[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom
13. Dezember 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/273
19. Wahlperiode 14.12.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Dr. André Hahn,
Niema Movassat, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/134 –
Ergänzende Informationen zur Asylstatistik für das dritte Quartal 2017 –
Schwerpunktfragen zu Dublin-Verfahren
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Bei 7,7 Prozent aller Asylsuchenden stellte das Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (BAMF) im Jahr 2016 ein Rückübernahmeersuchen nach der
Dublin-Verordnung der Europäischen Union (EU; Bundestagsdrucksache
18/11262) – im zweiten Quartal 2017 lag dieser Anteil bei 28,6 Prozent
(Bundestagsdrucksache 18/13428, Antwort zu Frage 1). Übernahmeersuchen
wurden im Jahr 2016 vor allem an Italien gerichtet (23,4 Prozent), danach folgten
Ungarn (21,5 Prozent), Polen und Bulgarien.
In 31 488 Fällen wurde im Jahr 2016 die Zuständigkeit Griechenlands vermutet
und deshalb kein Ersuchen gestellt. Denn wegen der dortigen systemischen
Mängel im Asyl- und Aufnahmesystem gab es seit 2011 einen
Überstellungsstopp, der im März 2017 jedoch endete: Im zweiten Quartal 2017 gab es
155 Rückübernahmeersuchen an Griechenland.
Den insgesamt 55 690 Dublin-Ersuchen im Jahr 2016 standen nur 3 968
tatsächliche Überstellungen gegenüber, das sind gerade einmal 7 Prozent. Gemessen
an den Zustimmungen der anderen EU-Staaten zur Rückübernahme (29 274)
betrug die so genannte Überstellungsquote 13,6 Prozent (in Bezug auf Ungarn
7,8 Prozent; Bundestagsdrucksache 18/11262, Antwort zu Frage 5f). Nicht
selten verhindern Gerichte geplante Überstellungen wegen erheblicher Mängel in
den Asylsystemen anderer Mitgliedstaaten oder aufgrund individueller
Umstände (64,5 Prozent der Rechtsschutzanträge gegen Überstellungen nach
Ungarn waren im Jahr 2016 erfolgreich, in Bezug auf Italien lag die Quote bei
24,6 Prozent; Bundestagsdrucksache 18/11262, Antwort zu Frage 11). Nicht
wenige Schutzsuchende tauchen nach Auffassung der Fragesteller in ihrer Not
eher unter, als sich gegen ihren Willen in ein Land überstellen zu lassen, in dem
sie ein unfaires Asylverfahren, unwürdige Lebensbedingungen, rassistische
Ablehnung, Obdachlosigkeit oder eine Inhaftierung fürchten. Die geringe
Überstellungsquote erklärt sich auch dadurch, dass einzelne Mitgliedstaaten – wie
etwa Ungarn – nur eine bestimmte Zahl von Schutzsuchenden pro Tag aus allen
anderen Dublin-Staaten zurücknehmen. Seit Mitte Mai 2017 gab es keine
Überstellungen nach Ungarn mehr, nachdem die EU-Kommission
Vertragsverletzungsverfahren in Bezug auf die ungarischen Asylbestimmungen eingeleitet
hatte (Bundestagsdrucksache 18/13428, Antwort zu Frage 10). In einer
ergänzenden Beantwortung teilte der Staatssekretär des Bundesministeriums des
Innern Klaus Vitt am 28. September 2017 mit, dass Ungarn noch keine
einzelfallbezogene Zusicherung abgegeben habe, mit der eine Unterbringung und ein
Asylverfahren nach den Anforderungen des EU-Rechts zugesichert worden
wären – das aber macht Deutschland zur Voraussetzung für weitere Überstellungen
nach Ungarn (ebd., Antwort zu Frage 9).
Innerhalb des BAMF wird für Dublin-Verfahren Personal gebunden, das
ansonsten in der regulären Asylprüfung eingesetzt werden könnte: Zuletzt waren
etwa 310 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im BAMF hierfür zuständig
(a. a. O., Antwort zu Frage 16). Dabei ist mit dem Dublin-System für
Deutschland im Ergebnis kaum eine reale Verteilungswirkung verbunden. Während die
immer komplexeren Dublin-Verfahren das BAMF und die Gerichte zunehmend
beschäftigen, bleibt die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland infolge des
Dublin-Systems in etwa gleich: Im zweiten Quartal 2017 standen 1 699
Überstellungen aus Deutschland 1 669 Überstellungen nach Deutschland gegenüber,
im Saldo bedeutet das eine Umverteilung von 30 Personen aus Deutschland im
zweiten Quartal 2017, in dem fast 13 000 Dublin-Verfahren eingeleitet wurden
(Bundestagsdrucksache 18/13428, Antworten zu den Fragen 1 und 6).
1. Wie viele Verfahren im Rahmen der Dublin-Verordnung wurden im dritten
Quartal 2017 bzw. im vorherigen Quartal 2017 eingeleitet (bitte in absoluten
Zahlen und in Prozentzahlen die Relation zu allen Asylerstanträgen sowie
die Quote der auf EURODAC-Treffern [EURODAC: Europäische
Datenbank zur Speicherung von Fingerabdrücken] basierenden Dublin-Verfahren
angeben, bitte auch nach den unterschiedlichen EURODAC-Treffern
differenzieren), und wie viele VIS-Treffer (VIS: Visa-Informationssystem) bei
Asylsuchenden gab es (bitte Gesamtzahl nennen und jeweils nach den fünf
wichtigsten Ausstellungsländern der Visa und Herkunftsländern
differenzieren)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden:
Asylerstanträge
Übernahmeersuchen (ÜE)
an die Mitgliedstaaten
gesamt
Prozentualer Anteil der
ÜE zu den
Asylerstanträgen
Prozentualer Anteil der
ÜE mit EURODAC-
Treffer
2. Quartal 2017 44.560 12.747 28,6 63,1
3. Quartal 2017 48.927 17.772 36,3 63,0
Übernahmeersuchen mit EURODAC-Treffern
2. Quartal 2017 3. Quartal 2017
EURODAC-Treffer gesamt 8.040 11.197
davon EURODAC-Treffer
nach Artikel 9 EURODAC-Verordnung 5.527 7.711
nach Artikel 14 EURODAC-Verordnung 1.689 2.313
nach Artikel 17 EURODAC-Verordnung 824 1.173
Liegen für eine Person mehrere unterschiedliche EURODAC-Treffer vor, werden
vorrangig die gemäß Artikel 9 der EURODAC-Verordnung vorhandenen Treffer
ausgewiesen.
VIS-Treffer im 2. Quartal 2017 VIS-Treffer im 3. Quartal 2017
VIS-Treffer gesamt 3.319 VIS-Treffer gesamt 4.932
davon: davon:
Ausstellendes Land Ausstellendes Land
Deutschland 794 Deutschland 1.487
Frankreich 617 Italien 792
Italien 518 Frankreich 605
Ungarn 210 Griechenland 529
Tschechische Rep. 190 Litauen 237
VIS-Treffer im 2. Quartal 2017 VIS-Treffer im 3. Quartal 2017
VIS-Treffer gesamt 3.319 VIS-Treffer gesamt 4.932
davon: davon:
Herkunftsland Herkunftsland
Iran 630 Syrien 902
Syrien 398 Iran 544
Aserbaidschan 323 Armenien 500
Armenien 251 Türkei 405
Irak 195 Aserbaidschan 380
2. Welches waren in den benannten Zeiträumen die 15 am stärksten betroffenen
Herkunftsländer und welches die 15 am stärksten angefragten
Mitgliedstaaten der Europäischen Union (bitte in absoluten Zahlen und in Prozentzahlen
angeben, sowie in jedem Fall die Zahlen zu Griechenland, Zypern, Malta,
Bulgarien und Ungarn nennen)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden:
2. Quartal 2017 Übernahmeersuchen
Herkunftsländer absolut in Prozent
Irak 1.362 10,7
Syrien 1.261 9,9
Iran 956 7,5
Afghanistan 926 7,3
Russische Föderation 784 6,2
Nigeria 719 5,6
Somalia 658 5,2
Guinea 575 4,5
Aserbaidschan 411 3,2
Gambia 385 3,0
Eritrea 356 2,8
Elfenbeinküste (Côte d‘Ivoire) 346 2,7
Armenien 334 2,6
Pakistan 309 2,4
Marokko 217 1,7
3. Quartal 2017 Übernahmeersuchen
Herkunftsländer absolut in Prozent
Syrien 2.159 12,1
Irak 2.019 11,4
Nigeria 1.350 7,6
Afghanistan 1.268 7,1
Somalia 1.134 6,4
Iran 929 5,2
Russische Föderation 908 5,1
Türkei 569 3,2
Aserbaidschan 555 3,1
Armenien 515 2,9
Guinea 502 2,8
Sudan (ohne Südsudan) 492 2,8
Eritrea 427 2,4
Ungeklärt 398 2,2
Pakistan 374 2,1
2. Quartal 2017 Übernahmeersuchen
ÜE an Mitgliedstaaten absolut in Prozent
Italien 4.214 33,1
Frankreich 1.041 8,2
Polen 859 6,7
Ungarn 754 5,9
Schweden 736 5,8
Bulgarien 652 5,1
Schweiz 561 4,4
Österreich 409 3,2
Dänemark 381 3,0
Finnland 366 2,9
Niederlande 348 2,7
Belgien 310 2,4
Litauen 302 2,4
Norwegen 282 2,2
Spanien 264 2,1
Griechenland 155 1,2
Malta 55 0,4
Zypern 4 0,0
3. Quartal 2017 Übernahmeersuchen
ÜE an Mitgliedstaaten absolut in Prozent
Italien 6.096 34,3
Frankreich 1.262 7,1
Griechenland 1.060 6,0
Bulgarien 1.054 5,9
Schweden 921 5,2
Schweiz 837 4,7
Polen 813 4,6
Spanien 763 4,3
Österreich 548 3,1
Ungarn 544 3,1
Rumänien 528 3,0
Belgien 467 2,6
Niederlande 460 2,6
Norwegen 407 2,3
Dänemark 361 2,0
Malta 87 0,5
Zypern 9 0,1
3. Wie viele Dublin-Entscheidungen mit welchem Ergebnis (Zuständigkeit
eines anderen EU-Mitgliedstaats bzw. der Bundesrepublik Deutschland,
Selbsteintritt, humanitäre Fälle, Familienzusammenführung usw.) gab es in
den benannten Zeiträumen (bitte bei der Zahl der Selbsteintritte auch nach
Mitgliedstaaten der Europäischen Union und den jeweils fünf wichtigsten
Herkunftsländern differenzieren), und wie viele der formellen
Entscheidungen des BAMF waren in den benannten Zeiträumen Dublin-Entscheidungen
(bitte in absoluten und relativen Zahlen angeben)?
Entscheidungen über Dublin-Verfahren werden im Statistiksystem beim BAMF
nach den in den folgenden Tabellen aufgeführten Kategorien erfasst:
2. Quartal
2017
3. Quartal
2017
Ablehnungen durch den
Mitgliedstaat gesamt 2.592 3.831
davon Ablehnungen
nach Artikel 8 Absatz 1 Dublin III 1 5
nach Artikel 8 Absatz 2 Dublin III
nach Artikel 8 Absatz 4 Dublin III 13 15
nach Artikel 9 Dublin III 5 20
nach Artikel 10 Dublin III 5 2
nach Artikel 11 a) Dublin III 22 17
nach Artikel 11 b) Dublin III 2
nach Artikel 16 Absatz 2 Dublin III 1
nach Artikel 17 Absatz 1 Dublin III 14 11
nach Artikel 17 Absatz 2 Dublin III 11 18
nach Artikel 20 Absatz 3 Dublin III
2 6
Zustimmungen des
Mitgliedstaates gesamt 9.073 11.484
davon Zustimmungen
nach Artikel 8 Absatz 1 Dublin III 6 6
nach Artikel 8 Absatz 2 Dublin III 2
nach Artikel 8 Absatz 4 Dublin III 1
nach Artikel 9 Dublin III 1 2
nach Artikel 10 Dublin III 1 2
nach Artikel 11 a) Dublin III 16 7
nach Artikel 11 b) Dublin III 12
nach Artikel 16 Absatz 1 Dublin III 5
nach Artikel 17 Absatz 1 Dublin III 5
nach Artikel 17 Absatz 2 Dublin III 4 12
nach Artikel 20 Absatz 3 Dublin III 5 8
2. Quartal 2017
Selbsteintritte oder faktische Überstellungshindernisse, die zur Durchführung
eines nationalen Verfahrens führen
Mitgliedstaaten Herkunftsländer
Belgien 4 Äthiopien 1
Kamerun 1
Russische Föderation 1
Syrien 1
Bulgarien 48 Irak 28
Syrien 9
Afghanistan 6
Iran 5
Dänemark 3 Iran 2
Afghanistan 1
Estland 1 Russische Föderation 1
Finnland 7 Afghanistan 5
Armenien 1
Marokko 1
Frankreich 10 Georgien 4
Iran 3
Indien 2
Vietnam 1
Griechenland 667 darunter:
Afghanistan 280
Syrien 162
Irak 101
Iran 45
Ungeklärt 23
Vereinigtes Königreich 6 Syrien 3
Afghanistan 1
Iran 1
Nigeria 1
Italien 591 darunter:
Nigeria 143
Armenien 75
Syrien 68
Aserbaidschan 51
Eritrea 41
2. Quartal 2017
Selbsteintritte oder faktische Überstellungshindernisse, die zur Durchführung
eines nationalen Verfahrens führen
Mitgliedstaaten Herkunftsländer
Kroatien 4 Syrien 2
Staatenlos 1
Ungeklärt 1
Lettland 9 Tadschikistan 5
Armenien
4
Litauen 15 Aserbaidschan 7
Weißrussland 6
Armenien 2
Malta 10 Somalia 8
Sri Lanka 2
Niederlande 5 Armenien 3
Eritrea 1
Staatenlos 1
Norwegen 13 Afghanistan 8
Eritrea 2
Pakistan 2
Somalia 1
Österreich 4 Afghanistan 2
Somalia 1
Türkei 1
Polen 43 darunter:
Russische Föderation 26
Ukraine 7
Aserbaidschan 3
Irak 2
Tadschikistan 1
Portugal 7 Angola 7
Rumänien 5 Kosovo 4
Syrien 1
2. Quartal 2017
Selbsteintritte oder faktische Überstellungshindernisse, die zur Durchführung
eines nationalen Verfahrens führen
Mitgliedstaaten Herkunftsländer
Schweden 7 Afghanistan 3
Bangladesch 1
Irak 1
Somalia 1
Syrien 1
Schweiz 7 darunter:
Guinea 2
Afghanistan 1
Äthiopien 1
Eritrea 1
Sri Lanka 1
Spanien 11 darunter:
Syrien 4
Ungeklärt 3
Elfenbeinküste (Côte d‘Ivoire) 1
Liberia 1
Staatenlos 1
Tschechische Republik 23 Armenien 18
Georgien 3
Kirgisistan 1
Russische Föderation 1
Ungarn 59 darunter:
Afghanistan 26
Syrien 13
Irak 11
Aserbaidschan 2
Algerien 2
Zypern 1 Türkei 1
Gesamt 1.560
3. Quartal 2017
Selbsteintritte oder faktische Überstellungshindernisse, die zur Durchführung
eines nationalen Verfahrens führen
Mitgliedstaaten Herkunftsländer
Belgien 15 darunter:
Kosovo 4
Nigeria 3
Somalia 3
Kamerun 2
Syrien 2
Bulgarien 41 Irak 16
Iran 10
Afghanistan 9
Syrien 4
Pakistan 2
Dänemark 9 Iran 8
Afghanistan 1
Finnland 4 Russische Föderation 2
Afghanistan 1
Irak 1
Frankreich 28 darunter:
Iran 13
Russische Föderation 3
Dschibuti 2
Georgien 1
Sudan (ohne Südsudan) 1
Griechenland 247 darunter:
Afghanistan 123
Syrien 34
Armenien 20
Irak 18
Iran 17
Italien 922 darunter:
Syrien 214
Nigeria 211
Irak 95
Iran 48
Somalia 43
3. Quartal 2017
Selbsteintritte oder faktische Überstellungshindernisse, die zur Durchführung
eines nationalen Verfahrens führen
Mitgliedstaaten Herkunftsländer
Kroatien 10 Syrien 7
Iran 1
Kamerun 1
Türkei 1
Lettland 1 Tadschikistan 1
Litauen 4 Tadschikistan 3
Ukraine 1
Malta 3 Somalia 2
Eritrea 1
Niederlande 12 darunter:
Armenien 3
Irak 3
Algerien 1
Ungeklärt 1
Vietnam 1
Norwegen 2 Somalia 1
Afghanistan 1
Österreich 12 Afghanistan 6
Kamerun 2
Nigeria 2
Kosovo 1
Marokko 1
Polen 31 Russische Föderation 21
Irak 5
Armenien 3
Syrien 1
Tadschikistan 1
Portugal 1 Syrien 1
Rumänien 13 Syrien 7
Irak 6
Schweden 15 Äthiopien 7
Somalia 5
Türkei 2
Staatenlos 1
3. Quartal 2017
Selbsteintritte oder faktische Überstellungshindernisse, die zur Durchführung
eines nationalen Verfahrens führen
Mitgliedstaaten Herkunftsländer
Schweiz 2 Äthiopien 1
Eritrea 1
Slowakische Republik 2 Georgien 2
Slowenien 6 Syrien 6
Spanien 5 Ungeklärt 2
Gambia 1
Guinea 1
Vietnam 1
Tschechische Republik 13 Aserbaidschan 9
Kirgisistan 2
Armenien 1
Russische Föderation 1
Ungarn 36 darunter:
Aserbaidschan 13
Afghanistan 12
Syrien 3
Armenien 2
Türkei 2
Gesamt 1.434
Zu den formellen Dublin-Entscheidungen des BAMF wird auf die Antwort zu
Frage 5 verwiesen.
4. Wie viele Überstellungen nach der Dublin-Verordnung wurden in den
benannten Zeiträumen vollzogen (bitte in absoluten Zahlen und in
Prozentzahlen angeben und auch nach den 15 wichtigsten Herkunftsländern und
Mitgliedstaaten der Europäischen Union – in jedem Fall auch Griechenland,
Ungarn, Bulgarien, Zypern und Malta – differenzieren), und wie viele dieser
Personen wurden unter Einschaltung des Bundesamtes, aber ohne
Durchführung eines Asylverfahrens überstellt?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden:
2. Quartal 2017 Überstellungen
Herkunftsländer absolut in Prozent
gesamt 1.699
darunter:
Russische Föderation 229 13,5
Irak 161 9,5
Eritrea 148 8,7
Somalia 88 5,2
Afghanistan 84 4,9
Nigeria 81 4,8
Syrien 76 4,5
Gambia 65 3,8
Guinea 62 3,6
Äthiopien 51 3,0
Aserbaidschan 49 2,9
Ukraine 48 2,8
Iran 41 2,4
Pakistan 41 2,4
Algerien 30 1,8
3. Quartal 2017 Überstellungen
Herkunftsländer absolut in Prozent
gesamt 1.863
darunter:
Irak 197 10,6
Russische Föderation 157 8,4
Eritrea 142 7,6
Nigeria 135 7,2
Somalia 107 5,7
Syrien 107 5,7
Afghanistan 105 5,6
Iran 97 5,2
Aserbaidschan 91 4,9
Guinea 77 4,1
Armenien 51 2,7
Gambia 47 2,5
Algerien 44 2,4
Marokko 37 2,0
Äthiopien 31 1,7
2. Quartal 2017 Überstellungen
an Mitgliedstaaten absolut in Prozent
gesamt 1.699
darunter:
Italien 535 31,5
Polen 288 17,0
Norwegen 103 6,1
Schweden 83 4,9
Österreich 82 4,8
Belgien 76 4,5
Schweiz 73 4,3
Frankreich 70 4,1
Tschechische Republik 62 3,6
Finnland 54 3,2
Spanien 53 3,1
Dänemark 47 2,8
Kroatien 45 2,6
Niederlande 39 2,3
Bulgarien 25 1,5
Malta 3 0,2
Ungarn 2 0,1
Zypern 1 0,1
Griechenland 0 0,0
3. Quartal 2017 Überstellungen
an Mitgliedstaaten absolut in Prozent
gesamt 1.863
darunter:
Italien 598 32,1
Polen 197 10,6
Schweden 158 8,5
Frankreich 139 7,5
Schweiz 114 6,1
Belgien 81 4,3
Tschechische Republik 80 4,3
Österreich 71 3,8
Niederlande 69 3,7
Spanien 65 3,5
Finnland 54 2,9
Dänemark 53 2,8
Norwegen 53 2,8
Portugal 27 1,4
Litauen 25 1,3
Malta 4 0,2
Griechenland 0 0,0
Ungarn 0 0,0
Zypern 0 0,0
Zeitraum Überstellungen ohne Durchführung eines Asylverfahrens
2. Quartal 2017 88
3. Quartal 2017 80
5. Wie viele Asylanträge wurden in den genannten Zeiträumen mit der
Begründung einer Nichtzuständigkeit nach der Dublin-Verordnung als unzulässig
abgelehnt oder eingestellt, ohne dass ein Asylverfahren mit inhaltlicher
Prüfung durchgeführt wurde (bitte in absoluten und relativen Zahlen angeben),
und wie viele Asylanträge wurden als unzulässig erachtet, weil bereits in
einem anderen Land ein Schutzstatus gewährt wurde (bitte in absoluten und
relativen Zahlen angeben)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden, wobei
differenzierte Angaben nach betroffenen Mitgliedstaaten und Staatsangehörigkeit
der Betroffenen nicht vorliegen:
Zeitraum
Entscheidungen insgesamt
davon Dublin-Entscheidungen (Nichtzuständigkeit)
davon unzulässig
(nach § 29 AsylG)
davon
Einstellungen
davon kein weiteres
Verfahren durchzuführen
2. Quartal 2017 186.839 9.646 9.618 18 10
3. Quartal 2017 109.103 11.685 11.648 36 1
Jahr 2016 695.733 19.239 19.142 64 33
Zeitraum Entscheidungen gesamt davon Schutz im Mitgliedstaat
2. Quartal 2017 186.839 1.968
3. Quartal 2017 109.103 2.169
6. Wie viele Übernahmeersuchen, Zustimmungen bzw. Überstellungen (bitte
differenzieren) im Rahmen des Dublin-Systems gab es in den genannten
Zeiträumen durch bzw. an Deutschland (bitte auch nach Ländern
differenzieren und die jeweiligen Überstellungsquoten nennen)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden. Etwaige
Überstellungsquoten ergeben sich aus dem Verhältnis der jeweils erfolgten
Überstellungen zu den jeweiligen Zustimmungen:
2. Quartal 2017
Übernahmeersuchen an
die Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen von
Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen
Zustimmungen
erfolgte
Überstellungen
Übernahmeersuchen
Zustimmungen
erfolgte
Überstellungen
Österreich 409 193 82 433 391 210
Belgien 310 187 76 412 378 79
Bulgarien 652 216 25 17 27 22
Schweiz 561 215 73 298 271 157
Zypern 4 1 1 7 6 12
Tschechische Republik 246 245 62 10 10 1
Dänemark 381 251 47 129 106 77
Estland 60 24 1 1
Spanien 264 165 53 6 7 7
Finnland 366 332 54 13 11 6
2. Quartal 2017
Übernahmeersuchen an
die Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen von
Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen
Zustimmungen
erfolgte
Überstellungen
Übernahmeersuchen
Zustimmungen
erfolgte
Überstellungen
Frankreich 1.041 720 70 2.879 2.052 250
Griechenland 155 2 953 1.782 379
Kroatien 52 43 45 2 2
Ungarn 754 287 2 24 6 8
Irland 10 13 8
Island 10 28 30 9
Italien 4.214 3.947 535 227 207 18
Liechtenstein 2 15 3
Litauen 302 278 17 3 3
Luxemburg 15 7 5 127 129 49
Lettland 124 51 12
Malta 55 34 3 1 1
Niederlande 348 195 39 596 612 221
Norwegen 282 200 103 13 10 12
Polen 859 705 288 8 10 13
Portugal 212 133 14 15 18 3
Rumänien 220 75 17 12 6
Schweden 736 513 83 122 115 95
Slowenien 36 20 7 6 3
Slowakische Republik 46 27 6 4 2
Vereinigtes Königreich 21 7 3 188 150 32
Gesamt 12.747 9.073 1.699 6.569 6.364 1.669
3. Quartal 2017
Übernahmeersuchen an
die Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen von
Mitgliedstaaten
Übernahmeersuchen
Zustimmungen
erfolgte
Überstellungen
Übernahmeersuchen
Zustimmungen
erfolgte
Überstellungen
Österreich 548 278 71 326 284 193
Belgien 467 343 81 289 276 101
Bulgarien 1.054 236 19 24 22 23
Schweiz 837 363 114 298 267 102
Zypern 9 2 7 7 6
Tschechische Republik 215 180 80 11 10 1
Dänemark 361 251 53 114 91 54
Estland 58 39 4 1
Spanien 763 427 65
Finnland 352 307 54 18 13 7
Frankreich 1.262 954 139 2.233 1.537 266
Griechenland 1.060 35 697 1.054 497
Kroatien 79 52 16 6 3 1
Ungarn 544 98 26 44 20
Irland 5 2 14 7
Island 19 13 24 17 20
Italien 6.096 4.909 598 22 30 16
Liechtenstein 1 1 1 2 13 1
Litauen 328 243 25 2 2 2
Luxemburg 23 13 8 106 106 47
Lettland 139 31 6
Malta 87 82 4 2
Niederlande 460 295 69 691 636 194
Norwegen 407 308 53 22 23 15
Polen 813 733 197 18 13 5
Portugal 175 198 27 8 8 1
Rumänien 528 367 8 4 10 8
Schweden 921 639 158 159 155 76
Slowenien 75 36 2 10 8 4
Slowakische Republik 47 28 2 1 1
Vereinigtes Königreich 39 21 11 219 157 14
Gesamt 17.772 11.484 1.863 5.354 4.794 1.676
7. In wie vielen Fällen wurde in den genannten Zeiträumen bei Asylsuchenden
festgestellt, dass Griechenland nach der Dublin-Verordnung zuständig ist
(bitte auch nach den zehn wichtigsten Herkunftsländern differenziert
angeben), wie ist die derzeitige Praxis bei Ersuchen und Überstellungen nach
Griechenland, wie viele schriftliche einzelfallbezogene Zusicherungen der
griechischen Behörden in Bezug auf eine Aufnahme und ein Asylverfahren
nach dem EU-Recht wurden bislang für wie viele Personen ausgesprochen,
wie wird überprüft, ob diese Zusicherungen nach einer Überstellung
eingehalten werden, und wie bewertet die Bundesregierung die bisherigen
Erfahrungen nach Wiederaufnahme der Ersuchen bzw. Überstellungen nach
Griechenland (bitte ausführen)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden:
Feststellung der Zuständigkeit Griechenlands
2. Quartal 2017
Herkunftsländer gesamt 667
darunter:
Afghanistan 280
Syrien 162
Irak 101
Iran 45
Ungeklärt 23
Pakistan 18
Somalia 10
Türkei 7
Äthiopien 3
Marokko 3
Feststellung der Zuständigkeit Griechenlands
3. Quartal 2017
Herkunftsländer gesamt 247
darunter:
Afghanistan 123
Syrien 34
Armenien 20
Irak 18
Iran 17
Ungeklärt 13
Eritrea 4
Marokko 3
Kenia 2
Pakistan 2
Bis zum 30. September 2017 sind von Griechenland für 37 Personen
Zustimmungen nach der Dublin-III-Verordnung verbunden mit einzelfallbezogenen
Zusicherungen eingegangen. Das Bundesamt wird über die Liaisonbeamtin unterrichtet,
falls es zu Problemen bei der Umsetzung der Zusicherung kommen sollte. Dazu
ist bisher nichts bekannt.
8. Wie viele Übernahmeersuchen der griechischen Behörden an Deutschland
im Rahmen der Familienzusammenführungsregelungen nach der Dublin-
Verordnung gab es in den genannten Zeiträumen, wie vielen Ersuchen wurde
stattgegeben, und wie viele Überstellungen von Griechenland nach
Deutschland fanden in diesen Zeiträumen statt?
Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:
Übernahmeersuchen
von Griechenland
Zustimmungen des
BAMF
Überstellungen nach
Deutschland
2. Quartal 2017 953 1.782 379
3. Quartal 2017 697 1.054 497
9. Wie viele Personen, für die das BAMF bereits die Zustimmung zur
Übernahme erklärt hat, warten aktuell in Griechenland noch auf ihre Überstellung
(bitte nach den fünf wichtigsten Herkunftsländern differenzieren und
differenzieren, in welchem Quartal die Zustimmung erfolgte), wie viele
Zustimmungen des BAMF zur Übernahme von Personen aus Griechenland hat es
im Jahr 2016 und im laufenden Jahr 2017 (bitte differenzieren) gegeben, und
wie viele Überstellungen gab es in den entsprechenden Zeiträumen?
Nach Angaben der griechischen Behörden warten aktuell (Abfragestand: 4.
Dezember 2017) rd. 4 500 Personen, für die Deutschland seine Zuständigkeit zur
Durchführung des Asylverfahrens erklärt hat, auf eine Überstellung nach
Deutschland.
Die weiteren Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
2016
1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal
Zustimmungen
des Bundesamtes
24 178 961 1.295
Überstellungen
von Griechenland
65 43 115 481
2017
1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal
Zustimmungen
des Bundesamtes
2.079 1.782 1.054
Überstellungen
von Griechenland
837 379 497
Die Quartalswerte können wegen evtl. nachträglicher Änderungen nicht zu einem
Jahreswert addiert werden.
Zustimmungen des Bundesamtes an Griechenland
2016 01.01.-30.09.2017
Herkunftsländer gesamt 2.483 4.981
darunter:
Syrien 2.117 3.278
Afghanistan 196 792
Irak 108 623
ohne Angabe 118
Ungeklärt 23
Iran 20 41
Überstellungen von Griechenland nach Deutschland
2016 01.01.-30.09.2017
Herkunftsländer gesamt 739 1.885
darunter:
Syrien 564 1.574
Afghanistan 108 163
Irak 38 70
Ungeklärt 18
Iran 8 15
Jemen 5
10. Wie will die Bundesregierung ihre Zusagen, Deutschland würde „mit
Griechenland gemeinsam daran arbeiten, regelmäßige Überstellungen
entsprechend den Vorgaben der Dublin-Verordnung […] zu gewährleisten“ (vgl.
Antwort vom 25. September 2017 auf die Schriftliche Frage 14 der
Abgeordneten Ulla Jelpke auf Bundestagsdrucksache 18/13667) und
Überstellungen aus Griechenland sollten „mittelfristig wieder in der vorgesehenen
sechsmonatigen Frist“ nach der Dublin-Verordnung stattfinden (www.
presseportal.de/pm/58964/3757453), erfüllen, wenn die Zahl der Überstellungen
im September und Oktober 2017 unter 270 lag (
www.noz.de/
deutschlandwelt/politik/artikel/976619/familiennachzug-aus-griechenland-stockt-
immernoch-1), was angesichts einer Zahl von fast 5 000 Zustimmungen des BAMF
zur Übernahme im Jahr 2017, von denen nur 322 umgesetzt wurden (vgl.
Antwort vom 25. September 2017 auf die Schriftliche Frage 14 auf
Bundestagsdrucksache 18/13667), bedeuten würde, dass es rein rechnerisch 17
Monate dauern würde, um allein den Personen, für die bereits eine Zustimmung
vorliegt, eine Zusammenführung mit ihren Familienangehörigen in
Deutschland zu erreichen (bitte nachvollziehbar begründen)?
Deutschland und Griechenland sind weiterhin bemüht, die gegenseitigen
Anstrengungen bei Dublin-Überstellungen zu intensivieren und haben deshalb eine
enge bilaterale Abstimmung und Zusammenarbeit im Migrationsbereich
vereinbart. Darüber hinaus befindet sich die Bundesregierung in stetigem Austausch mit
den Bundesländern, um eine Verbesserung des nationalen Dublin-Verfahrens zu
erreichen. Diese Bemühungen haben bereits dazu geführt, dass die
Überstellungszahlen von Griechenland nach Deutschland in den vergangenen Monaten
sukzessive erheblich erhöht werden konnten. So wurden im November 2017 insgesamt
558 Personen von Griechenland nach Deutschland im Rahmen des Dublin-
Verfahrens überstellt.
11. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragestellerinnen und
Fragesteller, dass die Erfüllung von Vorgaben im EU-Recht, hier konkret die
sechsmonatige Frist für Überstellungen nach der Dublin-Verordnung, nicht
davon abhängig gemacht werden kann, ob „Feriensaison“ ist, weil dann
„weniger freie Flugplätze, die für Überstellungen genutzt werden könnten, zur
Verfügung [stehen], da diese durch Touristen besetzt werden“ (so aber der
Parlamentarische Staatssekretär Dr. Günter Krings in einer Antwort vom
19. Oktober 2017 auf eine Beschwerde der Abgeordneten Ulla Jelpke), und
warum werden zur Auflösung des Staus bei Überstellungen aus
Griechenland und zur versprochenen Einhaltung der Sechsmonatsfrist nicht erneut
Chartermaschinen eingesetzt, worauf die Bundesregierung noch im Mai
2017 eigens hingewiesen hatte (vgl. Bundestagsdrucksache 18/12441,
Antwort zu Frage 15), und obwohl Chartermaschinen regelmäßig auch für
Abschiebungen eingesetzt werden (bitte nachvollziehbar begründen)?
In der Antwort vom 19. Oktober 2017 hat der Parlamentarische Staatssekretär
beim Bundesminister des Innern Dr. Günter Krings lediglich darauf hingewiesen,
dass die schwankenden Überstellungszahlen teilweise auf objektive Umstände
zurückzuführen sind, auf die die Bundesregierung keinen Einfluss hat. Im
Übrigen werden seit der Durchführung der Relocation-Beschlüsse die Kapazitäten zur
Abfertigung größerer Chartermaschinen erheblich durch die Relocation-Flüge in
Anspruch genommen. Auch Chartermaßnahmen verringern den
organisatorischen Aufwand bei den Mitgliedstaaten, Bund und Ländern nicht zwingend und
benötigen ebenfalls einen hohen organisatorischen Vorlauf und eine enge
Abstimmung mit dem betreffenden Mitgliedstaat. Zur Durchführung einer
Chartermaßnahme ist eine aufwändige Koordination mit dem BAMF, der BPOL und den
Bundesländern erforderlich, da unter anderem Transport- und
Unterbringungsmöglichkeiten in der Erstaufnahmeeinrichtung, ärztliche Versorgung,
Registrierung und ggf. jugendamtliche Betreuung unmittelbar für eine große Anzahl von
Personen sichergestellt werden muss.
12. Inwieweit hat sich die Bundesregierung gegenüber den griechischen
Behörden bzw. dem griechischen Staat dafür eingesetzt, dass freiwillige
Überstellungen von Griechenland nach Deutschland in Eigeninitiative der
Betroffenen (wieder) möglich werden, etwa durch Ausstellung entsprechender
Ausweisdokumente (laissez-passers; vgl. Plenarprotokoll 18/236, S. 23961,
Anlage 6, bitte entsprechende Initiativen mit Datum auflisten), und wenn nicht,
warum nicht (bitte begründen)?
Die Bundesregierung setzt sich grundsätzlich nicht gegenüber anderen
Mitgliedstaaten für eine bestimmte Überstellungsart ein. Welche Art der Überstellung
i. S. d. Artikels 7 Absatz 1 der Durchführungsverordnung (EU) 118/2014 gewählt
wird, liegt nicht im Ermessen des Zielstaates.
13. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass der „Frankfurter Allgemeinen
Zeitung“ (
www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesinnenministerium-keine-
drosselung-von-familiennachzug-15284821.html) ein Schreiben eines
Mitarbeiters aus dem BAMF vorliegt, wonach in einem konkreten Fall einer
beabsichtigten Übernahme von Verwandten aus Griechenland das BAMF
nichts mehr tun könne, weil „das Kontingent [...] bei 70 Personen im Monat“
liege und „Kranke z. B. suizidale Personen [...] bevorzugt“ würden – was
den mehrfachen Erklärungen der Bundesregierung, eine solche Deckelung
der Überstellungen auf 70 Personen im Monat habe es nicht gegeben,
widerspricht – (tatsächlich gab es keinen Rückgang der Überstellungen auf 70,
sondern auf 82 Personen im Mai 2017 – dennoch kann es die Absicht
gegeben haben, die Überstellungen auf 70 Personen im Monat zu begrenzen)?
Die Unterschiede hinsichtlich der monatlichen Überstellungszahlen lassen sich
auf schwankenden Kapazitäten, auch auf griechischer Seite zurückführen. Die
schwankenden Überstellungszahlen sind hingegen nicht auf eine vereinbarte,
zahlenmäßige Begrenzung zurückzuführen. Im Übrigen kommen instabile
Überstellungszahlen aufgrund schwankender Kapazitäten auch bei Überstellungen
zwischen anderen Mitgliedstaaten vor.
14. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Stand der durch die EU-
Kommission eingeleiteten asylrechtlichen Vertragsverletzungsverfahren
gegen Ungarn, hat es inzwischen eine Überstellung nach Ungarn gegeben,
nachdem dies seit Mai 2017 nicht mehr der Fall war (vgl.
Bundestagsdrucksache 18/13428, Antwort zu Frage 10), liegen inzwischen
einzelfallbezogene Zusicherungen Ungarns über eine EU-rechtskonforme Behandlung
überstellter Asylsuchender vor, wie bewertet es die Bundesregierung, dass
nach Auskunft des Staatssekretärs Klaus Vitt vom 28. September 2017 an
die Abgeordnete Ulla Jelpke Ungarn noch keine solche einzelfallbezogene
Zusicherung abgegeben hat, und wie will die Bundesregierung kontrollieren,
ob Ungarn solche Zusicherungen in der Praxis auch einhält (etwa, ob
Personen nach einer Überstellung inhaftiert werden, ob sie Zugang zu einem fairen
Asylverfahren erhalten oder ohne Prüfung nach Serbien abgeschoben
werden, das von Ungarn als sicherer Drittstaat erachtet wird usw.)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung dauert das durch die Europäische
Kommission eingeleitete asylrechtsbezogene Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn
an. Es gab seit der Mitteilung der Europäischen Kommission am 17. Mai 2017
über weitere Maßnahmen gegenüber Ungarn keine Überstellungen nach Ungarn.
Bislang hat Ungarn noch keine einzelfallbezogene Zusicherung über die
Unterbringung gemäß der Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU und die Durchführung des
Asylverfahrens nach Maßgabe der Asylverfahrensrichtlinie 2013/32/EU erteilt.
Die Kontrolle der Einhaltung der europäischen Verträge ist in erster Linie
Aufgabe der Europäischen Kommission als „Hüterin der Verträge“.
15. Hat die Bundesregierung immer noch „deutliche Zweifel“ daran, ob die
verschärfte ungarische Asylgesetzgebung „überhaupt mit EU- und
internationalem Recht in Einklang zu bringen ist“ (Einschätzung von Staatsminister
Michael Roth vom 11. April 2017, vgl. Antwort zu Frage 3 auf
Bundestagsdrucksache 18/12622), und worin sieht die Bundesregierung diese Mängel?
Auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 1 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/12622 vom 30. Mai 2017 wird
verwiesen. Des Weiteren verweist die Bundesregierung auf das laufende, von der
Europäischen Kommission eingeleitete asylrechtsbezogene
Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn.
16. Ist die nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller ausweichende
und allgemein gehaltene Antwort der Bundesregierung zu Frage 12 auf
Bundestagsdrucksache 18/13428, der sie auch auf Nachfrage nichts hinzufügen
wollte (vgl. Schreiben des Staatssekretärs Klaus Vitt vom 28. September
2017 an die Abgeordnete Ulla Jelpke), so zu verstehen, dass die
Bundesregierung und die Bundeskanzlerin dem ungarischen Ministerpräsidenten
Viktor Orban niemals unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass
sie ihm nicht dankbar dafür sind, was er an der Grenze macht (Nachfrage zur
Antwort auf Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 18/12622), obwohl dieser
nach einer Meldung von „dpa“ vom 7. Juli 2017 öffentlich erklärte, es sei
„ein Gemeinplatz“ in Europa, dass Ungarns Migrationspolitik richtig sei und
fast jeder EU-Regierungschef dies unter vier Augen zugebe (bitte
ausführen)?
Aus Sicht der Bundesregierung ist der Antwort der Bundesregierung zu Frage 12
der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache
18/13428 vom 28. August 2017 nichts hinzuzufügen.
17. Ist die nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller ausweichende
und allgemein gehaltene Antwort der Bundesregierung zu Frage 13 auf
Bundestagsdrucksache 18/13428, der sie auch auf Nachfrage nichts hinzufügen
wollte (vgl. Schreiben des Staatssekretärs Klaus Vitt vom 28. September
2017 an die Abgeordnete Ulla Jelpke), so zu verstehen, dass die
systematischen Misshandlungen von Schutzsuchenden an den ungarischen Grenzen
der Bundesregierung zwar bekannt sind, sie diese aber niemals in den EU-
Gremien thematisiert hat, weil auch sonst niemand dieses Thema auf die
Tagesordnung von EU-Gremien gesetzt hat (bitte ausführen)?
Nein.
18. Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen zur Reform der Dublin-
Verordnung (bitte ausführen), und welche grundlegenden Positionen und
Forderungen vertritt die Bundesregierung dabei (bitte so genau wie möglich
darlegen)?
Zur inhaltlichen Positionierung in laufenden Verhandlungen erteilt die
Bundesregierung grundsätzlich keine Auskunft über die übliche Berichterstattung hinaus.
19. Wie beurteilt die Bundesregierung die Kritik von Fachverbänden (Amnesty
International, AWO – Arbeiterwohlfahrt – Bundesverband e. V., Diakonie
Deutschland – Evangelischer Bundesverband, Evangelisches Werk für
Diakonie und Entwicklung e. V., Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband –
Gesamtverband e. V., Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland, Neue
Richtervereinigung – Zusammenschluss von Richterinnen und Richtern,
Staatsanwältinnen und Staatsanwälten e. V., Förderverein PRO ASYL e. V.:
www.proasyl.de/news/fuer-den-fortbestand-des-zugangs-zum-
individuellenasylrecht/), wonach insbesondere durch die geplanten Änderungen bei der
Dublin-Verordnung (z. B. vorgeschaltete Zulässigkeitsprüfungen und
erleichterte Verweise auf sichere Drittstaaten, Wegfall einer Zuständigkeit
durch Fristablauf nach sechs Monaten und drastische Sanktionen bei
unerwünschter Sekundärmigration) ein „gravierender Systemwechsel“ und eine
Umgestaltung des europäischen Asylsystems drohten, die zu einer
„Auslagerung des Flüchtlingsschutzes in die ohnehin schon überlasteten Krisen-
und Transitstaaten führen“ könnten (bitte begründen)?
Die Bundesregierung nimmt die Stellungnahme der Fachverbände zur Kenntnis.
Im Übrigen erteilt die Bundesregierung zu laufenden Verhandlungen keine
Auskunft.
20. Inwieweit teilt die Bundesregierung die vom bayerischen
Ministerpräsidenten auf einer Pressekonferenz vom 9. Oktober 2017 zur Einigung der CDU
und CSU zu einem „Regelwerk zur Migration“ geäußerte Auffassung, dass
Zurückweisungen von Schutzsuchenden an den Grenzen eine komplizierte
Sache seien und überdies Änderungen der Dublin-Verordnung voraussetzten
(bitte insbesondere darlegen, inwieweit auch die Bundesregierung
Änderungen der Dublin-Verordnung für erforderlich hält, um direkte
Zurückweisungen an den EU-Binnengrenzen vornehmen zu können, und wenn ja, in
welchem Punkt)?
Die Bundesregierung hat ihre Auffassung über Zurückweisungen an den Grenzen
bereits im Rahmen ihrer Antwort zu Frage 1 der Kleinen Anfrage der Fraktion
DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/9634 vom 15. September 2016 und
zuletzt in ihrer Antwort zu Frage 16 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE
LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/13428 vom 28. August 2017 dargelegt.
An der Auffassung der Bundesregierung hat sich nichts geändert. Zur inhaltlichen
Positionierung in laufenden Verhandlungen erteilt die Bundesregierung
grundsätzlich keine Auskunft.
21. Wie viele Personen sind aktuell mit „Dublin-Verfahren“ im BAMF befasst
bzw. in der Gruppe DU „Dublinverfahren“ tätig (bitte nach genauer Tätigkeit
und jeweiliger Stellenzahl auflisten), und welche diesbezüglichen Planungen
gibt es?
In der Dublin-Gruppe des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
sind Personen im Umfang von 315,9 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) beschäftigt
(Stand: November 2017); hiervon sind 9,7 VZÄ im höheren Dienst, 181,5 VZÄ
im gehobenen Dienst und 124,7 VZÄ im mittleren Dienst tätig.
22. In wie vielen Fällen haben die Bundespolizei bzw. das BAMF in diesem
bzw. im vorherigen Jahr Haft zur Sicherstellung eines Dublin-Verfahrens
beantragt, in wie vielen Fällen wurde dem Antrag stattgegeben, wie viele
Personen kamen entsprechend in Haft, wie viele wurden aus der Haft heraus
überstellt (bitte jeweils nach Quartalen und nach den zehn wichtigsten
Staatsangehörigkeiten auflisten), falls keine entsprechenden Statistiken
geführt werden, warum nicht, und wie lauten zumindest entsprechende
Schätzwerte fachkundiger Bundesbediensteter?
Zur Optimierung des Gesamtverfahrens der Bundespolizei erfolgte seitens des
Bundespolizeipräsidiums lediglich für den Zeitraum vom 1. Februar bis 31. Juli
2017 eine Sondererhebung über die Anzahl der beantragten und angeordneten
Überstellungshaftfälle. Diese Sondererhebung erfolgte manuell außerhalb des
qualitätsgesicherten Verfahrens der polizeilichen Eingangsstatistik und unterliegt
somit hinsichtlich ihrer Aussagekraft und Belastbarkeit Einschränkungen. Nach
dieser vorübergehenden Sondererhebung beantragten die Dienststellen der
Bundespolizei im oben genannten Zeitraum in 364 Fällen Überstellungshaft,
woraufhin diese in 344 Fällen durch die zuständigen Amtsgerichte angeordnet und in
20 Fällen abgelehnt worden ist.
Darüber hinaus führt die Bundespolizei keine Statistiken im Sinne der
Fragestellung.
23. Wie wird ganz konkret gewährleistet, dass Asylsuchende, die zur
Durchführung eines Dublin-Verfahrens an der Grenze in Sicherungshaft genommen
werden, einen Fachanwalt oder eine Fachanwältin konsultieren und
beauftragen können (gibt es z. B. entsprechende Informationsblätter in den
wichtigsten Herkunftssprachen, gibt es Telefonlisten mit entsprechenden
Fachanwältinnen und Fachanwälten, die örtlich in der Nähe sind, usw.)?
Sofern die Fragesteller davon ausgehen, dass eine Person allein deshalb inhaftiert
werden darf, weil sie einem Dublin-Verfahren unterliegt, ist dies unzutreffend.
Durch die Bundespolizei erfolgen im Rahmen der Bearbeitung von Vorgängen
der unerlaubten Einreise Belehrungen auf Grundlage der Strafprozessordnung.
Hierzu gehört auch der Hinweis auf die Möglichkeit der Hinzuziehung eines
Rechtsbeistandes. Das entsprechende Belehrungsformular liegt in über 50
Sprachen vor. Im Rahmen der Anordnung von Überstellungshaft besteht keine
gesonderte gesetzliche Belehrungsverpflichtung seitens der Bundespolizei. Die im
Zusammenhang mit der Durchführung des gerichtlichen Verfahrens vorgesehenen
Belehrungen erfolgen durch das Gericht.
24. Welche konkreten Konsequenzen wurden im BAMF daraus gezogen, dass
ein afghanischer Asylsuchender rechtswidrig nach Bulgarien überstellt und
von dort direkt nach Afghanistan zurückgeflogen wurde, und dieser nach einer
gerichtlichen Anordnung nun zurück nach Deutschland geholt werden muss
(vgl.
www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/972981/
bundesregierungraeumt-panne-bei-asylverfahren-ein), inwieweit ergeben sich hieraus
generelle Zweifel am Umgang bulgarischer Behörden mit überstellten
Asylsuchenden entsprechend den Vorgaben des EU-Rechts, und inwieweit
beabsichtigt die Bundesregierung nach diesem Vorfall eine ähnliche
Vorgehensweise in Bezug auf Bulgarien wie in Bezug auf Ungarn (Überstellung nur
nach vorheriger Zusicherung im Einzelfall)?
Das BAMF hat in das Regelverfahren zusätzliche Kontrollmaßnahmen eingefügt,
damit ein späte Mitteilung des Gerichts über den Eingang einer Klage bzw. eines
Antrags auf einstweiligen Rechtsschutz oder eine Entscheidung über die
aufschiebende Wirkung der Klage bei einer bereits terminierten Überstellung
Berücksichtigung findet. Die Bundesregierung geht im Falle Bulgariens gegenwärtig nicht
vom Vorliegen systemischer Mängel aus, die eine vollständige Aussetzung von
Dublin-Rücküberstellungen oder individuelle Zusicherungen erforderlich
machen würden. Nicht von jedem Einzelfall kann auf systemische Mängel
geschlossen werden.
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