ländern)?
Der o. g. Gesamtbetrag i. H. v. 442 Mio. Euro wurde vom Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) innerhalb zweier
Länderprogramme und eines Regionalprogramms sowie durch acht weitere
Bundesressorts umgesetzt. Im Länderprogramm Indonesien wurden rd. 178 Mio.
Euro und im Länderprogramm Sri Lanka rd. 92 Mio. Euro umgesetzt. Im
„Regionalprogramm Indischer Ozean“ wurden rd. 95 Mio. Euro in Indien, Indonesien,
auf den Malediven, in Myanmar, Somalia, Sri Lanka und Thailand eingesetzt.
Den weiteren Bundesressorts wurden Haushaltsmittel i. H. v. rd. 77 Mio. Euro
aus Kapitel 23 02 Titel 971 01 übertragen. Diese Mittel wurden zugunsten von
Indonesien, Malediven, Sri Lanka und Thailand verausgabt.
3. Welche Projekte wurden unterstützt, und wie viel Geld haben sie jeweils
erhalten?
Die Beiträge der Bundesregierung wurden in zwei Länderprogrammen in den
beiden am schwersten betroffenen Ländern – Indonesien und Sri Lanka –
umgesetzt. Länderübergreifende Maßnahmen wurden in einem
„Regionalprogramm Indischer Ozean“ abgedeckt.
In Indonesien, in der bisher kaum zugänglichen Provinz Aceh, wurde ein völlig
neues, auf maximal fünf Jahre angelegtes Wiederaufbauprogramm (rd. 178 Mio.
Euro) begonnen, ohne dass direkt an bisherige Aktivitäten der
Entwicklungszusammenarbeit angeknüpft werden konnte. Die dortigen Vorhaben setzen sich wie
folgt zusammen:
– Wohnungsbauprogramm (rd. 46 Mio. Euro): Damit wurden u. a. 6 000 neue
Häuser mit Wohnraum für über 30 000 Menschen geschaffen.
– Vorhaben im Gesundheitssektor (rd. 55 Mio. Euro): Der Wiederaufbau des
Provinzkrankenhauses in Banda Aceh und die Qualifizierung von
Gesundheitspersonal standen dabei im Mittelpunkt.
– Vorhaben in der Berufs- und Sekundarbildung (rd. 42 Mio. Euro): Die
Fertigstellung von 17 Berufs- und Sekundarschulen für ca. 12 000 Schülerinnen und
Schüler wurden u. a. finanziert.
– Vorhaben zur Förderung „Guter Regierungsführung“ (rd. 24 Mio. Euro):
Folgende beispielhafte Maßnahmen wie die Beratung im Bereich
Georisikenmanagement, Wählerregistrierung und Aufbau von Personenstandwesen seien
erwähnt.
– Vorhaben zur Förderung der Wirtschaft/des Mikrofinanzwesens (rd. 11 Mio.
Euro): Allein durch die Verbesserung des Zugangs zu Krediten wurden die
Existenzgrundlagen für rd. 2 500 Familienunternehmen geschaffen.
In Sri Lanka umfassten die Mittel zum Wiederaufbau rd. 92 Mio. Euro, die sich
auf folgende Programme verteilten:
– Not- und Übergangshilfe (rd. 7 Mio. Euro)
– Wohnungsbauprogramm (rd. 14 Mio. Euro)
– Infrastrukturprogramm Batticaloa (rd. 15 Mio. Euro)
– Wasserversorgung Galle (rd. 24 Mio. Euro)
– Rehabilitierungsmaßnahmen produktiver Infrastruktur (rd. 10 Mio. Euro)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/488– Rehabilitierungsmaßnahmen beruflicher Bildungseinrichtungen
einschließlich Förderung Kleinkreditwesen für Kleinst-, kleine und mittlere
Unternehmen (KKMU) (rd. 15 Mio. Euro)
– Qualifizierungsmaßnahmen für sri-lankische Durchführungsorganisationen
(rd. 3,5 Mio. Euro)
– Katastrophenvorsorge, Betreuung in Schulen (rd. 3,5 Mio. Euro)
Durch das „Regionalprogramm Indischer Ozean“ (rd. 95 Mio. Euro) wurden
u. a. im regionalen und multilateralen Rahmen einzelne und länderübergreifende
Vorhaben auch außerhalb der Länderschwerpunkte Indonesien und Sri Lanka
unterstützt sowie Beiträge der personellen und zivilgesellschaftlichen
Zusammenarbeit gefördert. Indien und Thailand haben nach dem Tsunami keine bilaterale
Unterstützung nachgefragt. Hier wurden lokale und internationale
Organisationen mit deutschen Mitteln ausgestattet, um dort zu helfen. Auf den Malediven, in
Indonesien, Myanmar, Somalia und Sri Lanka hat die Bundesregierung dazu
beigetragen, Nahrungsmittelhilfe über das Welternährungsprogramm (WEP)
bereitzustellen. Die Programme des Regionalprogramms setzen sich wie folgt
zusammen:
– Beteiligungen an Maßnahmen der Vereinten Nationen (rd. 28 Mio. Euro)
– Vorhaben privater Träger (z. B. Hausbau-, Bildungs-, Betreuungs-,
Sozialwesen- sowie Gesundheitsvorhaben) in Indien, Indonesien und Sri Lanka
(rd. 13 Mio. Euro)
– Beteiligung an einem von der Weltbank verwalteten Multi-Donor-Trust-Fund
zugunsten von Aceh und Nias/Indonesien (rd. 11,3 Mio. Euro)
– Unterstützung von Maßnahmen der Kirchen (rd. 10 Mio. Euro)
– Einsätze von Integrierten Experten über das Centrum für internationale
Migration und Entwicklung (CIM) (rd. 4,3 Mio. Euro)
– Finanzierung von Vorhaben der Internationalen Weiterbildung und
Entwicklung (InWEnt) (rd. 4,1 Mio. Euro)
– Unterstützung von Beratungsmaßnahmen der politischen Stiftungen (rd.
2,3 Mio. Euro)
– Finanzierung von Vorhaben des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED)
(rd. 1,5 Mio. Euro)
– Finanzierung von Vorhaben des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) (rd. 0,2 Mio.
Euro)
– Finanzierung zahlreicher weiterer Nothilfe- und Einzelvorhaben in
verschiedenen Ländern der Region (rd. 20 Mio. Euro)
Beiträge weiterer Bundesressorts (rd. 77 Mio. Euro):
Hierzu siehe Antwort zu Frage 4.
4. Welche Ressorts waren dabei an den entsprechenden Projekten im Rahmen
der Wiederaufbauhilfe in welcher Form beteiligt?
Neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) waren acht weitere Bundesressorts am
Wiederaufbauprogramm der Bundesregierung beteiligt:
– Auswärtiges Amt (AA) (rd. 10,3 Mio. Euro)
Das AA hat Anfang 2006 aus Mitteln zur Krisenprävention einen Beitrag von
1 498 000 Euro für die Unterstützung der Wählerregistrierung in der indone-
Drucksache 17/488 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodesischen Provinz Aceh bereitgestellt. Darüber hinaus hat der Deutsche
Akademische Austauschdienst aus Mitteln des Auswärtigen Amts von 2005 bis
2009 das „Tsunami-Sonderprogramm“ für Indien, Indonesien, Sri Lanka und
Thailand finanziert. Das Programm diente dem akademischen Wiederaufbau
sowie der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Für insgesamt 5 Mio.
Euro wurden mehr als 160 Stipendien vergeben, 19 Workshops und
Sommerschulen gefördert, drei Lektorate sowie eine Kurzzeitdozentur finanziert. Für
humanitäre Hilfsmaßnahmen wurden im gleichen Zeitraum rd. 2,8 Mio. Euro
in von dem Tsunami betroffenen Ländern umgesetzt. Von 2005 bis 2009 hat
das Goethe-Institut mit Mitteln des Auswärtigen Amts in Höhe von 960 000
Euro Projekte vor allem zur Förderung der deutschen Sprache als Aufbauhilfe
für die Tourismusindustrie durchgeführt.
– Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (rd. 49,4 Mio. Euro)
Es wird ein Vorhaben zur Einrichtung von Kernelementen eines Tsunami-
Frühwarnsystems im Indischen Ozean in Partnerschaft mit Indonesien und
weiteren Partnern mit der Laufzeit bis zum 31. März 2010 durchgeführt.
Bisher wurden 45,1 Mio. Euro aus Mitteln der Wiederaufbauhilfe und 4,3 Mio.
Euro aus Mitteln des Einzelplans des BMBF verausgabt.
– Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(BMELV) (rd. 1,2 Mio. Euro)
Der Beitrag bestand in der Förderung des Wiederaufbaus der Infrastruktur im
Fischereibereich in Indonesien über die Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).
– Bundesministerium des Innern (BMI) (rd. 3 Mio. Euro)
Im Geschäftsbereich des BMI leistete das Technische Hilfswerk (THW) nach
dem Seebeben im Indischen Ozean humanitäre Soforthilfe in Thailand, Sri
Lanka, auf den Malediven und in Indonesien.
Im Rahmen des Wiederaufbauprogramms wurden in Indonesien neun und in
Sri Lanka fünf Vorhaben durchgeführt. Sie konzentrierten sich auf die
Instandsetzung zerstörter Wasserversorgungsnetze und auf den Bau von
Krankenhäusern, sozialer Beratungseinrichtungen, Schulen und ganzer Dörfer.
Um die hygienischen Standards dauerhaft zu verbessern, wurden
Dorfbewohner im technischen Umgang mit den Anlagen zur Wasserversorgung sowie im
Bereich der Hygiene und Gesundheitsvorsorge geschult. Durch dieses Wissen
können die Versorgungsnetze bei Bedarf von den Bewohnern selbst instand
gesetzt werden.
– Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
(rd. 2,5 Mio. Euro)
Der Beitrag bestand in der Durchführung folgender Vorhaben:
Finanzierung von zwei Koordinatoren der International Union for
Conservation of Nature (IUCN) in Bangkok und Colombo für die Wiederaufbauhilfe
nach der Flutkatastrophe (346 000 Euro); Promoting End-User Credit for
Solar Energy Technology in Indonesia (500 000 Euro); Umweltgerechte
Entsorgung beim Wiederaufbau und Aufforstung von Küstengebieten in Sri Lanka
(rd. 321 000 Euro); Sustainable Tourism Consulting Unit, United Nations
World Tourism Organization (UNWTO) (rd. 1,33 Mio. Euro); Mangroves for
the Future, IUCN (rd. 62 000 Euro); „Project WATERpps“ der indischen
Organisation Action for Food Production (AFPRO) (rd. 68 000 Euro).
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/488– Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
(rd. 0,9 Mio. Euro)
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat als
Bundesoberbehörde des BMVBS im Rahmen des Vorhabens „Unterstützung des
hydrographischen Dienstes in Sri Lanka (humanitäre Wiederaufbauhilfe nach
der Flutkatastrophe in Südostasien)“ die durch die Tsunami-Katastrophe
entstandenen Geräteverluste des dortigen hydrographischen Dienstes (National
Aquatic Resources Research & Development Agency, NARA) weitestgehend
ersetzt. Dazu wurden der NARA zahlreiche Spezialgeräte übergeben.
– Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) (rd. 13,7 Mio. Euro)
Einsatz des Einsatzgruppenversorgers „Berlin“ mit dem Marine-
Einsatzrettungszentrum an Bord, Einsatz eines Luftlanderettungszentrums an Land,
Bereitstellung von Sanitätsverbrauchsmaterial und weiterer Hilfsgüter,
Beitrag zur Wiederherstellung der Infrastruktur des Krankenhauses in Banda
Aceh, Indonesien, durch Überlassung von Sanitätsmaterial.
– Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) (rd. 0,3 Mio.
Euro)
Unterstützung der Länder Indonesien, Malediven, Sri Lanka und Thailand bei
der Teilnahme an der Internationalen Tourismusbörse (ITB) 2005 in Berlin.
5. Wie wurde gewährleistet, dass die Wiederaufbauhilfe Teil einer kohärenten
Gesamtstrategie für nachhaltige Entwicklung war?
In Sri Lanka wurden die Wiederaufbaumaßnahmen an bereits bestehende
Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit angegliedert. Damit war
sichergestellt, dass die Hilfsmaßnahmen in die zwischen der sri-lankischen und
deutschen Regierung vereinbarten Strategie der Entwicklungszusammenarbeit
in den vereinbarten Sektoren „Konflikttransformation und Armutsminderung“
sowie „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung“ integriert wurden. Weiterhin
wurde eine für die Umsetzung der Tsunamihilfe zuständige Referentenstelle an
der Deutschen Botschaft in Colombo geschaffen. Die zivilgesellschaftliche Hilfe
wurde durch die Einrichtung einer Partnerschaftsinitiative (ebenfalls Deutsche
Botschaft Colombo) unterstützt.
In Indonesien wurde die Wiederaufbauhilfe Teil einer kohärenten
Gesamtstrategie für nachhaltige Entwicklung u. a. durch enge Abstimmung zwischen den
am Wiederaufbauprogramm beteiligten Institutionen und den
entwicklungspolitischen Durchführungsorganisationen gewährleistet. Die rasche Entsendung
eines BMZ-Mitarbeiters an die Außenstelle Banda Aceh der Deutschen
Botschaft Jakarta hat die frühzeitige und direkte Koordinierung und damit die
Kohärenz der Wiederaufbaumaßnahmen im vom Tsunami am schlimmsten
getroffenen Gebiet – Aceh – sichergestellt.
6. Gab es Unregelmäßigkeiten bei der Durchführung von
Umweltverträglichkeitsprüfungen oder strategischen Umweltprüfungen?
Wenn ja, welche?
Der Bundesregierung sind keine Unregelmäßigkeiten bekannt geworden.
7. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass der Wiederaufbau und die
Nutzung der natürlichen Ressourcen umweltverträglicher vonstattengegan-
Drucksache 17/488 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodegen sind und das Resultat umweltverträglicher ist, als es der ursprüngliche
Zustand war?
Wenn ja, an welchen Indikatoren macht die Bundesregierung dieses fest?
Die Nutzung der natürlichen Ressourcen ist umweltverträglich vonstatten
gegangen und das Resultat des Wiederaufbaus fiel umweltverträglicher aus, als es der
Zustand vor dem Tsunami war. Es wurden für den Wiederaufbau moderne und
umweltschonende Materialien verwendet und die Architektur und
Bauausführung von großen Gebäuden nach modernen, umweltverträglichen und
tropenangepassten Erkenntnissen ausgerichtet.
8. Ist mit den bisherigen Maßnahmen zum Aufbau eines deutsch-
indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems aus Sicht der Bundesregierung das Ziel
erreicht worden, dass „die verantwortlichen Organisationen und Menschen
in der Lage sind, technische Signale in Schutzmaßnahmen umzusetzen“ –
wie auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit GmbH (GTZ) als Voraussetzung für ein wirksames
Frühwarnsystem vermerkt?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Erfahrungen mit der Umsetzung in
den drei Pilotgebieten?
In den drei Pilotgebieten wurden erfolgreich Verfahren und angepasste
Technologien zur lokalen Verbreitung von Tsunami-Frühwarnungsmeldungen,
Evakuierungsplänen sowie Materialien und Methoden zur Sensibilisierung und
Information der Bevölkerung gemeinsam mit lokalen Partnern entwickelt und
getestet. Die Erfahrungen aus den Pilotgebieten werden derzeit zur weiteren
Verbreitung auf nationaler Ebene dokumentiert sowie über
Erfahrungsaustauschprogramme in andere Gemeinden transferiert. Um dieses Ziel landesweit zu
erreichen, bedarf es weiterer Initiativen der indonesischen Partner zur Stärkung
lokaler Kapazitäten zur Katastrophenvorsorge.
a) Wenn ja, womit begründet/misst die Bundesregierung diese
Einschätzung?
Die Erfahrungen aus den Pilotregionen sind positiv. In allen drei Pilotregionen
wurden Tsunami-Übungen durchgeführt. Im Rahmen dieser Übungen zeigte
sich, dass die verantwortlichen Organisationen und Menschen in der Lage sind,
technische Signale in Schutzmaßnahmen umzusetzen.
b) Wie sieht das weitere Vorgehen der Bundesregierung beim deutsch-
indonesischen Frühwarnsystem aus?
Welche weiteren deutschen Beiträge sind vorgesehen?
Gemeinsam mit den indonesischen Partnern wird sichergestellt, dass das
Frühwarnsystem kompetent betrieben werden kann. Die Bundesregierung berät die
Verantwortlichen bei der Planung, Organisation und Gründung einer
Betriebsgesellschaft. Es ist geplant, dass die Betriebsgesellschaft 2010/2011 ihre Arbeit
aufnehmen kann.
c) Wenn nein, worin liegen aus Sicht der Bundesregierung die größten
Hindernisse für eine wirkungsvolle Umsetzung des Frühwarnsystems?
entfällt
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/4889. Inwieweit ist bereits ersichtlich, dass die mit dem Frühwarnsystem in den
Pilotregionen gewonnenen Erkenntnisse in nationale Regelungen
eingeflossen sind?
Die in den drei indonesischen Pilotgebieten entwickelten Verfahren und
Technologien des Tsunami-Frühwarnsystems wurden während einer großangelegten
Übung 2009 getestet. Die gemachten Erfahrungen fanden unmittelbaren
Niederschlag in der konzeptionellen und inhaltlichen Ausgestaltung der nationalen
Warnkette, der Warnformate und der Warninhalte. Die indonesische Regierung
hat diese und die Ergebnisse einiger Beratungsmaßnahmen im Rahmen
nationaler Gesetzgebung (hier: „Law of the Republic of Indonesia Number 24 of 2007
Concerning Disaster Management“) sowie durch die Gründung der National
Disaster Management Agency im Jahr 2009 berücksichtigt.
10. Welche messbaren Erfolge hat die – auch mit GTZ-Unterstützung
finanzierte – Öffentlichkeitskampagne in Indonesien erzielt, mit der die
Ausarbeitung von lokalen Katastrophenschutzplänen und die Stärkung von
dezentralen Katastrophenschutzstrukturen gefördert werden sollte?
Nachstehende Erfolge wurden in der Provinz Aceh gemessen und haben als „best
practices“ Auswirkungen auf ganz Indonesien:
– Die für die Erhebung und Bereitstellung von geologischen Informationen
(inkl. Gefährdungsinformationen) zuständige Behörde für Bergbau und
Energie der Provinz Aceh wurde in die Lage versetzt, eigenständig
Sensibilisierungskampagnen zum Thema Georisiken und Katastrophenprävention mit
gemeinsam im Projekt erarbeiteten Modulen zu Tsunami, Erdbeben,
Hangrutschen und Vulkanausbrüchen durchzuführen.
– In Kooperation mit der Schulbehörde und der Behörde für Bergbau und
Energie wurden Georisikeninformationen (fachliches Basiswissen,
Verhaltensweisen im Katastrophenfall) in das Schulcurriculum der Provinz Aceh
integriert.
– Unter der Federführung der Behörde für Bergbau und Energie der Provinz
Aceh und in Kooperation mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten
Nationen (UNDP) wurde ein regelmäßiger „Runder Tisch Georisiken“
eingerichtet, der die relevanten Interessenvertreter (Nutzer und Anbieter von
Georisikeninformationen) zusammenführt. In diesem Forum werden Maßnahmen
zur Verminderung von Georisiken diskutiert und Beratungsleistung für die
Erstellung von Katastrophenschutzplänen erbracht.
– Planer und Entscheidungsträger der Provinz Aceh nutzen einen im Projekt
entwickelten Georisikenatlas Aceh als Entscheidungsgrundlage für die
Verteilung von räumlichen Prioritäten zur Verminderung von Georisiken.
– Georisikeninformationen wurden in den Provinzentwicklungsplan integriert.
Dadurch werden bei der weiteren Entwicklung der Provinz Aceh geologische
Risiken schon bei der Planung berücksichtigt und minimiert.
Im Jahr 2007 wurde das Disaster Management Law No. 24 mit den folgenden
entscheidenden Neuerungen ratifiziert:
– Einrichtung einer „National Disaster Management Agency“,
– Einrichtung von 16 „Regional Disaster Management Agencies“.
Darüber hinaus wurde in vielen Regionen begonnen, regionale Notfallpläne und
Verordnungen auszuarbeiten und einzuüben. Die nationalen Haushaltsmittel für
Katastrophenmanagement sind für das Jahr 2009 signifikant erhöht worden. In
fünf Regionen wurden Tsunami-Übungen durchgeführt. Es wurde eine schnelle
mobile Einheit mit 24-Stunden-Bereitschaft eingerichtet.
Drucksache 17/488 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode11. Wie erfolgreich schätzt die Bundesregierung die Wiederbelebung der
Privatwirtschaft in Sri Lanka ein?
a) Wie wurde die Kooperation mit ortsansässigen Unternehmen
sichergestellt?
Die durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit durchgeführten
Maßnahmen haben nach dem Tsunami einen erheblichen Beitrag zur Wiederbelebung der
Privatwirtschaft geleistet. Durch lokal ausgeschriebene und durchgeführte
Sachbeschaffungen, Bauleistungen und Beratungsleistungen wurde die
Privatwirtschaft gestärkt, gefördert und an internationale Standards herangeführt.
Für das Wohnungsbauprogramm wurden lokale Baustoffe verwendet. Diese
haben die Hausbesitzer selbst bei lokalen Firmen beschafft. Beim Bau der Häuser
wurden lokale Handwerker eingeschaltet. Bei dem Infrastrukturprogramm
Batticaloa profitierten einheimische Firmen von den Maßnahmen, da die Arbeiten
national (nicht international) ausgeschrieben wurden. Über ein Vorhaben zur
Förderung von KKMU wurde ein gezielter Beitrag zur Förderung kleiner
Unternehmen geleistet.
Inwieweit diese Projektergebnisse nach der Beendigung der militärischen
Auseinandersetzungen in den Nord- und Ostgebieten des Landes weiterhin wirksam
sind, kann aktuell nicht belegt werden, da internationale Organisationen (auch
die deutsche Entwicklungszusammenarbeit) nur bedingt oder gar keinen Zugang
zu den ehemaligen Kampfgebieten erhalten. Aktuelle Untersuchungen zum
Entwicklungsstand der Nord- und Ostregionen liegen nicht vor. Die aktuelle
Situation der Privatwirtschaft in den von Tsunami und Bürgerkrieg betroffenen
Gebieten wird allerdings aufgrund der Bürgerkriegsschäden kritisch gesehen.
b) Sind Baustoffe, die für den von der Bundesregierung geleisteten
Wiederaufbau genutzt wurden, durch regionale Wirtschaftskreisläufe
veredelt worden?
Siehe Antwort zu Frage 11a.
c) Wie hoch ist das Kreditvolumen im Kleinkreditwesen, und wie viele
Menschen profitieren hiervon?
Welchen Anteil nehmen dabei weibliche Kreditnehmer ein?
Schätzt die Bundesregierung dieses Programm als erfolgreich ein?
Die Stärkung des Mikrofinanzsektors und insbesondere die Vergabe von
Kleinstkrediten an Frauen gehörten ebenso zum Tsunami-Wiederaufbauprogramm der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit wie die Beratung und Schulung von
mehr als 3 500 Kleinst- und Kleinunternehmen in ihren wirtschaftlichen
Aktivitäten. Im Rahmen des Tsunami-Wohnungsbauprogramms (s. o.) erhielten 6 780
Haushalte über die People’s Bank finanzielle Unterstützung zum
eigenverantwortlichen Wiederaufbau bzw. für die Reparatur ihrer Häuser. Die
Bundesregierung bewertet die von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
durchgeführten Tsunami-Maßnahmen im Bereich Mikrofinanzen als erfolgreich.
Das Kleinkreditwesen für KKMU spielt in Sri Lanka für die Schaffung von
Einkommen und Beschäftigung auch für ärmere Bevölkerungsteile eine wesentliche
Rolle. Allerdings haben Kleinkreditnehmer und -nehmerinnen seit der in 2006
umgesetzten Neuregelung für Sicherheiten bei Darlehensbeträgen von unter 5
Mio. Sri Lanka Rupien (LKR) (ca. 29 400 Euro) einen verschlechterten Zugang
zu Kredit und Finanzdienstleistungen (Banken konnten bis dahin im Verzugsfall
eines Kredites eine hinterlegte – dingliche – Sicherheit veräußern). Diese
Entwicklung stellt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sri-lankische Finanzin-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/488stitute die Kreditvergabe wesentlich an Garantien knüpfen, einen wesentlichen
Einschnitt für KKMU in Sri Lanka dar.
Als Ausgleich sah die sri-lankische Regierung vor, den KKMU-Sektor über zwei
relativ junge staatliche Spezialbanken, die SME-Bank und die Lanka Puthra
Development Bank, mit Hilfe subventionierter Kreditvergabe zu fördern. Die in
2006 etablierte SME-Bank wies jedoch ein knappes Jahr nach ihrer Gründung
schon notleidende Kredite i. H. v. 31 Prozent des Gesamtportfolios auf und stand
kurz darauf vor der Insolvenz. Daraufhin wurden die SME-Bank und die Lanka
Puthra Development Bank Ende 2007 zusammengeschlossen. Diese Bank hat
inzwischen subventionierte Kreditlinien in acht Sektoren aufgelegt. Allerdings
verfügte das Institut bis Mitte 2009 lediglich über sechs Zweigstellen und hat
Kredite in Höhe von nur 14 Mio. Euro ausstehen.
d) In welchem Maße wurden die Projekte durch den Bürgerkrieg in Sri
Lanka negativ beeinflusst?
Infolge der Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen zwischen der
Regierungsarmee und den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) ab Ende
2006 und insbesondere nach der Aufhebung des Waffenstillstandsabkommens
durch die sri-lankische Regierung im Januar 2008 konnten die Tsunami-Projekte
im Norden und Nord-Osten Sri Lankas nur unter größten Schwierigkeiten und
Sicherheitsrisiken zu Ende geführt werden. Die deutschen
Durchführungsorganisationen, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW Entwicklungsbank), waren in den
umkämpften Gebieten im Norden und Osten des Landes massiv in ihrer Arbeit
behindert und konnten die notwendige Hilfe oft nur mit zeitlicher Verzögerung
leisten. Gründe dafür waren u. a. die Schwierigkeit, Baumaterialien in die vom
Bürgerkrieg betroffenen Gebiete zu transportieren, anhaltende Kampfhandlungen
sowie die Sperrung wichtiger Straßen. Zuletzt wurde allen internationalen
Hilfsorganisationen von der sri-lankischen Regierung der Zugang zu den
Nordgebieten des Landes untersagt. Betroffen von den Umsetzungsschwierigkeiten
und von der Eskalation der Gewalt waren neben den bilateral staatlichen
Vorhaben auch nichtstaatliche Hilfsprogramme, wie die Projekte der Tsunami-
Partnerschaftsinitiativen (PI), die maßgeblich aus Spendenmitteln der deutschen
Bevölkerung finanziert wurden. Die 2005 zugesagten Vorhaben des Tsunami-
Programms zur Verbesserung der Lebenssituation der vom Tsunami betroffenen
Bevölkerung wurden dennoch bis Ende 2009 weitgehend planmäßig umgesetzt.
Die Arbeiten an den vom BMVBS geförderten Einrichtungen konnten gerade
rechtzeitig vor dem Wiederaufleben des Bürgerkriegs abgeschlossen werden.
Als Folge des Bürgerkriegs sind seit dem zweiten Halbjahr 2006
Unterbrechungen beim Betrieb der beiden Pegelstationen festzustellen.
Eine für Sri Lanka geplante 2. Tranche von Tsunami-Mitteln in Höhe von 25 Mio.
Euro (20 Mio. Euro Finanzielle Zusammenarbeit, 5 Mio. Euro Technische
Zusammenarbeit) wurde aufgrund der Situation in Vorhaben der Tsunami-
Wiederaufbauprogramme Indonesien (Aceh) und das Regionalprogramm-Tsunami
umgeleitet.
12. In welchem Maße hat die Tourismusbranche von der Wiederaufbauhilfe
profitiert (bitte nach Ländern aufschlüsseln)?
In Indonesien beinhalten die deutschen Beiträge zum Wiederaufbau keine
eigenständigen Tourismusprojekte. Bis zum Tsunami herrschte Bürgerkrieg in Aceh.
Daher bestand nur eine sehr limitierte touristische Infrastruktur, die
hauptsächlich aus einigen Hotels minderen Standards in Banda Aceh und Pulau Weh
bestand. Von „Wiederaufbau“ einer touristischen Infrastruktur kann daher nicht die
Drucksache 17/488 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeRede sein. Auch in Sri Lanka und anderen Ländern war die Tourismusbranche
nicht unmittelbare Zielgruppe des Wiederaufbauprogramms. Durch die
Verbesserung der Infrastruktur und der Förderung der KMU sind allerdings die
Rahmenbedingungen für die Tourismusbranche eindeutig verbessert worden.
13. In welchem Maße hat die ländliche Bevölkerung von der
Wiederaufbauhilfe profitiert (bitte nach Ländern aufschlüsseln)?
Das Aufbauprogramm in Indonesien wurde insbesondere zugunsten der
ländlichen Bevölkerung teilweise auch auf die Ostküste sowie das Hinterland
(Bergdistrikte) ausgeweitet und somit nicht nur auf die vom Tsunami unmittelbar
betroffene Westküste der Insel Sumatra und den vorgelagerten Inseln Nias und
Simeulue konzentriert. Dadurch konnten Ungleichheiten innerhalb der
Bevölkerungsstruktur abgemildert und auch der Friedensprozess nachhaltig unterstützt
werden. Im Hinterland in der Provinz Aceh beinhalteten die
Wiederaufbaumaßnahmen z. B. die Rekultivierung von Kaffee- , Obst- und Gewürzplantagen. Auf
den Inseln Nias und Simeulue wurden Berufs- und Sekundarschulen aufgebaut
und ausgestattet, was der ländlichen Bevölkerung unmittelbar zugute kam. In
den ländlichen Gebieten wurden zahlreiche Gesundheitsstationen
bedarfsgerecht gebaut bzw. rehabilitiert. Ebenso konnte im Bereich Grundwasser
(Wasserqualitätsanalysen) eine hohe Qualität der Versorgung der ländlichen
Bevölkerung mit Trinkwasser in den vom Tsunami betroffenen Bereichen der Distrikte
Aceh Besar, Pidie und Bireuen für ca. 50 000 Einwohner sichergestellt werden.
In Sri Lanka wurden die Maßnahmen in den vom Tsunami am meisten
betroffenen Gebieten an der Ost- und Südküste Sri Lankas durchgeführt. Insbesondere
der Osten zählt zu den ländlicheren Regionen Sri Lankas. Das von der Deutschen
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützte und
durchgeführte Tsunami-Projekt „REPSI“ (Rehabilitierung sozialer Infrastruktur)
arbeitete überwiegend im ländlichen Raum, d. h. nahezu 100 Prozent der
Begünstigten sind der ländlichen Bevölkerung zuzuordnen. Die ländliche Bevölkerung
profitierte vor allem durch verbesserte Infrastruktur, Schaffung von Einkommen,
Schulbau (Ausbildungsverbesserung, Zugang zu Schulen), Konfliktreduzierung
durch Förderung von Minderheiten im Osten, Frauenförderung durch
Ausbildung im Berufsbereich und Verbesserung der Ernährungssituation (Förderung
Milchwirtschaft und Fischerei).
14. Hat die Bundesregierung mittlerweile Informationen über die Verteilung
der insgesamt 670 Mio. Euro privaten Spendengelder?
Wenn ja, wie konnte sichergestellt werden, dass auch diese finanziellen
Mittel Teil einer kohärenten Gesamtstrategie im Rahmen der
Wiederaufbauhilfe waren?
Über die Verteilung und Verwendung privater Spendengelder liegen der
Bundesregierung keine Informationen vor.
15. Welche deutschen Hilfswerke sind derzeit noch vor Ort tätig?
Werden sie auch nach Beendigung der offiziellen Wiederaufbauhilfe ihre
Tätigkeiten vor Ort fortsetzen, und wenn ja, wer koordiniert die Arbeit?
In Indonesien sind nach Kenntnis der Bundesregierung noch vier deutsche
Nichtregierungsorganisationen in Aceh tätig: Caritas international, Deutsche
Welthungerhilfe e. V., Malteser International e. V. und Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Einige Organisationen wollen ihre Tätigkeiten vor Ort noch einige Zeit fortset-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/488zen. Dieses private Engagement wird von der Bundesregierung begrüßt, aber
nicht koordiniert. Nach Beendigung der offiziellen Wiederaufbauhilfe können
weitere förderungswürdige Maßnahmen deutscher privater Träger sinnvoll sein.
Förderanträge liegen derzeit nicht vor.
In Sri Lanka sind nach Kenntnis der Bundesregierung zurzeit folgende deutsche
Hilfsorganisationen tätig: ADRA Deutschland e. V., arche nova e. V., Arbeiter-
Samariter-Bund Deutschland, CARE International Deutschland e. V., Caritas
International, Deutsches Rotes Kreuz, Deutsche Welthungerhilfe e. V., Friends
Kinderhilfe International e. V., Handicap International e. V., Help Deutschland,
Helping Hands, humedica e. V., Kindernothilfe e. V., Malteser International e. V.
Die Träger nehmen an Koordinierungstreffen teil, zu denen die Deutsche
Botschaft in Colombo regelmäßig einlädt.
16. Hat sich die Situation für die einzelnen Tourismusdestinationen in
Südostasien nach nunmehr fünf Jahren Infrastrukturmaßnahmen im Vergleich zur
Situation vor der Naturkatastrophe verbessert, verschlechtert oder ist sie in
einem vergleichbaren Zustand wie vorher?
In den meisten Gebieten hat sich die Situation verbessert. Insbesondere in den
Gebieten, die vom Wiederaufbauprogramm der Bundesregierung abgedeckt
wurden.
a) Wie hat sich der Tourismus in Thailand ab dem Jahr 2004 jährlich
entwickelt?
In Thailand waren hauptsächlich die Küsten der Provinzen Krabi, Phuket und
Pang Nga verwüstet. In diesen Regionen gingen die Touristenzahlen 2005 stark
zurück. Für das gesamte Land war der Rückgang von 11,65 Millionen im Jahr
2004 auf 11,52 Millionen Touristen im Jahr 2005 gering und nur auf das Jahr
2005 beschränkt. Für die Jahre danach gelten folgende Daten: 2006: 13,82
Millionen Touristen, 2007: 14,46 Millionen, 2008: 14,54 Millionen. Für 2009 liegen
noch keine Daten vor.
b) Wie hat sich der Tourismus in Sri Lanka ab dem Jahr 2004 jährlich
entwickelt?
In Sri Lanka haben sich die Touristenzahlen wie folgt entwickelt: 2004: 566 202
Touristen, 2005: 549 308, 2006: 559 603, 2007: 494 008, 2008: 438 475 und
2009 (Januar bis November) 447 890.
c) Wie hat sich der Tourismus auf den Malediven ab dem Jahr 2004
jährlich entwickelt?
Auf den Malediven haben sich die Touristenzahlen wie folgt entwickelt: 2004:
616 716 Touristen, 2005: 395 320, 2006: 601 923, 2007: 675 889, 2008: 683 012
und 2009 (Januar bis November) 590 257.
d) Wie hat sich der deutsche Outgoing-Tourismus ab dem Jahr 2004
jährlich in den einzelnen Ländern entwickelt?
Eine Aufschlüsselung der Touristenzahlen nach Herkunftsländern ist dem
Auswärtigen Amt für ganz Indonesien nicht bekannt. Für Bali, das
Haupttourismusziel in Indonesien, sind die Zahlen wie folgt: 2004: 70 050 Touristen, 2005:
73 998, 2006: 62 568, 2007: 68 135, 2008: 60 287, 2009: 70 049.
Drucksache 17/488 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeFür Thailand gelten folgende Daten: 2004: 455 000 deutsche Touristen, 2005:
442 000, 2006: 516 000, 2007: 545 000 und 2008: 485 000. Für 2009 liegen noch
keine Daten vor.
Für Sri Lanka gelten folgende Daten: 2004: 58 932 deutsche Touristen, 2005:
46 320, 2006: 47 296, 2007: 35 016, 2008: 30 625 und 2009: 29 654.
Für die Malediven gelten folgende Daten:2004: 72 967 deutsche Touristen,
2005: 55 782, 2006: 70 830, 2007: 72,269, 2008: 69,240 und 2009 63 345
(Januar bis November).
17. Wie hat die Bundesregierung die „UNWTO-Beratungsstelle für
biologische Vielfalt und Tourismus für vom Tsunami betroffene Länder“
bislang unterstützt, und wird sie diese Unterstützung fortsetzen?
Die Bundesregierung hat den Aufbau und die Arbeit der „UNWTO-
Beratungsstelle für biologische Vielfalt und Tourismus für die vom Tsunami betroffenen
Länder“ von Oktober 2006 bis Ende Dezember 2009 mit insgesamt 1,33 Mio.
Euro unterstützt. Darüber hinaus wurden für ein Vorhaben zur Verbesserung der
Energieeffizienz in Hotels auf der Insel Kho Khao (Thailand) aus der
Internationalen Klimaschutzinitiative knapp 574 000 Euro zur Verfügung gestellt. Die
Bundesregierung wird die Unterstützung mit dem Ziel fortsetzen, die UNWTO-
Beratungsstelle möglichst dauerhaft und selbsttragend am Standort Bonn zu
etablieren. Die Beratungshilfe soll auf alle UNWTO-Mitgliedstaaten ausgedehnt
werden. Dafür sind 2010 und 2011 jeweils rd. 300 000 Euro aus dem Einzelplan
des BMU vorgesehen.
18. Mit welchen Aufgaben ist die „UNWTO-Beratungsstelle für biologische
Vielfalt und Tourismus für vom Tsunami betroffene Länder“ beauftragt,
und welche Erfolge sind zu verzeichnen?
Zu den wesentlichen Aufgaben der „UNWTO-Beratungsstelle für biologische
Vielfalt und Tourismus für die vom Tsunami betroffenen Länder“ gehören:
– Förderung der touristischen Entwicklung in den vom Tsunami betroffenen
Regionen Thailands und Indonesiens, die den Erhalt der biologischen Vielfalt
und einer darauf beruhenden wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im
Interesse der lokalen Bevölkerung zur Grundlage hat;
– Unterstützung der jeweiligen nationalen und Lokalregierungen sowie
weiterer Interessenvertreter beim Wiederaufbau zerstörter Tourismusinfrastruktur
unter Beachtung der Prinzipien des Übereinkommens über die biologische
Vielfalt (CBD);
– Schaffung von Modellbeispielen für eine nachhaltige touristische
Entwicklung, die auf andere Reiseziele in diesen Ländern und darüber hinaus
übertragbar sind;
– Unterstützung bei der Anwendung der „Richtlinien über die biologische
Vielfalt und Tourismusentwicklung“ des Übereinkommens über die biologische
Vielfalt in diesen Ländern;
– Erarbeitung von Instrumenten für Management, Kommunikation und
Partizipation, die lokale Gemeinschaften befähigen, mit Hilfe ihrer Erfahrung eine
dauerhafte erfolgreiche Tourismusentwicklung in ihrer Region auf den Weg
zu bringen.
Die Arbeit der „UNWTO-Beratungsstelle für biologische Vielfalt und Tourismus
für die vom Tsunami betroffenen Länder“ kann nach dreijähriger Tätigkeit als
Erfolg gewertet werden. So wurden in Thailand und Indonesien gemeinsam mit
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/488den jeweiligen Kommunen Tourismus-Management-Pläne erarbeitet und eine
Reihe von nachhaltigen touristischen Produkten für den nationalen und
internationalen Markt entwickelt, die Touristen die kulturelle und biologische Vielfalt
der Länder näher bringen. In Indonesien ist es auch gelungen, eine Destination
Management Organisation (DMO) für nachhaltige Tourismusentwicklung und
- vermarktung ins Leben zu rufen.
Darüber hinaus wurden zahlreiche für Tourismus Verantwortliche beraten und
im Rahmen des Wissenstransfers Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für lokale
Partner durchgeführt. Die Ergebnisse wurden regelmäßig national und
international kommuniziert. Es ist zudem auch gelungen, die UNWTO-Projekte mit
Aktivitäten z. B. der GTZ bzw. dem World Wide Fund For Nature (WWF), die
vor Ort tätig sind, zu verknüpfen.
19. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die ökologischen
Langzeitschäden des Tsunami 2005 (Korallenriffe, Mangrovenwälder,
Fischbestände)?
Nach dem Tsunami wurden in Indonesien zahlreiche wissenschaftliche Studien
bezüglich der Schäden an den Ökosystemen durchgeführt. Da es sich um sehr
sensible Ökosysteme handelt und der Prozess der Erholung einen äußerst
komplexen und langwierigen Sachverhalt darstellt, sind die Langzeitschäden zu
diesem Zeitpunkt nur bedingt abschätzbar. Insgesamt ist festzuhalten, dass die
Tsunami-Schäden in allen betroffenen Ländern lokal sehr unterschiedlich sind.
Es ist ebenso festzuhalten, dass die von Menschen, z. B. an Korallenriffen
angerichteten Schäden, weitaus größer und nachhaltiger sind als die Tsunami-Schäden.
So wurden die Mangrovenbestände auch vor dem Tsunami Jahrzehntelang
nachhaltig dezimiert. Bezüglich der Fischbestände gibt es keine gesicherten
Informationen, da die Datengrundlage vor und zum Teil auch nach dem Tsunami nicht
ausreicht um entsprechende Interpretationen abzuleiten. Für Sri Lanka und
andere Länder liegen der Bundesregierung keine systematischen Erkenntnisse vor.
Des Weiteren wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 21a und 21b
der Kleinen Anfrage vom 23. Januar 2006 (Bundestagsdrucksache 16/423)
verwiesen.
20. Hat die Bundesregierung die Ausweisung von Schutzgebieten in
ökologisch sensiblen Bereichen unterstützt?
Wenn ja, wo, und in welcher Form?
Im Rahmen der Unterstützung der Provinz- und Distriktraumplanung haben die
Behörden in Indonesien (Natur)Schutzgebiete, insbesondere mit einem
besonderen Fokus auf „Disaster Risk Management“, berücksichtigt bzw. vor dem
Tsunami bestehende Schutzgebiete wieder in die Planung aufgenommen und
entsprechend ausgewiesen. Andere Länder haben die Bundesregierung nicht um
Unterstützung zu diesem Thema in vom Tsunami betroffenen Gebieten gebeten.
21. Welchen Beitrag leistet die Bundesregierung beim Schutz tropischer
Regenwälder und Mangroven in Südostasien, die durch den Tsunami und
den nachfolgenden Holzeinschlag in Mitleidenschaft gezogen wurden?
In Indonesien leistet die Bundesregierung im Rahmen des bilateralen
Abkommens zur wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit aus dem Jahr 1979
Unterstützung zum Schutz von Mangroven (SPICE-Zusammenarbeit = Science for
the Protection of Indonesian Marine Ecosystems) und zum allgemeinen Schutz
von Regenwäldern im Rahmen des Sonderforschungsbereichs STORMA der
Deutschen Forschungsgemeinschaft, unabhängig davon, ob das gewonnene
Wissen für die vom Tsunami betroffenen Gebiete verwandt wird.
Drucksache 17/488 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDarüber hinaus wurde im Rahmen eines Küstenzonenmanagementkonzeptes
eine sektorübergreifende Arbeitsgruppe auf Provinzebene unterstützt sowie in
drei Pilot-Regionen Maßnahmen zu Rehabilitation und Schutz von
Küstenwäldern in enger Kooperation mit der FAO und den indonesischen Universitäten
umgesetzt. Diese Maßnahmen wurden durch Capacity Development bezüglich
Küstenzonenmanagement in den Schulen unterstützt. Bei der Wiederherstellung
von Aquakulturbetrieben (Hauptverursacher der Mangrovenrodungen) standen
nachhaltige Nutzungskonzepte im Vordergrund.
In Sri Lanka wurde im Rahmen des Vorhabens REPSI (Rehabilitierung sozialer
Infrastruktur) in Zusammenarbeit mit dem Hambantota Forest Department ein
Beitrag dazu geleistet, die vom Tsunami zerstörten Mangrovengebiete an der
Südküste zwischen Galagewamulla und Kahandamodara wiederherzustellen.
22. Liegen der Bundesregierung plausible Informationen über die „angeblich
eintretende Walderholung“ vor, mit der eine Ausweitung der
Holzeinschläge von der indonesischen Regierung legitimiert wurde?
Wenn ja, welche?
Der Bundesregierung liegen hierüber keine Informationen vor.
23. Inwieweit konnte das Ziel der Bundesregierung, ökologisch sensible
Räume vor einer Wiederbesiedlung zu schützen, erreicht werden?
Welchen konkreten Beitrag hat die Bundesregierung geleistet?
Über die Wiederbesiedlung ökologisch sensibler Räume liegen der
Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Die deutschen Vorhaben wurden unter Einhaltung
vorgegebener ökologischer und anderer Standards durchgeführt.
24. Konnte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit seit Beantwortung der
letzten Kleinen Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen
wirksamen Beitrag leisten, den Konflikt zwischen Besiedlung in
ökologisch sensiblen Räumen und der Angst der Anwohner vor Verlust von
Landrechten beheben?
Auf die Antwort der Bundesregierung vom 23. Januar 2006
(Bundestagsdrucksache 16/423) zu Frage 23 der Kleinen Anfrage vom 22. Dezember 2005
(Bundestagsdrucksache 16/318) wird verwiesen. Weitere Erkenntnisse konnte die
Bundesregierung in der ihr zur Verfügung stehenden Zeit nicht gewinnen.
25. Sind von der Bundesregierung weitere Wiederaufforstungsprojekte in
Küstennähe geplant?
Wenn ja, wo, und in welchem finanziellen Umfang?
Gegenwärtig sind von der Bundesregierung keine weiteren
Wiederaufforstungsprojekte in Küstennähe geplant.
26. Inwiefern wurde das Ziel erreicht, durch die zentrale Wasserversorgung in
Sri Lanka zur gewünschten Stärkung der Rolle der Frau beizutragen?
Insgesamt haben von der Rehabilitierung der Wasserversorgung rund 40 000
Menschen profitiert. Im Osten des Landes wurden u. a. Infrastrukturmaßnahmen
zur Verbesserung von Straßen und zur Entwässerung der Wohngebiete umge-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/488setzt, die nicht nur der von der Naturkatastrophe betroffenen Bevölkerung zugute
kamen. Von der verbesserten Wasserversorgung haben Männer und Frauen
profitiert. Frauen i. d. R. besonders, da sie in Asien traditionell für die Versorgung
des Haushalts mit Wasser zuständig sind. Hinzu kommt die höhere Qualität des
Wassers gegenüber dem bis dahin genutzten Wasser aus flachen Hausbrunnen.
Das Risiko wasserinduzierter Krankheiten konnte verringert werden.
27. Besäße die Bundesregierung im Falle einer erneuten Katastrophe dieses
Ausmaßes die Möglichkeit, zusätzliche Haushaltsmittel für eine wirksame
deutsche Ersthilfe bereitzustellen?
Der Bundeshaushalt enthält Mittel für Katastrophenfälle. Für die Bekämpfung
von Naturkatastrophen dieses Ausmaßes kann allerdings keine haushaltsmäßige
Vorsorge getroffen werden. Im Falle einer erneuten derartigen Katastrophe
würde die Bundesregierung – soweit erforderlich nach Zustimmung des
Parlaments – alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, um
Haushaltsmittel für eine wirksame Ersthilfe bereitzustellen.
28. Wie bewertet die Bundesregierung aus heutiger Sicht das
zivilgesellschaftliche Engagement von hilfsbereiten Helferinnen und Helfern?
Die Bundesregierung bewertet das zivilgesellschaftliche Engagement von
hilfsbereiten Helferinnen und Helfern als uneingeschränkt sehr positiv. Es ist als
großer Erfolg anzusehen und hat hohe Anerkennung im In- und Ausland gefunden.
29. Wie bewertet die Bundesregierung die Wiederaufbauhilfe insgesamt?
Das Tsunami-Wiederaufbauprogramm der Bundesregierung endet mit einer
Erfolgsbilanz. Der Wiederaufbau ist besonders in der Provinz Aceh/Indonesien
gelungen. Die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft und Deutschlands
haben erhebliche Fortschritte gebracht. Die größten Schäden an der Infrastruktur
sind behoben. Die Armutsquote ist jetzt niedriger als vor dem Tsunami. Auch in
Sri Lanka konnten Dank der guten Koordinierung und dem unermüdlichen
Einsatz von externem und lokalem Projektpersonal trotz der erneuten Eskalation der
militärischen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsarmee und LTTE ab
Ende 2006 die begonnenen Wiederaufbaumaßnahmen im Norden und Nord-
Osten des Landes auch unter größten Schwierigkeiten und Sicherheitsrisiken
erfolgreich zu Ende geführt werden.
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]