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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Bildung und Wissenschaftliche Forschung zum Holocaust und dem deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa durch das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam

Forschungen, eigenständige Schriften und Werke externer Autoren der letzten 10 Jahre, Stellenwert im Gesamtprogramm, eigenständige Schriften u.a. betr. paramilitärische Organisationen, Kommissarbefehl, Täterforschung, Besatzung in Osteuropa, Wehrmachtsausstellung, Rolle der Wehrmacht sowie sowjetische Kriegsgefangene, Bildungsangebote, Anteil der Region Osteuropa und des Zweiten Weltkriegs am Bildungs- und Forschungsprogramm, Kooperationsvereinbarungen mit Forschungseinrichtungen, Evaluation, neue Forschungs- und Bildungsprojekte, Personalrekrutierung<br /> (insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

12.01.2018

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/21107.12.2017

Bildung und wissenschaftliche Forschung zum Holocaust und dem deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa durch das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam

der Abgeordneten Brigitte Freihold, Nicole Gohlke, Dr. Petra Sitte, Simone Barrientos, Christine Buchholz, Dr. Diether Dehm, Andrej Hunko, Jan Korte, Dr. Alexander S. Neu, Sören Pellmann, Tobias Pflüger, Eva-Maria Elisabeth Schreiber, Helin Evrim Sommer, Alexander Ulrich, Katrin Vogler, Katrin Werner und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam (ZMSBw) vereinigt die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung der Bundeswehr. Interdisziplinär wird dort zu zentralen Problemstellungen der heutigen Streitkräfte geforscht, die sich aus Gegenwart und Geschichte ergeben.

Die daraus entstehenden Veröffentlichungen richten sich einerseits an ein Fachpublikum und werden andererseits im Rahmen eines breiten Veröffentlichungs- und Publikationsprogramms an deutsche Soldaten und Offiziere vermittelt. Eine kritische Aufarbeitung der NS-Geschichte, des Holocaust und des deutschen Vernichtungskrieges in Osteuropa und der Rolle der Wehrmacht, namentlich auch deren Nachwirkungen und Kontinuitäten in der Bundesrepublik Deutschland, ist nach Auffassung der Fragesteller auch vor dem Hintergrund der Debatte um Leitbilder und Traditionen der Bundeswehr von enormer Bedeutung. Berichte über rechtsextreme Vorfälle oder die Festnahme eines Oberleutnants der Bundeswehr aus Offenbach, der im Verdacht stand, einen Terroranschlag geplant zu haben, belegen nach Auffassung der Fragesteller eindrücklich die Notwendigkeit intensiver Bildungs- und Forschungsmaßnahmen zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges.

Ein wesentlicher Aufgabenbereich der militärhistorischen Forschung sind die Herausforderungen, denen sich die Bundeswehr aufgrund der Geschichte von Wehrmacht, Waffen-SS und paramilitärischen Organisationen wie der SS und deren Anteil am Holocaust und den Verbrechen des Nationalsozialismus stellen muss. Das ZMSBw hat dazu zuletzt 2008 seine auch ins Englische übersetzte Reihe „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“ abgeschlossen, dessen erste Bände bereits 1979 erschienen. Dank einer entsprechenden Finanzierung konnte nach Kenntnis der Fragesteller zudem in den letzten beiden Jahren qualifiziertes Personal eingestellt werden, das sich insbesondere durch Forschungen zur Westfront des Zweiten Weltkrieges hervorgetan hat.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen15

1

Welche Forschungen zum Holocaust sowie zum Zweiten Weltkrieg in Osteuropa wurden in den letzten zehn Jahren am ZMSBw durchgeführt, und wie viele eigenständige Schriften entstanden dabei (bitte nach Monographien und Sammelbänden inklusive thematischem Zusammenhang, wie Schriften zur Kolonialkriegführung; Schriften zum Ersten Weltkrieg; Schriften zur Reichswehr; Schriften zur Wehrmacht und zum Zweiten Weltkrieg im Westen; Schriften zum Zweiten Weltkrieg im Osten und zum Holocaust; Schriften zur Bundeswehr und zur Nationalen Volksarmee aufschlüsseln)?

1

Welche Schriften entstanden innerhalb des ZMSBw, und welche Schriften externer Autoren konnten ins Verlagsprogramm aufgenommen werden?

1

Welchen Stellenwert haben diese Schriften im Gesamtprogramm des ZMSBw gegenüber der Erforschung der Periode nach 1945?

1

Welchen Stellenwert haben die Forschungen und Veröffentlichungen zu Holocaust und Zweiten Weltkrieg im Gesamtprogramm des ZMSBw gegenüber der Erforschung der Periode nach 1945?

2

Welche eigenständigen Schriften und welche anderen Forschungsvorhaben hat das ZMSBw zur Geschichte von (para)militärischen Organisationen des Dritten Reichs jenseits der Wehrmacht – wie SS und Waffen-SS – erarbeitet, und inwiefern beschäftigt sich das ZMSBw mit diesen Organisationen und Einheiten?

3

Welche eigenständigen Schriften hat das ZMSBw in den letzten zehn Jahren zu den Themen um den Kommissarbefehl, Täterforschung, Besatzung in Osteuropa, die „Wehrmachtsausstellung“, die Rolle der Wehrmacht im Holocaust, bei der Hungerpolitik in der Sowjetunion sowie gegen sowjetische Kriegsgefangene erarbeitet?

4

Wie werden die in der Frage 3 genannten Themen in den Bildungsangeboten für Bundeswehrangehörige inhaltlich umgesetzt?

5

Welche Forschungs- und Bildungsangebote gibt es am ZMSBw speziell zum Holocaust und zu den deutschen Kriegsverbrechen in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg?

6

Welchen Anteil hat die Region Osteuropa und die Epoche des Zweiten Weltkrieges am Bildungs- und Forschungsprogramm des ZMSBw, und wie drückt sich dieser Anteil in der Personalplanung, namentlich im Verhältnis zum Gesamtpersonal, das explizit der Erforschung der Region und dieser Epoche zugeordnet sind, nieder?

7

Wie ist das ZMSBw innerhalb der Forschungslandschaft bundesweit (z. B. Leibniz-Gemeinschaft, Universitäten und außeruniversitäre Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen) und international auf dem Wege formaler, institutionalisierter Kooperationsvereinbarungen vernetzt?

8

Welche Zusammenarbeit pflegt das ZMSBw allgemein und speziell im Hinblick auf die Forschung zu Zweitem Weltkrieg und Holocaust mit Institutionen der NATO-Partnerländer in Osteuropa?

9

Welche konkreten Evaluationsformen werden für die wissenschaftliche Qualitätssicherung des ZMSBw angewendet, z. B. durch einen wissenschaftlichen Beirat, regelmäßige Evaluationen oder externes Peer Review?

10

Wie identifiziert und entwickelt das ZMSBw neue Forschungs- und Bildungsprojekte, und wie rekrutiert es dafür Personal inner- und außerhalb der Bundeswehr?

11

Welche Bildungs- und Forschungsprojekte hat das ZMSBw anlässlich des Jahrestages des Beginns der so genannten Aktion Reinhardt, bei der zwischen März 1942 und November 1943 in dafür errichteten deutschen Vernichtungslagern Treblinka, Bełżec und Sobibor planmäßig über zwei Millionen polnische Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma durch Deutsche ermordet wurden, aufgelegt?

12

Mit welchen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Einrichtungen bzw. Ministerien der Republik Polen, dem Königreich der Niederlande, der Slowakischen Republik, dem Staat Israel sowie der Russischen Föderation pflegt das ZMSBw im Zusammenhang mit Bildungs- und Forschungsprojekten zur Aufarbeitung des Holocaust und der deutschen Verantwortung für den industriellen Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden, Kooperationsprojekte (bitte nach beteiligter Einrichtung, Thema und jeweiligem Budget aufschlüsseln)?

Berlin, den 30. November 2017

Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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