Förderung von Open Access in der Wissenschaft und Umsetzung der Open-Access-Strategie des Bundeministeriums für Bildung und Forschung
der Abgeordneten Dr. Petra Sitte, Simone Barrientos, Anke Domscheit-Berg, Brigitte Freihold, Nicole Gohlke, Sören Pellmann und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Unter dem Begriff „Open Access“ wird der freie Zugang – im Sinne einer allgemeinzugänglichen Onlinepublikation und der freien Nachnutzbarkeit – zu wissenschaftlichen Dokumenten verstanden. Dieses Modell, das die Möglichkeiten digitaler Technik nutzt, um die für die Wissenschaft zentralen Aspekte der Öffentlichkeit und des freien Informationsaustauschs zu stärken, hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, ausgehend insbesondere von der Budapester Erklärung von 2002 und der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von 2003 (http://irights-media.de/webbooks/ dasnetz1314/chapter/open-access-zehn-jahre-nach-der-berliner-erklarung/). Unterschieden wird zwischen dem „Goldenen Weg“ der Primärpublikation im Rahmen von Open Access, etwa in einer Open-Access-Zeitschrift, und dem „Grünen Weg“ der offenen Parallelpublikation neben einer Veröffentlichung auf dem klassischen Publikationsweg (https://open-access.net/informationen-zu-open- access/open-access-strategien/). Seit 2014 ist im Urheberrecht ein Zweitveröffentlichungsrecht verankert, das solche Veröffentlichungen bei öffentlich geförderten Vorhaben nach einer Frist ermöglichen soll; dies gilt aber nur für die institutionell geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Projektförderung, nicht für die grundfinanzierte Hochschulforschung als solche.
Mit dem damaligen Beschluss hat der Deutsche Bundestag 2013 in Form einer Entschließung die Bundesregierung aufgefordert, eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Förderung von Open Access zu ergreifen (Bundestagsdrucksache 17/14194). Im September 2016 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine eigene Strategie „Open Access in Deutschland“ verabschiedet.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen24
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Entwicklung des Anteils von Open-Access-Publikationen (differenziert nach „Goldenem“ und „Grünem Weg“) an wissenschaftlichen Publikationen in Deutschland seit 2012?
Welche entsprechenden Erkenntnisse hat die Bundesregierung über wissenschaftliche Publikationen, die im Rahmen von durch das BMBF geförderten Projekten entstanden sind?
Welche entsprechenden Erkenntnisse hat die Bundesregierung über wissenschaftliche Publikationen, die im Rahmen von durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V. geförderten Projekten entstanden sind?
Welche entsprechenden Erkenntnisse hat die Bundesregierung über wissenschaftliche Publikationen, die im Rahmen von durch die vier im Pakt für Forschung und Innovation einbezogenen Wissenschaftsorganisationen (Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V., Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V., Leibniz-Gemeinschaft) geförderten Projekten entstanden sind (bitte getrennt ausweisen)?
Welche Bundesländer verfügen über oder planen nach Kenntnis der Bundesregierung eigene Open-Access-Strategien, ggf. als Teil umfassenderer Digitalisierungsstrategien?
In welcher Form genau hat das BMBF eine Open-Access-Klausel für seine Projektförderung aufgenommen?
Welche Mittel bezogen auf wie viele Publikationen sind seit Einführung des Post-Grant-Fund des BMBF im September 2017 abgerufen worden?
Wie weit verbreitet sind nach Kenntnis der Bundesregierung Publikationsfonds für Open-Access-Veröffentlichungen bei Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Fördermittelgebern, und wie hat sich diese Verbreitung nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten Jahren entwickelt?
Wann und wie oft ist das Open-Access-Dialogforum des BMBF bisher zusammengekommen?
In welcher Zusammensetzung fanden diese Treffen statt?
Welche Themen wurden dabei behandelt, und mit welchen Ergebnissen?
Welche weiteren Treffen mit welchen Themen sind geplant?
Welche Maßnahmen hat das BMBF bisher im Rahmen seiner Informationsoffensive zu Open Access (Punkt VIII der Open-Access-Strategie) durchgeführt bzw. plant es?
Welchen Zeitplan verfolgt das BMBF bezüglich der Einrichtung einer Nationalen Kompetenz- und Vernetzungsstelle für Open Access (Punkt IX der Open-Access-Strategie), und wie soll diese ausgestaltet sein?
Welche Projekte werden in welchem Umfang und über welchen Zeitraum gemäß der Förderrichtlinie des freien Informationsflusses in der Wissenschaft – Open Access vom 26. Mai 2017 des BMBF finanziert?
Welche Pläne verfolgt das BMBF, um Erfolgsbeispiele im Bereich von Open Access mit einem Wettbewerb sichtbar zu machen (Punkt IX der Open-Access-Strategie)?
Was ist der aktuelle Stand zur Etablierung eines Open-Access-Monitors (Punkt X der Open-Access-Strategie), und welche Werte sollen darin erfasst werden?
Sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf bei der angemessenen Berücksichtigung von Open-Access-Publikationen bei Förderungs- und Personalentscheidungen, und wenn ja, in welcher Form?
Wie positioniert sich die Bundesregierung zu dem anhaltenden Versuch deutscher Wissenschaftsorganisationen, im Rahmen des Projektes DEAL bundesweite Lizenzverträge mit großen Wissenschaftsverlagen wie Elsevier GmbH abzuschließen, die insbesondere eine umfassende Open-Access-Komponente vorsehen?
Welche Rolle spielt die Verwendung von freien Lizenzen im Rahmen der Open-Access-Strategie des BMBF und ihrer Umsetzung?
Welche Rolle spielt der freie Zugang zu Forschungsdaten im Rahmen der Open-Access-Strategie des BMBF und ihrer Umsetzung?
Hat die Bundesregierung evaluiert, inwieweit das in § 38 Absatz 4 des Urheberrechtsgesetzes eingeführte Zweitveröffentlichungsrecht zur Förderung von Open Access beigetragen hat?
Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Sieht die Bundesregierung hier weiteren Handlungsbedarf?